Bist Du noch ganz dicht?

Bist Du noch ganz dicht?

Die Verklebung und Sicherung sind die nicht trennbaren Komponenten einer dauerhaft luftdichten Folienstoßverklebung beim Dachgeschossausbau. Wer glaubt, eine fehlerhaft verlegte und verklebte Luftdichtheitsfolie durch eine „Anpresslatte“ sichern zu können, der irrt. Dieser Beitrag erklärt, wie eine mechanische Sicherung ausgeführt sein soll, damit sie funktioniert und man bei nachträglicher Prüfung auf der sicheren Seite ist.

Eine richtige Lösung: Senkrecht verklebte Folie, Klebebänder auf den Sparren, Stützkonstruktion statt Anpresslatte. Foto: Marco Ranz

Geklebte Verbindungen besitzen eine eigene, genügende Dichtheit. Zur Sicherstellung der gewünschten Luftdichtheit sind erst einmal keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Eine zusätzliche Anpresslatte würde weder zur Verbesserung der Verklebung, noch der Dichtheit beitragen. Solange die Verklebung funktioniert, ist sie ausreichend dicht.

Aber…
natürlich müssen Klebeversicherungen mechanisch gesichert werden. Denn außer „kleben“ können sie nichts und selbst die geringste andauernde Belastungen führen zu einem Versagen (Ablösen) der Verbindung. Verklebung und mechanische Sicherung sind damit die beiden nicht trennbaren Komponenten einer dauerhaften luftdichten Folienanschluss- bzw. Folienstoßverklebung.

 

Nur: Die auf die Klebeverbindung aufgeschraubte Anpresslatte erfüllt diese Kriterien nicht, sie ist keine Lösung des Problems „mechanische Belastung der Klebeverbindung“. 

Hier wird jetzt erklärt, wie fachgerecht gearbeitet wird.

1.Schritt: Dämmstoff nachhaltig montieren

Dämmstoffgewicht belastet Verklebung. Das Gewicht von Dämmstoff und Folien bringen die Luftdichtheitsebene zum Durchbiegen. Foto: Marco Ranz

Der Dämmstoffeinbau als Zwischensparrendämmung in Dachkonstruktionen, erfolgt naturgemäß gegen die Schwerkraft. Damit der Dämmstoff (meist Faserdämmmatten) seine ­Position zwischen den Sparren behält und nicht herausfällt, wird eine Lagesicherung benötigt. Der Reibungswiderstand des Dämmstoffs an den Sparrenflanken allein kann in keinem Fall als ausreichend gelten. Der Dämmstoff soll aber nicht nur „oben“, sondern er soll in einer exakten Position verbleiben (Abrutschsicherheit).

Klebstreifenwanderung. Der Zollstock zeigt, dass das Klebeband um ca. 10 mm gewandert ist. Klebeverbindungen sorgen für Dichtigkeit, Sicherungsfunktionen können sie nicht übernehmen. Foto: Marco Ranz

Ein fachgerechter Dämmstoffeinbau beinhaltet schon unter Berücksichtigung der „Schwerkraft“ und „Insektenunzugänglichkeit“ auch das Anbringen einer Lagesicherung, einer Stützkonstruktion. Dieser sowieso anzubringenden Stützkonstruktion kann dann auch eine stützende und sichernde Funktion für die Folie und deren Verklebungen übernehmen.

2. Schritt: Geeignete Rahmenbedingungen schaffen

Der erste Schritt einer Folienverlegung und Verklebung ist es, die für das Funktionieren des eingesetzten Klebstoffs notwendigen „Rahmenbedingungen“ zu schaffen. Bekannte Größen dabei sind neben bestmöglicher Staubfreiheit auf der Baustelle Luftfeuchte, Materialfeuchte und Temperatur.

3. Schritt: Folie sauber verlegen

Kompetente Handwerker positionieren die Folienstoßverklebungen nur auf harter Hinterlage, in der Regel auf den Sparren. Die Verlegung der Folienbahnen erfolgt also von First zu Traufe. Die nachfolgend angebrachte Stützkonstruktion sichert dabei das Klebeband jeweils im Abstand der Querlattung. Als „freie Verklebung“ verbleiben so lediglich Einzelabschnitte von ca. 40cm Länge. (Ein weiterer Vorteil: Das die Folienoberfläche ablaufende Kondensat (Winterbaustelle) kann das Klebeband nicht hinterlaufen und die Verklebung dabei beeinträchtigen.)

Klebstreifenwanderung. Der Zollstock zeigt, dass das Klebeband um ca. 10 mm gewandert ist. Klebeverbindungen sorgen für Dichtigkeit, Sicherungsfunktionen können sie nicht übernehmen. Foto: Marco Ranz

4. Schritt: Folie sauber senkrecht verkleben

Eine schlecht verlegte Folie kann nur schlecht verklebt werden, jede Verlegeungenauigkeit bedeutet zusätzlichen Verklebeaufwand. „Schlecht verlegt“ kann dabei bedeuten:

  • Folie ist faltig angebracht;
  • Folienfläche ist gestückelt, also auf Kosten von mehr Verklebung Folienverschnitt reduziert;
  • Folienstöße sind ungünstig angeordnet.

Der richtigen Stoßanordnung kommt dauerhaft eine wesentliche Rolle zu. Und „zufällig dauerhaft“ ist auch keine gute Basis für einen fünfjährigen Gewährleistungseitraum. Die Positionierung dieser Folienstöße – also das Verlegebild – ist dabei keine vom Architekten zu erbringende Planungsleistung, sie liegt vielmehr im Verantwortungsbereich des ausführenden Unternehmers.

Diese Klebeverbindung kann nicht ungeschützt gegen auf sie einwirkende Kräfte aus Dämmstoff-, Foliengewicht, Winddruck und nachfolgenden Gewerken bleiben. Auch nicht für einen „nur“ kurzen Zeitraum.

Die Verklebung darf auch nicht zur Kabel- und Rohrbefestigung „missbraucht“ werden. Kabel und Rohre sind vom Fachunternehmer so zu positionieren und zu befestigen, dass eine spannungsfreie Anschlussverklebung hergestellt werden kann. Gleiches gilt auch für in Dämmebene laufende Rohrleitungen.

Die Stützkonstruktion zur Aufnahme von Dämmstoff-, Foliengewicht und Winddruck wird ausgeführt als Holzlattung mit einem ­Achsabstand von 40 bis 50 cm. Die Lattung wird dabei quer zum Sparrenverlauf geschraubt, die Lattenbefestigung erfolgt direkt ohne Abstand in die Sparren hinein. Auch später nicht einsehbare oder begehbare Bereiche wie z.B. Abseiten oder auch gedämmte, aber nicht ausgebaute Dachspitzen sind mindestens mit so einer Stützkonstruktion zu versehen.

Der Einbau dieser Querlattung/Stützlattung erfolgt zusammen mit der Dämmstoff- und Folienmontage und ist deshalb Bestandteil des Gewerks „Dämmstoff und Dampfbremse liefern und einbauen …“.

Sicherung der Anschlüsse an begrenzende Massivbauteile.

Dazu zählen in der Hauptsache:

  • Anschlüsse an begrenzendes Außenmauer­­­werk
  • Anschlüsse an begrenzendes Innenmauer­­­werk
  • Anschlüsse an begrenzende Massiv­decken
  • Anschlüsse an begrenzende Konstruktionshölzer (Pfetten, Schwellen, o.Ä.)
Im Falle einer Reparatur. Nach der Folienreparatur wird die Verklebung zusätzlich mechanisch gesichert. Foto: Marco Ranz

Folien- und Dämmstoffgewicht sind von zuvor beschriebener Querlattung aufgenommen, andere zusätzlich auf die Klebeverbindung einwirkende Kräfte sind dann noch solche aus Bauteilbewegungen (Schneelast – Winddruck auf das Dach) und aus Folienlängenänderung (Folienschrumpfung). Beide Kräfte können problemlos durch die Ausbildung einer ausreichend bemessenen Folienschlaufe, also Folienzugabe, im Anschlussbereich aufgefangen werden (wie in nahezu sämtlichen Verarbeitungshinweisen einschlägiger Produkte auch angegeben).

 

 

 

 

Autor: Marco Ranz

27. April 2021
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