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Feuchte Wände: Ist das neue Fenster schuld?

Feuchte Wände in Altbauwohnungen können viele Ursachen haben. Tatsächlich tritt erhöhte Feuchtigkeit in Innenräumen häufig dann auf, wenn die Fenster zuvor ausgetauscht wurden, oder im Rahmen einer energetischen Sanierung die Dichtigkeit des Gebäudes erhöht wurde –­ typischerweise dann, wenn die Fassade oder das Dach gedämmt wurde. Manchmal treten feuchte Wände auch nach einer nicht fachgerecht ausgeführten Innendämmung auf.
 
Vielfach wehren sich Kunden sogar gegen eine Dämmung oder gar den Austausch der alten undichten Fenster, weil sie befürchten, dass nasse Wände oder Schimmelpilze an der Wand eine Folge sein könnten. Aber sind diese Befürchtungen berechtigt? Ist die Dämmung oder die neue Doppelverglasung „schuld“, wenn die Wohnung schimmelt?

Feuchte Wände gab es früher auch

Grundsätzlich kamen feuchte Wände und Schimmelpilze in Innenräumen schon immer vor. Genauso wurden Gebäude auch zu früheren Zeiten  schon gedämmt. Mit dem Ziel Heizenergie zu sparen wurden in den letzten Jahrzehnten bis heute allerdings viele Altbauten gedämmt und mit Doppel- und Dreifachverglasung ausgestattet, deren Konstruktionen mit einer solchen bauphysikalischen Veränderung erst einmal „überfordert“ sind.
Wird ein Gebäude gedämmt und mit neuen Fenstern ausgestattet, in dem es zwar vor der Verbesserung der Gebäudehülle kühl war, es aber nie geschimmelt hat, kann sich vereinfacht dargestellt folgender Effekt ergeben:
  • Die Hülle des Gebäudes wird dichter. Feuchtigkeit aus dem Innenraum kann nicht mehr über kleinere Undichtigkeiten entweichen.  Diese Undichtigkeiten befinden sich übrigens nicht wie oft angenommen in der Wand, die „atmet“. Es sind Fugen und Löcher zwischen Bauteilen wie Fenstern und Türen oder in der Dachkonstruktion. Eine dichte Wand ist eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Gebäude – ohne diese würde ständig Feuchte ins Haus eindringen. Auch die gennannten kleinen Undichtigkeiten sind oft Auslöser für Schimmel, weil kalte Luft einzelne Bauteile abkühlt.
  • Die Wände werden wärmer. Dadurch kann es an Wandbereichen, die nun deutlich kühler sind als die restliche, aufgewärmte Wand zu Kondenswasserbildung kommen. Hier schlägt sich warme, feuchte Luft an der kalten Oberfläche nieder: Betroffen sind häufig Fensterlaibungen oder Ecken, an denen kühlere Bauteile von außen in die Wand eingebunden sind.
  • Werden nur die Fenster ausgetauscht, bleibt die Wandoberfläche der Außenwände im Innenraum kühl, während weniger Feuchte entweichen kann. Besonders dann besteht die Gefahr, dass sich Kondenswasser an kalten Wandbereichen bildet!

Feuchte Wände nach der Dämmung, was hilft?

In Wohnungen, in denen es vor der Umsetzung von energetischen Maßnahmen wie Dämmung oder Fenstertausch geschimmelt hat, kann eine gut umgesetzte Dämmung in  Verbindung mit dichteren Fenstern sogar zu dauerhaft trockenen Wänden verhelfen, wenn folgende Punkte beachtet werden:
  • Erstmal dicht! Wenn neue Fenster eingebaut werden, sollten keine neuen Undichtigkeiten produziert werden. Man kann nie wissen, wo die eindringende Luft zu neuen kalten Stellen an der Wand führt, an denen sich dann Kondenswasser bildet.
  • Lüftungsfrage klären! In einem dichteren Gebäude muss häufiger gelüftet werden. Entweder die Nutzer übernehmen das – was sich schlecht kontrollieren lässt, oder man stellt als Mindestmaßnahme sicher, dass immer etwas Luft über kontrollierte Wege ausgetauscht werden kann. So verhindert man, dass die oben genannten schwer zu kontrollierenden Effekte eintreten. Dazu bieten sich sogenannte Fensterlüfter an. Sie ersetzen aber nicht das mehrmals tägliche Stoßlüften. Der Einbau einer (umfangreicheren) Lüftungsanlage empfiehlt sich vor allem dann, wenn es sich um Mietswohnungen handelt, in denen das Nutzerverhalten gar nicht kontrolliert werden kann.
  • Übergänge zu kälteren Bauteilen beachten! Schon bei der Planung (insbesondere bei Innendämmungen) sollten Sie beachten, dass es vor allem dort, wo einzelne Wandbereiche auf einmal kälter sind als die gedämmte Wand zu Kondenswasserbildung kommen kann: Betroffen sind häufig Zimmerecken, Fensterlaibungen und Wandvorsprünge. An diesen Stellen sollte mit geeigneten Lösungen entgegengewirkt werden. Das sind in der Regel vorgefertigte Dämmstoffteile kann aber im Außnahmefall auch ein Heizungsrohr sein, dass geschickt genau dort verlegt wird, wo die Temperatur zu niedrig ist.
Handwerker, die diese Grundsätze sowohl bei der Innen- als auch bei der Außendämmung beachten, haben zufriedene Kunden mit trockenen Wänden. Das bedeutet aber, dass alle Maßnahmen genau geplant und aufeinander abgestimmt werden.

Fazit: Gute Planung macht trockene Wände

In der Regel ist eine schlechte Planung, Ausführung aber auch mangelnde Beratung „schuld“ daran, dass neu gedämmte oder mit neuen Fenstern ausgestattete Wohnungen schimmeln. Eigentlich sollten Dämmungen und dichtere Fenster zu mehr Behaglichkeit führen und Schimmel sogar verhindern.

Autorin:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS

 

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