Fußboden Grundwissen Keyvisual

Boden – Grundwissen

Als sichtbarer Belag eines Raumes bildet der Fußboden die Basis jeder Raumgestaltung. Neben optischen Ansprüchen müssen Bodenbeläge funktionalen Anforderungen wie etwa einer effizienten Wärme- und Trittschalldämmung genügen. Daher bedürfen Bodenbeläge jeder Art (Naturstein- oder Fliesenbeläge, Parkette oder Holzdielen, Laminat oder Korkböden) eines einwandfreien und funktionalen Unterbaus. Dieser Unterboden besteht in der Regel aus einem Estrich und befindet sich unterhalb des sichtbaren Belages.

Aufbau des Fußbodens

Estriche werden in erster Linie als Unterboden für diverse Bodenbeläge gebraucht, können aber auch als eingefärbter Fließestrich selbst als Endbelag genutzt werden. Auf dem Markt sind zahlreiche Estrichsysteme erhältlich – welche Estrichart die richtige ist, hängt von Einsatzort, Bodenbelag und Gestaltungsvorhaben ab:

Estricharten:

  • Zementestrich: Der Zementestrich ist die am häufigsten verwendete Estrichart und besticht durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften (u.a. sehr gute Festigkeit und Unempfindlichkeit gegen Feuchte) ist der Zementestrich im Innen- als auch im Außenbereich verlegbar und als Heizestrich einsetzbar. Einziger Nachtteil: Zementestrich ist erst nach 20-30 Tagen mit Bodenbelägen belegbar.
  • Anhydritestrich (Calciumsulfatestrich): Aufgrund ausgezeichneter Wärmeleit- und Wärmespeicherfähigkeiten, ist Anhydritestrich besonders als Heizestrich geeignet. Hingegen findet er keine Anwendung im Außenbereich, in Nassräumen oder als Nutzestrich ohne Belag.  Insgesamt erfolgt die Verarbeitung sauber und einfach. Im Regelfall ist der Estrich früh begeh- und belastbar.
  • Gussasphaltestrich: Gussasphaltestrich ist besonders für nasse und feuchte Räume geeignet und zeichnet sich durch gute Wärme- und Schallschutzeigenschaften aus. Zudem ist er staub-, wasserfrei und geruchslos.  Gussasphaltestrich kann unabhängig vom Wetter eingebaut werden. Die Verlegung des Bodenbelags ist sofort nach dem Erkalten des Estrichs problemlos möglich.       
  • Magnesiaestrich: Magnesiaestrich findet in der Regel kaum Anwendung und ist nicht für den Einsatz in Außenbereichen und Nassräumen geeignet. Dennoch zeichnet er sich durch spezielle Eigenschaften aus: Magnesiaestrich verfügt über eine gute Wärme- und eine hohe Schalldämmung. Zudem ist er aufgrund seiner elektrischen Leitfähigkeit besonders bei Antistatikböden einsetzbar.       

Fließestrich und Trockenestrich

  • Fließestrich: Als Fließestrich wird häufig Zementestrich oder Anhydrit-/Calciumsulfatestrich eingebaut. Unter der Zugabe von Wasser wird das Trockengemisch angerührt und mithilfe von Mischpumpen zur Einbaustelle gefördert. In der Regel ist der Unterboden nach zwei Tagen betret- und nach drei Tagen belastbar. Fließestriche zeichnen sich besonders durch ihre selbstnivellierende Oberfläche aus, sodass die mechanischen Arbeitsschritte des Verteilen, Verdichtens und Glättens entfallen.  Grundsätzlich ist Fließestrich für jede Art von Bodenbelag geeignet – insbesondere für hochwertige Beläge wie Holz, Naturstein oder Keramik. Fließestriche können aber auch als eingefärbter Endbelag selbst als Fußboden genutzt werden. Auch ist er ideal für große Flächen und Fußbodenheizungen verwendbar, da der schwimmende Estrich die einzelnen Heizbauteile lückenlos umschließt.
  • Trockenestrich: Auf Trockenestrich bzw. Fertigteilestrich lassen sich alle üblichen Bodenbeläge verlegen. Das Estrichsystem besteht meist aus vorgefertigten Plattenelementen, die im Verbund verlegt und im Fugenstoß verklebt werden.  Die Estrich-Elemente bestehen aus miteinander verbundenen Gipskartonplatten oder Gipsfaserplatten. Je nach Bedarf und Einsatzgebiet kann die Unterseite mit Dämmmaterial beschichtet werden. Häufig kommen zusätzlich Schüttungen als Dämmung zum Einsatz. Vorteil dieser einfachen Verlegetechnik ist, dass der Trockenestrich keine zusätzliche Feuchtigkeit in den Raum einbringt und sofort betretbar ist. Trockenestriche werden oft bei Sanierung verwendet. Bestimmte Systeme eignen sich besonders für den Bodenaufbau über Holzbalkendecken, wie sie oft in Altbauten vorkommen.

Estrich-Ausführungen

  • Verbundestrich: Der Verbundestrich wird im Verbund mit dem Untergrund erstellt. Ergebnis ist eine vollflächige und feste Verbundenheit mit dem tragenden Fundament. Meist werden sie unmittelbar als Boden genutzt und finden daher Anwendungen in Kellerräumen und Garagen. Die Beschichtung mit einem Bodenbelag ist aber grundsätzlich möglich. Alle Estricharten sind als Verbundestrich geeignet.
  • Estrich auf Dämmschicht: Bei der Verlegung von Estrich auf Dämmschicht (auch bekannt als schwimmender Estrich) wird der Estrich über eine Dämmschicht eingebettet. Der Estrich weist keine unmittelbare Verbindung zu anderen angrenzenden Bauteilen auf – daher die Bezeichnung: schwimmender Estrich. Diese Estrichvariante dient der Verbesserung der Wärme- und besonders der Trittschalldämmung. Als schwimmender Estrich können alle Estricharten verwendet werden.
  • Estrich auf Trennschicht: Bei der Ausführung Estrich auf Trennschicht wird der Estrich durch eine Zwischenlage vom tragenden Untergrund getrennt. Als Trennschichten werden Polyethylenfolien, Bitumenpapier oder Rohglasvliesbahnen eingesetzt. Ein Estrich auf Trennschicht ist bereits als Boden geeignet, alternativ kann er aber auch mit einem Bodenbelag ausgeführt werden.  Diese Estrichvariante ist besonders für Heizräume, Wasch- und Trockenräume oder Lagerräume geeignet. Für den Einsatz auf einer Trennschicht eignen sich alle Estricharten.
  • Heizestrich: Heizestrich zählt zum schwimmenden Estrich. Die Besonderheit: Der Fließestrich ist ideal für die Wärmespeicherung, -abgabe und –verteilung im Raum geeignet. Bei der Verlegung ummantelt er gleichmäßig die Heizrohre und sorgt so für eine optimale Aufnahme von Heizelementen der Fußbodenheizung. Der Heizestrich benötigt nur ca. die Hälfte der Aufwärmzeit wie herkömmliche Estriche und ist daher optimal für moderne Erdwärme- bzw. Solarthermie-Heizanlagen geeignet.
 

Heizestriche bestehen aus Heizrohren, die mit dem Estrich vergossen werden.  (Bild: Klaus Köpplin)

Heizestriche bestehen aus Heizrohren, die mit dem Estrich vergossen werden. (Bild: Klaus Köpplin)

Trockenestriche bestehen aus Platten, die, häufig unterseitig mit einer Dämmung versehen, verlegt werden. (Bild: Knauf)

Trockenestriche bestehen aus Platten, die, häufig unterseitig mit einer Dämmung versehen, verlegt werden. (Bild: Knauf)

Bodenbeläge

Die Auswahl an Bodenbelägen ist vielseitig – in Sachen Farben, Muster und Verlegeformen sind den Gestaltungsmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. Originelle Kombinationen verschiedener Materialien lassen Wohnräume attraktiver erscheinen und gleichen unvorteilhafte Raumproportionen einfach aus. 
Bodenbeläge gliedern sich in textile und nicht textile Beläge. Unter textile Beläge fallen Teppichböden oder Spannteppiche, nicht-textile Beläge lassen sich grundsätzlich in die Bereiche elastische Beläge, Hartbeläge und mineralische Beläge unterteilen:

Keramische Fliesen sind widerstandsfähig und belastbar und kommen daher nach wie vor am häufigsten zum Einsatz.  (Bild: Miriam Hientz)

Keramische Fliesen sind widerstandsfähig und belastbar und kommen daher nach wie vor am häufigsten zum Einsatz. (Bild: Miriam Hientz)

Laminatböden sind besonders robust und strapazierfähig. Laminat ist vergleichsweise günstig und daher als Bodenbelag sehr beliebt. (Bild: Miriam Hientz)

Laminatböden sind besonders robust und strapazierfähig. Laminat ist vergleichsweise günstig und daher als Bodenbelag sehr beliebt. (Bild: Miriam Hientz)

Hier werden PVC-Design-Belägen in Fliesenform verlegt. (Bild: Ardex GmbH)

Hier werden PVC-Design-Belägen in Fliesenform verlegt. (Bild: Ardex GmbH)


Leicht zu reinigende Hartbeläge eignen sich besonders für Räume, die einen direkten Zugang zum Außenbereich ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise Laminatböden, Parkett oder Massivholzdielen. Aber auch mineralische Beläge wie etwa keramische Fliesen oder Naturstein beweisen dort ihre Tauglichkeit. Dagegen sind elastische Beläge wie Kork oder Linoleum besonders pflegeleichte Bodenbeläge, die sich zusätzlich durch trittschall- und wärmedämmende Fähigkeiten auszeichnen.

Bodensanierung & Bodenrenovierung

Renovierungsarbeiten betreffen grundsätzlich den sichtbaren Bodenbelag, der aufgrund von Abnutzung oder Beschädigung erneuert wird. Bei tiefergehenden Schäden erfolgt häufig eine komplexe Sanierung der gesamten Unterkonstruktion. Hierbei ist eine fachgerechte Beurteilung der bauphysikalischen und statischen Gegebenheiten der Bodenaufbauten jederzeit empfehlenswert. Besonders bei alten Fußbodenaufbauten (meist aus Holzbalken gefertigt) gilt es die Unterkonstruktion auf Stabilität, Feuchtigkeit, Fäulnis und Schädlingsbefall zu untersuchen. Ebenso ist es empfehlenswert die Füllstoffe zwischen den alten Holzbalken zu überprüfen und diese gegebenenfalls mit neuem Dämmmaterial zu befüllen.
 
Grundsätzlich müssen Fußbodenunterkonstruktionen trocken, sauber, tragfähig und eben sein. Bei Sanierungen im Altbau stellen neben Unebenheiten besonders die Aufbauhöhe und fehlender Platz ein große Herausforderung dar. Ist bei der Sanierung eine Boden-, Trittschalldämmung oder Fußbodenheizung angedacht, gerät der Fußbodenaufbau oftmals zu hoch. Weitere Sanierungsmaßnahmen wie etwa die Anpassung von Türen bleiben dann meist nicht aus. Für diese Problematik sind auf dem Markt speziell angefertigte Sanierungssysteme erhältlich, die dank geringem Eigenwicht und niedriger Aufbauhöhe ideal für den Einsatz in Altbauten geeignet sind. 
 
Eine Bodenrenovierung besteht nicht nur aus der Auswahl des geeigneten Bodenbelages und dessen Verlegung - die Vorbereitung ist das A und O:
  1. Raumanforderungen:
    Bodenbeläge weisen unterschiedliche Fähigkeiten in Bezug auf Belastbarkeit und Dämmung auf. Die Eignung für den Nassbereich oder für eine Fußbodenheizung ist nicht bei jedem Bodenbelag optimal gegeben. Daher sind Kriterien, die der neue Boden erfüllen muss, festzulegen. Weicht der auserwählte Boden von den räumlichen Anforderungen ab, besteht die Gefahr frühzeitiger Bodenabnutzung bzw. -beschädigung.
  2. Untergrundvorbereitung
    Neben einem ausreichenden Zeitplan ist eine gründliche Reinigung mittels Fegen, Saugen, Schleifen, Fräsen und Sandstrahlen maßgeblich. Größere Beschädigungen wie etwa Rissbildungen, ausgebrochene Estrichteile oder Hohlstellen in Verbundestrichen sind für einen optimalen Untergrund mithilfe von entsprechenden Produkten auszubessern.
  3. Verlegung
    Eine ordentlich ausgeführte Verlegung erfolgt mit dem richtigen Werkzeug und dem richtigen Kleber. Oftmals sieht der Hersteller für die Bodenverlegung einen bestimmten Kleber vor, da der gewünschte Bodenbelag nur mit bestimmten Klebstoffen kompatibel ist.      

Maßgetreue Skizzen helfen bei der Verlegung. Sie zeigen beispielsweise auf, ob Zuschnitte benötigt werden. Für ein optimales Ergebnis ist es von Vorteil, den benötigten Zuschnitt gleichmäßig auf die erste und letzte Reihe zu verteilen. Besonders bei großen Verlegeflächen muss eine Dehnungsfuge mit eingeplant werden. Nur so wird ein Ausdehnen und Zusammenziehen der Bodenfläche gewährleistet.

Reinigung & Pflege

Zur normalen Unterhaltspflege der Bodenbeläge sind Besen, Mopp oder Staubsauger ausreichend. Bei Verschmutzungen oder Verunreinigungen kann der Boden feucht gewischt werden. Spezielle Pflege- und Reinigungsprodukte sind insbesondere bei Laminat-, Linoleum-, Kork-, Parket- und Massivholzdielenböden empfehlenswert. Insgesamt hängt die Intensität der Pflege stark von dessen Beanspruchung ab – je stärker die Böden belastet werden, desto mehr Pflege ist erforderlich.
 
Schon Kleinigkeiten helfen Schmutz vorzubeugen und die Pflege zu erleichtern:
  • Fußmatten an allen Eingangsbereichen fangen Schmutz und Staub ab
  • Filzgleiter unter Füße von Möbelstücken schützen die Oberfläche der Beläge
  • Weiche und dem Gewicht angepasste Rollen unter Möbeln schonen die Beläge
  • Ein gesundes Raumklima (50 % bis 65 % rel. Luftfeuchte und ca. 21 C° Temperatur) begünstigt die dauerhafte Werterhaltung der Bodenbeläge
Einige Reinigungsmaßnahmen sollten bei der Pflege mit Bedacht angegangen werden:
  • Reinigungsmittel mit chemischen Lösungsmitteln (wie etwa Azeton) können den Boden auf Dauer beschädigen
  • Drahtbürsten hinterlassen oftmals Schrammen auf der Oberfläche   
  • Scheuermilch kann ätzend wirken
  • Bei Matten mit Gummi- oder Latexrücken besteht die Gefahr, Verfärbungen auf den Bodenbelägen zu verursachen
Mehr zur Reinigung & Pflege von Fliesen bietet der Ratgeber Reinigung von FLIESEN&PLATTEN.

Autoren:

Pauline John/Miriam Hientz
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: iStock
 

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