Begehbare Duschen Keyvisual

Mühelos schwellenlos: Begehbare Duschen konstruieren

Schwellenlos begehbare Duschen sind bei der heutigen Badgestaltung schon längst kein reiner Designtrend mehr, sondern – zumindest im Neubaubereich – Ausdruck eines modernen Gestaltungsprinzips und eines gehobenen Qualitätsstandards. Aus gutem Grund: Bäder mit ebenerdigen Duschen wirken insgesamt großzügiger, wodurch sich gleichzeitig auch ganz neue Möglichkeiten zur räumlichen Anordnung und Gestaltung der Sanitärelemente wie Waschtisch und WC ergeben. Ferner ermöglichen die ebenerdigen Duschen gehbehinderten Menschen oder Menschen im Rollstuhl eine uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit, sofern die Bewegungsflächen nicht durch Trennwände oder Ausstattungselemente unnötig begrenzt werden. Für alle Menschen bieten begehbare Duschen Komfort und Sicherheit, da diese Duschplätze ohne Einstiegsschwellen einfach, bequem und sicher zugänglich sind. Nach dem Duschen erweist sich auch die Reinigung des Duschbereichs durch die bessere Zugänglichkeit als wesentlich einfacher und schneller.
Allerdings bestehen Vorurteile gegenüber den niveaugleichen Duschen hinsichtlich der Sicherheit gegen Durchfeuchtungen und der nur eingeschränkten Wartungsmöglichkeiten.

Begehbare Dusche: Ausführungsarten bei bodengleichen Duschen

Um das Brauchwasser sicher abzuleiten, braucht die Duschfläche eine Neigung von 1 bis 2 % hin zum Ablauf. Bei gefliesten oder mit Platten belegten Flächen wird die Neigung durch den Gefälleestrich (Sonderkonstruktion), einen Estrich auf geneigter Unterkonstruktion, durch Polystyrol-Hartschaumplatten oder ein mit Platten belegtes Ständersystem hergestellt. Die Oberfläche leitet das Wasser ab, die Abdichtungsebene befindet sich als Verbundabdichtung unterhalb der Fliesen. Der Aufbau muss so stabil sein, dass er den statischen oder dynamischen Belastungen standhält und den bauphysikalischen Anforderungen (vor allem dem Schallschutz) genügt. Dabei sind die punktuell auftretenden Lasten, etwa durch einen Duschhocker oder das Befahren mit dem Rollstuhl, zu berücksichtigen. Als Alternative bieten sich für begehbare Duschen Duschwannen an. Sie werden entweder auf einem vorgefertigten Einbaurahmen mit Ständersystem, einem örtlich anpassbaren Einbaurahmen mit Ständersystem oder auf Ständern aufgelagert.

Die vorgefertigten Polystyrol-Hartschaumplatten sind werkseitig mit dem richtigen Gefälle ausgestattet und per se wasserdicht. (Bild: Schlüter Systems)

Die vorgefertigten Polystyrol-Hartschaumplatten sind werkseitig mit dem richtigen Gefälle ausgestattet und per se wasserdicht. (Bild: Schlüter Systems)

Das Einbausystem für jede bodengleichen Duschwanne umfasst auch Einbauhilfen für die Montage. (Bild: Bette GmbH & Co. KG)

Das Einbausystem für jede bodengleichen Duschwanne umfasst auch Einbauhilfen für die Montage. (Bild: Bette GmbH & Co. KG)

Die Standfüße vieler Trägersysteme für Duschwannen sind so ausgebildet, dass sie Duschwanne und Baukörper schalltechnisch voneinander entkoppeln. (Bild: Vigour GmbH)

Die Standfüße vieler Trägersysteme für Duschwannen sind so ausgebildet, dass sie Duschwanne und Baukörper schalltechnisch voneinander entkoppeln. (Bild: Vigour GmbH)

Der Knackpunkt bei begehbaren Duschen ist die dauerhafte Abdichtung

Die erwähnte Abdichtungsebene verhindert das Eindringen der Feuchtigkeit in den Untergrund. Vorgefertigte Elemente aus Hartschaumplatten bieten durch das bereits ausgebildete Gefälle und die werkseitig standardisierte Abdichtungsebene Vorteile gegenüber einem Estrich. Als Schwachpunkt haben sich dabei allerdings die horizontalen Anschlüsse der Abdichtung zwischen dem Duschplatz und dem übrigen Bad herauskristallisiert.
Dabei sind weniger die verwendeten Materialien bedenklich als die Konstruktion selbst. Die Abdichtung der Duschfläche erfolgt durch eine Verbundabdichtung. Zwischen Duschfläche und Badezimmerboden beziehungsweise den aufgehenden Wänden sind Dehnungsfugen vorzusehen, die die horizontalen Dehnungen des Duschplatzes und der übrigen Bauteile aufnehmen. In diesem Bereich wird die Verbundabdichtung mit Dichtungsbändern verstärkt. Nach der Abdichtung werden sowohl die Duschfläche als auch die übrigen Flächen mit dem angedachten Oberflächenbelag versehen, wobei im Bereich der Dehnungsfugen eine dauerelastische Silikonfuge hergestellt wird. Diese Fugen müssen regelmäßig kontrolliert werden (Sichtprüfung wegen Flankenablösung) und gegebenenfalls instand gesetzt oder ganz ausgetauscht. Gerade Letzteres hat sich in der Praxis als problematisch herausgestellt, da sich meist nur ein Teil der Fuge heraus- oder ablösen lässt. Zur Instandsetzung muss das Fugenmaterial vollständig entfernt werden. In der Regel geschieht das mit einem Cuttermesser, was häufig dazu führt, dass das unmittelbar unter der Fuge in der Verbundabdichtung eingelegte Dichtband durchtrennt wird. Bei einer wiederholten Ablösung der Silikonfuge kann dann das Wasser also völlig unkontrolliert in die Bodenkonstruktion eindringen. Erfahrungsgemäß wird ein solcher Mangel erst nach Monaten festgestellt, wenn entweder horizontal flankierende Bauteile oder die darunterliegende Decke durchfeuchtet sind.

Ebenerdige Dusche: Die Duschwanne wird erst ganz zum Schluss eingebaut

Diesen Nachteil weisen die industriell vorgefertigten Duschwannen für ebenerdige Duschen nicht auf, da die Abdichtung am Einbaurahmen so angebracht ist, dass eine unbeabsichtigte Beschädigung beim Herauslösen der Silikonfuge effektiv verhindert wird. Die Duschwannen haben gegenüber gefliesten Duschplätzen auch in Bezug auf den Bauablauf einen Vorteil. Sie werden erst dann installiert, wenn die Leistungen der tangierenden Gewerke wie Maurer, Maler und Fliesenleger abgeschlossen sind, so dass nur ein geringes Gefährdungspotenzial durch den Bauprozess selbst gegeben ist. Ein weiterer wesentlicher Vorteil von Duschwannen ist, dass der Ablauf und die Abflussleitungen unter der Dusche zugänglich bleiben, was deren Kontrolle, Wartung und Reparatur erleichtert. Duschwannen können problemlos aus- und wieder eingebaut werden. Dazu muss nur die Silikonfuge gelöst und danach wieder erneuert werden.
In Bezug auf den Schallschutz bieten die Duschwannen in Verbindung mit den herstellerspezifischen Trägersystemen einen weiteren Vorteil. Zur Minimierung der Schallübertragung werden sowohl die Standfüße als auch der Zwischenraum zwischen der Duschwanne und dem Trägersystem mit entkoppelnden Elementen versehen.

Ein Wandablauf sitzt in der Regel in einer Vorwandkonstruktion. Die Einbauhöhe der Duschwanne bleibt so möglichst gering. (Bild: Vigour GmbH)

Ein Wandablauf sitzt in der Regel in einer Vorwandkonstruktion. Die Einbauhöhe der Duschwanne bleibt so möglichst gering. (Bild: Vigour GmbH)

Linienentwässerungen benötigen weniger Gefälleschnitte im Fliesenbelag. Die Fliesenbreiten können angepasst werden. (Bild: Vigour GmbH)

Linienentwässerungen benötigen weniger Gefälleschnitte im Fliesenbelag. Die Fliesenbreiten können angepasst werden. (Bild: Vigour GmbH)

Bei der Punktentwässerung ist die Sorgfalt und Genauigkeit des Fliesenlegers gefragt. Die Bauhöhe des Ablaufs ist hier am größten. (Bild: Vigour GmbH)

Bei der Punktentwässerung ist die Sorgfalt und Genauigkeit des Fliesenlegers gefragt. Die Bauhöhe des Ablaufs ist hier am größten. (Bild: Vigour GmbH)

Das Ablaufsystem bestimmt die Bauhöhe der begehbaren Dusche
Das Ablaufsystem ist eine Einheit aus einer Sammelöffnung für das Duschwasser und dem Geruchsverschluss. Letzterer bestimmt dabei die Funktionalität und die Bauhöhe der Duschfläche und verhindert, dass Klärgase aus dem Abwassersystem in den Raum gelangen können. Die notwendige Ablaufleistung ist abhängig vom gewählten Brausesystem und muss unbedingt darauf abgestimmt sein.
Bei einem Bodenablaufsystem wird zwischen Punkt- und Linienentwässerung unterschieden. Bei Letzterer lassen sich diagonale Gefälleschnitte im Fliesenbelag minimieren oder ganz vermeiden, was die Fliesenarbeiten stark vereinfacht. Bei beiden Entwässerungsarten ist der Geruchsverschluss jeweils unterhalb des Duschplatzes angebracht.
Bei einem Wandablaufsystem befinden sich die Sammelrinne sowie der Geruchsverschluss in der Regel innerhalb einer Vorwandkonstruktion. Die Ablauföffnung liegt unmittelbar oberhalb der Duschfläche, sie ist mit einer Sichtblende verschlossen. Durch diese Verlegung der Entwässerung in die Wand ist der Fussbodenaufbau einfacher, da die Dämmung und die Abdichtung unterbrechungsfrei ausgeführt werden können.
Sowohl das Boden- als auch das Wandablaufsystem können im modernen Baddesign uneingeschränkt eingesetzt werden. Optische Vorteile bieten Wandabläufe bei begehbaren Duschen besonders dort, wo eine durchgehende Duschfläche gewünscht ist. Dadurch, dass die Installation innerhalb einer Vorwandkonstruktion erfolgt anstatt im Boden, bietet sich ein Wandauflaufsystem auch zur Nachrüstung im Bestand an.

Autor:

Dipl.-Ing. (FH) Lutz Engelhardt
Architekt & Sachverständiger
 
Keyvisual und Teaserbild: Vigour GmbH
 

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