Vorsicht bei Böden Keyvisual

Risiko Unwissen

Mängel bei der Ausführung von Bodenbelags- und Parkettarbeiten lassen sich vor allem durch ausreichendes Wissen auf Seiten des Bodenlegers von vornherein ausschalten. Dazu ist es zunächst einmal wichtig, dass der Planer dem Bodenleger im Leistungsverzeichnis folgende Angaben vor Beginn der Arbeiten zur Verfügung stellt:
 
  • Art der Beanspruchung und eventuelle Anforderungen hinsichtlich der zu erwartenden Nutzung
  • Art und Aufbau des Estrichs und der verwendeten Bindemittel und Zusätze
  • Nenndicke des Estrichs
  • Anordnung, Art und Dicke der einzelnen Schichten (Abdeckung, Dämmstoffe, Trennschichten sowie Sperrschichten gegen Wasserdampf)
  • Abdichtungen gegen Wasser
  • Anordnung von Fugen (Fugenplan)
Abweichungen von diesen Angaben und nachträgliche Änderungen sind zu dokumentieren und dem Bodenleger ebenfalls rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten mitzuteilen. Diese Angaben sind für den Bodenleger erforderlich, weil verschiedenartige Unterböden unterschiedliche Vorarbeiten erfordern.
Nichtsdestotrotz ist jeder Verarbeiter gut beraten, vor Beginn seiner Arbeiten beim Bauherrn/ Architekten/Bauleiter/Estrichleger nachzufragen, welcher Estrich tatsächlich eingebaut wurde, beziehungsweise welcher Altuntergrund tatsächlich vorhanden ist. Nach § 642 1. BGB hat grundsätzlich der Auftraggeber die Aufgabe dem Auftragnehmer den Untergrund so zur Verfügung zu stellen, dass dieser seine Werkleistung mangelfrei erbringen kann. Der Auftragnehmer für Bodenbelags- und Parkettarbeiten ist nicht verpflichtet, den Untergrund daraufhin zu überprüfen, ob er alle bauphysikalischen Richtwerte der Wärme- und Schalldämmung, der Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus Betondecken oder -bodenplatten oder erdberührten Fußbodenkonstruktionen erfüllt.

Der Bodenleger muss nicht alle Prüfungen selbst durchführen

Grundsätzlich müssen alle verlegereifen Untergründe für Parkett- und Bodenbelagsarbeiten in ihrer Festigkeit den einschlägigen DIN-Bestimmungen entsprechen. Somit können Auftragnehmer davon ausgehen, dass die Untergründe die Festigkeits- und Belastbarkeitsanforderungen der geplanten Parkett- und Bodenbelagsarbeiten voll und ganz erfüllen. Druck-, Biegezug- und Haftzugprüfungen sind keine handwerksüblichen Prüfungen. Deshalb haben Parkett- und Bodenleger nicht die Pflicht, solche Prüfungen selbst vorzunehmen oder durchführen zu lassen. Werden derartige Prüfungen jedoch erforderlich, muss der Bauherr/ Auftraggeber/Architekt entsprechend autorisierte Einrichtungen oder Sachverständige damit beauftragen. Parkett- und Bodenleger sind im Rahmen ihrer Prüfung- und Hinweispflicht lediglich gehalten, die Oberflächenfestigkeit der Untergründe daraufhin zu beurteilen, ob die aufzubringenden Verlegewerkstoffe eine feste Verbindung mit dem Untergrund eingehen. Durch die Untergrundvorbereitung mit den für den vorgegebenen Estrich geeigneten Verlegewerkstoffen kann die Estrichkonstruktion/Lastverteilungsschicht nur nach bestem Wissen und Gewissen belegreif hergestellt werden. Zudem kann es zu Haftungsproblemen zwischen den aufzubringenden Materialien kommen. Um den Altuntergrund richtig zu bewerten, muss deshalb bauseits eine Dokumentation der vorliegenden Schichten vorgelegt bzw. eine umfangreiche Analyse veranlasst werden. Dafür hat der Auftraggeber Sorge zu tragen. Bei geplanter Nutzungsänderung ist auch die Tragfähigkeit des zu belegenden Untergrundes durch den Auftraggeber/Planer neu zu bewerten.

Die Prüfpflicht des Bodenlegers gilt nur für den Unterboden (Estrich) und nicht auf darunter liegende Trennlagen, Dämmschichten oder Abdichtungen. (Bild: Thomsit)

Die Prüfpflicht des Bodenlegers gilt nur für den Unterboden (Estrich) und nicht auf darunter liegende Trennlagen, Dämmschichten oder Abdichtungen. (Bild: Thomsit)

Die Verlegewerkstoffe wie Kleber müssen auf den vorhandenen Estrich abgestimmt werden, deshalb sind Änderungen in der Leistungsbeschreibung dem Auftragnehmer mitzuteilen. (Bild: Thomsit)

Die Verlegewerkstoffe wie Kleber müssen auf den vorhandenen Estrich abgestimmt werden, deshalb sind Änderungen in der Leistungsbeschreibung dem Auftragnehmer mitzuteilen. (Bild: Thomsit)

Bodenleger sind lediglich verpflichtet, die Oberflächenfestigkeit der Untergründe daraufhin zu beurteilen, ob die aufzubringenden Verlegewerkstoffe eine feste Verbindung mit ihnen eingehen. (Bild: Thomsit)

Bodenleger sind lediglich verpflichtet, die Oberflächenfestigkeit der Untergründe daraufhin zu beurteilen, ob die aufzubringenden Verlegewerkstoffe eine feste Verbindung mit ihnen eingehen. (Bild: Thomsit)

Da Altuntergründe, wie bereits genutzte Bodenbeläge, Fliesen, Beschichtungen grundsätzlich keine normgerechten Untergründe darstellen, sollten hier mindestens Bedenken angemeldet beziehungsweise die Altbeläge restlos entfernt werden. Sollte dennoch ein Bodenbelag darauf verlegt werden, besteht ein erhebliches Risiko. Aus diesem Grund sind eventuell weiterführende Prüfungen und daraus resultierende Maßnahmen notwendig, die bereits im Vorfeld vom Planer oder Fachplaner festzulegen sind. Dies gilt auch für alte Spachtelmasssen und Klebstoffschichten, die zu entfernen sind. Gerade im Bereich der Sanierung ist es ratsam, Altuntergründe generell auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen und nicht nur bei einer eventuellen Nutzungsänderung. Hier steht eindeutig der Auftraggeber in der Pflicht. Stellt der Verarbeiter im Rahmen seiner üblichen Prüfungen (etwa mittels der CM-Messung) mürbe, instabile Bereiche in einem Estrich fest, muss er den Auftraggeber/Bauherrn/Planer unverzüglich darüber informieren. Letztlich steht dieser dann in der Pflicht, weitere Schritte einzuleiten.
 
Zusammenfassend kann für Neu- und Altuntergründe festgehalten werden: Boden- und Parkettleger können und müssen weder Druckfestigkeits- beziehungsweise Biegezugfestigkeitsklassen bei mineralischen Estrichen (Zementestrich, Calciumsulfatestrich, Calciumsulfatfließestrich, Magnesiaestrichen) sowie Härteklassen von Gussasphaltestrichen ermitteln noch bewerten. Somit können sie auch nicht beurteilen, ob der vorhandene Untergrund im Hinblick auf Festigkeits- oder Härteklasse den Nutzungsanforderungen entspricht und ob der vorhandene Estrich für die Nutzung als Wohn- und Aufenthaltsräume, Büro- oder Arbeitsflächen, Flure, Verkaufsräume, Arztpraxen, Fabriken, Werkstätten oder Lagerräume geeignet ist.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Thomsit
 

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