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Der Systemboden: Doppelt hält besser

Ein Systemboden ist vor allem dort gefragt, wo eine hohe Dichte an verschiedenen technischen Installationen herrscht und deren Verlegung möglichst einfach und kostengünstig sein soll. Das Aufständern der zweiten Bodenschicht über dem Rohboden sorgt für einen nahezu beliebig nutzbaren Hohlraum, der mit manchen Bodensystemen bis zu 2.500 mm hoch sein kann. Zwei Varianten der Systemböden gibt es: Hohlbodensysteme, die eine fugenlose homogene Tragschicht aufweisen, und Doppelbodensysteme, deren Tragschicht aus einzelnen, herausnehmbaren Elementen besteht.

Der Hohlboden

Wichtig ist, dass die gesamte Bodenkonstruktion über einen umlaufenden Randdämmstreifen vom Baukörper abgekoppelt ist.Wie ist dieser Systemboden aufgebaut?

Klassischerweise wird der Hohlboden als Nasshohlboden ausgeführt. Dabei wird auf Trägerplatten (600 x 1.200 mm) ein Calciumsulfat-Estrich in einer Stärke von 35 mm aufgebracht. Die Stahlstützen dieses Systembodens stehen in einem Raster von 600 x 600 mm auf dem Rohboden, wo sie zwingend verklebt werden müssen.

Beim Trockenhohlboden werden statt des Estrichs Mineralstoffplatten mit Nut und Feder schwimmend eingebaut. Vorteil: Die Trocknungszeiten entfallen bei dieser Art Hohlbodensystem.

Was geht mit Hohlböden?

Mit Hohlbodensystemen sind Aufbauhöhen von bis zu 1.000 mm (nass) und 2.000 mm (trocken) möglich. Die Eignung für schwere Lasten wird bei Hohlböden über die Dicke der Träger- und Estrichschicht sichergestellt. So kann ein Hohlboden mit 76 mm Gesamthöhe (zweimal 38 mm) Punktlasten bis zu 20 kN aufnehmen. Die Revisionierbarkeit des Hohlraums wird durch Revisionsklappen oder durch aufnehmbare Doppelbodenelemente erreicht. Die Aussparungen dafür können bei diesem Systemboden auch noch nachträglich durch eine Kernbohrung hergestellt werden. Das Gleiche gilt für Elektranten. Um den Hohlraum möglichst frei zu halten, können die Trennwände auf den Hohlboden aufgestellt werden, was allerdings den Schallschutz beeinträchtigt.

Welche Bodenbeläge kommen in Betracht?

Bei diesem Systemboden grundsätzlich alle. Eine Spachtelung der Oberfläche ist bei elastischen Belägen wie Vinylböden oder Linoleum angeraten. Bei Teppichböden kann davon in der Regel abgesehen werden. Harte Beläge wie Mehrschichtparkette oder Laminate sind schwimmend zu verlegen. Fliesen und Natursteinplatten müssen flexibel verklebt werden. Zusatzstützen in Rasterfeldmitte sorgen dafür, dass keine zu große Durchbiegung entsteht und die Platten reißen.

Der Doppelboden

Wie ist dieser Systemboden aufgebaut?

Auch beim Doppelbodensystem stehen die tragenden Stahlstützen im Raster von 600 x 600 mm. Statt einer durchgehenden Tragschicht liegen hier einzelne Platten von ebenfalls 600 x 600 mm auf den Stützen auf und bilden so die Bodenfläche. Die Platten werden lose eingelegt, was dazu führt, dass der Hohlraum jederzeit und an jeder Stelle bequem zugänglich bleibt. Auch hier müssen die Stahlstützen auf dem Rohboden verklebt werden.

Welche Materialien kommen zum Einsatz?

Abhängig von der geplanten Nutzung werden die Platten bei einem Doppelbodensystem entweder aus hochverdichteten Holzwerkstoffen oder aus faserverstärkten Mineralstoffen eingesetzt. Die Holzwerkstoffplatten müssen der Emissionsklasse E1 entsprechen. Bei zu erwartender Feuchtebelastung wird die Plattenunterseite mit einem Alublech kaschiert. Sind höhere Lastaufnahmen gefragt, ist es ein verzinktes Stahlblech. Holzwerkstoffplatten reichen für normale Qualitätsanforderungen völlig aus, der Vorteil liegt hier im niedrigen Systemgewicht und der hohen Wirtschaftlichkeit.
Ist ein hoher Schall- und/oder Brandschutz gefordert, sind Mineralstoffplatten erste Wahl. Gipsfaserplatten können höhere Punktlasten aufnehmen als Holzwerkstoffplatten, auch hier kann ein verzinktes Stahlblech auf der Unterseite die Belastbarkeit erhöhen. Die höhere Rohdichte führt übrigens zu einer nicht unerheblichen Verbesserung des Gehkomforts. Wesentlich seltener werden Platten mit Metallschicht eingesetzt, vor allem in Reinräumen und Forschungseinrichtungen.

Was geht mit Doppelböden?

Doppelboden-Systeme haben eine große Bandbreite an Aufbauhöhen, nämlich von 28 bis 2.500 mm. Auch Flächenheizungen können mit dieser Variante realisiert werden, indem unter den Bodenplatten Wärmedämmkassetten mit Heizschleifen montiert werden. Grundsätzlich ist durch die einzelne Wiederaufnahmefähigkeit der Platten eine Nachinstallation jederzeit möglich. Die Tragfähigkeit wird durch eine größere Plattendicke erhöht, die Kippsicherheit bei Aufbauhöhen ab 500 mm durch Verdübelung der Stützen im Rohboden oder durch den Einsatz von horizontalen Rasterstäben.

Welche Bodenbeläge kommen bei dieser Art Systemboden in Betracht?

Ebenfalls grundsätzlich alle. Aufgrund der erwünschten Revisionierbarkeit dürfen die Oberbeläge aber nicht fugenlos verlegt sein, sondern müssen auf die einzelnen Platten zugeschnitten oder bereits werkseitig appliziert werden. Flächenspachtelungen sind auf Doppelböden grundsätzlich unzulässig. Im Sanierungsfall können die Beläge übrigens problemlos abgeschält werden, ohne dass die Tragkonstruktion oder der laufende Betrieb beeinträchtigt würde.

 

Autor

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 

Alle Bilder im Beitrag: Knauf