Elektrosmog-Platten Keyvisual

Bauprodukte gegen Elektrosmog: Ausgestrahlt

Das Phänomen „Elektrosmog“ ist nicht neu. Überall dort, wo gefunkt wird, wo Überlandleitungen Strom über Land führen, wo Herde, Kühlschränke und Lampen ans Netz angeschlossen werden – überall dort entstehen und entstanden schon immer elektromagnetische Wellen. Neu an dem Phänomen ist der Umfang, den die „Umweltverschmutzung“ mit elektromagnetischen Wellen inzwischen erreicht hat. Die Handy-Technologie, die Funknetze der IT-Technik und die gigantische Aufrüstung der Haushalte mit elektronischen Komponenten sind zu der ohnehin vorhandenen Belastung durch normale Elektrogeräte hinzugekommen. Eine große Zahl von Personen in Deutschland lässt das völlig unberührt. Aber immer größer wird die Zahl der Personen, die über Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit klagen. Immer größer wird auch die Gruppe der Personen, die sich vorbeugend gegen die Strahlung schützen möchten.
 
Die elektromagnetischen Wellen, summarisch als „Elektrosmog“ bezeichnet, lassen sich mit dem sich ebenfalls wellenförmig ausbreitenden Licht vergleichen. Sowenig, wie man das Licht komplett aus einem Gebäude entfernen möchte, sowenig kann man vollständig auf elektromagnetische Wellen verzichten. Denn wäre die Abschirmung vollständig, würde kein Handy mehr  funktionieren. Deshalb ist das Wort Abschirmung eigentlich irreführend, besser spricht man hier von einer „Dämpfung“ der Strahlung auf ein unbedenkliches Maß. Zwei Frequenzbereiche müssen die Platten dämpfen, zum einen die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen und zum anderen die niederfrequenten elektrischen Wechselfelder. Die hochfrequenten Wellen sind das Ergebnis des oben angesprochenen Handy-Netzes und anderer Richtfunkeinrichtungen für Verkehr und Navigation. Die niederfrequenten Wechselfelder kommen aus der eigenen Wand. Dort, wo elektrische Leitungen unter Strom stehen, erzeugen sie elektrische Felder. Auch sie können das Wohlbefinden beeinträchtigen, wirken sie doch im Nahbereich, wie zum Beispiel die Steckdosen im Schlafzimmer.
 
Verschiedene Hersteller haben auf ihrem jeweiligen Gebiet spezielle Abschirmprodukte entwickelt, die wir hier im Detail erklären.

Trockenbauplatten mit Abschirmfunktion

Rigips bietet mit Climafit eine Platte, bei der das elektrisch leitende Material Graphit, eine Modifikation des Kohlenstoffs,  in den Gipskern eingebunden ist. Das führt zunächst einmal dazu, dass diese Platten eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit haben und deshalb gerne als Bekleidung unter Heiz- und Kühldecken eingesetzt und für diesen Zweck auch kommuniziert werden. Nichtsdestotrotz  ist die Dämpfung der elektromagnetischen Strahlung bei Graphitversetzten Bauteilen inhärent.  Die Platten schützen Bewohner durch eine Kombination aus Absorption und Reflexion.
Das Phänomen der Reflexion ist auch vergleichbar mit Licht. Wie auf einer Metalloberfläche wird die hochfrequente Strahlung durch Graphit-Moleküle in der Platte reflektiert. Auf diese Weise wird etwa ein Drittel der Strahlung abgewiesen. Die anderen zwei Drittel der Strahlung (niederfrequente Strahlung) werden absorbiert, das heißt vernichtet. Das geschieht, indem die Strahlung über elektrische Leiter in das Erdreich abgeleitet wird. Rigips gibt für die Climafit-Platte einen Reflexionsgrad von 37,9 % und einen Absorptionsgrad von 62 % an und kommt damit auf eine Abschirmwirkung von 99,9 %. Ausdrücklich verneint wird allerdings eine Abschirmung bei niederfrequenten magnetischen Wechselfeldern (Wechselstrom), bei Wasseradern und kosmischen Strahlen sowie bei magnetischen Gleichfeldern (Gleichstrom, Erdmagnetfeld). Ihre Montage unterscheidet sich zwar nicht von der herkömmlicher Platten, aber um die Leitfähigkeit sicherzustellen, müssen die Platten mit einem elektrischen Leiter (Kupferband) untereinander verbunden sein und anschließend durch ein Leitblech geerdet werden. Dies muss mit großer Sorgfalt geschehen, denn ohne Erdung verliert die Platte ihre Fähigkeit, niederfrequente Wellen zu absorbieren. Per Definition schirmt Climafit die Bewohner nur gegen elektromagnetische Wellen außerhalb des Hauses ab. Gegen Elektrosmog, den die Bewohner im eigenen Haus erzeugen, sind diese Platten wirkungslos.

Die Schirmdämpfungsleistung ergibt sich aus einer Kombination von elektrisch leitfähigem Graphit und dem im Gipskern der Platte gebundenen Kristallwasser. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Die Schirmdämpfungsleistung ergibt sich aus einer Kombination von elektrisch leitfähigem Graphit und dem im Gipskern der Platte gebundenen Kristallwasser. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Der größte Teil der auftreffenden elektromagnetischen Wellen wird von der Platte absorbiert, der Rest reflektiert. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Der größte Teil der auftreffenden elektromagnetischen Wellen wird von der Platte absorbiert, der Rest reflektiert. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Eine zweilagige Beplankung verdoppelt die Dämpfungswirkung zwar nicht, erhöht sie aber deutlich. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Eine zweilagige Beplankung verdoppelt die Dämpfungswirkung zwar nicht, erhöht sie aber deutlich. (Bild: Saint-Gobain Rigips)


Dämmstoffmatten mit Abschirmfunktion

Unter dem Namen SWISS KRONO silverline ist ein ökologischer Holzfaserdämmstoff im Handel, der Elektrosmog wirksam abschirmt. Nach Messungen der Internationalen Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung (IGEF) wird Elektrosmog um mindestens 99,999 % reduziert. Verantwortlich für die Abschirmwirkung ist die Kaschierung aus speziellem Aluminium auf der Rückseite der 5 mm starken Dämmschicht aus Holzfaser. Eingesetzt wird Silverline unter anderem als Trittschalldämmung unter schwimmenden Bodenbelägen, wo die Alu-Kaschierung auch gleich als Dampfbremse wirkt. Um eine möglichst hohe Abschirmleistung zu erzielen, sollten die Stöße der Bahnen mit einem mindestens 5 cm breiten Alu-Klebeband abgeklebt werden.

Die rückseitige Aluminium-Kaschierung der Dämmstoffmatten schirmt die elektromagnetische Strahlung zu fast 100% ab. (Bild: SWISS KRONO)

Die rückseitige Aluminium-Kaschierung der Dämmstoffmatten schirmt die elektromagnetische Strahlung zu fast 100% ab. (Bild: SWISS KRONO)

Für eine möglichst hohe und lückenlose Dämpfungswirkung müssen die Stöße der Dämmmatten mit Alu-Klebeband abgeklebt werden. (Bild: SWISS KRONO)

Für eine möglichst hohe und lückenlose Dämpfungswirkung müssen die Stöße der Dämmmatten mit Alu-Klebeband abgeklebt werden. (Bild: SWISS KRONO)

Als Unterlage für die Oberste-Geschossdecken-Dämmung erfüllt die Dämmmatte gleich mehrere Aufgaben, sie ist zugleich auch Dampfbremse für die Dämmung selbst. (Bild: SWISS KRONO)

Als Unterlage für die Oberste-Geschossdecken-Dämmung erfüllt die Dämmmatte gleich mehrere Aufgaben, sie ist zugleich auch Dampfbremse für die Dämmung selbst. (Bild: SWISS KRONO)

Lehmputz mit Abschirmfunktion

Auch einen diffusionsoffenen Lehmfeinputz kann man zu einem „Abschirmputz“ umrüsten. Der Meno von Lesando ist mit Karbonfasern durchmischt. Damit lassen sich die Emissionen hochfrequenter elektromagnetischer Wellen und niederfrequenter elektrischer Wechselfelder deutlich minimieren. Nicht wirksam ist der Putz hingegen bei magnetischen Feldern. Um die volle Wirksamkeit der nur 1,5 mm dünnen Putzschicht zu gewährleisten, ist eine genau definierte Auftragsweise nötig.  Vor Beginn des Putzauftrags sind zunächst die Ableitbleche an Wand oder Decke zu montieren. Die müssen ihrerseits untereinander verbunden und an den Potenzialausgleich angeschlossen werden. Aus Regressgründen sei hier dringend angeraten, für diese Arbeiten einen Elektriker hinzuzuziehen. Der Putz wird in zwei Arbeitsgängen aufgetragen, und zwar zunächst mit einer Zahnkelle der Größe 4 x 4 mm (C1). Wichtig ist, dabei durchgängig in eine Richtung (horizontal oder vertikal) zu arbeiten. Nach dem Durchkämmen wird die Masse noch im nassen Zustand geglättet. Nach der vollständigen Durchtrocknung folgt der zweite Putzauftrag um 90° versetzt in der gleichen Weise. Achtung: Der Abschirmputz ist kein Dekorprodukt! Es muss also in jedem Fall noch eine abschließende Beschichtung erfolgen. Ein zweilagiger Putzaufbau ist nötig, damit sich die Karbonfasern im wahrsten Sinne des Wortes kreuz und quer zu einem Metallgitter ausrichten. Die Abschirmleistung kann durch weitere Putzlagen allerdings nicht mehr signifikant gesteigert werden.

Der Abschirmputz wird mit einer Zahnkelle aufgezogen, um den enthaltenen fasern eine Ausrichtung zu geben. (Bild: Lesando)

Der Abschirmputz wird mit einer Zahnkelle aufgezogen, um den enthaltenen fasern eine Ausrichtung zu geben. (Bild: Lesando)

Ein metallisches Ableitgitter, das in den Putz eingearbeitet wird, sorgt für die nötige Erdung. (Bild: Lesando)

Ein metallisches Ableitgitter, das in den Putz eingearbeitet wird, sorgt für die nötige Erdung. (Bild: Lesando)

Wandfarbe mit Abschirmfunktion

Ebenfalls mit Karbonfasern versetzt ist die Abschirmfarbe Electro Shield von Caparol. Der schwarz pigmentierte, elektrisch leitfähige Spezial-Beschichtungsstoff dämpft die Strahlung von  elektrischen Wechselfeldern (Niederfrequenz) aus Kabeln, Installationen, Geräten, Wänden usw. und elektromagnetischen Wellen (Hochfrequenz) aus Sendern, Radar, Richtfunk, Mobiltelefonen, schnurlosen Telefonen etc. Caparol empfiehlt ein gleichmäßig sattes Auftragen mit einer Rolle, was aber aufgrund der pastösen Konsistenz und den enthaltenen Karbonfasern nicht unproblematisch ist. Nach dem Auftrag wird die Beschichtung sofort nass-in-nass mit einer groben Strukturwalze (Polyesterschaum) gleichmäßig in eine Richtung abgerollt. Zur Erzielung einer glatten Fläche kann ElectroShield mit einem Feinspachtel abgeglättet werden. Auch die Wandfarbe wird in zwei Schichten aufgetragen, um ein Gitternetz aus Karbonfasern sicher zu stellen. Die Trocknungszeit liegt bei 12 Stunden. Das ableitende Kupferband ist selbstklebend und sollte auf eine Länge von etwa 20 cm in die erste Farbschicht eingearbeitet werden.
Wichtig ist hier noch ein Hinweis, der auch für den Lehmputz gilt: Der höchstmögliche Schutz vor elektromagnetischer Strahlung wird erst bei einer lückenlosen Abschirmung aller Raumoberflächen erzielt. Bauteile wie Fenster, Fußboden und Türen können nicht beschichtet werden und bilden eine Schwachstelle, was zur Reduzierung der Gesamtschirmdämpfung führt. Diese Bauteile können jedoch durch geeignete Materialien aber immerhin noch abschirmtechnisch verbessert werden.

In besonders schützenswerten Räumen wie dem Schlafzimmer stellen Wandfarben die einfachste Art der Abschirmung gegen Elektrosmog dar. (Bild: Hülsta)

In besonders schützenswerten Räumen wie dem Schlafzimmer stellen Wandfarben die einfachste Art der Abschirmung gegen Elektrosmog dar. (Bild: Hülsta)

Die Caparol-Wandfarbe ist Schwarz pigmentiert und leicht pastös eingestellt. (Bild: Caparol)

Die Caparol-Wandfarbe ist Schwarz pigmentiert und leicht pastös eingestellt. (Bild: Caparol)


Gewebe mit Abschirmwirkung

Ein nicht blickdichtes Gewebe ist die leichteste Art, Räume vor zu hohen Strahlenbelastungen zu schützen. Bei Swiss Shield handelt es sich um ein Abschirmgewebe, das als Gardine, Vorhang, Baldachin oder Wandbehang Verwendung findet. Die abschirmende Wirkung kommt durch den Herstellungsprozess zustande, bei dem Baumwolle oder Polyester um einen versilberten Kupferfaden gesponnen wird. Der Anteil des Kupferfadens am Gesamtgewebe liegt bei 18%. Eine Ableitung beziehungsweise Erdung ist bei einem Gewebe weder möglich noch nötig, da die Oberfläche nicht leitfähig ist. Da die Kupferdrähte speziell ummantelt sind, sind sie korrosionsgeschützt, dazu sind alle angebotenen Gewebetypen waschbar. Die Standardfarbe der Gewebe ist  ein naturweiß.

Kosten für Abschirmung gegen Elektrosmog steuerlich absetzbar

Aufwendungen für Abschirmmaßnahmen gegen Elektrosmog können gemäß EStG § 33 als außergewöhnliche Belastungen von der Einkommensteuer abgesetzt werden. Dies hatte das Finanzgericht Köln im Jahr 2012 rechtskräftig entschieden. In dem strittigen Fall hatte die Klägerin nach dem Urteil Kosten für Hochfrequenzabschirmungen an der äußeren Gebäudehülle und im Bodenbereich ihrer Wohnung in Höhe von über 17.000 Euro geltend machen können.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 

Keyvisual und Teaserbild: Saint-Gobain Rigips