Estrich-Rakel-Keyvisual

Estrich? Mach' ich doch glatt mit der Rakel!

Rakel statt Spachtel oder Kelle? Das ist die große Frage, wenn es um Spachtelmasse für den Boden geht. Bei schlecht zugänglichen Zonen ist die herkömmliche Glättkelle weiterhin eine gute Wahl, ansonsten heißt es: ran an die Rakel! Das Arbeitsgerät ermöglicht es, Flächen von besonderer Oberflächengüte zu erstellen, etwa für die Verlegung von elastischen Bodenbelägen. Man kann Unebenheiten und damit Klebstoffnester ebenso vermeiden wie unschöne Höhenunterschiede oder Kellenschläge, die Sachverständige oft als Mangel einstufen. Die stehende Arbeitshaltung beim Rakeln entlastet zudem Knie und Rücken.

Welche Rakel soll es sein?

Neben den klassischen Zahnrakeln gibt es Kufen- und Stiftrakeln sowie reine Metallwalzenrakeln mit Rollen, auch Rollrakeln genannt. Diese haben keine Zahnung, sondern Ringe, von denen mehrere in bestimmten Abständen auf einer Walze angebracht sind. Zudem gibt es noch Metallwalzenrakeln mit Distanzscheiben und/oder Gleitern. Eine weitere Variante sind Gelenkrakeln. Das Gelenk soll die Rakel während der Bewegung auf dem Untergrund in jeder Lage in der richtigen Stellung halten – was allerdings etwas Übung erfordert. In der Praxis haben sich Flächenrakeln mit einer Breite von etwa 60 cm als besonders geeignet erwiesen.
 
Bei faserhaltigen Ausgleichsmassen sollten jedoch Stiftrakeln eingesetzt werden, da die Fasern die Zahnung zusetzen können. Die Verbrauchsmenge lässt sich dann über die Abstandstifte einstellen. Auch für Schichtdicken von mehr als zwei Millimetern benötigt man eine Stiftrakel.

Rakeln zum Spachteln von Estrichen: Für unterschiedliche Spachtelmassen gibt es unterschiedliche Zahnungen. Die R1-Zahnung eignet sich für Polyurethanspachtelmassen, die R2-Zahnung für herkömmliche, faserfreie Zement- oder Calciumsulfat-Spachtelmassen. Detaillierte Informationen zu Spachtelzahnungen liefert das Merkblatt Nr. 6 der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB).

Materialverbrauch bei unterschiedlichen Rakeln

Rakelzahnungen geben ebenso wie die Zahnungen von Zahnspachteln für Bodenbelagsklebstoffe die Menge an Material vor, die auf dem Untergrund verbleibt. Um eine genaue Dosierung vornehmen zu können, haben sie Stege und Lücken in unterschiedlichen Breiten. Ist der Untergrund uneben, steigt der Verbrauch. Für den Aufbau spielt das allerdings keine Rolle, da die Unebenheiten so oder so ausgeglichen werden müssen. Spart man an dieser Stelle Material oder „kratzt“ auf dem Untergrund, kann keine hinreichend ebene Spachtelfläche entstehen, da der Verlaufseffekt ausbleibt. Auch die Rakelbreite beeinflusst die Materialmenge: je breiter, desto höher der Verbrauch. Gängige Modelle mit 60 cm Breite gelten auf vielen Baustellen als bewährter Kompromiss. Bei den Rollrakeln legt die Ringdicke den Abstand der Walze zum Untergrund fest, wodurch die Durchflussmenge automatisch geregelt ist. Anders als bei Zahnrakeln wird die Spachtelmasse während der Verteilung allerdings nicht erneut durchmischt.

Die Einstellung der Stifte an der Rakel bestimmt die spätere Schichtdicke der Spachtelmasse.

Die Einstellung der Stifte an der Rakel bestimmt die spätere Schichtdicke der Spachtelmasse.

Die angerührte Masse wird vollständig auf den Untergrund gekippt und in die Randbereiche verteilt.

Die angerührte Masse wird vollständig auf den Untergrund gekippt und in die Randbereiche verteilt.

Vor der Rakel muss sich eine Bugwelle bilden, dann ist ausreichend Material vorhanden.

Vor der Rakel muss sich eine Bugwelle bilden, dann ist ausreichend Material vorhanden.

Nicht drauflos rakeln ‒ erst vorbereiten

Egal ob Glätter, Zahn- oder Rollrakel ‒ der Erfolg beginnt mit der Vorbereitung. Dazu hier das Wichtigste:
  • Den Randdämmstreifen („Spachtelstopper“) kontrollieren: Er muss durchgängig etwa 10 mm aus den Randfugen herausschauen.
  • Ein stark saugender Untergrund muss besonders sorgfältig grundiert werden.
  • Auf das korrekte Wasser-Pulver-Verhältnis achten. Bei zu viel Wasser droht eine Entmischung der Masse, bei zu wenig läuft sie nicht.
  • Am besten robuste Rührgeräte mit dreiflügeligem Hochleistungsrührer verwenden.
  • Zwei Minuten unter voller Leistung rühren, dann eine halbe Minute Pause machen und die Masse noch einmal kurz aufrühren.
  • Wie alle Verlegewerkstoffe sollte auch die Spachtelmasse ausreichend temperiert sein.

Professionelles Verteilen der Spachtelmasse

Die angerührte Masse wird vollständig auf den Untergrund gekippt und in die Randbereiche verteilt. Dann wird die Rakel an der Wand angesetzt und gleichmäßig Richtung Körper gezogen, wobei sich vor dem Gerät eine Bugwelle aufbaut. Die Anmischungen sollten zickzackartig verarbeitet werden, nicht etwa schleifenweise. Nur mit der Methode „frisch in frisch“ bleiben Übergänge unsichtbar. Seitliche Bewegungen der Rakel, in Längsrichtung des Geräts, vermeiden; das würde das Material vom Untergrund wegschieben.

Die Rakel bei der Stange halten

Die Anmischungen sind mit der Rakel zickzackartig im Raum einzubringen.Eine solide profilierte Teleskopstange einsetzen, die zusammengeschoben mindestens 2 m misst und über einen Einrastmechanismus fest mit der Aufnahme der Rakel verbunden ist. Sollte das Rakelschwert einmal vom Stiel rutschen, nur mit Nagelschuhen in die frische Spachtelmasse laufen. Dabei auf die richtige Länge der Nägel achten ‒ sie hängt von der Schichtdicke der Spachtelmasse ab.

Spiegelglatt dank Stachelwalze

Um die Oberfläche zwischen verschiedenen Anmischungen zu egalisieren, gibt es die Stachelwalze. „Nachstacheln“ kann man natürlich nur in einer noch frischen, völlig flüssigen Masse. Das ist kein Muss, regt die Masse aber an, noch ein bisschen mehr zu verlaufen – bis die Oberfläche einer Glasscheibe gleicht. Die Länge der Stacheln muss sich dabei nach der Schichtdicke richten. Um Spritzer zu vermeiden, ruhig arbeiten oder eine Walze mit Spritzschutz nutzen.

Immer schön sauber bleiben

Das Anrührgebinde sollte man bereits zwischendurch immer wieder von anhaftenden, bereits erhärteten Resten befreien. Zudem empfiehlt es sich, den Übergang von der Halterung zur Zahnleiste der Rakel mit einem stabilen Klebeband abzukleben. Denn wenn sich der Spalt, in den die Zahnleiste hineingeschoben wird, öffnet, kann sich die Zahnleiste lockern. Damit sich nicht eine immer dickere Spachtelmassenschicht am Gerät aufbaut, sollte man die Rakel nach dem Gebrauch mit einer harten Spülbürste reinigen.
 

Autor:

Lorenz Runge
Fachberater für modernes Spachteln, Henkel Thomsit
 
Alle Bilder im Beitrag: Henkel