Lüften ist wichtiger denn je

Lüften ist wichtiger denn je

Für hoch gedämmte Gebäude mit modernen Türen und Fenstern ist ein gutes Lüftungskonzept unerlässlich, um Schimmel- und Feuchteschäden vorzubeugen. Fast noch wichtiger ist dieser Punkt hingegen bei älteren Gebäuden, die umfassend isoliert und mit neuen Bauelementen ausgestattet wurden. Zur Schimmel- und Feuchtethematik ist in diesem Jahr mit dem Corona-Virus ein neues Problem hinzugekommen. Nachfolgend gehen wir auf das Thema Lüften ein und stellen ebenso einfache wie innovative Lösungen für Fenster vor.

Beim neuartigen Corona-Virus gelten Aerosole als ein möglicher Übertragungsweg. In geschlossenen Innenräumen verteilen sich Aerosole schnell im gesamten Raum. Regelmäßiges Lüften durch Stoß- und Querlüften oder über eine Lüftungstechnik kann das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 deutlich reduzieren, so der Hinweis in einer aktuellen Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt. Gerade in Räumen mit vielen Menschen – beispielsweise in Schulen oder Universitäten – stellt das Corona-Virus eine große Gefahr dar. So empfiehlt die IRK speziell für Schulen in jeder Unterrichtspause intensiv bei weit geöffneten Fenstern zu lüften. Bei längeren Unterrichtseinheiten von mehr als 45 Minuten Dauer wird empfohlen, auch während des Unterrichts ausreichend zu lüften.

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    Mit dem „NX“-Fenstergriff von Roto lässt sich die Spaltlüftung leicht bedienen. Mit der Feststellschere des „NX“-Beschlagsystems des Herstellers lassen sich Dreh-Kipp- und Dreh-Fenster den Angaben zufolge in jeder beliebigen Drehposition zwischen 15 und 90 Grad arretieren. Quelle: Roto

Auch wenn das Thema Lüften in privaten Häusern und Wohnungen natürlich anders bewertet werden muss, bleiben die beiden Problematiken Schimmel und Feuchte. Mit einem gut gedämmten Gebäude und mit modernen Bauelementen lässt sich zwar viel Heizenergie einsparen. Doch oft sind die Gebäude mehr oder weniger „dicht verschlossen“, gibt der Verband Wohneigentum NRW zu bedenken.

Feuchteschäden nicht nur im Winter

Gerade in den kühlen Herbst- und Wintermonaten klagen Bewohner oft über Feuchteschäden und Schimmelbildung. Doch nicht immer ist eine mangelnde Lüftung der Grund hierfür. Denn in der kalten Jahreszeit werden Räume zum Teil nicht ausreichend beheizt und die Raumtemperatur sinkt unter 17 Grad. Vor allem Schlafzimmer, Bäder, Dachgeschosse wie auch kleine Küchen und Vorratsräume sind in den kühlen Monaten anfälliger für Feuchteschäden und Schimmelbildung als andere Räume. Es wird deshalb empfohlen, auch diese Räume immer leicht zu heizen, um so möglichst viel Feuchtigkeit aus der Luft zu nehmen. Für ein gesundes Wohnklima wird allgemein eine relative Luftfeuchte von 60 bis 65 Prozent angegeben. Sobald die Luftfeuchte über diesen kritischen Wert steigt, reicht es meist schon, die Heizung ein wenig höher zu stellen.

Doch Feuchteschäden sind auch in den Sommermonaten ein Thema, wenn es beispielsweise zu länger anhaltender Schwüle und damit zu einer hohen Luftfeuchtigkeit kommt. Besonders an kühlen Außenwänden oder in Kellerräumen schlägt sich die Feuchtigkeit der Luft dann als Kondensat nieder. Allein mit Lüften lässt sich die Sommerschwüle oftmals nicht wieder aus den Räumen bringen. Selbst im Sommer hilft dann nur noch das kurze Anstellen der Heizung.

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    Der „Aeromat flex HY“ steuert nach Angaben des Herstellers die Zuluft bedarfsgerecht in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit. Möglich mache dies eine feuchtigkeitssensible Regelklappe. Der Luftvolumenstrom von bis zu bis zu 33 m³/h bei 10 Pa sorge für eine leistungsstarke Frischluftzufuhr. Quelle: Siegenia

Ansonsten ist die regelmäßige Frischluftzufuhr durch Lüften wichtig und effektiv, gerade auch in den kalten Monaten. Viele Experten raten nicht zum Dauerlüften, sondern zur regelmäßigen Stoßlüftung. Schon zwei- bis dreimal täglich fünf bis zehn Minuten lüften reicht aus, um einen Austausch herbeizuführen. Da die Außenluft im Winter weniger Feuchtigkeit als in den Sommermonaten enthält, trägt sie nicht zur Feuchtebildung in den Räumen bei, berichtet der Verband Wohneigentum NRW weiter.

Der gezielte Austausch der Raumluft ist aber auch noch aus anderen Gründen wichtig: Beim Kochen oder dem Abbrennen von Kerzen oder Kaminfeuern entsteht feiner Staub. Beim Duschen oder Baden vermischt sich der entstehende Wasserdampf mit der Luft und wenn im Haus Duftsprüher verwendet werden, wird die Luft mit Chemikalien durchsetzt. Auch aus Möbeln, Wandfarben oder Teppichklebern können schädliche Substanzen ausgasen, die dann an die Raumluft abgegeben werden. All diese Substanzen können zu Gesundheitsproblemen wie Allergien, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und Ähnlichem führen.

Geregelte Lüftung

Komfortabler und effektiver für den kontinuierlichen Luftmassenaustausch sind moderne Lüftungssysteme, die meist direkt an den Fenstern angebracht werden. So beispielsweise Falzlüfter, die für eine Permanentlüftung sorgen. Fensterfalzlüfter sind Lüftungsöffnungen, die im Fensterfalz eingelassen sind. In vielen Neufenstern sind sie bereits vorhanden oder können entsprechend konfektioniert werden. Doch auch in bestehenden Bauelementen lassen sich Falzlüfter meist problemlos einbauen. Die Lüfter arbeiten rein mechanisch. Frische Luft von außen strömt durch die Öffnungen in die Wohnräume. Über Regler kann die Luftzufuhr gedrosselt oder auch ganz abgestellt werden. Über diese Form der Dauerlüftung ist trotz geschlossenem Fenster eine permanente Luftzufuhr gewährleistet und die Gefahr von Feuchte- und Schimmelbildung ist gebannt. Nachfolgend einige Beispiele.

Spaltlüftung und Feststellschere

Beim Dreh-Kipp-Beschlagsystem „NX“ von Roto durchlaufe der Fenstergriff während der gewohnten Schaltreihenfolge bei 135 Grad automatisch die Spaltlüftungsposition, so dass das Fenster einen Spalt weit geöffnet sei. Mit anderen Worten: Der Bediener nutze die Spaltlüftungsfunktion ganz intuitiv. Somit biete das Dreh-Kipp-Beschlagsystem praktisch mit einem einfachen Dreh mehr Wohnkomfort durch ein gutes Raumklima. Die Funktion der Spaltlüftung ist als Standard in den Roto „NX-Axerarm“ integriert. Dem Verarbeiter bietet dies den Vorteil, dass er kein weiteres, separates Bauteil benötigt.

Ein anderes Lüftungssystem des Herstellers ist die Feststellschere des „NX“-Beschlagsystems, die sich in jeder beliebigen Drehposition zwischen 15 und 90 Grad arretieren lasse. Dazu wird der Griff einfach in die vertikale Verschlussstellung gebracht. Die Arretierung biete einen wirkungsvollen Schutz und Halt selbst bei plötzlichen stärkeren Windstößen.

Eine dritte Variante ist die „Turn-Plus-Funktion“ des Dreh-Kipp-Beschlagsystems. Diese Lüftungsfunktion ist speziell für Drehflügelfenster ausgelegt und ermögliche durch den Dreh- und Öffnungsbegrenzer eine zuschlagsichere Spaltlüftung in Drehstellung. Mithilfe der Griffstellung lasse sich hier die Lüftungsweite in drei Positionen einstellen.

Bedarfsgerecht lüften

Ein Lüfter für Fenster wie auch für Hebe-Schiebe-Elemente ist der feuchtegeführte „Aeromat flex HY“ von Siegenia. Dank seiner Einbauweise lasse sich der kompakte Passivlüfter an die jeweilige Profiltiefe anpassen und nutze so den vorhandenen Bauraum aus. Durch die Möglichkeit zur waagerechten oder seitlichen Integration gehe er eine flexible Verbindung mit den Bauelementen ein, ohne die Funktionalität zu beeinträchtigen. Nicht nur Einbruchhemmung, Schalldämmung und Schlagregendichtigkeit bleiben laut Hersteller dabei unbeeinträchtigt, auch das Lüften bei heruntergelassenen Rollläden und Beschattungen sei möglich. Der Lüfter erlaube eine bedarfsgerechte Steuerung der Zuluft gemäß DIN 1946-6, die in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit im Raum geregelt wird. Möglich werde dies durch eine feuchtigkeitssensible Regelklappe. Für Raumkomfort sorgten außerdem optionale Schalldämmmodule mit einer Leistung von bis zu 55 dB.

Eine hohe Energieeffizienz durch Wärmerückgewinnung ist das Merkmal des „Aeromat VT WRG“ von Siegenia. Für ein deutliches Plus beim Raumkomfort sorge eine nutzerunabhängige Steuerung sowie die optionale Ausstattung mit Temperaturfühlern sowie CO2-/VOC-Sensoren. In der „Smart“-Variante lasse sich der Lüfter ergänzend zu den manuellen Steuerungsmöglichkeiten auch mittels App per Smartphone oder Tablet steuern.

Eine Fensterlüftung durch automatisches Kippen ermöglicht der E-Beschlag von Maco. Der Beschlag wird im Flügelrahmen eingesetzt und beim Einbau des Fensters mit einem Wandschalter verbunden. Alternativ könne er auch über ein Smartphone oder die intelligente Haussteuerung bedient werden. In Kombination mit Regensensoren oder Zeitschaltuhren kippe er automatisch, so dass sich der Beschlag leicht an die Lebensgewohnheiten der Bewohner anpassen lasse. Nutzer, die das Kippen überwachen möchten, könnten die Fenstersensoren „mTronic“ oder „eTronic“ einsetzen lassen und mit dem E-Beschlag koppeln. Dieser werde dann über einen Mini-Gateway von Eltako angesteuert, der Apple-Home-Kit-fähig ist.

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    Die gesicherte Lüftungsstellung „Multi Secuair“ von Maco soll durch ihre verminderte Kippweite für Sicherheit sorgen und energieeffizientes Lüften ermöglichen. Quelle: Maco

Für das automatische Lüften über den Fensterrahmen biete sich das Fensterfalzventil „Vent“ für PVC-Profile an. Das Ventil von Maco liege versteckt im Fensterfalz und reagiere automatisch auf Windeinflüsse. Damit werde eine Mindestlüftung garantiert. Die intelligente Luftführung temperiere die Zuluft und verhindere so eine starke Auskühlung sowie Zugluft. Und es könne manuell geschlossen werden.

Lüften ohne Wärmeverluste verspricht das System „Ventra“ von Hautau. Es sei profilneutral und werkstoffübergreifend und sorge für Frischluft bei geschlossenem Fenster. Der Wärmetauscher des Lüfters sitzt in der Fensterlaibung integriert und ist laut Hersteller innen wie außen fast unsichtbar. Dank einstellbarer Lüftungsstufen eigne sich der Lüfter auch für geräuschsensible Bereiche.

Hohe Kompetenz in Sachen Lüftung besitzt der belgische Anbieter Renson. Seine „Healthbox 3.0“ ist ein intelligentes Lüftungssystem, das sich ebenfalls automatisch an das Verhalten der Bewohner anpasse und mit Hilfe von Ventilkollektoren bis zu elf Räume ansteuern könne. Konkret bedeute dies beispielsweise, dass die intelligente Lüftungsanlage beim Duschen im Badezimmer entsprechend stärker und nicht im Schlafzimmer lüftet. Und wenn alle das Haus oder die Wohnung verlassen haben, regeln den Angaben zufolge Sensoren das System herunter auf die energiesparende niedrigste Einstellung.

Quelle:

Matthias Fischer

Keyvisual und Teaserbild: Roto

12. Oktober 2021

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