Anschlüsse abdichten Keyvisual

Anschlussfugen abdichten: Immer flexibel bleiben

Anschlussfugen bei Gipsplattenkonstruktionen sollen stabil sein, dicht, dauerhaft rissfrei und am liebsten unsichtbar – das wünschen sich zumindest viele Auftraggeber. In der Praxis ist jedoch Realismus gefragt: Mit der Kenntnis der Möglichkeiten und Grenzen bewegungsausgleichender Dichtstoffe wissen Sie schon vor dem Abdichten, was geht und was nicht. Was ist möglich, wenn man Anschlussfugen abdichten will?

Es bewegt sich: Mit dieser Grundregel muss sich jeder Bauschaffende früher oder später auseinandersetzen. Gerade wenn es darum geht, Anschlussfugen abzudichten, müssen vor der Ausführung später teilweise unkalkulierbar auftretende Kräfte  berücksichtigt werden.

Anschlussfugen unter besonderer Beanspruchung

Hier brauchen die Anschlüsse besondere Bewegungsfreiheit:

  • aneinanderstoßende Gipsplatten auf unterschiedlichen Tragsystemen,
  • großflächig abgehängte Deckenkonstruktionen, vor allem an Ausschnitten und Einschnitten, etwa an Säulen, Vorsprüngen und dergleichen,
  • bei neuen Holz-Unterkonstruktionen oder starken Feuchtigkeitswechseln innerhalb der Holzkonstruktion und
  • bei (noch) bestehender Baufeuchte.

Wenn Sie Bewegungsfugen abdichten wollen, ist also genau abzuwägen, ob eine Abdichtung mit bewegungsausgleichenden Dichtstoffen möglich ist oder ein starrer, vorschriftsmäßig entkoppelt ausgeführter Anschluss gegebenenfalls als Schattenfuge mit Hilfe von Profilen ausgeführt werden kann.

Achtung! Weisen Sie Ihren Auftraggeber bei schwierigen Anschlusssituationen darauf hin, dass die Fuge aufgrund hoher mechanischer Beanspruchung gelegentlich erneuert werden muss.

Anschlussfugen abdichten – unsichtbar geht nur bedingt

Oft wünschen sich Auftraggeber unsichtbare Anschlüsse. In diesem Fall müsste die Dichtung überstrichen werden. Durch Bauteilbewegungen kann es aber auch in der Beschichtung zur Rissbildung kommen, selbst wenn Dichtstoffe verwendet wurden, die nach DIN 52452-4 als anstrichverträglich gelten.

Achtung! Nach DIN 52452-4 dürfen bewegungsausgleichende Dichtstoffe nicht ganzflächig überstrichen werden. Darauf  sollten Sie den Auftraggeber also auf jeden Fall hinweisen, wenn er dennoch wünscht, dass der Anschluss überstrichen wird. Oder: Sie lassen die Farbe weg. Der Wunsch nach unsichtbar gemachten Anschlüssen ist eben nicht immer zu erfüllen.

 

Linktipp: Hinweise zur Ausführung und Angebotsgestaltung, zum Abdichten von Anschlussfugen finden Sie im IVD Merkblatt 16 – Anschlussfugen im Trockenbau

Quelle:

IVD Merkblatt 16 – Anschlussfugen im Trockenbau

Autorin:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS

Bild: Siniat

 

Noch mehr Wissen gibt es hier: