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Dem Tod von der Schippe gesprungen

Die schlechte Nachricht zuerst: Nicht die bösen unberechenbaren Maschinen sind schuld an den Arbeitsunfällen auf der Baustelle, der größte Unsicherheitsfaktor ist der Mensch selbst. Lediglich 20% der Unfälle sind auf technisches Versagen zurückzuführen, der Rest geschieht sozusagen aus eigenem Antrieb. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn mit fast einem Drittel entstehen Unfälle durch Laufen, Gehen oder Hoch- und Runtersteigen der Betroffenen auf Leitern, Gerüsten oder Treppen. Auch das Tragen und Transportieren von Lasten ist unfallträchtig, dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Last auf einer Ebene oder vertikal nach oben getragen wird. Das geht nicht immer glimpflich aus: In 2016 gab es 29 Tote bei mehr als 8.000 Absturzunfällen. Das macht etwa 40 Prozent aller tödlichen Unfälle auf dem Bau aus!
 

Handwerker mit Handicap

Die bei Unfällen am meisten betroffenen Körperteile sind erwartungsgemäß die Hände mit 40%. Das ist auch der Grund, warum dann für den Handwerker über Tage und Wochen gar nichts mehr geht. Hauptursache für solche Unfälle sind der Bundesanstalt für Arbeitsschutz & Arbeitsmedizin (BAuA) nach Verhaltensfehler auf der Baustelle, die jeder kennt. Unordnung, Unachtsamkeit, Stress und Hektik führen zu vermeidbaren gefährlichen Situationen. Nicht zu vernachlässigen sind auch der Alkohol und andere bewusstseinsverändernde Substanzen.

Was ist das richtige Maß an Erfahrung?

Die bösen Maschinen und Werkzeuge spielen beim Verletzungsrisiko aber durchaus eine Rolle. Immerhin bilden sie die zweithäufigste Unfallursache, genau genommen nicht die Maschinen selbst, sondern deren falsche Handhabung. Die kann durchaus folgenschwer sein. Dabei gelten zwei Sorten von Handwerkern als besonders gefährdet – die unerfahrenen und die ganz erfahrenen. Bei ersteren sind es vor allem Leichtsinn, Missachtung von Vorschriften und auch das Weglassen von Schutzausrüstung, die zu Verletzungen führen. Bei den alten Hasen schleicht sich mit der Jahrzehnte langen Erfahrung auch gerne mal die ein oder andere Nachlässigkeit im Umgang mit den Maschinen ein, weil man sie ja vermeintlich „beherrscht“.
Eine mangelhafte oder ganz fehlende Sicherheitsausrüstung ist neben dem persönlichen Fehlverhalten ein weiterer wichtiger Grund für Arbeitsunfälle. Hier sind nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch deren Arbeitgeber in der Pflicht. Letztlich lässt sich hier betriebswirtschaftlich gesehen gar nichts sparen, denn jeder Tag Krankschreibung und Ausfallzeit eines Mitarbeiters ist wesentlich teurer als eine Schutzbrille oder ein Paar vorschriftsmäßige Sicherheitsschuhe.

Das sind die Unfallschwerpunkte:

(Auszug aus „Arbeitsunfallgeschehen 2015“, DGUV)
 
Sortiert nach spezifischer Tätigkeit:
 
1. aus der Bewegung wie laufen, gehen, steigen:   30,8%
2. aus manueller Handhabung wie in die Hand nehmen,
halten, binden, auseinander nehmen, hochheben, öffnen  
18,7%
3. aus Transport von Hand: vertikal, horizontal   10%
4. aus Maschinenbedienung: überwachen, bedienen,
beschicken, entnehmen   
5,2%

                                                

Sortiert nach Orten beziehungsweise Teilen:
 
1. bauliche Anlagen: Boden, Treppe, Leiter, Gerüst 31,1%
2. Gegenstände & Stoffe: Werkstücke, Werkzeuge, Baumaterialien, Splitter, Späne 19,3%
3. Handwerkzeuge: Messer, Hammer, Schraubenschlüssel, Handsäge 9,5%
4. Elektrowerkzeuge: Trennschleifer, Bohrmaschine, Kreissägen, Schleifmaschinen 2,9%

 

Sortiert nach Verhalten:
 
1. Bewegungen: Ausrutschen, Stolpern, Umknicken, hinfallen,
Sturz, hochheben, tragen
52,5%
2. Kontrollverlust: Werkstück, Maschine, Transportmittel 28,8%
3. Materialschaden: herunterfallende, berstende oder brechende Teile 8,6%

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: iStock
 

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