Trockenestriche Keyvisual

Estrichsysteme: Mit allen Wassern gewaschen

Nach anfänglichen Vorbehalten haben sich Trockenestrichsysteme mittlerweile auch in Feuchträumen durchgesetzt. Zurückzuführen ist das auch auf Entwicklungen der Gipsindustrie, die zunächst speziell imprägnierte Platten produziert hat, die bei entsprechender Verarbeitung für Räume mit normalen Feuchtebeanspruchungen, wie sie beispielsweise im häuslichen Bad oder in Nasszellen von Büros, Krankenhäusern und Schulen bestehen, eingesetzt werden können. Dazu bietet die Industrie zu diesem Zweck geeignete Dichtsysteme an. Aber auch mit der entsprechenden Vorbehandlung beschränkt sich der Einsatz der traditionellen Trockenestrichsysteme auf die Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen 0 und A0.
 
Die zementgebundenen Estrichelemente können in jenen hochbeanspruchten Feuchtigkeitsbereichen eingesetzt werden, die den klassischen Trockenestrichen verschlossen bleiben. Dabei verbinden sie vor allem die Vorteile von trocken verlegten Estrichsystemen aus Gipswerkstoffplatten mit den Vorteilen von Nassestrichen. Sie sind absolut stabil, wasserfest und widerstandsfähig gegen Chemikalien und Desinfektionsmittel. Ebenso wie konventionelle Nassestriche sind sie in allen Bereichen einsetzbar, in denen ein massiver Bodenaufbau gefordert wird. Die Verarbeitung ist daher problemlos in allen Arten von Nassräumen möglich.

Breites Anwendungsspektrum

Zementgebundene Estrichelemente wie Aquapanel Cement Board floor oder Fermacell Powerpanel TE wurden speziell für Bodenkonstruktionen in Nassräumen mit dauerhafter und hoher Feuchtigkeit entwickelt. Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasgittergewebe armierten Leichtbeton-Platten mit Sandwichstruktur können daher neben den Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen 0 und A0 (bauaufsichtlich nicht geregelter Bereich) vor allem im bauaufsichtlich geregelten Bereich für die Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen A (Wand-, Boden- und Deckenflächen, die durch Brauch- und Reinigungswasser hoch beansprucht sind) eingesetzt werden.
 
Neben der Unempfindlichkeit bei starker Feuchtebeanspruchung sind die zementgebundenen Elemente diffusionsfähig, resistent gegen Schimmelpilzbefall und nicht brennbar (Baustoffklasse A1). Ein relativ geringes Gewicht (25 kg/Element beim Powerpanel TE, 20/21 kg beim Cementboard floor) sowie das handliche Format machen die Verarbeitung auch für nur eine Person möglich.
 
Die zementgebundenen Trockenestriche werden ähnlich einfach wie gipsgebundene Elemente verarbeitet. Zuschnitte lassen sich mit der Handkreissäge und einem diamantbesetzten Sägeblatt herstellen. Um Verschnitt zu reduzieren und Kreuzfugen zu vermeiden, wird im schleppenden Verband verlegt. Eine vollständige Belastung sowie das Aufbringen der endgültigen Oberbeläge ist nach Abbinden des Klebers – bei normalen Raumtemperaturen müssen dafür etwa 24 Stunden einkalkuliert werden – möglich.

Für den Zuschnitt der harten Zementplatten verwenden Sie eine Kreissäge mit einem diamantbesetzten Kreissägeblatt. (Bild: fermacell)

Für den Zuschnitt der harten Zementplatten verwenden Sie eine Kreissäge mit einem diamantbesetzten Kreissägeblatt. (Bild: fermacell)

Die Estrichelemente haben für die kraftschlüssige Verbindung der Elemente entweder einen Stufenfalz (Powerpanel TE) oder eine umlaufende Nut (Aquapanel). (Bild: fermacell)

Die Estrichelemente haben für die kraftschlüssige Verbindung der Elemente entweder einen Stufenfalz (Powerpanel TE) oder eine umlaufende Nut (Aquapanel). (Bild: fermacell)

Die Anschlüsse und Fugen zwischen Boden und Wänden müssen auch bei den zementgebundenen Platten abgedichtet werden. Bleiben Sie hier unbedingt im System. (Bild: fermacell)

Die Anschlüsse und Fugen zwischen Boden und Wänden müssen auch bei den zementgebundenen Platten abgedichtet werden. Bleiben Sie hier unbedingt im System. (Bild: fermacell)

Untergrund

Grundsätzlich ist für die Verlegung von Trockenestrichelementen eine vollflächige Auflage und ein tragfähiger, trockener Untergrund erforderlich. Gegebenenfalls sind entsprechende Ausbesserungen durchzuführen. Trockenbaufachunternehmen bietet sich hier ein zusätzliches Arbeitsfeld: Unebenheiten im Untergrund können je nach Beschaffenheit mit einem selbstnivellierenden Fließspachtel oder mit Trockenschüttungen schnell und einfach beseitigt werden.
Für den Einbau von bodengleichen Duschen im bauaufsichtlich geregelten Bereich bieten einige Hersteller systemkompatible Bodenablaufsysteme als Komplettsystem an. Damit werden Schwachstellen, die sich oftmals durch einen Mix von nicht systemkonformen Elementen ergeben, weitgehend ausgeschlossen.

Oberflächen

Ebenso wie herkömmliche Trockenestrichsysteme können auch die Zementelemente nach der Verlegung mit den verschiedensten Oberbelägen versehen werden. Dabei dürfte es je nach System für viele Anwendungen bei der Verlegung ausreichen, nur die Schraubenköpfe und Stoßfugen zu verspachteln. Hochwertige glatte Bodenflächen, wie sie etwa für die Verlegung dünner Bodenbeläge erforderlich sind, können mit einem Feinspachtel hergestellt werden.
Im bauaufsichtlich nicht geregelten Bereich, z.B. im häuslichen Bad, empfehlen die Hersteller vor dem Verfliesen im direkten Schwallwasserbereich den Einsatz eines geeigneten Abdichtungssystems. Die einzelnen Komponenten des Abdichtungssystems werden direkt auf den Fertigestrich aufgetragen. Zusätzlich ist es erforderlich, die Randanschlüsse Wand/Boden, die Anschlüsse der Bodenablaufelemente sowie Bewegungsfugen und Anschlussfugen mit zum System gehörenden Dichtbändern, Dichtecken und Dichtmanschetten auszuführen.
Sobald das Abdichtungssystem aufgetragen ist, können Fliesen aus keramischem Material, aus Kunststoff oder Naturstein problemlos im Dünnbett- oder Mittelbettverfahren verlegt werden.
 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: fermacell
 

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