Aktueller denn je

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Mit 20 Jahren ist der Fachverband Türautomation (FTA) ein recht junger Verband, in dem sich führende Hersteller von Automatiktüren, Sensoren und Antrieben zusammengeschlossen haben. Sie haben sich das Ziel gesetzt, umfassend und lösungsorientiert zu beraten, einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten und über die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten zu informieren. Damit soll der Einsatz von automatischen Türsystemen mehr und mehr zum planerischen Selbstverständnis gemacht werden, was aufgrund der Corona-Pandemie noch mal eine weitere Komponente erhalten hat, die selbst der Verband vermutlich ursprünglich so nicht bedacht hatte. Ein Grund mehr, den Vorstandsvorsitzenden Michael Andlauer und den Geschäftsführer Olaf Heptner zu interviewen.

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    Der FTA will den Einsatz von automatischen Türsystemen zum planerischen Selbstverständnis verhelfen. Quelle: FTA

Das Thema Türautomation umfasst sowohl automatische Schiebe- sowie Drehflügeltüren, Karussell- und Raumspartüren sowie die dazugehörigen Schutzeinrichtungen. Die Einsatzgebiete erstrecken sich auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens, angefangen beim Einzelhandel, über Gastronomie und öffentliche Gebäude bis hin zum Gesundheitssektor.

Automatische Türsysteme gibt es bereits seit Jahrzehnten. Warum hat sich erst 2001 ein Fachverband dazu formiert?

Michael Andlauer: Sie haben Recht. Eigentlich hätte sich der Fachverband bereits circa 100 vor Christus formieren müssen, als der griechische Physiker Heron von Alexandria den ersten pneumatisch-mechanischen Tempeltürantrieb erdachte. Leider war das Vereinsrecht zu dieser Zeit aber noch nicht so ausgeprägt, so dass es noch etwas dauerte, bis sich der FTA bildete. Die konkrete Verbreitung als Gebäudezugang hat dann aber erst in den 1950er Jahren Fahrt aufgenommen.

Hier ist die Schweiz als Vorreiter zu benennen. Nur kurz später wurden die neuen Möglichkeiten dann auch von deutschen Unternehmen offeriert. Die automatischen Türen waren in den ersten Jahren eine eher besondere Technologiespezies. Erst die Ende der 1990er beginnenden europäischen Normungsinitiativen haben dazu geführt, dass sich Hersteller von automatischen Türsystemen zusammengefunden haben. Die kontinuierliche Verbreitung und Angleichung von technischen Standards hat hierzu eine breite Basis geschaffen.

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    Michael Andlauer ist Vorstandsvorsitzender des FTA. Quelle: FTA

Wer findet sich im FTA wieder? Welche Mitglieder und Partner treffen dort aufeinander? Und worin besteht der Unterschied zwischen Mitgliedern und Partnern?

Andlauer: Im FTA finden sich Herstellern von automatischen Türsystemen, Herstellern zugehöriger (Tür)Sensorik und Unternehmen, die die Türsysteme einbauen und warten. Gemeinsames Ziel ist es, die Qualität und Betriebssicherheit von automatischen Türsystemen im Markt sicherzustellen.

Olaf Heptner: Rechtlich ist der FTA ein eingetragener Verein und hat seinen Sitz in Hagen. Wir sind stolz, berichten zu können, dass wir nahezu alle namhaften Hersteller von automatischen  Schiebetüren und Drehtürantrieben sowie von Karusselltüren in unseren Reihen haben. Darüber hinaus sind heute über 40 FTA Partner im Verband organisiert. Dabei handelt es sich um mittelständische Unternehmen die sich auf den Einbau, die Wartung oder den Service von automatischen Türanlagen spezialisiert haben.

Andlauer: Alle Mitglieder eint unserem Qualitätsanspruch, den wir für uns definiert haben. Dieser wird unter anderem durch das FTA Sachkundeschulungskonzept untermauert. Diese Sachkundeschulungen sind ein wichtiges Element, um eine hohe Qualität und Sicherheit der Produkte am Markt zu etablieren und zu erhalten.

Heptner: Die Vollmitglieder erarbeiten in Arbeitskreisen Technik, Training, Schulung und Marketing permanente Themen und Sachverhalte, welche in Verbandsrichtlinien und öffentlichen Mitteilungen münden. Auch werden hier europäische Themen der Normierung erarbeitet und vorbereitet, hier ist insbesondere TC 33 / WG 9 „automatische Türsysteme“ zu nennen. Die FTA-Partner sind im  Arbeitskreis Partner organisiert in welchem oben genannte Erkenntnisse geteilt und geschult werden und neue Themen für die Fachkreise eingebracht werden.

Aufgrund dieser Mischung von Tür- und Türkomponenten-Herstellern, Sensor-Herstellern und Errichtern dürfte es einen regen Austausch unter Mitgliedern und Partnern geben.

War das ein Teil der Zielsetzung als der Verband gegründet wurde? Und wie wirkt sich dieser Austausch aus?

Andlauer: Als Wirtschaftsverein ist es das Ziel des FTA, das System „automatische Tür“ noch stärker im Markt zu etablieren und die Vorteile herauszustellen. Obwohl automatische Türsysteme eigentlich selbstverständlich in der Anwendung sein sollten, dürfen wir auch heute immer wieder auf die Vorteile des Türsystems hinweisen.

Heptner: Bei genauerer Betrachtung eines automatischen Türsystems überwiegen ausschließlich die Vorteile. Um diese Vorteile besser und nachdrücklicher im Markt zu verankern, gibt es neben der technischen Arbeit auch den Austausch in Bezug auf Sachkundeschulungen, die dazu dienen, Fachleute auf einen qualitativ hochwertigen technischen Stand zu bringen, aber auch in der Ausrichtung von öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, die die Vorteile von automatischen Türsystemen weiter nach vorne bringen.

Andlauer: Hier sei speziell der letzte Fachtag des FTA in Hamburg erwähnt, der neben den originären Informationen zu automatischen Türsystemen, auch einen Bogen über die digitale Entwicklung der heutigen Zeit spannte und klar aufzeigte, dass die Entwicklung von Sensorik und Elektronik noch lange nicht am Ende angekommen ist. Im Alltag erleben viele Menschen den Nutzen einer Automatiktür, der ihnen erst durch einen Defekt der Tür auffällt. Mancherorts sind Automatiktüren scheinbar häufiger defekt als funktionstüchtig.

Was ist Ihrer Ansicht nach der häufigste Grund dafür? Beruhen die meisten Defekte auf Anwenderfehlern oder wird bei der Wartung gespart? Oder gibt es auch schlichtweg schlechte Konstruktionen?

Heptner: Das ist sicher eine subjektive Wahrnehmung, denn objektiv erreichen die automatischen Türsysteme unserer Mitgliedsunternehmen eine hohe Zuverlässigkeit und Gebrauchssicherheit. Das ist besonders damit zu erklären, dass sich der Stand der Technik über die Jahre konstant weiterentwickelt hat und die notwendige Sensorik zum Betrieb, Auslösen der Tür, aber auch zum Absichern der Türanlage sich deutlich weiterentwickelt hat.

Durch die Einführung nationaler Sicherheitsnormen, aber ganz speziell auch die Entwicklung und Umsetzung einer europäischen Sicherheitsnorm (EN 16005), wurden zum Beispiel im Bereich der Sensorik Entwicklungen umgesetzt, die dazu führen, dass heute ein „korrekt eingestellte“ automatisches Türsystem nicht nur die Anforderungen der Normen erfüllt, sondern auch im täglichen Betrieb eine hohe Zuverlässigkeit und Komfort bietet.

Andlauer: Natürlich muss man in diesem Punkt auch darauf hinweisen, dass zum Beispiel bei einer hohen Frequentierung der Türanlage auch – selbstverständlich – eine regelmäßige Kontrolle und Wartung erfolgen muss. Der Betreiber unterliegt einer sogenannten Verkehrssicherungspflicht, das heißt, er muss dafür Sorge tragen, dass durch den Betrieb der automatischen Tür oder des Türsystems keine Person zu Schaden kommt, es ist aber auch notwendig, die Verkehrssicherheit zu erhalten.

Heptner: Aus diesem Grund weist unter anderem auch die europäische Sicherheitsnorm darauf hin, dass eine regelmäßige Wartung mindestens einmal im Jahr durchgeführt werden soll. Je nach Anwendungsfall beziehungsweise Frequentierung des Türsystems, macht sogar eine zweimalige Überprüfung im Jahr mehr als Sinn. Im Rahmen dieser Überprüfung werden auch Wartungstätigkeiten durchgeführt, möglicherweise Teile ausgetauscht, aber auch Einstellungen an der Tür vorgenommen, die den weiteren sicheren Betrieb gewährleisten. In der heutigen Zeit dürfte ein richtig eingestelltes und gewartetes Türsystem keine Schwierigkeit im täglichen Betrieb mehr machen.

Die Corona-Pandemie hat das Thema Hygiene wieder mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. In diesem Punkt bieten automatische Türsysteme den klaren Vorteil, dass niemand der hindurch will, irgendeine Komponente dafür berühren muss.

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    Geschäftsführer des FTA ist Olaf Heptner. Quelle: FTA

War Ihnen dieser Hygiene-Aspekt auch vor Corona so präsent? Oder hatten Sie bislang mehr den Komfort im Blick?

Heptner: Komfort, aber auch Hygiene waren stets im Blickfeld des FTA. Aber gerade der Punkt Hygiene hat natürlich unter den aktuellen Einwirkungen der Corona-Pandemie enorm an Bedeutung gewonnen. Zwar scheint Hygiene nun im Bewusstsein vieler Menschen zu sein, unserer Auffassung könnten aber automatische Türsysteme – also die Systeme, die die Hygiene ideal umsetzen – noch weit öfter gewählt und eingebaut werden.

Andlauer: Die beste Tür ist eine, die beim Durchgang nicht da ist, das heißt, die keine Barriere beziehungsweise Behinderung beim Durchgang aufzeigt. Vielmehr rückt die Hygiene aufgrund der aktuellen Situation bei vielen Menschen in den Vordergrund, obwohl dieser Punkt zusammen mit der Barrierefreiheit stets ein „Markenzeichen“ von automatischen Türsystemen war. Das automatische Türsystem ist eigentlich das System, welches die Anforderungen an Barrierefreiheit und Hygiene vollumfänglich erfüllt und sollte deshalb von Betreibern noch stärker in den Fokus genommen werden.

Wir werden auch weiterhin auf den Bereich Hygiene und Komfort aufmerksam machen, aber wir sind der Auffassung, dass die Vorteile gerade in Bezug auf Hygiene schon bei kurzer Betrachtung des Sachverhalts einfach überzeugen und konkurrenzlos sind.

Wollen Sie künftig mehr auf den Hygiene-Aspekt aufmerksam machen?

Andlauer: Auf Grund der aktuellen Lage muss die automatische Tür viel mehr in den Fokus der Betreiber aber auch der öffentlichen Stellen und Behörden gerückt werden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass in anderen europäischen Ländern Regel – von Behördenseite – zum verbindlichen Einsatz von automatischen Türsysteme existieren und in Deutschland nicht. Wenn man ernsthaft die Anforderungen an die Hygiene umsetzten will – was heutzutage wohl außer Frage steht – müssen automatische Türsysteme eingesetzt werden. Wir werden seitens der Mitgliedsunternehmen, aber auch seitens des FTA, weiter auf diese Punkte hinweisen. Aber eigentlich sollten Hygiene und Komfort eigentlich ein Selbstläufer sein. Ziel des Verbands ist auch, dass automatische Türsysteme mehr und mehr zum planerischen Selbstverständnis gemacht werden.

Könnte es sein, dass dies an den Anschaffungskosten scheitert und Planer sowie Architekten aus Kostengründen ein solches Türsystem nicht in Betracht ziehen?

Heptner: Wenn man die reinen Kosten und die Montage inklusive der Sensorik nur auf die reinen Anschaffungskosten beschränkt, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass derartige Türsysteme teurer in der Anschaffung sind, als „normale“ Türen. Das ist aber nur eine einseitige Betrachtung. Es muss aber ganz klar darauf hingewiesen werden, dass mit dem Blick „in die Zukunft“, das heißt, auf die gesamte Lebenszeit eines automatischen Türsystems, die Vorteile überwiegen.

Andlauer: Die Merkmale, welche aus unserer Sicht zu diesem Ergebnis führen, sind Komfort und die Nutzerfreundlichkeit einer automatischen Türanlage. Auch der Punkt Barrierefreiheit ist mit einem Türsystem sehr gut umzusetzen und wird durch die europäischen Leitlinien, aber auch national durch die DIN 18040 entsprechend unterstützt. Darüber hinaus sind die automatisierten Türen auch in Punkte Nachhaltigkeit ein echter Gewinner: die Türen öffnen nicht nur zielgerichtet, sie stellen auch sicher, dass sie immer wieder schließen und tragen somit zur Energiebilanz eines Gebäudes aktiv bei.

Da Planer und Architekten bei der Entwicklung eines Gebäudes sicherlich nicht nur an den kurzfristigen Nutzen denken, sondern auch an die langjährige Nutzung, möglicherweise auch Nutzungsänderung bedenken müssen, ist ein automatisches Türsystem nicht nur vorteilhaft und effizient, sondern es steigert auch den Wert einer entsprechenden Immobilie.

Autorin:

Silke Koppers
Redaktion ausbaupraxis.de

Keyvisual und Teaserbild: FTA

6. Juli 2021

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