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Trockenbau - Grundwissen

Der Trockenbau umfasst die Anfertigung raumbegrenzender Konstruktionen insbesondere für Wand, Decke und Boden. Die Umsetzung erfolgt mit industriell vorgefertigten Bauteilen und Baustoffen, die auf der Baustelle durch Schraub-, Klemm,- oder Steckmontage zu einem Bauelement montiert werden. Im Gegensatz zur Massivbautechnik ist die Trockenbautechnik eine Montagebauweise und zugleich eine Leichtbauweise der Innenraumgestaltung. Für die Anfertigung baulicher Konstruktionen werden keine wasserhaltigen Baustoffe (wie Lehm, Mörtel, Beton oder Putz) verwendet. Je nach Bedarf erfolgt der Einsatz feuchter Materialien bei der Weiterverarbeitung der Oberfläche.

 Trockenbau – Grundlegende Elemente

Die klassischen Elemente des Trockenbaus sind Gipskartonplatten, Ständerwerke und Mineralwolldämmstoffe. Heute ist das Spektrum an Dämm- und Plattenmaterialien weitaus größer. Beispielsweise werden als Dämmmaterialien auch Naturdämmstoffe (wie u.a. Flachs, Holzwolle, Polystyrol, Kork) verwendet.
 
  • Der Gips (als Gipskarton) besticht durch seine universelle Formbarkeit und seine Widerstandsfähigkeit gegen Feuer. Er ist ein Naturprodukt und inzwischen universell recyclebar.
  • Ständerwerke werden aus Metall (Metallprofile) und aus Holz (Kanthölzer) (in zahlreichen unterschiedlichen Kanten) angefertigt. Sie vereinen hohe Tragfähigkeit bei geringem Ressourcenverbrauch und dienen als Unterkonstruktion für Wände und abgehängte Decken.
  • Die Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle) als Dämmstoff zwischen den beiden Gipskartonplatten  hemmt den Feuerdurchgang im Brandfall und sorgt für überdurchschnittlichen Schallschutz. Im Winter bietet sie optimalen Wärmeschutz.

Ausbau eines Dachbodens mit Trockenbaukonstruktionen (Foto: Klaus Köpplin)

Ausbau eines Dachbodens mit Trockenbaukonstruktionen (Foto: Klaus Köpplin)

Metallprofilvariante: einseitig beplankt mit Gipskartonplatten  (Foto: Klaus Köpplin)

Metallprofilvariante: einseitig beplankt mit Gipskartonplatten (Foto: Klaus Köpplin)

Trockenbau – Eigenschaften der Gipskartonplatte

Gipskartonplatten haben ein recht geringes Eigengewicht und lassen sich einfach auf passende Größen zuschneiden.  Eine typische Gipskartonplatte weist eine Dicke von 12,5 mm, eine Breite von 600 oder 1250 mm und eine Länge von 2000 bis 4000 mm auf.  Der Äußere Mantel aus Karton sorgt ausreichend für die Stabilität der gesamten Platte.
 
Einfache Gipskartonplatten können den hohen Ansprüchen an Brandschutz und Schallschutz nur wenig gerecht werden und eignen sich auch nicht für den Einsatz in feuchten Räumen. Für einen optimalen Schutz oder Halt sorgen speziell angefertigte Gipskartonplatten in verschiedenen Varianten:         
 
  • Spezielle Gipskarton-Feuerschutzplatten für den Brandschutz
  • Gelochte oder geschlitzte Gipskartonplatten für den Schallschutz
  • Imprägnierte Gipskartonplatten für feuchte Räume (z.B. Badezimmer)
  • Spezielle Gipskartonplatten zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung
  • Gipskarton-Akustikplatten für die Raumakustik
  • Spezielle Platten für die Aufnahme besonderer Lasten

Trockenbau - Einsatzmöglichkeiten

Das Angebot an leistungsfähigen Systemen und einzeln verwendbaren Bauteilen hat sich in den vergangenen Jahren enorm vergrößert. Mit seinen vielfältigen Möglichkeiten löst die Trockenbauvariante das traditionell handwerkliche Bauverfahren bereits in vielen Bereichen ab.
 
Einsatzmöglichkeiten sind:  
 
  • Deckenbekleidungen und Unterdecken (abgehängte Decken)
    Je nach Bauart und Baumaterial können Deckenbekleidungen und Unterdecken ein großes Spektrum an Aufgaben übernehmen. Dazu zählen unter anderem die reine Deckengestaltung, der Schallschutz, Sichtschutz oder die Integration von Deckeneinbauten. Ob plane,  gegliederte  oder gewölbte, fugenlose oder elementierte Flächen aus unterschiedlichen Materialien, Formen und Systemen - alle Möglichkeiten stehen hierbei offen. Erhältlich sind u.a. Dekor-, Metall-, Gitter-, Waben-, Lamellen-, Paneeldecken oder Baffeldecken oder Decken in Sonderausführungen (wie etwa Akustik-, Licht-, Lüftungs-, Klimadecken). Für die Bekleidung können verschiedene Materialien wie Gipskarton, Gipsfaser, Holz, Holzwerkstoff, Metall, Kunststoff, Mineralfaser, Glas, Fiber-, Calciumsilikat und Perliten verwendet werden.     
     
  • Wandbekleidungen und Montagewände
    Wandbekleidungen können als gerade, geschwungene oder gebogene Flächen aus verschiedenen Materialien und Systemen mit einschaliger oder mehrschaliger Beplankung errichtet  werden. Möglich sind Trennwände für Räume, Raumteiler oder auch feste oder umsetzbare Ständerwände.  Als Bekleidungsmaterialien können Gipskarton, Holz, Kunststoffe, Metalle oder Glas eingesetzt werden.
                                     
  • Installationswände (auch Vorwandinstallation) und WC-Trennwände
    Errichtet werden Installationswände für Sanitärräume oder WC-Trennwände. Die Bekleidung kann u.a. aus Gipskarton, Gipsfaser, Holz, Holzwerkstoff, Metall und Kunststoff bestehen.       

Unterdecke, beplankt mit Gipskartonplatten (Bild: Klaus Köpplin)

Unterdecke, beplankt mit Gipskartonplatten (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenbauwände als Raumteiler (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenbauwände als Raumteiler (Bild: Klaus Köpplin)

Angesetzte Verkleidung an einer Deckenkonstruktion (Bild: Klaus Köpplin)

Angesetzte Verkleidung an einer Deckenkonstruktion (Bild: Klaus Köpplin)

 
  • Bodensysteme
    Montiert werden Hohlraumböden oder Doppelböden bzw. Installationsböden sowie Trockenunterböden. Der Belag besteht aus Gipskarton, Gipsfaser, Holz, Metall, Estricht oder Stahl. Komplettiert wird diese Trockenbauvariante durch die Verlegung von Oberbelägen (wie Fliesen, Parkett, Laminat oder PVC).
  • Einbauten in Konstruktionen
    Trockenbauverfahren realisieren Einbauten in Konstruktionen wie etwa Tragkonstruktionen für erhöhte Lasten, Leuchten ohne Verkabelungen, Lüftungsauslässe  oder Zargen für Türen und Fenster.
     
  • Einfache Dämmungen und Isolierungen
    Bestandteil des Trockenbaus ist eine effiziente Dämmung und Isolierung. Dazu zählt das Einbringen von Steinwolle oder Glaswolle (Mineralwolle) in die vorhandenen Konstruktionen. Alternativ kommen auch Naturdämmstoffe wie Flachs, Holzwolle oder Hartschaum zum Einsatz.

Montage eines Hohlraumbodens (Bild: Klaus Köpplin)

Montage eines Hohlraumbodens (Bild: Klaus Köpplin)

Lichtkonstruktion ohne Verkabelung (Bild: Klaus Köpplin)

Lichtkonstruktion ohne Verkabelung (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenbauwandkonstruktion mit Mineralwolle als Dämmmaterial (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenbauwandkonstruktion mit Mineralwolle als Dämmmaterial (Bild: Klaus Köpplin)

Fertige Innenraumgestaltung per Trockenbautechnik (Bild: Klaus Köpplin)

Fertige Innenraumgestaltung per Trockenbautechnik (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenbau – modern, schnell und günstig

Trockenbauverfahren sind den herkömmlichen Techniken in Sachen Effizienz und Wirtschaftlichkeit deutlich überlegen und haben dadurch den Innenausbau nachhaltig verändert:
 
  • Zeit- und Kostenersparnis:
    Bedingt durch das geringe Eigengewicht ermöglichen Gipskartonplatten einen schnellen Produktionsprozess. Die Montage erfolgt zügig und einfach und es tritt keine zusätzliche Baufeuchte auf, sodass Räume in kürzester Zeit bezugsfertig sind. Der geringe Zeitfaktor bei der Trockenbautechnik spiegelt sich in niedrigen Trockenbaukosten wieder.
     
  • Materialersparnis:
    Der Materialaufwand beschränkt sich hauptsächlich auf Metallprofilen als Unterkonstruktion und Gipskartonplatten als Beplankung. Arbeiten wie das Anrühren von Bindemittel oder das Mauern von Ziegelsteinen bleiben aus.
     
  • Technologische Sicherheit:
    Gipskartonplatten in verschiedenen Varianten sorgen für ausreichende Sicherheit. Die Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz oder Strahlenschutz können mit der Trockenbauweise optimal erfüllt werden (s. Eigenschaften der Gipskartonplatte).  
     
  • Architektonische Vielfalt:
    Die Trockenbautechnik bietet eine hohe Flexibilität und eine Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten. Räumlichkeiten können schnell individuell umgestaltet und Trockenbauwände einfach versetzt werden, ohne dass weitere große Baumaßnahmen erfolgen müssen.

Check-Liste

Wer den Innenausbau per Trockenbau selbst in Angriff nimmt, sollte sich vor allem mit dem Baumaterial Gipskarton auseinander zu setzen:
  • Welche Art von Gipskarton benötige ich? Muss ich besondere Anforderungen, z.B. erhöhte Feuchtigkeit beachten?
  • Welche Voraussetzungen und Regeln sollte ich bei der Beplankung beachten?
  • Wie verlege ich die Gipskartonplatten?
  • Welches Werkzeug brauche ich?
  • Muss ich die Luftdichtheit der Konstruktion beachten, z.B. weil die Außenbauteile nicht über eine luftdichte Ebene verfügen?
Eine Vielzahl an Materialien und Elementen lassen sich im allgemeinen Baustoffhandel finden. Für die Montage stellen Hersteller zum Teil umfangreiche Produkt- und Verarbeitungsinformationen zu Verfügung.
Dennoch sollte gerade bei statisch sensiblen Arbeiten oder bei Arbeiten, die die bauliche Substanz gefährden, ein Fachmann oder eine Fachfrau hinzugezogen werden. Vor allem ist dies bei Feuchteräumen und bei Trockenbauarbeiten im Zusammenhang mit Dämmungen empfehlenswert. Bei nicht fachgerechter Ausführung kann dies unter anderem zu stockender Feuchtigkeit führen.
Keyvisual und Teasterbild: Klaus Köpplin

 

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