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Nehmen Sie digitales 3D-Aufmaß!

In den meisten Fällen reichen Zollstock und Bandmaß, wenn man vor Ort Maß nehmen möchte. Wird die Geometrie komplex, geraten konventionelle Messmethoden aber schnell an ihre Grenzen. Für diese Fälle sind sogenannte tachymetrische Aufmaß-Messsysteme besser geeignet. Das sind 3D-Aufmaß-Systeme, die auf einem Tachymeter (eine Kombination aus Winkel- und Distanzmessgerät), speziell dafür konstruierten Messgeräten oder Laser-Distanzmessern basieren. Sie erfassen die 3D-Koordinaten einzelner markanter Punkte eines beliebigen Objektes über den Horizontal- und Vertikalwinkel sowie die gemessene Distanz. Die Messdaten lassen sich per USB-Stick, Datenkabel und Funk auf mobile Rechner übertragen und direkt vor Ort auswerten. Parallel zur Messung entsteht so eine 3D-Aufmaßskizze, die man in CAD-Systeme einlesen und sofort weiterverarbeiten kann.

So funktioniert ein 3D-Aufmaß-System:

Das aus einem Stativ und einem darauf montierten, dreh- und schwenkbaren Messgerät bestehende 3D-Aufmaßsystem wird im Raum aufgestellt und eingeschaltet, worauf es sich in der Regel selbstständig orientiert und kalibriert. Anschließend können die Messpunkte durch Drehen und Schwenken des Messgerätes von Hand oder – motorisch betrieben und per Funkfernbedienung gesteuert – halbautomatisch anvisiert werden. Aus den horizontalen und vertikalen Winkelwerten und der vom Lasermessgerät ermittelten Distanz berechnet das System die exakten 3D-Koordinaten für jeden Messpunkt auf den Millimeter genau. Ausgelöst wird die Messung für das digitale Aufmaß direkt am Gerät, teilweise auch per Fernbedienung oder per Tastendruck am Notebook oder Tablet-PC. Die Aufmaßdaten werden über ein Datenkabel oder kabellos mit Hilfe des Bluetooth-Funkstandards direkt in das zum System gehörende Aufmaßprogramm übertragen. Dort entsteht parallel eine 3D-Aufmaß-Skizze, die man per DXF-Schnittstelle in beliebige CAD-Programme einlesen und daraus Grundrisse, Aufrisse oder Schnitte generieren kann. Es müssen weder Raumecken noch Raumdiagonalen gemessen werden – zwei Messpunkte pro Wand genügen. Die reflektorlose Messung ermöglicht ein rationelles Aufmaß, das sich von einer einzigen Person durchführen lässt. Bei hohen Räumen kann auf Leitern, Arbeitsbühnen und Gerüste verzichtet werden. Auch weit entfernte Messpunkte (bis etwa 80 Meter) lassen sich über einen digitalen oder optischen Zielsucher präzise anvisieren. Lediglich im Außenbereich setzt grelles Sonnenlicht der Sichtbarkeit des Laserpunktes bei einem 3D-Aufmaß Grenzen. Da man vor Ort die volle grafische Kontrolle über das aktuelle Messergebnis hat, gehören vergessene Maße und eine mehrfache Anfahrt des Messortes der Vergangenheit an. Die Messdaten müssen später im Büro nicht mehr nachbearbeitet werden, wie es bei anderen Systemen der Fall ist. Gegenüber dem herkömmlichen Handaufmaß lässt sich dadurch über die Hälfte der Arbeitszeit einsparen. Nicht jedes Unternehmen will und kann bei Preisen ab 5.000 Euro in ein 3D-Aufmaßsystem investieren. Ein digitales Aufmaß amortisiert sich erst, wenn es mehrmals jährlich zum Einsatz kommt.

Zum System gehören in der Regel ein Dreibeinstativ, das 3D-Aufmaßgerät, ein Koffer mit Notebook-Auflage … (Bild: C-Techniken)

Zum System gehören in der Regel ein Dreibeinstativ, das 3D-Aufmaßgerät, ein Koffer mit Notebook-Auflage … (Bild: C-Techniken)

… sowie die passende 3D-Aufmaß-Software. (Bild: C-Techniken)

… sowie die passende 3D-Aufmaß-Software. (Bild: C-Techniken)

Auch verzogene, runde und frei geformte Treppen lassen sich präzise und wirtschaftlich erfassen.
(Bild: SL Laser)

Auch verzogene, runde und frei geformte Treppen lassen sich präzise und wirtschaftlich erfassen.
(Bild: SL Laser)

Worauf sollte man bei einem 3D-Aufmaß achten?

Wichtige Auswahlkriterien für ein digitales Aufmaß sind eine Reihe von Merkmalen. Zu den wichtigsten technischen Parametern zählen:

Der Messbereich:

Er gibt an, von welcher minimalen bis zu welcher maximalen Distanz in Metern das Gerät messen kann.

Der Messbereich horizontal/vertikal:

Dieser Messbereich gibt den horizontalen und vertikalen Bereich in Grad an, innerhalb dessen der Messsensor Messpunkte erfassen kann. Er liegt horizontal stets bei 360 und vertikal bei rund 300 Grad.

Die Genauigkeit:

Die Messgenauigkeit gibt an, wie präzise ein Objektpunkt in seiner Position bei einer typischen Messentfernung erfasst werden kann (zwischen ± 1,5 und 3 Millimetern). Auch die Winkelgenauigkeit der beiden Drehachsen spielt hier eine wichtige Rolle, die je nach System sehr unterschiedlich sein kann.

Die Messpunkterfassung:

Sie sagt aus, ob die Messpunkte wahlweise motorisch per Fernbedienung oder manuell angefahren werden können. Präziser lassen sich Messpunkte motorisch anvisieren, schneller ist man per Hand. Auch die 3D-Aufmaßmessung selbst sollte sich wahlweise manuell oder per Fernbedienung auslösen lassen.

Die maximale Messrate:

Sie gibt an, wie viele Messpunkte pro Minute mit dem digitalen Aufmaß erfasst werden können.

Die Funktionen:

Die wichtigsten Funktionen sind die automatische Nivellierung beim Aufstellen des Gerätes und ein eingebauter Schocksensor, der das versehentliche Anstoßen des 3D-Aufmaßgeräts meldet. Das ist hilfreich, wenn vor Ort reger Baubetrieb herrscht und man das 3D-Aufmaßsystem nicht immer im Blick hat.

Automatische Messreihen:

Sie ermöglichen die selbstständige Erfassung von Messpunkten entlang einer vorgegebenen Linie oder innerhalb einer Fläche.

Die CAD-Datenprojektion:

Sie entspricht einem Aufmaß in umgekehrter Form. Damit können CAD-Daten (Montagepunkte oder Bohrstellen) mittels 3D-Laser-Aufnahmesystem auf eine Wand-, Decken- oder Bodenfläche projiziert werden, was das zeitraubende Einmessen erübrigt.

Die Datenübertragung:

Sie sollte so beschaffen sein, dass Messdaten vom 3D-Aufmaßgerät zum mobilen PC kabellos gesendet werden.

Das Aufmaß-Exportformat:

Das Format ist wichtig, um die mit einem 3D-Aufmaß erfassten Daten in einem CAD-Programm weiter verarbeiten zu können. Teilweise sind auch direkte Schnittstellen etwa zu Treppenplanungsprogrammen vorhanden, oder es können direkt beim Aufmaß sogenannte BIM-Bauteile erfasst werden, mit denen man 3D-Modelle nach dem Building Information Modeling-Standard generieren kann.

Gehäusedaten:

Maße, Gewicht, IP-Schutzklasse und das Gehäusematerial sagen etwas über Mobilität und Baustellentauglichkeit des 3D-Aufmaßgeräts aus.

Die Stromversorgung:

Sie sollte durch Lithium-Ionen-Akkus erfolgen, die sich schnell aufladen lassen und länger durchhalten.

Der Standard-Lieferumfang:

Dazu sollten ein Transportkoffer, ein Stativ, ein Ladegerät, eine 3D-Aufmaß-Software, gegebenenfalls eine Fernbedienung sowie weiteres Zubehör gehören. Der Preis sollte für das Komplettsystem inklusive des aufgeführten Lieferumfangs gelten.

Autor:

Marian Behaneck

Produkte und Anbieter*

Tachymetrisches 3D-Aufmaß:

 
* Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

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