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Elektrowerkzeuge für Profis – Grundwissen

Es heißt zwar „Handwerk“, aber die allermeisten der Arbeiten im Innenausbau sind ohne zuverlässige elektrische Unterstützung nicht mehr in angemessener Zeit oder auch gar nicht mehr zu schaffen. Durch den Dauereinsatz vieler Elektrowerkzeuge auf der Baustelle sind Qualitätsprodukte von Markenherstellern für Sie als Profi  Pflicht, wenn sich der Turnus für Neuanschaffungen in Grenzen halten soll. Die Hersteller selbst tun im Bereich Profi-Werkzeuge viel dafür, die Kunden bei der Stange beziehungsweise im jeweils eigenen Programm zu halten. Das betrifft vor allem den gesamten Bereich der Akkutechnologie. Hier geht es bei den meisten Unternehmen nicht mehr nur um die höchsten Volt- oder Amperestunden-zahlen, sondern vor allem darum, möglichst umfassende Komplettpakete aus Akkupacks, Ladestationen und Geräten zu schnüren. Aus Sicht des Anwenders ist ein Maschinenpark aus einer Hand durchaus sinnvoll, weil nur so die Kompatibilität der E-Werkzeuge mit den Akkus gesichert ist. Nicht zu vergessen: Sie sind als „Komplett“kunde wesentlich interessanter für den Hersteller, das wird sich im Schadensfall beim Kundenservice bemerkbar machen.
 
Überhaupt Akkutechnologie: Nahezu alle namhaften Hersteller von Bosch bis Milwaukee setzen inzwischen auf die kabellose Baustelle – das sollten Sie auch. Alle für den Innenausbau nötigen Werkzeuge bis hin zur Tischkreissäge lassen sich per Akku ohne merklichen Leistungsverlust gegenüber den netzgebundenen Pendants betreiben. Deshalb beschränken wir unsere Empfehlungen für eine Grundausstattung bis auf ganz wenige Ausnahmen auf die Akku-Werkzeuge.

Grundsätzliches zum Thema Akku-Werkzeuge

Die Leistungsdaten der Akkupacks sind in den letzten Jahren quasi explodiert. Bei der Spannung stehen Akkus mit bis zu 54 Volt zur Wahl, bei der Ladungsspeicherkapazität sind Varianten mit 9,0 Amperestunden (Ah) im Handel. Abgesehen vom Preis bringen diese leitungsfähigen Akkus aber auch einen handfesten großen Nachteil mit sich: sie sind schwer. Die Krux ist nämlich, dass die höhere Voltzahl eines Akkus auch bei Elektrowerkzeugen immer noch über mehr Akkuzellen erreicht wird, die alle ihr Gewicht mitbringen, was im Arbeitsalltag oft nervt. Auch bei den Ah-Werten gilt: Je mehr Kapazität zur Verfügung stehen soll, desto mehr Akkuzellen werden gebraucht, desto schwerer wird der Akku und das Gerät.

Die Zunahme an Leitung bei Ladekapazität und Spannung wird mit mehr Akkuzellen und dadurch mehr Gewicht erkauft. (Bild: Milwaukee)

Die Zunahme an Leitung bei Ladekapazität und Spannung wird mit mehr Akkuzellen und dadurch mehr Gewicht erkauft. (Bild: Milwaukee)

Akkus mit unterschiedlichen Ladekapazitäten zwischen 2,0 und 9,0 Ah im Größenvergleich. (Bilder: Milwaukee)

Akkus mit unterschiedlichen Ladekapazitäten zwischen 2,0 und 9,0 Ah im Größenvergleich. (Bilder: Milwaukee)

Einige Hersteller (z. B. Milwaukee) gehen inzwischen einen Schritt zurück und stellen wieder die Handlichkeit der Geräte in den Mittelpunkt ihrer Entwicklung. Statt der üblichen 18 Volt bieten sie 12 Volt- Geräte an, die zwar nicht ganz an die Leistungsfähigkeit der großen Brüder heranreichen (die aber sowieso kaum wirklich ausgenutzt wird), über eine intelligente Steuerung im Akku und Gerät aber alle Anforderungen meistern und im Baustellenalltag kräfteschonend eingesetzt werden können. Bei den großen Elektrowerkzeugen, die viel Leistung brauchen (großer Winkelschleifer, Tischkreissäge, Handkreissäge, Bohrhammer) spielt das höhere Akkupack-Gewicht eine untergeordnete Rolle, da diese Geräte entweder selbst schwer sind (oder sein müssen) oder stationär betrieben werden. Vor jeder Kaufentscheidung für eine Akku-Lösung sollte deshalb immer die Frage stehen: Brauche ich die auf den Akkus und Geräten angegebene Leistung wirklich oder ist ein etwas häufigerer Akkuwechsel nicht sinnvoller für meine Tätigkeit?

Mit 12 Volt lassen sich sonst klassische Handwerkzeuge wie Tacker oder Ratsche kraftsparend betreiben.  (Bild: Milwaukee)

Mit 12 Volt lassen sich sonst klassische Handwerkzeuge wie Tacker oder Ratsche kraftsparend betreiben. (Bild: Milwaukee)


Für viele Anwendungen in beengtem Raum reichen die kleinen Geräte mit kleinen Akkus völlig aus. (Bild: Milwaukee)

Für viele Anwendungen in beengtem Raum reichen die kleinen Geräte mit kleinen Akkus völlig aus. (Bild: Milwaukee)


Auch stationäre E-Werkzeuge können mittlerweile mit Akku betrieben werden. Hier ist das Gewicht zweitrangig, es zählen die reinen Leistungswerte - DeWalt bis 54 Volt. (Bild: DeWalt)

Auch stationäre E-Werkzeuge können mittlerweile mit Akku betrieben werden. Hier ist das Gewicht zweitrangig, es zählen die reinen Leistungswerte - DeWalt bis 54 Volt. (Bild: DeWalt)

Alle namhaften Hersteller bieten ihre Akku-Werkzeuge mit einem bürstenlosen Motor an. Durch das Fehlen der stromübertragenden Bürsten lässt sich enorm an Baugröße und Gewicht der E-Werkzeuge einsparen. Wer auf große und leistungsstarke Akkus setzt, kann einen Teil des Gewichtsnachteils durch die Wahl einer bürstenlosen Variante also wieder durch mehr Handlichkeit ausgleichen.

Diese Elektrowerkzeuge sind auf der Baustelle unabdingbar

1. Akkuschrauber
Man könnte ihn auch als „dritte Hand“ bezeichnen, so oft, wie der gemeine Akkuschrauber im Innenausbau gebraucht wird. Durchgesetzt und für alle Anwendungen völlig ausreichend sind die 18-Volt-Varianten, denn sie bieten das beste Verhältnis von Leistungsfähigkeit zu Eigengewicht. Ob es eher die 2,0 oder die 5,0 Ah-Akkumodelle sein sollen, hängt von der Haupteinsatzgebiet ab: Wer permanent schraubt, ist mit 2,0 Ah und einer höheren Wechselrate besser bedient, denn die 5,0 Ah-Varianten sind deutlich schwerer. Dann empfiehlt sich aber ein Akku-Schnellladegerät oder ein dritter Akku, um unterbrechungsfrei arbeiten zu können.
 
 
2. Bohrhammer
Akkutechnisch ist ein Bohrhammer auf hohe Leistung getrimmt, deshalb ist hier eine Kombination aus mindestens 18 V Betriebsspannung und 4,0 Ah Ladekapazität aufwärts unbedingt angeraten. Anders als bei einer Schlagbohrmaschine werden die einzelnen, niederfrequenteren Schläge nicht durch ein Zahnrad, sondern einzeln elektrisch oder pneumatisch erzeugt. Daraus ergibt sich schon das erste Leistungskriterium, nämlich die Schlagenergie in Joule. Zwischen 1,0 und 4,0 Joule bewegt sich die Bandbreite, auch hier hängen Leistungsfähigkeit und Eigengewicht eng zusammen. Da der Bohrer im Futter beweglich gelagert ist, ist das SDS-Aufnahmesystem Standard bei Bohrhämmern, gute Geräte haben aber ein zusätzliches Schnellspannbohrfutter mit im Werkzeugkoffer. Weiteres Kriterium ist das Vibrationsverhalten, das in der Einheit Meter pro Sekunde zum Quadrat (Beschleunigung = m/s2) angegeben wird. Hier gibt jeder Hersteller einen Wert an, einige ergänzen das durch „Vibration Control“, aber wenn Ihnen die Zahlen und Bezeichnungen nichts sagen, hilft nur Ausprobieren beim Händler. Zwar sind Bohrhämmer in den letzten Jahren immer leiser geworden, aber Sie sollten während der Arbeiten damit grundsätzlich immer einen Gehörschutz tragen.
 
3. Rührwerk
Akkubohrschrauber und Bohrmaschinen sind nur sehr bedingt für das Anmischen von flüssigen oder pastösen Baustoffen geeignet – besser sind in jedem Fall spezielle Rührwerke. Auch die werden inzwischen mit Akku angeboten. Dessen Leistungswerte sind hier eher zweitrangig, da diese Werkzeuge nur selten im Dauerbetrieb sind, 18 Volt und 2,0 Ah sind hier völlig ausreichend. Wichtig ist dann aber, dass Sie die vom jeweiligen Hersteller angegebene maximale Mischmenge und den maximalen Rührkorbdurchmesser nicht überschreiten, um den Motor nicht zu überlasten.
 
4. Säbelsäge
Akkubetriebene Säbelsägen sind weniger als Präzisionswerkzeug für den gehobenen Holzzuschnitt, denn als vielseitiger Helfer für schnelle und unkomplizierte Grobschnitte zu sehen.

Die meisten von Ihnen werden ihre Säbelsäge deshalb eher im Bereich der Demontage von alten Bauelemente einsetzen. Dafür benötigen die akkubetriebenen Geräte mindestens 18 Volt Spannung, Bei der Ladekapazität wird es hier erst ab 4,0 Ah aufwärts interessant, denn solche Sägen müssen bei dicken Balken und Rohren schon mal einige Minuten am Stück durchhalten können. Nicht nur das dann hohe Eigengewicht, sondern die je nach Hersteller mehr oder weniger stark ausgeprägten Vibrationen macht das Arbeiten zu einer Kraftprobe im Wortsinne, weshalb ein Zusatzhandgriff zu den  absoluten „must-haves“ gehört.

www.ausbaupraxis.de/saebelsaegen-durchschnittstypen

5. Winkelschleifer
Für den Innenausbau reicht in aller Regel ein kleinerer Einhand-Winkelschleifer, um hier und da mal eben schnell einem Metallrohr oder einem festsitzenden Bolzen den Garaus zu machen. Theoretisch gehen solche Trennarbeiten auch mit der Säbelsäge, aber gerade bei massiven Metallbauteilen ist der Winkelschleifer einfacher schneller. 18 Volt  und 4,0 Ah sind das Mindeste, weil während der Arbeit mit Winkelschleifern sowohl hohe Leistungsspitzen als auch Dauerbelastung auftreten. Die Trennscheibengröße ist mit 115 beziehungsweise 125 mm ausreichend groß für alle Anwendungen im Innenbereich.
 
 
6. Oszillierende Multitools

Die Multifunktionswerkzeuge klingen immer so ein bisschen nach Heimwerker und Hobbykeller, sie sind im Baustellenalltag aber überaus nützliche Helfer. Zum Beispiel sind sie an Stellen unschlagbar, wo der Arbeitsraum eng ist und die Schnitte trotzdem halbwegs präzise werden sollen. Ausklinkungen in Plattenwerkstoffen aller Art sind wesentlich einfacher und sauberer herzustellen als von Hand oder mit der Stichsäge. Gute Geräte zeichnen sich vor allem durch ein geringes Geräuschniveau und einen werkzeuglosen Zubehörwechsel aus.

www.ausbaupraxis.de/multifunktionswerkzeuge-das-grosse-zittern

Der Akkubohrschrauber ist das meistgenutzte Elektrowerkzeug im Innenausbau. (Bild: Milwaukee)

Der Akkubohrschrauber ist das meistgenutzte Elektrowerkzeug im Innenausbau. (Bild: Milwaukee)

Ein Akku-Rührwerk ist für alle Arten von Putz-, Estrich- und Mörtelmassen zu empfehlen. (Bild: Metabo/Collomix)

Ein Akku-Rührwerk ist für alle Arten von Putz-, Estrich- und Mörtelmassen zu empfehlen. (Bild: Metabo/Collomix)

Die Säbelsäge ist hervorragend für Abbruch- und Demontagearbeiten geeignet. (Bild: Bosch)

Die Säbelsäge ist hervorragend für Abbruch- und Demontagearbeiten geeignet. (Bild: Bosch)

Ein Einhandwinkelschleifer reicht für alle Anwendungen im Innenausbau völlig aus. (Bild: Hilti)

Ein Einhandwinkelschleifer reicht für alle Anwendungen im Innenausbau völlig aus. (Bild: Hilti)

Ein Multitool ersetzt Stichsäge und Deltaschleifer bei den Feinarbeiten. (Bild: Bosch)

Ein Multitool ersetzt Stichsäge und Deltaschleifer bei den Feinarbeiten. (Bild: Bosch)

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Bosch
 

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