Putzarten für alle Fälle: Jeder Wand den richtigen Putz

Die verschiedenen Putzarten sind viel mehr als ein schönes Finish für Wand und Decke. Der richtige Putz löst bauphysikalische Probleme und bietet den nachfolgenden Wandbelägen eine perfekte Grundlage.

Grundsätzlich bestehen die verschiedenen Putzarten aus dem Bindemittel, dem Zuschlagsstoff, allerlei Vergütungsstoffe plus dem meist erst auf der Baustelle hinzugegebenen Anmachwasser. Maßgeblich für die Unterscheidung der Putzarten ist das Bindemittel.

Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile nicht nur Putzarten auf Basis eines Bindemittels, sondern auch Kombinationsprodukte, die die Eigenschaften verschiedener Bindemittel vereinen. Um die bauphysikalischen Eigenschaften eines Putzes einzuschätzen, hilft es, die grundlegenden Funktionen der verschiedenen Bindemittel zu kennen.

Normen für die Verarbeitung von Innen-Putzarten

Hinweise zur Verarbeitung von Putzen in Innenräumen gibt die DIN V 18550 Putze und Putzsysteme – Ausführung. Die Verarbeitung von Lehmputzmörteln ist in DIN 18947 geregelt.

Den richtigen Grundputz auswählen

Gipsputze sind leicht zu verarbeiten und werden in der Regel auf der Baustelle frisch angemischt. (Bild: Knauf)Gipsputze sind die „Klassiker“ und der richtige Putz für Innenwände. Sie sind in der Regel leicht zu verarbeiten, sehr leicht zu einer homogenen Oberfläche zu glätten. Gips ist zwar wasserlöslich, allerdings lösen sich Gipsputze erst unter extremeren Bedingungen, wie sie etwa in Schwimmbädern oder Großküchen auftreten. Die Norm DIN V 18550 „Putz und Putzsysteme – Ausführung“ erlaubt Gipsputze ausdrücklich für die Verwendung in Bädern und Küchen im häuslichen Bereich – auch als Untergrund für Fliesen.

 

 

 

Hier können Gipsputze nicht verwendet werden:

  • in stark feuchtebeanspruchten Räumen,
  • im Außenbereich.

Die Verarbeitung von Kalkputzen ist etwas anspruchsvoller, erlaubt sind hier aber auch Techniken wie das Filzen, bei dem eine raue Oberfläche entsteht. (Bild: Knauf)Kalkputze verfügen über alkalische Eigenschaften, sodass sie schimmelhemmend wirken. Hersteller bieten sie oft als „Kalk-Leichtputze“ an. Unterschieden wird bei den Kalkputzen im Wesentlichen zwischen Luftkalkputzen und hydraulischen Kalkputzen. In der Verarbeitung sind Kalkputze anspruchsvoller als Gipsputze. Bei den Kalk-Zementputzen dient Kalk der besseren Verarbeitbarkeit des Zements.

Luftkalkputze eignen sich aufgrund ihrer guten Diffusionseigenschaften und ihrer feinen Oberfläche besonders für die Anwendung in Innenräumen. Luftkalkputz ist auch der richtige Putz für Stuckarbeiten. Zudem sind sie gegenüber Gipsputzen stark kapillaraktiv, also flüssigkeitsleitfähig, was ihnen einen Vorteil für eine angenehme Innenraumluft verschafft.

 

 

 

Hier können Luftkalkputze nicht verwendet werden:

  • aufgrund der eher geringen Druck- und Abriebfestigkeit bei mechanisch stark beanspruchten Bereichen,
  • ohne Beimischung oder Beschichtung im Außenbereich,
  • nicht an Bauteilen, die hinterfüllt werden sollen.
Hydraulische Kalkputze sind Putzarten, die über wasserabweisende Eigenschaften verfügen. Deshalb eignen sich hydraulische Kalkputze besonders dort, wo es zu höherer Luftfeuchte kommt, die nicht an unter Putz liegende Bauteile gelangen soll. Der Fachhandel bietet hydraulische Kalkputze in sehr unterschiedlichen Qualitäten, für unterschiedlichste Anwendungen an.

Hier können hydraulische Kalkputze nicht verwendet werden:

  • bei erhöhten Anforderungen an die Druckfestigkeiten,
  • zum Abdichten.

Lehm ist als rein natürlicher Werkstoff besonders umweltfreundlich. (Bild: Conluto )Lehmputze werden heute aufgrund ihrer raumklimaregulierenden Eigenschaften wieder öfter verwendet. Sie verfügen über eine besonders hohe Wasseraufnahmefähigkeit, sind besonders wasserdampfdurchlässig und können Gerüche binden. Außerdem sind Lehmputze wärmespeichernd. Diese Eigenschaft kann über die Zugabe bestimmter Leichtzuschläge noch gesteigert werden. Hinzu kommen gute ökologische Eigenschaften: Alte Lehmputze können für neue Lehmputzmischungen wiederverwendet werden. Im Gegensatz zu Kalkputzen sind Putze auf Lehmbasis aber nicht alkalisch, wirken also nicht schimmelhemmend! Hinweise zur Verarbeitung von Lehmputzen gibt in Deutschland die DIN 18947 – Lehmputzmörtel.

 

 

Hier können Lehmputze nicht verwendet werden:

  • ohne weitere Beschichtung im Außenbereich,
  • wenn längere Durchfeuchtungen zu erwarten sind.

Zementputze kommen dann zum Einsatz, wenn sehr hohe Festigkeiten und ggf. große Feuchtebeständigkeit gefordert ist. Reiner Zementputz ist schwer zu verarbeiten, deshalb werden dem Zement Kalk als weiteres Bindemittel zugegeben. Diese Putzart kommt eher im Außenbereich zum Einsatz oder dort, wo der Putz auch abdichtende Funktionen übernehmen muss, etwa in Schwimmbädern oder anderen Feuchträumen.

Spezialputze

Neben den „klassischen“ Putzen werden auch Spezialputze angeboten, etwa Brandschutzputze, schallhemmende Putze oder Putze, die Wasserdruck standhalten. Zudem gibt es Putze, die speziell als Sanierputze angeboten werden. Sie sind in der Lage, Salze aus feuchtebelastetem Mauerwerk aufzunehmen. Wärmedämmputze sind Putze, die meist durch bestimmte Leichtzuschläge (z.B. EPS-Granulat) in der Lage sind, den Wärmedurchgang zu verlangsamen beziehungsweise als Puffer zu wirken. Die meisten Spezialputze gehören einer der oben genannten Putzarten an, wobei sie durch ihre Zusammensetzung an die jeweilige Anwendung angepasst sind.

Wohngesundheit durch Innenputze?

Im nächsten Teil der Serie "Das können Kalkdekorputz, Lehmdekorputz und Co" zeigen wir, wie Sie mit dünnschichtigen Feinputzen Einfluss auf das Raumklima nehmen können.
 

Buchtipp:

Das Nachschlagewerk „Putz Kompakt“ bietet eine Übersicht zu Putzen und Verarbeitungstechniken mit allen dazugehörigen Normen und Regelwerken im handlichen Taschenformat.

Autorin

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS

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