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Hartgipsplatten: Auf die harte Tour

Als Hartgipsplatten werden Gipskartonplatten bezeichnet, die sowohl eine erhöhte Bruchfestigkeit als auch eine erhöhte Oberflächenhärte aufweisen. Dafür ist unter anderem auch eine hohe Rohdichte nötig, die bei der Habito von Rigips bei 12,2 und bei der Knauf Diamant (beide in 12,5 mm Stärke) bei 12,8 kg/m2 liegt. Zum Vergleich: Herkömmliche Platten kommen mit einer Rohdichte von 8-9 kg/m2 aus. Neben der Rohdichte werden Habito und Diamant jeweils mit allerlei Zusätzen hergestellt, die vor allem die Druckfestigkeit respektive die Brand- oder den Schallschutzeigenschaften weiter verbessern sollen.

Was können diese Platten?

Drei Dinge können Habito und Diamant besonders gut: Schallschutz verbessern, Lasten aufnehmen und Schläge wegstecken.
Beim Schallschutz ist die Rohdichte und damit die flächenbezogene Masse der Platte und damit der ganzen Wand ein entscheidender Faktor für die Frage, wieviel Lärm vom einen in den anderen Raum gelangt. Je höher die Masse ist, desto schwerer ist die Wand durch Schall in Schwingung zu versetzen, desto weniger wird an die Raumluft des Nebenraums abgegeben. Bei einer doppelten Beplankung auf 100er Metallprofilen lässt sich mit Habito eine flächenbezogene Massen von etwa 56 kg/m2 realisieren. Bei der Diamantplatte sind das 58 kg/m2. Damit sind Verbesserungswerte von 68 dB (Habito) und 70 dB (Diamant) möglich. Knauf stellt den Gipskern seiner Diamantplatten zusätzlich biegeweich ein, was vor allem den Frequenzverlauf in die angenehmeren tiefen Bereiche verschiebt.
 
Beim Thema Lastaufnahme kommt beiden Plattentypen ebenfalls die hohe Rohdichte zugute. Obwohl die habito mit 975 kg/m3 nicht ganz so dicht ist wie ihr Pendant, ist die maximal mögliche Anhänge und Konsollasten ähnlich. Bei der Habito kommt dazu, dass an eine dübellos eingedrehte Schraube bis zu 30 kg Gewicht angehängt werden können – das ist in anderen Konstruktionen nur mit einem entsprechenden Hohlraumdübel erreichbar. Wichtig ist hier, dass natürlich auch die Anzahl der Plattenlagen einen entscheidenden Einfluss auf die Tragfähigkeit hat.
 
Je dichter die Platten, desto härter ist auch ihre Oberfläche. Während Knauf mit dem biegeweichen Spezialkern eher den Schallschutz priorisiert, ist die Härte das entscheidende Kriterium für die Habito. Die Druckfestigkeit quer zur Plattenebene liegt bei 15 N/mm2, das reciht für die Widerstandsklasse RC2 locker aus. Wird der Ständerabstand halbiert, ist auch die Klasse RC3 ohne Probleme erreichbar.

Mit einer Mehrfachbeplankung ist mit der Knauf Diamant einen Schallverbesserungsmaß von bis zu 70 dB möglich. Die Plattenstöße müssen dazu zwingend versetzt werden. (Bild: Knauf)

Mit einer Mehrfachbeplankung ist mit der Knauf Diamant einen Schallverbesserungsmaß von bis zu 70 dB möglich. Die Plattenstöße müssen dazu zwingend versetzt werden. (Bild: Knauf)

Auch die Hartgipsplatten wie Habito können auf herkömmliche Weise bearbeitet werden. Ein Cutter reicht für den Zuschnitt aus. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Auch die Hartgipsplatten wie Habito können auf herkömmliche Weise bearbeitet werden. Ein Cutter reicht für den Zuschnitt aus. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Rigips bietet für seine Hartgipsplatte spezielle Schnellbauschrauben mit einem modifizierten Gewinde in verschiedenen Längen an. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Rigips bietet für seine Hartgipsplatte spezielle Schnellbauschrauben mit einem modifizierten Gewinde in verschiedenen Längen an. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Auch in der Nachbearbeitung wie dem Schleifen gibt es bei den harten Jungs keine Unterschiede zu den normalen Platten. (Bild: Knauf)

Auch in der Nachbearbeitung wie dem Schleifen gibt es bei den harten Jungs keine Unterschiede zu den normalen Platten. (Bild: Knauf)

Hartgipsplatten haben vor allem den Vorteil, dass sie all diese Verbesserungen bestimmter bauphysikalischer Werte mit der trockenbautypischen schlanken Bauweise kombinieren. Eine hohe Masse sind also mit nur 150 mm Wandstärke herzustellen, zudem bietet die gute Plattenstabilität auch die Möglichkeit, den Ständerabstand zu vergrößern und so Schraub- und Spachtelarbeiten zu minimieren. Auch größere Wandhöhen sind mit Hartgipsplatten statisch kein Problem.

Wo ist der Einsatz der Platten sinnvoll?

Überall dort, wo erhöhte Schallschutzanforderungen eine Rolle spielen und mit einer starken Frequentierung der Räume zu rechnen ist, sind Hartgipsplatten eine wirtschaftlich günstige Variante. Das sind etwa Flure, Schulräume und Aulen, Turnhallen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Auch in Feuchträumen können beide Plattentypen eingesetzt werden, die Diamant ist standardmäßig imprägniert, bei der Habito gibt es neben der normalen auch eine imprägnierte Variante.
Hartgipsplatten Bild 5
 
Rigips Habito
  • Plattendicke: 12,5 mm
  • Flächengewicht: 12,2 kg/m2
  • Druckfestigkeit: 15 N/mm2
  • Widerstandsklasse RC2, bei halbem Ständerabstand RC3
  • Anhängelast: 30 kg pro Schraube (ohne Dübel)
  • Kantenform: abgeflachte Kante (längs); gefaste Kante (quer)
  • Brinellhärte: 38 N/mm2
  • Rohdichte: 975 kg/m3
  • Schallschutzwerte: bis 68 dB möglich
 
Knauf Diamantplatte
  • Plattendicke: 12,5mm, 15 mm und 18 mm
  • Flächengewicht: 12,8 kg/m2 (12,5 mm), 15,5 kg/m2 (15 mm), 18 kg/m2 (18 mm)
  • Druckfestigkeit: 10 N/mm2
  • Kantenform: Halbrundkante (längs), gerade Kante (quer)
  • Rohdichte: größer 1000 kg/m3
  • Schallschutzwerte: bis zu 70 dB möglich
  • Besonderheit: biegeweicher Spezialgipskern
     

 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS

Keyvisual und Teaserbild: Saint-Gobain Rigips
 
 

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