Geprüft und zugelassen

Geprüft und zugelassen

WPC steht für Wood-Plastic-Composites, auf Deutsch Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe. Dabei handelt es sich um thermoplastisch verarbeitbare Verbundwerkstoffe aus Holz – meist in Mehlform – und Polymeren. Bei der Produktion wird das Material unter sehr hohem Druck und Hitze verdichtet, so dass keine Hohlräume im Material verbleiben können. Damit wird der Werkstoff weitgehend unattraktiv für Pilze, Bakterien oder Insekten, aber attraktiv für Bauherren, die sehr langlebige und pflegeleichte Terrassenflächen wünschen. Auch wenn viele der WPC-Dielen eine gewisse Plastikaura ausstrahlen, steigt ihr Absatz aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit beim Einsatz im Außenbereich seit Jahren kontinuierlich.

Für tragende Zwecke zugelassen

Seit einigen Jahren verfügen Dielen einiger WPC-Hersteller über allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ), damit sie auch für tragende Zwecke eingesetzt werden können. In den meisten Bundesländern ist das Erstellen von Terrassen und Decks ein genehmigungsfreies Bauvorhaben. Bei Balkonen allerdings, auf denen WPC ebenfalls häufig eingesetzt wird, sind gemäß der jeweiligen Landesbauordnung genehmigungspflichtige bauliche Anlagen und müssen entsprechend den geltenden Normen konstruiert und bemessen werden. Dann dürfen nur Bauprodukte verwendet werden, die entweder genormt sind oder über eine Zulassung verfügen, damit geprüfte und ausreichende Tragfähigkeitswerte für die Bemessung vorliegen. Das gilt auch für die Balkondielen, wenn sie die Funktion einer tragenden Fläche übernehmen. Die zugelassenen WPC-Dielen können nur zur Weiterleitung der Verkehrslasten an die Unterkonstruktion eingesetzt werden. Zur Stabilisierung der Unterkonstruktion oder zur Aussteifung tragen sie nicht bei. Die Zulassungen gelten nicht nur für Balkone, sondern auch für lastabtragende Böden von Dachterrassen, Laubengänge, Loggien, Ausstiegspodeste und Ähnliches sowie Treppen und Treppenpodeste in Wohn- und Bürogebäuden. Das entspricht den Nutzungen der Kategorie T1, T2 und Z nach DIN EN 1991-1-1/NA:2010-12 „Allgemeine Einwirkungen auf Tragwerke – Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau“.

Allen Zulassungen ist Folgendes gemein:

  • die Dielen werden so eingebaut, dass sie sichtbar und jederzeit austauschbar sind.
  • die tragenden Profile liegen zusätzlich zu ihren Endauflagern auf mindestens
  • einem Zwischenauflager auf (das statische System ist mindestens ein Zweifeldträger)
  • laut den Zulassungen beträgt bei den derzeit lieferbaren Dielen die maximale Flächenlast qK = 5,0 kN/m² und die maximale Einzellast Qk = 2,0 kN auf einer Mindestfläche von 5 cm × 5 cm.
  • die Montage und die Befestigung muss entsprechend der Vorgaben in der Zulassung erfolgen.
  • die Mindestauflagerbreite, die Achsmaße und die Mindestanzahl der Schrauben sind ebenfalls nach Angaben in der Zulassung einzuhalten.
  • Terrassen-WPC-Dielen-Bild1

    Der Bodenbelag Terrace+ des Herstellers Inoutic funktioniert als System, das sich aus den Dielen und Aluprofilen zusammensetzt. Quelle: Inoutic / Deceuninck GmbH

Nicht alle Profile sind gleich

Aber es gibt auch Eigenschaften, wodurch sich die verschiedenen Dielen unterscheiden. So setzt sich beispielsweise das tragende Bodendielensystem Terrace+ von Inoutic aus dem WPC-Hohlkammerprofil, einem Alu-Montageprofil und dem Alu-Start- und Endprofil zusammen. Mit geprüften Schrauben werden die Aluprofile als Mehrfeldträger mit einem maximalen Achsmaß von 500 mm auf Holz- oder Stahlträgern (Auflagerbreite mindestens 50 mm) befestigt, auf ihnen liegt beidseitig das WPC-Profil auf. Der Aufbau des Systems ergibt eine geschlossene Fläche, sodass nicht nur das Hinabfallen von Kleinteilen und Schmutz verhindert wird, sondern die laut Hersteller sogar tropfsicher ist.

Die Diele „Die Beliebte massiv“ des Herstellers Naturinform ist als massives WPC-Profil ausgebildet. Sie ist als Einzeldiele verwendbar und kann direkt auf Holzträgern (Auflagerbreite mindestens 60 mm) entsprechend der Zulassung als Mehrfeldträger mit einem Achsabstand von maximal 300 mm befestigt werden. Zwischen den Dielen eingebrachte Fugenprofilschläuche verhindern, dass Kleinteile oder Schmutz zwischen den Dielen hindurchfällt und sollen bis zu einem gewissen Grad Wasser abhalten.

Zulassung befolgen

Unabhängig davon, welche WPC-Diele eingebaut wird, es müssen die Montagevorschriften laut der bauaufsichtlichen Zulassung beachtet werden. Deshalb sollten sie vorab aufmerksam durchgelesen werden. Auch sollten nur die in der Zulassung aufgeführten erforderlichen Baumaterialien, wie die angegebenen Schrauben verwendet werden. Wird von der bauaufsichtlichen Zulassung abgewichen, ist die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet.

Welche Dielen verfügen über eine Zulassung?

Die folgenden WPC-Dielen verfügen laut dem Deutschen Institut für Bautechnik über eine bauaufsichtliche Zulassung als lastabtragender Boden.

  • Z-10.9-484: Tragende Bodendiele aus Holz-Polymer-Verbundwerkstoff „Die Beliebte massiv“, Naturinform GmbH, gültig bis 08.08.2022; wwwnaturinform.de
  • Z-10.9-599: Tragendes Bodenprofil aus Holz-Polymer-Verbundwerkstoff mit Auflagerung auf Aluminiumprofil-System „Twinson Terrace+“, Inoutic/Deceuninck GmbH, gültig bis 31.05.2022; www.thyssenkrupp-plastics.de /terraceplus

Das tragende Bodenprofil aus Holz-Polymer-Verbundwerkstoff und Aluminiumprofil „UPM ProFi Deck Strong System“ der NorService GmbH UPM Biocomposites wird zur Zeit nicht hergestellt.

Das tragende Bodenprofil „terraza bz“ und der Unterkonstruktionsriegel „UK-Riegel“ der Werzalit GmbH + Co. KG wird nicht mehr hergestellt.

Autorin:

Angela Trinkert
Redaktion Der Zimmermann

Keyvisual und Teaserbild: Naturinform GmbH

20. Juli 2021

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