Dusche flüssig abdichten Keyvisual

Flüssige Abdichtung – sicher ist sicher

Flüssig zu verarbeitende Abdichtungsstoffe sind in Küche und Bad schon lange Standard. Aber erst seit Kurzem sind sie durch eine Norm erfasst – nämlich durch die DIN 18534, Teil 3, die sich detailliert mit der flüssigen Abdichtung in Innenräumen in Verbund mit Fliesen und Platten beschäftigt. AUSBAUPRAXIS sagt Ihnen, worauf Sie in Zukunft achten sollten, wenn Sie zum Beispiel eine Dusche abdichten, um die Vorgaben der Norm auf jeden Fall zu erfüllen.
 
Zunächst einmal nennt die Norm drei unterschiedliche Varianten flüssiger Abdichtungen die im Verbund eingesetzt werden dürfen: Polymerdispersionen, rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme und Reaktionsharze. Die Norm legt auch fest, für welche Wassereinwirkungsklassen und für welche Rissklassen die jeweilige flüssige Abdichtung verwendet werden darf.
 
Im Falle der Rissklassen ist die Geschichte simpel: Alle drei Varianten sind lediglich bei Untergründen der Rissklasse R1-I zulässig – die dürfte aber im Innenbereich fast immer vorliegen. Denn die Rissklasse R1-I umfasst Untergründe, bei denen Risse bis zu einer Breite von 0,2 Millimeter auftreten können. Folgende Untergründe werden zum Beispiel dieser Rissklasse zugeordnet: Stahlbeton, Estriche, Mauerwerk, Putze und Gipskarton- beziehungsweise Gipsfaserplatten.
 
Komplizierter wird es bei den Wassereinwirkungsklassen. Wie die einzelnen Klassen definiert sind finden sie hier. Je nachdem, ob der Einsatzort geringer, mäßiger, hoher oder sehr hoher Wassereinwirkung ausgesetzt ist, wird ihm eine dieser vier Wassereinwirkungsklassen zugewiesen. Eigentlich wäre der Rest jetzt im Falle der flüssigen Verbundabdichtungen ganz einfach: An der Wand akzeptiert die Norm die vergleichsweise günstigen Polymerdispersionen bis zu hoher Wassereinwirkung (W2-I) – und mehr als „hohe Wassereinwirkung“ im Sinne der Norm findet man in privaten Bereich nicht. „Sehr hohe Wassereinwirkung“, also die Klasse W3-I, ist öffentlichen Duschen vorbehalten.
 
Beim Boden ist die Norm strenger: Er darf höchstens geringer bis mäßiger Wassereinwirkung ausgesetzt sein, nur dann reichen Polymerdispersionen aus. Ab „hoher Wassereinwirkung“ sind beim Boden nur rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme oder Reaktionsharze als flüssige Verbundabdichtung zulässig. Soweit, so simpel? Nicht ganz. Genau hier, beim Badezimmer-Boden also, wird es für den Verarbeiter schwierig.

Wo gilt welche Wassereinwirkungsklasse? (Bild SG Weber)

Wo gilt welche Wassereinwirkungsklasse? (Bild SG Weber)

Mit Kontrastfarben gehen Sie bei der Verwendung von Polymerabdichtungen auf Nummer sicher. (Bild: SG Weber)

Mit Kontrastfarben gehen Sie bei der Verwendung von Polymerabdichtungen auf Nummer sicher. (Bild: SG Weber)

Rund um die Dusche abdichten: Der Teufel steckt im Detail

Was sich nach einer klaren Regelung anhört, ist in der Praxis nämlich keinesfalls immer eindeutig. Die Schwierigkeit steckt insbesondere in der Abgrenzung von „mäßiger Wassereinwirkung“ und „hoher Wassereinwirkung“ – wie obenstehende Abbildung schnell deutlich macht. So liegt bei einer bodengleichen Dusche mit fester Abtrennung im Bereich des Bodens der Dusche die Wassereinwirkungsklasse W2-I vor, außerhalb der Dusche W1-I – also müsste in der Dusche auf eine Dichtungsschlämme oder Reaktionsharz zum Einsatz kommen, außerhalb dürfte mit einer Polymerdispersion gearbeitet werden. Was aber passiert, wenn der Bauherr irgendwann einmal auf die Idee kommt, die Abtrennung durch einen Duschvorhang zu ersetzen? Dann reicht die Polymerdispersion plötzlich nicht mehr. Und die geschilderte Situation ist nur eine mögliche Unwägbarkeit an dieser Schnittstelle. Unser Rat für diese und vergleichbare Fälle: Gehen Sie auf Nummer sicher und rechnen Sie mit der höheren Wassereinwirkungsklasse.
 
Ein weiteres Problem der DIN 18534 an sich und des dritten Teils ist, dass sich an manchen Stellen auch die Experten nicht ganz einig sind, wie sie im Detail auszulegen ist. Da wäre zum Beispiel die Geschichte mit dem zweifarbigen Auftrag von Polymerdispersionen. Polymerabdichtungen sollen, so steht es in der Norm in mindestens zwei Arbeitsgängen und in unterschiedlichen Farben aufgetragen werden. Ob man Kontrastfarben verwenden muss oder kann, darüber sind sich selbst Sachverständige nicht ganz einig. Wichtig sei, dass die Mindesttrockenschichtdicke erreicht werde, sagen die einen, nein, es müssten schon zwei Farben sein, die anderen. Auch hier gilt: Wenn Sie mögliche, spätere Scherereien auf jeden Fall vermeiden wollen, sollten Sie sich für die Variante mit Kontrastfarben entscheiden.
Die Mindesttrockenschichtdicke, die bei Polymerabdichtungen 0,5 Millimeter beträgt, und bei zementären Dichtschlämmen 2,0 Millimeter, muss im Übrigen durch eine Verbrauchsmengenkontrolle oder eine Nassschichtdickenkontrolle sichergestellt werden. Da der Hersteller die erforderliche Verarbeitungsmenge pro Quadratmeter angeben muss, ist die Berechnung über den Verbrauch die einfachere Variante.

Flüssige Abdichtungen: Nur geprüfte Systeme und Zubehör zulässig

Beim Flüssigen Abdichten dürfen nur Dichtbänder verwendet werden, die mit dem Abdichtungsstoff geprüft und zugelassen worden sind. (Bild: SG Weber)Nehmen wir an, Sie haben noch Reste eines Dichtbands des einen Herstellers, wollen aber die Dichtschlämme eines anderen benutzen. Oder aber: Es ist bereits ein Band verarbeitet, das nicht mit dem flüssigen Abdichtungsstoff Ihres Herstellers geprüft ist. In beiden Fällen ist es keine gute Idee, das Dichtband und Abdichtungsstoff einfach zu kombinieren. Denn die Norm schreibt eindeutig vor, dass nur solche Dichtbänder, Manschetten und Zubehörteile verwendet werden dürfen, die zusammen mit den Abdichtungsstoffen des jeweiligen Herstellers geprüft und zugelassen sind. Mit anderen Worten: Bei Verwendung ungeprüfter Kombinationen produziert der Verarbeiter einen versteckten Mangel! Es sei denn der Bauherr unterschreibt Ihnen, dass es sich um eine Sonderkonstruktion handelt, die er genehmigt hat – was oft nicht ganz einfach sein dürfte.
Wie Sie sehen: So eindeutig, wie man es gerne hätte, ist die neue Norm 18534 in Sachen flüssige Abdichtungen im Verbund nicht – jedenfalls nicht im Detail. Wenn Sie nachträglichen Ärger mit Ihren Kunden vermeiden wollen, gibt es aber einen guten und auch akzeptablen Weg: Der Norm möglichst buchstabengetreu folgen. Und das Wichtigste zu den Abdichtungsnormen 18534 und 18535 finden Sie in der Fliesenleger-Information „Abdichtungen im Verbund (AIV)“, der Rudolf Müller Mediengruppe.
 

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Autor:

Bodo Höche
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: SG Weber
 

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