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Untergründe: Und zum Schluss kommt die Fliese …

Es soll ja Leute geben, die sich nach kurzer Begutachtung des Untergrunds sagen: Der Fliesenkleber wird’s schon richten. Risse, Altbeläge, Holzfußboden? Egal. Unebenheiten? Gleicht der Kleber aus. Das kann nicht gutgehen.
 
Bei großen Unebenheiten auf einem schwierigen Untergrund ist das Nivellieren per Batzenmethode die falsche Wahl. (Bild: Schönox)Wer Fliesen legen will, hat oft mit schwierigen Untergründen zu tun – insbesondere im Bestand. Risse im Untergrund, Mischuntergründe, Altbeläge, Holz oder, in Neubauten, junge Betone gehören unter anderen zu den Problemfällen, die Handwerkern immer wieder begegnen. Auf solchen Untergründen zu fliesen, sollte man tunlichst vermeiden. Wenn man dennoch ohne Vorarbeiten mit dem Fliesenlegen beginnt, sind Risse in der Keramik, Fugenausbrüche oder Hohllagen meist die Folge. Verhindern lassen sich diese unerwünschten Folgen nur durch
 
1. eine intensive Untergrundvorbereitung
2. den Einsatz von leistungsfähigen Ausgleichsschichten
3. gegebenenfalls geeigneten Entkopplungssystemen.
 
 

Die intensive Vorbereitung des Untergrunds

Ein sicheres Verlegen von keramischen Bodenbelägen ist auf alten Holzdielen nur mithilfe von Entkopplungsmaßnahmen möglich. (Bild: Weber)Eines der größten Probleme vieler der genannten Untergründe ist ihre nicht ausreichende Festigkeit – die erforderliche Haftzugfestigkeit für die Verklebung der keramischen Beläge kann dann nicht erreicht werden. Die häufigste und einfachste Maßnahme dagegen erfolgt in zwei Schritten: Zunächst werden durch Schleifen, Fräsen oder andere abtragende Verfahren die Schichten entfernt, die eine mangelhafte Festigkeit besitzen. Anschließend müssen Staub und alle anderen haftungsmindernden Bestandteile entfernt werden. Schließlich wird eine Grundierung aufgetragen, die möglichst tief eindringen muss. So verfestigte Untergründe benötigen in der Regel keine Entkopplungsschichten. Bei Gussasphaltestrichen gilt: Sie müssen vollständig abgesandet sein und auf Fehlstellen muss eine Grundierung für nicht saugende Untergründe aufgetragen werden. Alternativ können Fehlstellen auch mit einer Reaktionsharzgrundierung inklusive Absandung vorbehandelt werden. Auch in diesem Fall sind normalerweise keine Entkopplungsschichten notwendig.

Tragfähig durch Dünnestriche

Selbstverlaufende Spachtelmassen werden meist im Gebäudeinnern eingesetzt und sind der kürzeste Weg zu einer ebenen Oberfläche. (Bild: Kiesel)Oft ist es nicht möglich, den Untergrund auf die oben geschilderte Art und Weise zu verfestigen. Dann hilft nur der Einbau von Entkopplungsschichten. Dafür geeignet ist zum Beispiel der Einsatz armierter, selbstnivellierender Bodenverlaufs- beziehungsweise Spachtelmassen. Das Prinzip: Die neue, auf den alten Boden aufgetragene Schicht soll den alten Untergrund vom neuen Belag entkoppeln und eine direkte Weiterleitung von im Untergrund auftretenden Spannungen nach oben verhindern.

Viele Dünnestriche sind selbstnivellierende Bodenverlaufsmassen mit hoher Kunststoffvergütung, die eine sehr hohe Biegezugfestigkeit besitzen. Eine Gewebeeinlage kann die Belastbarkeit dieser Konstruktionen zusätzlich verbessern. Schwierige Untergründe können so auf einfache Art und Weise durch eine selbsttragende Estrichkonstruktion überspannt werden. Dünnestriche sind zum Beispiel als Grundlage für Fliesen auf Untergründen wie Gussasphalt, Holzdielen oder minderfesten Altestrichen geeignet. Einige dieser Bodenausgleichsmassen haben zudem einen weiteren Vorteil: Sie erreichen extrem schnell die Belegreife: Bereits nach einem Tag können Fliesen verlegt werden. Diesbezüglich lohnt sich immer ein Blick auf die Verarbeitungshinweise des Herstellers.

Ohne (große) Probleme zum ebenen Untergrund: Selbstverlaufende Spachtelmassen

Ohne Spachtelmassen geht auf dem Bau in Sachen Boden heute eigentlich nichts mehr. Sie werden zum Ausgleichen von Unebenheiten, Auffüllen von Löchern und Vertiefungen im Untergrund, dem Erstellen von Gefälleschichten und vielem mehr verwendet. Eine spezielle Klasse sind die oben genannten selbstverlaufenden Spachtel- oder Bodenausgleichsmassen. Sie werden überwiegend im Gebäudeinnern an Bodenflächen eingesetzt. Und angesichts der immer häufiger von Kunden gewünschten Großformate, für deren schadensfreie Verlegung ein topfebener Boden entscheidend ist, sind selbstverlaufende Spachtelmassen meist der kürzeste und einfachste Weg zum Ziel.
Die Hersteller bieten verschiedene Varianten dieser selbstverlaufenden Spachtelmassen an. Sie werden vor allem nach den möglichen Auftragsdicken unterschieden. Es sind sowohl Produkte bis fünf Millimeter (Feinspachtelmassen) als auch solche bis 10, 15, 20, 30, 40 oder 50 Millimeter Schichtdicke und mehr erhältlich. Ohne Faserarmierung sind diese Spachtelmassen zum Erstellen ebener Grundlagen für Böden ohne Entkopplungsschichten geeignet. Darüber hinaus sind auch faserarmierte, selbstverlaufende Spachtelmassen erhältlich, mit denen schwierige Untergründe wie oben geschildert überspannt werden können. Inzwischen gibt es außerdem vereinzelt zudem selbstverlaufende Spachtelmassen, die sowohl im Innen- als auch im Außenbereich und unter Wasser eingesetzt werden können.

 

Bei der Verlegung von Entkopplungsmatten oder –platten müssen Kreuzfugen vermieden werden. (Bild: Weber)Das gilt es zu beachten:

 
  • Die vom Hersteller angegebene Anmachwassermenge sollte unbedingt beachtet werden. Ist sie zu gering führt dies zu einem schlechteren, eher stockenden Verlauf und einem früheren Erhärtungsbeginn. Ein zu hoher Anmachwassergehalt erhöht die Porosität und Schwindung. Das wiederum reduziert die Festigkeit.
  • Der Kraftschluss zwischen Spachtelmasse und angrenzenden Bauteilen ist durch geeignete Randstreifen in jedem Fall zu verhindern. In der frühen Erhärtungsphase erfolgt bei vielen Spachtelmassen eine geringe Volumenvergrößerung. Besteht ein direkter Kontakt zum angrenzenden Bauteil, kann diese Vergrößerung nicht kompensiert werden. Es kommt zu Ablösungen der Spachtelmasse in der Randzone.

Alternative Entkopplungssystem

Entkopplungssysteme haben in den letzten Jahren als Maßnahme bei kritischen Untergründen im Innen- und Außenbereich immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Verarbeitung erfolgt sehr unterschiedlich – mal vollflächig verklebt, mal lose auf dem Untergrund ausgelegt. Wenn man in dieser Hinsicht strikt den Empfehlungen des jeweiligen Herstellers folgt, erzielt man das beste Ergebnis.
Entkopplungssysteme sollten immer mit Blick auf den Oberbelag und die jeweilige Beanspruchung ausgewählt werden. Es werden sehr unterschiedliche Materialien eingesetzt: Matten aus Kunststoff, Hartschaum oder auch aus Textilfasern. Die verschiedenen Varianten haben ihre Vor- und Nachteile: Dickere Textilprodukte etwa können den beim Begehen des Bodens entstehenden Trittschall verringern. Druckfeste Trittschalldämm- und Entkopplungsplatten eignen sich auch für hohe Verkehrslasten. Sehr verformungsfähige Entkopplungssysteme sind dagegen für hohe mechanische Beanspruchungen ungeeignet. Gerade in höher beanspruchten Bereichen müssen die Unterkonstruktion, die Steifigkeit der Entkopplungsschicht und die Dicke und Festigkeit der keramischen Beläge aufeinander abgestimmt werden. Um Schallbrücken im Randbereich zu vermeiden, müssen Randdämmstreifen an der Wand fixiert werden. Das Verlegen der Dämm- und Entkopplungsplatten erfolgt im Verband, Kreuzfugen müssen vermieden werden. Um das Eindringen des Dünnbettmörtels in die Fugenbereiche zu verhindern, werden die Stoßfugen in der Fläche zusätzlich oberflächlich mit einem Klebeband oder alternativ mit reaktivem Kleber verschlossen. Bei der Verwendung als reine Entkopplungsschicht ist dies nicht unbedingt erforderlich.
Und jetzt können Sie anfangen den Fliesenkleber anzumischen.

Autor:

Bodo Höche
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Quellen: FLIESEN & PLATTEN 12/2015, Seite 18 – 21; FLIESEN & PLATTEN 2/2016, Seite 10 – 13 und 32 - 34
 
Keyvisual und Teaserbild: Schönox
 
 

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