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Abdichtungssysteme: Dicht halten!

Moderner Ausbau, auch im Feuchtraum, ist Ausbau mit Plattenwerkstoffen. Das Know-how des Fachunternehmers besteht darin, den jeweils geeigneten Plattenwerkstoff für den jeweiligen Einsatz auszuwählen und ihn fachgerecht abzudichten. Der Beitrag beschreibt sinnvolle Kombinationen aus Plattenwerkstoff und Abdichtungssystem.

Die Plattenwerkstoffe, die im Feucht- und Nassraum eingesetzt werden können, haben in den letzten Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung erfahren.

Der Klassiker: Die grüne Gipsbauplatte

Der Klassiker im Bad ist noch immer die grüne Gipsbauplatte (GKB). Dabei handelt es sich eine herkömmliche Gipsplatte mit einem hydrophobierten Karton. Sie tut seit Jahrzehnten im privaten Bad zuverlässig ihren Dienst.

Der Ausbau mit GKP-Platten ist dann fachgerecht, wenn auch eigens verfügbare hydrophobierte Spachtelmassen als Abdichtungssysteme eingesetzt werden, denn die Schnittkanten der Platten sind selbstverständlich nicht hydrophob.

Die Weiterentwicklung: Die Feuchtraum-Gipsplatte

Inzwischen ist eine weiterentwickelte Feuchtraum-Gipsplatte am Markt verfügbar, bei der auch der Gipskern hydrophobiert ist. Diese kernimprägnierten Feuchtraumplatten liegen in ihrem Leistungsspektrum deutlich oberhalb der grünen Platten. Sie sind sinnvoll bei dauerhafter Nässebelastung, wie sie zum Beispiel in den Duschen von Sportstätten und Fitness-Clubs anfallen.

Auch hier ist der Ausbau nur dann fachgerecht, wenn auch eigens verfügbare hydrophobierte Spachtelmassen eingesetzt werden, denn die Schnittkanten sind bei diesen Platten ebenfalls nicht mehr hydrophob.

Zementbauplatten werden miteinander verklebt anstatt verschraubt (Foto: Knauf Aquapanel)

Zementbauplatten werden miteinander verklebt anstatt verschraubt (Foto: Knauf Aquapanel)

Hartschaumplatten für den Nassbereich können in Bereichen mit hoher Dampfbelastung eingesetzt werden. (Foto: Isover)

Hartschaumplatten für den Nassbereich können in Bereichen mit hoher Dampfbelastung eingesetzt werden. (Foto: Isover)

Flüssige Abdichtungen sind flexibler einsetzbar als Bahnenware. (Foto: Sopro)

Flüssige Abdichtungen sind flexibler einsetzbar als Bahnenware. (Foto: Sopro)

Der Dichtprofi: Die Zementbauplatte

In Feuchträumen, in denen keine gipsgestützten Werkstoffe eingesetzt werden sollen oder dürfen, stehen Zementbauplatten „Gewehr bei Fuß“. Die Zementplatten stellen so etwas wie „Beton in Scheiben“ dar. Sie sind äußerst stoßfest und unbeschränkt nässetauglich.

Im Gegensatz zu Gipswerkstoffen werden sie aber nicht nur auf das Ständerprofil geschraubt, sondern stumpf miteinander verklebt. Dadurch funktioniert die Wand wie eine große Scheibe. Sie werden auch im Ausbau in Mannschaftsduschen oder im klassischen Schwimmbadausbau eingesetzt.

Zementplatten benötigen spezielle Spachtelmassen als Abdichtungssysteme! Keine Gipsspachtelmassen verwenden!

Die Spezialistin: Die Hartschaum-Platte

Aus dem Fliesenbereich in den Badausbau gekommen sind Hartschaumplatten, die beidseitig mit einem Armierungsvlies und einer Zementauflage beschichtet sind („Wedi-Platten“). Da sie einen geschlossenzelligen Aufbau haben, kann Wasser (Dampf) nicht in die Struktur eindringen. Sie leisten das gleiche wie Zementbauplatten, können aber zusätzlich, weil geschlossenzellig, in Bereichen mit hoher Dampfbelastung (Sauna) eingesetzt werden.

Hartschaumplatten können selbstverständlich auch auf Metallständerwerk montiert werden. Damit die Schraube nicht durch die dünne Betonoberfläche schlägt, müssen vom Hersteller entwickelte „Teller“ zur Aufrüstung der Schrauben eingesetzt werden.

Erst Planen, dann ausbauen

Die Leistungsfähigkeit der Plattenwerkstoffe ist sehr unterschiedlich. Ihr Preis ebenfalls. Bevor der Ausbau-Unternehmer zu teuren Platten greift, sollte er sich Gedanken über eine fachgerechte Abdichtung machen.

Die Industrie liefert inzwischen Spachtelmassen sowohl als Bahnenware als auch in flüssiger Form. Bahnenware ist in der Norm eigens verankert, doch flüssige Spachtelmassen haben sich in der Praxis als überlegen erwiesen, weil sie kreativen Badgestaltungen problemlos folgen können.

Flüssigabdichtungen lassen sich leicht verarbeiten und sind funktionssicher. Aber sie sind es nur, wenn sich die Monteure minutiös an die Verarbeitungsvorschriften halten.

Wer sich beim Anmischen nicht sicher ist, für den lohnt sich die Mehrausgabe für fertige Abdichtungssysteme!

Alle Flüssigabdichtungen müssen zweimal aufgetragen werden. Bevor die zweite Schicht aufgetragen wird, muss die erste getrocknet sein!

Im bauaufsichtlich nicht geregelten Bereich („mäßig beanspruchter Bereich“), zu dem auch das private Bad und das Hotelbad gehören, können grundsätzlich alle Feucht-und Nassraumplatten eingesetzt werden. Bei Abdichtungssystemen verlangt die Norm eine Abdichtung nur dort, wo die Oberfläche mit Wasser beaufschlagt wird. Das ist im Bereich der Badewanne/ Dusche und im Bereich des Waschbeckens und der Fußboden.

Im hoch beanspruchten Bereich (bauaufsichtlich geregelt) muss grundsätzlich vollflächig abgedichtet werden. Unabhängig davon, welche Plattenwerkstoffe eingesetzt werden, muss die Oberfläche vollflächig abgedichtet werden.

Auch Zementplatten müssen vollflächig abgedichtet werden. Beton ist ein poröser Werkstoff. Wasser kann seinem Gefüge selbst zwar nichts anhaben, aber Wasser dringt durch die Platte in den Wandhohlraum ein. Die Folge davon sind korrodierte Metallprofile und durchnässte Dämmstoffe. Damit wird das Bad über kurz oder lang zum Sanierungsfall.

Literaturtipp: Das E-Magazine „Ratgeber Feuchtraum“ bietet auf 50 Seiten Tipps und nützliche System- und Produktvorstellungen.

Einzelne Plattenwerkstoffe unterschiedlicher Anbieter beschreibt der Beitrag Feuchtraumplatten – Dichten für Profis.

Keysvisual im Beitrag: Fermacell

Autor
Klaus Köpplin
Redaktion Trockenbau Akustik