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Dachgeschoss ausbauen: Sechs Tipps fürs Oberstübchen

Gerade für den Dachgeschossausbau bietet sich die Trockenbauweise an. Balken sind sowieso vorhanden. Dämmung rein, Beplankung drauf und fertig. Nicht ganz – denn im Dach ist manches anders. Wir zeigen die wichtigsten sechs Punkte.

Holzschutz im Dachausbau ernst nehmen

Dort, wo Holzbauteile, also in der Regel Balken im Dach, eine tragende Funktion haben, müssen sie vor Feuchtigkeit und Schädlingsbefall geschützt werden. Meist reicht es aus, dafür zu sorgen, dass sie schön trocken sind. Sollten sie Feuchte abbekommen haben, müssen sie auch nach dem Innenausbau zum Innenraum hin austrocknen können!

Was frisst denn da?

Oft sind Dachstühle von Pilzen, manchmal auch von Insekten befallen. Vor dem Innenausbau sollten unbedingt auch schwer zugängliche Bereiche begutachtet werden.
Pilze sind normalerweise sichtbar. Schimmelpilze bilden einen grauen, schwarzen oder grünlichen Film auf der Holzoberfläche, Hausschwamm bildet zum Beispiel eine faserige bis wolkige Schicht und Insekten erkennt man daran, dass das Holz „angefressen“ oder durchlöchert ist.  Ob ein Insektenbefall  noch lebt, lässt sich zum Beispiel mit einem Stethoskop „erhorchen“.
Bei Schimmelpilzen steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob Teile befallen sind, deren Oberfläche nicht erreichbar ist, zum Beispiel Verbindungsstellen zwischen einzelnen Balken oder nicht zugängliche Ecken.
Ganz gleich, welche Organismen das Holz befallen haben, sind sie da, sollte man ein auf Schädlinge oder Schimmelpilzsanierung spezialisiertes Fachunternehmen hinzuziehen!

Schimmel auf Holz ist leicht zu erkennen: das Holz ist fleckig oder ist mit einem Schleier belegt. Bei der Entfernung wird die Oberfläche mit einem abrasiven Verfahren (zum Beispiel Trockeneisstrahlen) gereinigt. Daher lässt sich Schimmel an schwer zugänglichen Stellen nicht gut entfernen. (Bild: Constanze Messal)

Schimmel auf Holz ist leicht zu erkennen: das Holz ist fleckig oder ist mit einem Schleier belegt. Bei der Entfernung wird die Oberfläche mit einem abrasiven Verfahren (zum Beispiel Trockeneisstrahlen) gereinigt. Daher lässt sich Schimmel an schwer zugänglichen Stellen nicht gut entfernen. (Bild: Constanze Messal)

Insekten im Holz: Beim Hausbockkäfer lässt sich zum Beispiel mittels eines Papierstreifens prüfen, ob der Befall noch aktiv ist. Ist der Streifen nach einer Zeit durchlöchert, sind lebende Larven vorhanden. (Bild: DER ZIMMERMANN)

Insekten im Holz: Beim Hausbockkäfer lässt sich zum Beispiel mittels eines Papierstreifens prüfen, ob der Befall noch aktiv ist. Ist der Streifen nach einer Zeit durchlöchert, sind lebende Larven vorhanden. (Bild: DER ZIMMERMANN)

Nicht appetitlich: Ein echter Hausschwamm. Wer so etwas im Dachstuhl entdeckt, sollte in jedem Fall einen Fachmann ranlassen! (Bild: Otto Richter GmbH)

Nicht appetitlich: Ein echter Hausschwamm. Wer so etwas im Dachstuhl entdeckt, sollte in jedem Fall einen Fachmann ranlassen! (Bild: Otto Richter GmbH)



Muss im Dachgeschoss luftdicht gebaut werden?

Ja! In Altbauten ist es oft so, dass gewisse Undichtigkeiten im Dach zunächst nicht zu weiteren Schäden führen.  Wird das Dachgeschoss aber ausgebaut, fällt innerhalb des neuen Wohn- oder Arbeitsraum wesentlich mehr Feuchte an als das im unbewohnten Zustand der Fall war.
Außerdem können sich die bauphysikalischen Verhältnisse verschieben: Dort, wo früher eine undichte Stelle war, ist das Dach ungewollt auf einmal dicht. Der Einbau neuer Fenster kann die Dichtigkeit partiell erhöhen. Dann wird es mitunter an bestehenden Undichtigkeiten wesentlich feuchter als vorher. Es beginnt zu schimmeln. 
Empfehlenswert sind Dampfbremsen, die über eine flexible Membran verfügen. So kann warme, feuchte Luft aus dem Innenraum nach außen abgegeben werden wenn es draußen kalt ist. Von außen kann aber keine Luft oder Feuchte eindringen.

Bei der Untersparrendämmung wird über den vorhandenen Dämmschichten die luftdichte Dampfbremse und darauf einen weitere Dämmschicht aufgebracht. (Bild: Isover)

Bei der Untersparrendämmung wird über den vorhandenen Dämmschichten die luftdichte Dampfbremse und darauf einen weitere Dämmschicht aufgebracht. (Bild: Isover)

Bei der Zwischensparrendämmung wird nur zwischen den Sparren gedämmt. Im Bild sind Zwischen -und Untersparrendämmung kombiniert. (Bild: Isover)

Bei der Zwischensparrendämmung wird nur zwischen den Sparren gedämmt. Im Bild sind Zwischen -und Untersparrendämmung kombiniert. (Bild: Isover)

Wände dämmen

Prinzipiell kommen für den Innenausbau zwei Möglichkeiten der Dachgeschossdämmung infrage: Die Untersparrendämmung und die Zwischensparrendämmung.  Bei der Untersparrendämmung wird die Dämmschicht ähnlich einer  Innendämmung auf die gesamte Dachschicht aufgetragen, wobei zwischen den Sparren auch schon eine lückenlose Dämmschicht (Zwischensparrendämmung) vorhanden sein sollte. So lassen sich Unebenheiten geschickt ausgleichen und man kann beachtliche Dämmwerte erzielen! Die Sparren werden mitgedämmt und bilden so keine Wärmebrücken. Allerdings geht auch einiges an Platz verloren. Wichtig ist, dass keine Hohlräume zwischen den Dämmschichten entstehen.
Für die Zwischensparrendämmung wird einfach der Hohlraum zwischen den Sparren ausgefüllt. Die Dampfbremse wird dann innenseitig angeordnet. Dann gilt es besonders zu beachten, dass diese beim Auftragen weiterer Schichten, zum Beispiel aus Gipskarton nicht perforiert wird. Die Folienstöße und -anschlüsse an weitere Bauteile (Giebel) müssen mit Klebebändern und -massen sorgfältig ausgeführt werden. Dabei müssen Sie aus Gewährleistungsgründen immer  im System bleiben!

Boden kritisch prüfen

Bevor ausgebaut werden kann, muss die Tragfähigkeit des Bodens geklärt sein. Besteht die oberste Geschossdecke aus Beton, gibt es in der Regel kaum Probleme. Holzbalkendecken sind eher mit Vorsicht zu genießen. Zu Prüfung ihrer Belastbarkeit sollte ein Statiker beauftragt werden. Ist diese nicht gegeben, kann die Decke zum Beispiel mit einer Aufdopplung verstärkt werden. Dabei werden neue Balken fest mit den bestehenden Trägern verbunden. Natürlich verliert man mit dieser Methode einiges an Höhe. Ist das nicht möglich, können die alten Träger auch „geschient“ werden.

Schallschutz nicht vergessen

Gerade der Trittschallschutz kann in einem Dachgeschoss eine wichtige Rolle spielen. Bei Holzbalkendecken erreicht man zum Beispiel mit speziellen Ausgleichsschüttungen eine deutliche Trittschalldämmung.
Bei Trennwänden innerhalb des Dachgeschosses sollte das Schalldämmmaß um mindestens 5 dB über dem in Din 4109:1989-11 angegebenen jeweils geforderten rechnerischen Wert liegen. Außerdem muss – wie überall sonst auch – auf dichte Anschlüsse an die flankierenden Bauteile geachtet werden. 
 

Autor:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS

 
Keyvisual und Teaserbild: Bleich GmbH
 

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