Gipskarton Biegeradius Keyvisual

Gipsplatten: Jetzt geht’s rund

Manchmal sind die Wege des (Bau)herrn unergründlich und seine Wünsche unvorhersehbar. Eine geschwungene oder halbrunde Wand einbauen ist dann kein Problem, wenn der Verarbeiter genügend Zeit hatte, beim Plattenhersteller vorab die passenden Formteile inklusive vorgebogener Profile zu bestellen. Fehlt diese Zeit, ist improvisieren angesagt, dann muss der Gipskarton passgenau in den geplanten Biegeradien auf der Baustelle gebogen werden.
 
Bis zu definierten Mindestradien ist das trockene Biegen von Gipskartonplatten aller Hersteller kein Problem (siehe auch Beitrag: „Gipskartonplatten biegen: So kriegen Sie die Kurve“).
 

Soll der Radius beim Gipskarton enger werden, muss nass gebogen und mit einer Schablone gearbeitet werden. Für eine Plattenbreite von 60 cm reichen zwei parallel aufgestellte Holzwerkstoffplatten (MDF-, Span- oder OSB-Platten), die verschiebesicher miteinander verbunden und verschraubt sind. Gut ist, immer ein paar Schablonen für verschiedene Beigeradien im Wagen oder in der Werkstatt zu haben. In der Regel müssen die Platten nicht millimetergenau vorgebogen werden, sodass die Schablonen durchaus für viele Radien genutzt werden können.

Hier sehen Sie, wie Sie die Standard-12,5-mm-Gipskartonplatten auf der Baustelle nass biegen können:

Um die Profile auf den passenden Radius biegen zu können, müssen Sie die Laschen im Profilboden nach oben drücken. Verkrimpern Sie die seitlichen Stahlbänder mit den Profilschenkeln. (Bild: Knauf Gips KG)

Um die Profile auf den passenden Radius biegen zu können, müssen Sie die Laschen im Profilboden nach oben drücken. Verkrimpern Sie die seitlichen Stahlbänder mit den Profilschenkeln. (Bild: Knauf Gips KG)

Das Biegeprofil wird entlang des markierten Kreissegments auf dem Boden verdübelt. Das Gegenstück für die Decke wird gemäß Bodenprofil geformt und fixiert. (Bild: Knauf Gips KG)

Das Biegeprofil wird entlang des markierten Kreissegments auf dem Boden verdübelt. Das Gegenstück für die Decke wird gemäß Bodenprofil geformt und fixiert. (Bild: Knauf Gips KG)

Beachten Sie, dass je nach Radius der maximal Abstand der Ständerprofil geringer ist als der Standardabstand. Gegebenenfalls beim Hersteller nachfragen. (Bild: Knauf Gips KG)

Beachten Sie, dass je nach Radius der maximal Abstand der Ständerprofil geringer ist als der Standardabstand. Gegebenenfalls beim Hersteller nachfragen. (Bild: Knauf Gips KG)

Die zu stauchende Plattenseite wird mit der Igelwalze in zwei Richtungen perforiert. Damit gelangt das Wasser an den Gipskern und löst die Oberfläche leicht an. (Bild: Knauf Gips KG)

Die zu stauchende Plattenseite wird mit der Igelwalze in zwei Richtungen perforiert. Damit gelangt das Wasser an den Gipskern und löst die Oberfläche leicht an. (Bild: Knauf Gips KG)

Mit der Sprühflasche oder einem Quast müssen Sie die perforierte Plattenseite so lange wässern, bis kein Wasser mehr aufgenommen wird und es über den Karton abläuft. (Bild: Knauf Gips KG)

Mit der Sprühflasche oder einem Quast müssen Sie die perforierte Plattenseite so lange wässern, bis kein Wasser mehr aufgenommen wird und es über den Karton abläuft. (Bild: Knauf Gips KG)

Eine Biegeschablone können Sie sich ganz einfach aus Gips- oder Holzwerkstoffplatten zuschneiden. Die vorgenässte  Platte an einer Seite fixieren und langsam darüber biegen. (Bild: Knauf Gips KG)

Eine Biegeschablone können Sie sich ganz einfach aus Gips- oder Holzwerkstoffplatten zuschneiden. Die vorgenässte Platte an einer Seite fixieren und langsam darüber biegen. (Bild: Knauf Gips KG)

Auch auf der Gegenseite muss die Platte sicher fixiert werden, am besten gelingt das mit Holzleisten und Klemmhaken. (Bild: Knauf Gips KG)

Auch auf der Gegenseite muss die Platte sicher fixiert werden, am besten gelingt das mit Holzleisten und Klemmhaken. (Bild: Knauf Gips KG)

Nach dem Trocknen ist die Gipskartonplatte vorgeformt. Warten Sie bis zur Montage nicht zu lange, in der Tendenz entspannt sich die Platte wieder leicht. (Bild: Knauf Gips KG)

Nach dem Trocknen ist die Gipskartonplatte vorgeformt. Warten Sie bis zur Montage nicht zu lange, in der Tendenz entspannt sich die Platte wieder leicht. (Bild: Knauf Gips KG)

So kriegen Sie auch 12,5er Gipsplatten auf enge Biegeradien

Aber auch ohne die Zugabe von Wasser sind die Standardplatten von 12,5 mm Dicke enger als auf die üblichen 2750 mm biegbar, nämlich durch rückseitiges Schlitzen. Dadurch sind auch sehr kleine Biegeradien unterhalb von 100 mm gut möglich. Die (je nach Radius recht breiten) Schlitze sind nach dem Biegen natürlich zu verspachteln, dadurch bekommen die geschwächten und gebogenen Gipskartonplatten wieder Stabilität. Um die Steifigkeit und Belastbarkeit weiter zu erhöhen, können auch zwei geschlitzte Platten miteinander verklebt werden.

Die geschlitzten Platten müssen ebenso wie nass gebogene Platten auf eine Schablone aufgelegt werden. Die Schlitze werden dann voll verspachtelt, dien Platte erlangt wieder ihre Stabilität. (Bild: Klaus Köpplin)

Die geschlitzten Platten müssen ebenso wie nass gebogene Platten auf eine Schablone aufgelegt werden. Die Schlitze werden dann voll verspachtelt, dien Platte erlangt wieder ihre Stabilität. (Bild: Klaus Köpplin)

Eine noch größere Stabilität erreichen Sie, wenn Sie zwei geschlitzte Platten gegeneinander kleben. Auf der nicht sichtbaren Seite muss dann ebenfalls gespachtelt werden. (Bild: Ulrich Wolf)

Eine noch größere Stabilität erreichen Sie, wenn Sie zwei geschlitzte Platten gegeneinander kleben. Auf der nicht sichtbaren Seite muss dann ebenfalls gespachtelt werden. (Bild: Ulrich Wolf)

Es gibt einige kleinere Unternehmen, die allerlei Formteile aus Gipskarton oder eben auch geschlitzte Platten nach Ihren Angaben anbieten und liefern. Der Vorteil liegt in sehr exakten Fräsungen und damit Rundungen. Die Schlitze lassen sich aber auch in Eigenregie auf der Baustelle herstellen. Dazu benötigen Sie handgeführte Elektrowerkzeuge, etwa eine Ober- oder Multifräse mit Gipskartonfräser und Führungsschiene. Auch eine Handkreissäge ist dazu geeignet. Bei beiden Werkzeugen ist ein angeschlossener, leistungsfähiger Sauger Pflicht, der sehr feine Gipsstaub würde die Maschinen sonst in kurzer Zeit lahmlegen.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Knauf
 

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