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Bodenkleber: Wir halten fest zusammen

Eine Entscheidung gilt es gleich zu Beginn zu fällen: Soll der Belag mit Bodenkleber fest verklebt werden oder soll man „wieder aufnehmbar“ verlegen?

Mit Bodenkleber fest verklebte Beläge

Unter festen Verklebungen sind alle Befestigungsarten zusammengefasst, bei denen ein Oberbelag einen derart starken Verbund mit dem Untergrund eingeht, dass sein späterer Ausbau in der Regel maschinellen Aufwand erfordert. Die hohen Klebekräfte der Teppich- und PVC-Bodenkleber gewährleisten, dass der ausgewählte Belag auch unter intensiver Beanspruchung sicheren Halt hat. Klebstoffe, die für derart feste Verklebungen vorgesehen sind, gibt es auf unterschiedlicher chemischer Basis.
Standardmäßig werden heute lösemittelfreie, sehr emissionsarme Dispersionsklebstoffe eingesetzt, die für den Einsatz auf gespachtelten, saugfähigen Untergründen ausgelegt sind. Mit dem anschließenden obligatorischen Anwalzen werden die Klebstoffriefen zerquetscht, sodass nur ein äußerst dünner, hochwirksamer Klebstofffilm entsteht. Das im Bodenkleber enthaltene Restwasser wird von der Spachtelmasse sowie dem darunter befindlichen Estrich aufgenommen. Erst dieser Mechanismus sorgt für das vollständige Erhärten des Dispersionsklebstoffs unter dem Belag.
Bei einem nicht saugfähigen Untergrund kommen sogenannte Haftbettklebstoffe als Teppichbodenkleber ins Spiel. Nach dem Auftragen und vollständiger Trocknung weisen sie – im Gegensatz zu Nassbettklebstoffen – eine stark haftfähige Oberfläche auf. Derartige Klebungen sind in der Regel nur mit PVC- und CV-Belägen durchführbar. Neben diesen Böden lassen sich außerdem auch andere Belagsarten wie Kautschuk-, PUR- und Polyolefin-Beläge mit Haftbettklebstoffen sicher am Boden arretieren – allerdings mit einer alternativen Klebetechnik: der Kontaktklebung. Dabei wird der Teppichbodenkleber sowohl auf den Untergrund als auch auf die Belagsrückseite aufgetragen. Sind beide Klebstofffilme vollständig getrocknet, kann der Belag eingebaut werden.
Sind besonders hohe Belastungen absehbar, empfehlen sich Reaktionsharzklebstoffe als Fußbodenkleber. Bei dieser Art von Bodenkleber handelt es sich in der Regel um zweikomponentige (2-K) Polyurethanprodukte. Sie sind in der Lage, PVC-Design- und Kautschuk-Beläge sicher in Bereichen zu verkleben, die beispielsweise intensiver Sonneneinstrahlung und somit hoch belastenden Temperaturen ausgesetzt sind – beispielsweise in Wintergärten.
Allen festen Klebungen ist eines gemein: Ein Bodenbelagswechsel wird stets mit einem erhöhten mechanischen Aufwand beim Ausbau einhergehen. Das macht eine Sanierung des Untergrundes notwendig, ehe ein neuer Belag verlegt werden kann.

Emissionsarme und lösemittelfreie Dispersionsklebstoffe benötigen einen saugfähigen Untergrund. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Emissionsarme und lösemittelfreie Dispersionsklebstoffe benötigen einen saugfähigen Untergrund. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Das Anwalzen des Belags macht aus den Klebstoffriefen einen dünnen, hochwirksamen Klebstofffilm. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Das Anwalzen des Belags macht aus den Klebstoffriefen einen dünnen, hochwirksamen Klebstofffilm. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)


Haftbettklebungen auf nicht saugfähigen Untergründen funktionieren nur mit PVC- und CV-Belägen. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Haftbettklebungen auf nicht saugfähigen Untergründen funktionieren nur mit PVC- und CV-Belägen. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)


Wieder aufnehmbare Beläge

Hat man sich für eine wieder aufnehmbare Verlegung entschieden, stellt sich technisch betrachtet zunächst die Frage: Was genau soll erreicht werden? Bezüglich des Belags kann „wieder aufnehmbar“ bedeuten:
  • Der aufzunehmende Oberbelag soll einfach nur leicht entfernbar sein.
  • Der leicht aufzunehmende Oberbelag soll sich zusätzlich erneut verwenden lassen.
Mit Blick auf den Untergrund sind zudem folgende Ergebnisse möglich:
  • Der Untergrund liegt nach der Belagsaufnahme ohne weitere Maßnahmen im Urzustand vor.
  • Um den Ausgangszustand wieder zu erreichen, muss der Untergrund nach der Belagsaufnahme speziell gereinigt werden.
Nach heutigem Stand der Technik gibt es keine Klebe- oder Fixierlösung, die es bei einem Belagwechsel ermöglicht, den Untergrund ohne größeren Aufwand direkt wieder zu nutzen und den Altbelag zugleich wieder zu verwenden. Bitte beachten: Selbst lose liegende Klickverbund-Beläge sind nach längerer Nutzungsdauer nicht automatisch weiter verwendungsfähig. Für solche Ansprüche sollte immer eine verbindliche Herstellerempfehlung eingeholt werden. Kommt es auf eine erneute Belagsverwendung allerdings nicht an, stehen verschiedene Befestigungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Trockenklebstoffe als Bodenkleber

Mit Trockenklebstoffen lassen sich Bodenbeläge schnell und einfach verlegen, sogar direkt auf Altbelägen. Trockenklebstoffe sind angesichts ihrer aufwendigeren Produktion in der Regel teurer als Flüssigprodukte. Dafür bieten sie einen erheblichen Zeitvorteil, denn sie müssen nicht ablüften. Genau informieren sollte man sich, wenn man Trockenklebstoffe benötigt, die sich auch wirklich rückstandsfrei vom Untergrund abziehen lassen. Aufgepasst: Der Begriff „wieder aufnehmbar“ ist nicht gleichbedeutend mit „rückstandsfrei wieder aufnehmbar“. Nur letztere Eigenschaft bezieht sich tatsächlich auf die Erhaltung des Untergrundes. Die Terminologie „wieder aufnehmbar“ allein kann im Einzelfall durchaus erheblichen zusätzlichen Reinigungsaufwand durch verbleibende Klebstoffreste bedeuten. Daher ist es ratsam, sich in den Technischen Datenblättern über die Einsatzmöglichkeiten und Leistungsfähigkeit der in die engere Wahl gerückten Trockenklebstoffe genauestens zu informieren. Die Klebekraft von Trockenklebstoffen als Fußbodenkleber sollte keinesfalls unterschätzt werden. Nicht selten gehen Bodenbeläge mit den aufkaschierten Klebstoffen teils enorm starke Verbindungen ein. Andererseits sind Trockenklebstoffe in ihrem Leistungsspektrum technisch limitiert. Beispielsweise gehören sie nicht in Bereiche, wo erhöhte Belastungen infolge starker Sonneneinstrahlung zu erwarten sind.

Fixierungen

Allgemein ausgedrückt sind Fixierungen extra schwächer eingestellte Klebstoffe. Da sie nur einen Bruchteil der Festigkeitswerte klassischer Teppichbodenkleber erreichen, fallen sie aus der Klebstoffanforderungsnorm. Dafür sind sie gut wasserlöslich eingestellt, sodass sich Fixierungsreste bei einem späteren Belagwechsel vergleichsweise einfach beseitigen lassen. Hinsichtlich ihrer Verarbeitungsprozesse gleichen sich Fixierungen und Klebstoffe weitgehend. Unterscheidungen ergeben sich einzig im Auftrag, da Fixierungen je nach Produkt und Anforderung für den Einsatz von Zahnspachteln oder Rollen konzipiert sind. Technisch betrachtet unterliegen Fixierungen ähnlichen Grenzen wie Trockenklebstoffe. Da diese Systeme wasserbasiert sind, ist speziell beim Einsatz auf feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen wie beispielsweise Parkett Vorsicht geboten. Wird eine solche Verlegung seitens der Auftraggeber gewünscht, ist die Nachfrage beim Technischen Service des Herstellers unumgänglich.

Rollfixierungen

Rollfixierungen (fälschlicherweise häufig auch „Rollkleber“ genannt) wurden gezielt für die Verlegung von Design-Belägen (LVTs) entwickelt. Bei ihnen handelt es sich um speziell eingestellte Haftklebstoffe. Wie ihr Name bereits signalisiert, werden diese Fixierungen meist mit Nylon-Plüschrollen aufgerollt. Im direkten Vergleich mit Klebstoffen lassen sie sich spürbar ergonomischer handhaben, da der Auftrag aus dem Stand heraus erfolgt. Ihre Haftwirkung ist indes deutlich schwächer.
Im Gegensatz zu den vorgenannten „echten“ Fixierungen lassen sich Rollfixierungen nicht mittels Grundreinigung entfernen. Mit Rollfixierungen beaufschlagte Untergründe verlangen daher eine regelrechte Wiederaufbereitung, nachdem ein Belag wieder aufgenommen worden ist. Andererseits ermöglichen Rollfixierungen einen zügigen Verlegefortschritt. Bezüglich ihrer technischen Leistungsfähigkeit unterscheiden sich Rollfixierungen und andere Fixierungsarten nicht. Entsprechend beschränkt sich ihr Einsatz primär auf den Privat- und Objektbereich, in dem keine nennenswerten mechanischen Belastungen oder thermischen Einflüsse wie anhaltende Sonneneinstrahlung zu erwarten sind. Obwohl sich viele Beläge noch kurz nach dem Einbau vergleichsweise leicht vom Haftfilm einer Rollfixierung abheben lassen, kann sich das im Laufe der Zeit ändern, und die Haftwirkung nimmt zu. Das hat zur Folge, dass Oberbeläge nach ihrer Aufnahme auch von Rollfixierungen beeinträchtigt werden können und eine erneute Verwendung nicht möglich ist.

Die Verarbeitung der Rollfixierungen per Rolle ist einfacher, die Haftwirkung aber wesentlich geringer. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Die Verarbeitung der Rollfixierungen per Rolle ist einfacher, die Haftwirkung aber wesentlich geringer. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Auch wenn die Fixierungen keine hohe Klebkraft entwickeln, müssen die Beläge angewalzt werden. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Auch wenn die Fixierungen keine hohe Klebkraft entwickeln, müssen die Beläge angewalzt werden. (Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Mit dem Thomsit K145 ist eine Flächenleistung von etwa 100 qm pro Gebinde erreichbar.
(Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Mit dem Thomsit K145 ist eine Flächenleistung von etwa 100 qm pro Gebinde erreichbar.
(Bild: Henkel KGaA/Thomsit)

Rutschhemmung

Unter Rutschhemmungen versteht man spezielle Haftfilme, die ebenfalls per Rolle aufgetragen werden, aber erst nach vollständiger Trocknung eine stumpfe Schicht für die Aufnahme von Teppichfliesen bilden. Dabei bleiben Teppichfliesen selbst beim Belaufen oder Überrollen mit Bürostühlen sicher an ihrer Position arretiert, kleben aber nicht. Sie lassen sich dennoch jederzeit unbeschädigt vom Untergrund aufnehmen und wieder einlegen. Zum Einsatz kommen Rutschhemmungen vor allem auf Doppelböden. Teppichfliesen erlauben hier den gewünschten kleinflächigen Zugang zu den Bodenelementen. Voraussetzung für die Verlegung: Die Fliesen müssen dimensionsstabil sein und eben auf dem Untergrund aufliegen.

Autor:

Uwe Elvert
Cheftechniker Thomsit
 
Keyvisual und Teaserbild: Henkel KGaA/Thomsit
 

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