Feuchtemessgeraete2-Keyvisual

Feucht oder fröhlich? Die Feuchtemessung

Für eine aussagekräftige Feuchtemessung ist eine Reihe von Parametern ausschlaggebend. Der Zustand des Messgutes ist eines davon. Das sind die wichtigsten Kriterien:
  • Je höher die Rohdichte des Messguts ist, desto höher ist auch der Messwert.
  • Farbreste, Staub und Ähnliches sind unbedingt zu entfernen, bevor das Gerät zum Messen der Feuchtigkeit aufgesetzt wird.
  • Befinden sich noch Metalle wie Nägel, Leitungen oder Rohre im Untergrund, wird der gemessene Wert bei der Feuchtemessung aufgrund der Reflexion sprunghaft ansteigen.
  • Elektrisch leitende Materialien (dazu gehören auch gelöste Salze) oder auch Bewehrungen und alu-kaschierte Dämmstoffe verfälschen das Ergebnis der Feuchtigkeitsmessung.
Weil alle diese Einflussgrößen nicht oder nur schwer zu erkennen (bis auf die Versalzung) und selten zu beseitigen sind, sind die Ergebnisse einer Feuchtemessung immer nur als Indikator und erste Einschätzung zu werten. Sie wird genauer, wenn man beispielsweise an einer Wand ein Messraster anlegt, um einzelne Ausreißer zu relativieren. Wenn Holzfeuchte gemessen werden soll, müssen immer mindestens drei Messungen an verschiedenen Positionen durchgeführt werden, aus den Werten bildet das arithmetische Mittel dann das Messergebnis. Allerdings gilt immer: Eine qualitativ und quantitativ belastbare Aussage ist nur durch eine Messung nach dem CM- oder dem Darr-Verfahren zu treffen.

Feuchtigkeit richtig messen: Arbeiten mit Feuchtemessgeräten will gelernt sein

Der Umgang mit dem Feuchtemessgerät selbst birgt weitere Fehlerquellen. Diese sind:
  • Bei einem Standortwechsel von kalter in warme Umgebung kann sich Kondensat auf der Leiterplatine bilden und die Messung verfälschen. Wichtig ist also, bis zur ersten Feuchtigkeitsmessung einige Minuten zu warten.
  • Vor jeder Feuchtemessung müssen alle Geräte kalibriert werden. Um Störeinflüsse aus der eigenen Körperwärme zu vermeiden, ist das Gerät dabei immer vom Körper weg in den freien Raum zu halten, das Gerät sollte dabei nur an der gummierten Fläche angefasst werden.
  • Alle Messgeräte müssen senkrecht zur Oberfläche des Messgutes aufgesetzt werden. Bei mineralischen Untergründen an Wänden und Böden sollte die äußerste Messung mindestens 8 – 10 cm aus den Ecken entfernt erfolgen. Geht man näher in die Ecke, fällt der Messwert höher aus, da sich mehr Substanz im Streufeld des Gerätes befindet.

Bei der Feuchtemessung sind die Messgeräte immer exakt senkrecht auf die Oberfläche des Messgutes aufzusetzen. (Bild: Trotec)

Bei der Feuchtemessung sind die Messgeräte immer exakt senkrecht auf die Oberfläche des Messgutes aufzusetzen. (Bild: Trotec)

In weiche Baustoffe wie Gipsputz oder Holz müssen die Messspitzen einige Millimeter tief eingedrückt werden. (Bild: Trotec)

In weiche Baustoffe wie Gipsputz oder Holz müssen die Messspitzen einige Millimeter tief eingedrückt werden. (Bild: Trotec)

Die Schutzkappen sollten grundsätzlich nur für die Zeit der Feuchtigkeitsmessung abgezogen werden. (Bild: Trotec)

Die Schutzkappen sollten grundsätzlich nur für die Zeit der Feuchtigkeitsmessung abgezogen werden. (Bild: Trotec)

Einige neuere Geräte geben den Feuchtegehalt in Prozent statt Digits an. (Bild: Trotec)

Einige neuere Geräte geben den Feuchtegehalt in Prozent statt Digits an. (Bild: Trotec)


Vom Umgang mit Messspitzen

Feuchtemessgeräte mit Messspitzen an der Kopfseite können auf weichen mineralischen Untergründen wie Gips und zum ungefähren Messen der Holzfeuchte eingesetzt werden. Die Spitzen sollten beim Messen einige Millimeter ins Messgut hinein ragen. So bleibt der Übergangswiderstand gegenüber dem Messwiderstand relativ klein. Die wechselbaren Messspitzen sind nach der Messung vorsichtig mit leichten links-rechts-Bewegungen herauszuziehen. Das sofortige Aufsetzen der Schutzkappe nach den Messungen erhöht die Lebensdauer und die Funktionstüchtigkeit.
Bei der Holzfeuchteerfassung von Schnitt- oder auch Brennholz kommen bei der Messung noch einige Besonderheiten hinzu. So ist Holz grundsätzlich immer quer zur Faser zu messen, da hier die Leitfähigkeit geringer ist als parallel zur Faser. An Stirnseiten, Ästen, Harzgallen und Rissen machen Messungen keinen Sinn, ebenso bei Holz, dessen Temperatur unter -5 °C liegt.

Was ist denn das Ergebnis?

Die meisten Feuchtemessgeräte zeigen bei der Feuchtemessung die Messwerte in sogenannten Digits an. Das sind relative „Skalenanteile“, die keine absoluten Feuchtewerte in Prozent oder Gramm darstellen, sondern einen Vergleichswert in Abhängigkeit von Rohdichte des gemessenen Baustoffs und der relativen Luftfeuchte. Beide Parameter müssen dem Messenden bekannt sein, um das Messergebnis richtig interpretieren zu können. Dazu ist es ebenso wichtig, zunächst an einer sicher trockenen Stelle des Messgutes eine Kontrollmessung durchzuführen.
 
Die Einteilung der Digits ist wie folgt:
  • bis 40 Skalenanteile: trockener Baustoff
  • 40 – 80 Skalenanteile: mäßig feucht (Material-Ausgleichsfeuchte)
  • 80 – 100 Skalenanteile: erhöhte Baustofffeuchte
  • 100 – 150 Skalenanteile: durchfeuchtetes Bauteil

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
 
Keyvisual und Teaserbild: Trotec