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Vinylboden verlegen: Ohne Schweiß kein Preis

Das Kind hat viele Namen: Weil PVC nicht mehr so sympathisch klingt, werden die elastischen Beläge auch unter den Namen CV-(cushioned vinyl = geschäumtes Vinyl) Belag oder nur noch unter Vinylboden, Vinylbelag oder auch unter Designböden verkauft.
Allen diesen Böden ist gemeinsam, dass sie hochbelastbar, elastisch, fußwarm und wasserdicht sind, was sie auch im privaten Bereich durchaus interessant macht.

Boden und Bodenbelag aus Vinyl brauchen liebevolle Vorbereitung

PVC- und CV-Beläge sind sogenannte thermoplastische Werkstoffe, was in der Praxis dazu führt, dass sie sich über kurz oder lang dem Untergrund in seinen Konturen und Unebenheiten komplett anpassen. Das gilt im Übrigen auch für Linoleum, das zwar nicht thermoplastisch, aber weich genug ist. Deshalb gebührt der Vorbereitung des Untergrundes beim Vinylboden verlegen höchste Aufmerksamkeit: Er muss absolut eben gespachtelt sein, danach geschliffen und dann penibelst mit einem Hochleistungssauger gereinigt werden. Da elastische Bodenbeläge nicht nur wasserdicht, sondern auch nahezu dampfdicht sind, sollten Sie den Unterboden vor der Verlegung zwingend auf Restfeuchte prüfen oder prüfen lassen. Andernfalls kann es nach der Verlegung zu Blasenbildung unterhalb des Belages kommen. Die Bodentemperatur bei der Verlegung muss mindestens 15 °C betragen.
 
Elastische Beläge, so auch Bodenbeläge aus Vinyl können nicht sofort im vorgesehenen Raum verlegt werden. Sie müssen auf eine bestimmte Art gelagert werden und sich akklimatisieren.  Die Raumtemperatur sollte bei 18 °C bis 25 °C  liegen, der Raum selbst muss natürlich trocken sein. Die Luftfeuchte liegt idealerweise im Bereich von 40 - 65 %. Die Bahnen müssen lose aufgerollt und stehend und nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt für mindestens 24 Stunden gelagert werden. Platten und Planken bleiben im eingeschweißten Karton und können bis zu acht Kartons hoch gestapelt werden. Beachten Sie, dass in Abhängigkeit von den Trocknungszeiten des Klebers  die genannten raumklimatischen Bedingungen drei Tage vor Beginn, während und bis zu sieben Tage nach Fertigstellung der Arbeiten vorliegen sollten. Das gilt auch für direkte Sonneneinstrahlung, vor der der Belag für diese Zeit zu schützen ist.

Unbedingt zu empfehlen ist es, die Verlegung von elastischen Bodenbelägen vorab zu planen. (Bild: DLW Flooring)

Unbedingt zu empfehlen ist es, die Verlegung von elastischen Bodenbelägen vorab zu planen. (Bild: DLW Flooring)

Per CM-Messung ist die Restfeuchte des Untergrundes vor den Bodenbelagsarbeiten zu prüfen. (Bild: DLW Flooring)

Per CM-Messung ist die Restfeuchte des Untergrundes vor den Bodenbelagsarbeiten zu prüfen. (Bild: DLW Flooring)

Die PVC- oder Linoleumrollen müssen sich mindestens 24 Stunden vor dem Verlegen im vorgesehenen Raum akklimatisieren. (Bild: DLW Flooring)

Die PVC- oder Linoleumrollen müssen sich mindestens 24 Stunden vor dem Verlegen im vorgesehenen Raum akklimatisieren. (Bild: DLW Flooring)

Elastische Böden verlegen: Die Vorbereitung der Bodenbelagsbahnen

Das Hauptaugenmerk bei der Verlegung von mehreren Bahnen in einem Raum liegt auf der Naht dazwischen. Die muss vor Ort so exakt geschnitten werden, dass die beiden Bahnen nicht zu stramm aneinander stoßen, sondern einen Abstand von 0,5 mm (Visitenkartenstärke) aufweisen. Das verhindert Aufwölbungen bei höheren Raumtemperaturen und bietet genug Platz für die spätere Nahtversiegelung.

Sämtliche Einschnitte, etwa für Heizungsrohre, werden vor der Verklebung mit dem Cutter vorgenommen. (Bild: DLW Flooring)

Sämtliche Einschnitte, etwa für Heizungsrohre, werden vor der Verklebung mit dem Cutter vorgenommen. (Bild: DLW Flooring)

Auch die Ausschnitte für Türzargen müssen sauber auf die bahn übertragen werden. Alternativ Türzargen entsprechend kürzen. (Bild: DLW Flooring)

Auch die Ausschnitte für Türzargen müssen sauber auf die bahn übertragen werden. Alternativ Türzargen entsprechend kürzen. (Bild: DLW Flooring)

Die Kante der ersten Bahn muss mit einem Kanten- oder Streifenschneider sauber beschnitten werden. (Bild: DLW Flooring)

Die Kante der ersten Bahn muss mit einem Kanten- oder Streifenschneider sauber beschnitten werden. (Bild: DLW Flooring)

Mit einem Anreißer übertragen Sie den Kantenverlauf der ersten Bahn auf die obere Bahn. (Bild: DLW Flooring)

Mit einem Anreißer übertragen Sie den Kantenverlauf der ersten Bahn auf die obere Bahn. (Bild: DLW Flooring)

Geschnitten werden die Bahnen grundsätzlich immer mit einem Cutter mit Hakenklinge. Die lässt sich leichter führen als eine Trapezklinge. (Bild: DLW Flooring)

Geschnitten werden die Bahnen grundsätzlich immer mit einem Cutter mit Hakenklinge. Die lässt sich leichter führen als eine Trapezklinge. (Bild: DLW Flooring)

Elastischer Bodenbelag: So gelingt die Verklebung sicher

Bei der Klebung der Vinyl-/CV- oder auch Linoleumbahnen ist die Auftragsmenge des Klebers von entscheidender Bedeutung. Neben der Zahnungsgröße ist auch die Breite des Zahnspachtels wichtig, der sollte mit 18-21 cm nicht zu breit sein, um Klebstoffnester zu verhindern. Für die beiden möglichen Klebeverfahren Nasskleben und Haftkleben kommen in der Regel lösemittelfreien, sehr emissionsarmen Dispersionsklebstoffe (EMICODE EC1 oder EMICODE EC1Plus) zum Einsatz. Achtung: Beim Haftklebeverfahren ist eine Empfehlung des Herstellers für den jeweiligen Kleber unabdingbar. Üblicherweise wird das Nassklebeverfahren angewandt, es erfordert allerdings einen saugfähigen Untergrund. Der kann auf nicht saugfähigen Untergründen wie etwa alten Fliesenbelägen durch Abspachteln in einer Mindestschichtdicke von 3 mm ganz einfach hergestellt werden. Sollen Vinyl- oder Linoleumböden trotzdem auf nicht saugfähigen Untergründen geklebt werden, stehen hochleistungsfähige Reaktionsharzklebstoffe zur Verfügung. Bei  allen Klebern ist wichtig, dass Sie sich an die erforderlichen Auftragsmenge und die empfohlenen Größen der TKB-Zahnleiste.

Das Verlegen von Vinylboden und von Linoleumbahnen ist bis auf kleine Details sehr ähnlich. Wir zeigen exemplarisch das Verlegen von Linoleumbahnen.

Die erste Bahn mit großzügigem Radius zurückschlagen, Kleber aufziehen, kurz ablüften lassen und den Belag zurückschlagen. (Bild: DLW Flooring)

Die erste Bahn mit großzügigem Radius zurückschlagen, Kleber aufziehen, kurz ablüften lassen und den Belag zurückschlagen. (Bild: DLW Flooring)

Die durch die Zahnung erzeugten Kleberriefen müssen die Belagsrückseite vollflächig benetzen. (Bild: DLW Flooring)

Die durch die Zahnung erzeugten Kleberriefen müssen die Belagsrückseite vollflächig benetzen. (Bild: DLW Flooring)

Wichtig ist, dass der Belag sorgfältig ins Kleberbett gedrückt wird. Das erfolgt mit einem Anreibeisen (mit Nadelvlies überzogen) … (Bild: DLW Flooring)

Wichtig ist, dass der Belag sorgfältig ins Kleberbett gedrückt wird. Das erfolgt mit einem Anreibeisen (mit Nadelvlies überzogen) … (Bild: DLW Flooring)

… oder mit einer etwa 50 kg schweren Walze. Die Teilung der Walze sorg auch bei Unebenheiten für gleichmäßigen Anpressdruck. (Bild: DLW Flooring)

… oder mit einer etwa 50 kg schweren Walze. Die Teilung der Walze sorg auch bei Unebenheiten für gleichmäßigen Anpressdruck. (Bild: DLW Flooring)

Lufteinschlüsse können Sie entfernen, wenn Sie die Stelle aufstechen, die Luft herausdrücken und dann den Belag noch einmal intensiv andrücken. (Bild: DLW Flooring)

Lufteinschlüsse können Sie entfernen, wenn Sie die Stelle aufstechen, die Luft herausdrücken und dann den Belag noch einmal intensiv andrücken. (Bild: DLW Flooring)

Elastische Böden verlegen: So werden die Belagsnähte dauerhaft dicht

Um die Nähte zwischen zwei elastischen Bahnen dauerhaft abzudichten, haben Sie zwei Möglichkeiten. Bei Linoleumböden kommt in der Regel das thermische Verfahren in Betracht.

Zunächst müssen Sie die Fuge ausfräsen, und zwar zu etwa 2/3 der Belagsdicke. Dazu brauchen Sie eine Fugenfräse. (Bild: DLW Flooring)

Zunächst müssen Sie die Fuge ausfräsen, und zwar zu etwa 2/3 der Belagsdicke. Dazu brauchen Sie eine Fugenfräse. (Bild: DLW Flooring)

Mit einem Handschweißgerät wird eine farbliche Schweißschnur erhitzt und in die Fuge gedrückt, wo sie wieder abkühlt. (Bild: DLW Flooring)

Mit einem Handschweißgerät wird eine farbliche Schweißschnur erhitzt und in die Fuge gedrückt, wo sie wieder abkühlt. (Bild: DLW Flooring)

Die überstehende Schweißschnur wird in zwei Arbeitsschritten flächenbündig abgestoßen.  (Bild: DLW Flooring)

Die überstehende Schweißschnur wird in zwei Arbeitsschritten flächenbündig abgestoßen. (Bild: DLW Flooring)

Bei Vinylböden kommt hingegen das Kaltverschweißen zum Zuge. Beim sogenannten TYP A wird das organische Lösemittel Tetrahydrofuran in die Naht injiziert, was zu einem kurzzeitigen Anlösen der Vinylbeschichtung führt, die dann zu einem Ganzen verschmilzt und aushärtet. TYP A funktioniert nur bei dicht geschnittenen Nähten.

Die dichtgeschnittene Naht wird mit einem Spezialklebeband mittig abgeklebt. Das Klebeband muss lösemittelfest sein. (Bild: Werner Müller GmbH)

Die dichtgeschnittene Naht wird mit einem Spezialklebeband mittig abgeklebt. Das Klebeband muss lösemittelfest sein. (Bild: Werner Müller GmbH)



Mit einer Andrückrolle wird das Klebeband fest angepresst, es dürfen keine Luftblasen darunter bleiben. Anschließend das Band über der Naht mit dem Cutter durchtrennen. (Bild: Werner Müller GmbH)

Mit einer Andrückrolle wird das Klebeband fest angepresst, es dürfen keine Luftblasen darunter bleiben. Anschließend das Band über der Naht mit dem Cutter durchtrennen. (Bild: Werner Müller GmbH)

Um die bestmögliche Abdichtung zu erreichen, müssen Sie die Nadel tief in die Naht eindrücken und langsam durchfahren. Bei idealer Dosierung entsteht ein etwa 5 mm breiter Flüssigkeitsfilm auf dem Klebeband. (Bild: Werner Müller GmbH)

Um die bestmögliche Abdichtung zu erreichen, müssen Sie die Nadel tief in die Naht eindrücken und langsam durchfahren. Bei idealer Dosierung entsteht ein etwa 5 mm breiter Flüssigkeitsfilm auf dem Klebeband. (Bild: Werner Müller GmbH)

Das Klebeband nach etwa 10 Minuten wieder abziehen. Das Kaltschweißmittel ist dann ausgehärtet, die Naht ist dicht. (Bild: Werner Müller GmbH)

Das Klebeband nach etwa 10 Minuten wieder abziehen. Das Kaltschweißmittel ist dann ausgehärtet, die Naht ist dicht. (Bild: Werner Müller GmbH)



Daneben gibt es auch Kaltschweißmittel vom TYP T für Vinylbeläge mit Textilrücken und vom TYP C für Vinylbeläge mit bis zu 4 mm breiten Fugen.
 
Weitere Infos zum Verlegen von Vinylboden finden Sie unter www.mueller-pvc-naht.de.
 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS

Keyvisual und Teaserbild: Tarkett

 

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