Keramikfliesen im Außenbereich

Keramikfliesen im Außenbereich

Keramische Fliesen kennt man aus Bad und Küche. Sie werden aber auch außerhalb des Hauses auf Terrassen, Dachterrassen und Balkonen immer beliebter. Während es in Innenräumen Standard ist, Fliesen fest im Mörtelbett zu verkleben, werden sie im Outdoor-Bereich häufig lose verlegt. Dabei wird zwischen der Verlegung im Splittbett und der Verlegung auf Stelzlagern unterschieden.

Grobkeramische Beläge wie Spalt- und Cottoplatten oder Klinkerpflaster sind im Außenbereich nichts Neues. Doch heute bieten die Hersteller auch feinkeramische Fliesen für Terrassen und Balkone. Diese Materialien kennen wir bisher nur aus Bad und Küche. Dabei haben sie auch im Freien viele Vorteile. Keramikfliesen mit eingebrannter Glasur lassen sich z. B. einfach reinigen. Weder Fettspritzer oder die Glut vom Grillen noch Rotweinspritzer können ihnen etwas anhaben.

Natürlich erfordert die Außenverlegung frostbeständige Keramik, also wasserundurchlässige Steinzeug- oder Feinsteinzeug-Fliesen. Entsprechende Sortimente liefert die Industrie mittlerweile nicht nur in traditionellen Fliesendesigns, sondern auch in Holz-, Beton- oder Naturstein-Optiken. Das im Außenbereich bisher eher ungewohnte, feinkeramische Material wird also mit traditionellen Optiken kombiniert.

  • Verlegung auf Stelzlager: Diese Variante eignet sich gut für Balkone und Dachterrassen. Bild: Proline

    Verlegung auf Stelzlager: Diese Variante eignet sich gut für Balkone und Dachterrassen. Bild: Proline

  • Verlegung im Splittbett: Legen Sie die Keramikfliesen einfach lose auf das Schüttbett. Bild: Agrob Buchtal

    Verlegung im Splittbett: Legen Sie die Keramikfliesen einfach lose auf das Schüttbett. Bild: Agrob Buchtal

Verlegung auf Stelzlager: Diese Variante eignet sich gut für Balkone und Dachterrassen. Bild: Proline

Verklebt oder lose?

Die Verlegung im Verbund ist besonders sicher und schützt optimal vor späteren Belagsschäden. Allerdings ist sie auch vergleichsweise aufwändig und teuer. Lesen sie dazu auch unseren Beitrag „Keramikfliesen im Außenbereich sicher verlegen“.

Eine lose Verlegung lässt sich schneller und günstiger realisieren. Sie benötigen dafür weder Fliesenkleber und Fugenmörtel noch eine Betonplatte unter den Fliesen. Ein Vorteil ist zudem die größere Flexibilität. Da sie nicht fest verklebt werden, lassen sich Terrassen- und Balkonplatten jederzeit hochheben und nach Belieben austauschen. Eine fachmännische Vorbereitung des Untergrunds ist allerdings auch bei den losen Verlegearten unverzichtbar. Bei der Verlegung im Splittbett muss Erdreich abgetragen werden und durch eine funktionsfähige Frostschutz-Tragschicht aus Kies und Schotter ersetzt werden.

Natürlich erreichen lose verlegte Beläge niemals die Stabilität von Fliesen im Mörtelbett mit Betonuntergrund. Diese sind oft sogar mit dem PKW befahrbar. Lose verlegte Outdoor-Keramik eignet sich dagegen nur für leichtere Beanspruchungen im Privatbereich. Die Verklebung erhöht natürlich auch die Bruchsicherheit keramischer Bodenfliesen. Bei loser Verlegung wird die Bruchgefahr verringert, indem einfach dickere Beläge verwendet werden. Die Standardstärke für Keramikfliesen im Außenbereich beträgt 2 cm. Mittlerweile gibt es aber auch Platten mit einer Stärke von 3 cm und 4 cm.

Schüttgüter – Eine Frage der Korngröße

Ein Schüttgut – egal aus welchem Gestein – wird als Sand bezeichnet, wenn die Korngröße einen Durchmesser von weniger als 2 mm aufweist. Je nach Beschaffenheit der einzelnen Sandkörner wird noch zwischen Rundsand (mit abgerundeten Körnern) und Bruchsand unterschieden. Übrigens geht es auch noch kleiner: Schüttgüter aus Steinen mit einem Durchmesser unter 0,063 mm nennt man Gesteinsmehl.

Kies und Splitt wiederum sind beides Gemenge von Steinen mit 2 bis 63 mm Größe. Der Unterschied bezieht sich wieder auf die Geometrie der einzelnen Körner. Kies besteht aus Rundsteinen („Kieselsteine“), Splitt dagegen aus scharfkantigen Bruchsteinen.

Von Schotter wird gesprochen, wenn das Schüttgut aus Rund- oder Bruchsteinen mit einer Korngröße zwischen 32 und 63 mm besteht. Sämtliche Gestein Gemenge mit noch größeren Körnern werden schließlich als Schroppen bezeichnet. Wobei der Ausdruck Gesteinskörnung in diesem Zusammenhang schon etwas irreführend ist. Schroppen sind bereits in ihrer kleinsten Variante relativ große Steine – der Begriff umfasst aber auch größere Felsblöcke.

 

(Den vollständigen Artikel zum Thema Schüttgüter finden Sie hier.)

Verlegung im Splittbett

Bei der losen Keramikverlegung unterscheidet man 2 Arten: Die Verlegung im Splittbett und die Verlegung auf Stelzlagern.

Die Verlegung direkt auf einer Bettungsschicht aus Gesteinskörnungen ist einfach und günstig zu realisieren. Sie legen die Platten einfach nur lose auf das Schüttungsmaterial, welches neben Splitt meist auch aus Kies besteht. Auch die Fugen zwischen den Platten füllen Sie nur mit losem Sand.

Die obere Bettungsschicht, ebenso wie darunterliegende, grobkörnigere Tragschichten und das Erdplanum (anderes Wort?) als Untergrund, müssen jeweils ein ca. 2 %-iges Gefälle aufweisen, damit versickerndes Wasser sicher abgeleitet werden kann. Die Oberfläche muss ausreichend verdichtet und eben, zugleich aber nach wie vor drainagefähig sein. Das gesamte Gesteinsbett muss so tief sein, dass ein ausreichender Frostschutz gewährleistet ist.

Auch wenn die dicken keramischen Platten für den Außenbereich durch ihr vergleichsweise hohes Gewicht eine gewisse Stabilität sichern, ist bei der losen Verlegung auf Splittbett nicht mit Sicherheit zu verhindern, dass sich die Platten durch äußere Belastungen verschieben oder dass sie zu „kippeln“ beginnen. Die Problematik „wandernder“ Fliesen kann man immerhin begrenzen, indem man den Belag mit einer festen Randeinfassung einrahmt – z. B. durch Randsteine oder (bei Dachterrassen) durch Attika.

Auch die Fugen müssen normalerweise in regelmäßigen Abständen neu mit Sand gefüllt werden, da das lose Material leicht auswaschen kann. Gerät der Fugensand durch Niederschläge in den Plattenunterbau, drohen weitere Folgeschäden: Die Sandkörner verstopfen allmählich das Splittbett und beeinträchtigen somit dessen Drainagefähigkeit.

 

Verlegung auf Stelzlagern

Vor allem auf Balkonen und Dachterrassen werden feinkeramische Platten meist auf Stelzlagern belegt. Die Variante mit Splittbett ist für diesen Anwendungsbereich in vielen Fällen nicht geeignet, da sie hohe statische Belastungen für Dach bzw. Balkon mit sich bringt und eine relativ große Aufbauhöhe erfordert. Natürlich ist ein Belag aus Platten auf punktuellen Stelzlagern nicht so belastbar wie die Variante mit einem vollflächigen Unterbau aus Splitt und Kies. Aber für normale Belastungen im Privatbereich ist die Verlegeart stabil genug. Keramikfliesen auf Stelzlager sind ebenfalls schnell verlegt und lassen sich jederzeit ganz einfach wieder entfernen. Gegenüber der Verlegung im Splittbett kommt als weiterer Vorteil hinzu, dass Sie die gewünschte Höhe des Belags millimetergenau einstellen können. Im Hohlraum unter den Fliesen lassen sich zudem häusliche Versorgungsleitungen unsichtbar verlegen. Da die einzelnen Platten jederzeit angehoben werden können, ist der Hohlraum stets zugänglich. Defekte Platten können unkompliziert ausgetauscht werden.

Die Aufständerung der Fliesen hat allerdings den Nachteil, dass der Belag bei Begehen einen gewissen Hohlklang erzeugt. Außerdem werden beim Stelzlager-System die Fugen zwischen den Platten nicht verschlossen, sodass Wasser und Verschmutzungen relativ ungehindert in den Hohlraum eindringen. Es muss also sichergestellt sein, dass die Niederschläge effektiv in Entwässerungssysteme abfließen.

Die Stelzlager selbst stehen bei Dachterrassen oder Balkonen in der Regel auf einer Betonplatte oder einem ähnlich stabilen Fundament. Ein ebenerdiges Terrassen-Stelzlager lässt sich aber auch auf einem ausreichend verdichteten Kies-Schotter-Bett aufbauen.

Autor: Roland Grimm

Keyvisual und Teaserbild: Steuler Fliesen


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