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Obere Geschossdecke dämmen – Wärmeverluste vermeiden

Um den Endenergiebedarf eines Gebäudes zu senken, ist es unerlässlich, die Hüllflächen zur Minimierung des Transmissionswärmeverlustes zu dämmen. Für jedes Hüllflächenteil gibt es heutzutage Verfahren und passende Dämmstoffe. Auch für Nischen wie Rollladenkästen haben sich mehr oder weniger hochwertige Lösungen etabliert. Problematisch ist jedoch nach wie vor, die Erschließungssituation zur obersten Geschossdecke (OGD) energetisch zu optimieren. Die nachfolgend dargestellten Lösungen beziehen sich überwiegend auf eine mit Einblas-Dämmstoffen oder einer Dämmhülsen-Konstruktion durchgeführte Dämmung der obersten Geschossdecke. Grundsätzlich sind drei Zugangssituationen zur OGD zu unterscheiden. Sie kann über das Wohnungstreppenhaus, Dachbodenluken oder eine eigene Treppe erschlossen sein. Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie diese Zugangssituationen der Geschossdecke dämmen können.

Die Dämmung der obersten Geschossdecke bei der Erschließung übers Wohnungstreppenhaus

Wird die OGD über das Wohnungstreppenhaus erschlossen, kann die Geschossdeckendämmung nur durch das Dämmen und Abdichten der Tür energetisch verbessert werden, und zwar unabhängig davon, wie die Dämmung der obersten Geschossdecke vollzogen wurde, ob mit Platten, Matten, der Dämmhülsenkonstruktion oder Verbunddämmstoffen aus Matten/Platten und Holzwerkstoffen. Für das Dämmen der Tür kommen vor allem Hochleistungsdämmplatten infrage. Zum Beispiel eignen sich Phenolharzplatten mit einem λ-Wert von 0,21 W/(m ∙ K) hervorragend, wenn wenig Platz in Anspruch genommen werden soll und gleichzeitig ein akzeptabler U-Wert das Ziel ist. Hochwertige Türdichtungen, sogenannte Holzzargen-Dichtungen oder Holzinnentürdichtungen, sollten vorhanden sein oder angebracht werden. Sie verhindern, dass die Lufttemperatur im warmen Bereich durch Zuglufterscheinungen sinkt, Lüftungswärmeverluste werden so vermindert. Die beste Lösung ist es, eine Stufe zu konstruieren, die genug Platz bietet, um die Tür komplett zu öffnen. Hierfür wird auf der OGD eine OSB-Platte ausgelegt. Zusammen mit den seitlichen Stufenelementen soll sie verhindern, dass während der Nutzung des OGD eingeblasenes Material nach oben befördert wird. Weiterhin entsteht so ein einheitliches Bild.

Die Dämmung der obersten Geschossdecke bei der Erschließung via Dachbodenluke

In sehr vielen Gebäuden wird die OGD nur über eine Dachbodenluke erschlossen. Diese ist meist nicht dicker als 15 Millimeter und besteht aus einer Holzwerkstoffplatte. Die dünne Platte kann die oberste Geschossdecke von den darunter liegenden Räumen nicht thermisch trennen. Um in so einem Fall die oberste Geschossdecke dämmen zu können, kann die Dachbodenluke ähnlich wie eine Tür mit Hochleistungsdämmstoffen gedämmt werden, zum Beispiel mit der schon erwähnten Phenolharzplatte. Die Dämmplatte wird auf der Holzwerkstoffplatte mit den dafür zugelassenen Klebern und Dübeln befestigt. Dachbodenluken gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: Entweder ist in der Dachbodenluke eine ausziehbare Leiter (Bodeneinschubtreppe) integriert, oder man erschließt den Dachboden über eine separate Leiter. Ist eine Bodeneinschubtreppe in der Dachbodenluke installiert, werden diese und die Randbereiche zur Dämmhülsen-Konstruktion hin gedämmt. Die Dämmung der Randbereiche ist insbesondere deshalb wichtig, weil so Wärmebrücken deutlich verringert werden. Sehr wichtig ist auch hier die umlaufende Dichtung (Bild 1). Sie soll verhindern, dass warme Luft ungehindert durch kleine Ritzen verloren geht. Ist in der Dachbodenluke keine Bodeneinzugstreppe integriert, ist die Dämmung der Dachbodenluke einfacher. Denn die Dämmplatte muss nicht kleinteilig zurechtgeschnitten werden, um die Funktion der Leiter nicht zu stören. Die Hochleistungsdämmplatte wird zur Geschossdeckendämmung großflächig auf die Dachbodenluke aufgeklebt. Auch hierbei müssen die Randbereiche mit gedämmt werden. Dazu wird die Dachbodenluke seitlich mit Dämmplatten verkleidet. Diese Maßnahmen sind sehr rentabel.

Bild 1: Die Hochleistungsdämmplatten dämmen nicht nur die Dachbodenluke, sondern auch die Seiten des Durchstiegs. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 1: Die Hochleistungsdämmplatten dämmen nicht nur die Dachbodenluke, sondern auch die Seiten des Durchstiegs. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 2: Undichtigkeiten an der Luke werden durch eine umlaufende Dichtung vermieden. Sie ist auf dem Bild als dunkler Streifen zu erkennen. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 2: Undichtigkeiten an der Luke werden durch eine umlaufende Dichtung vermieden. Sie ist auf dem Bild als dunkler Streifen zu erkennen. (Bild: IpeG-Institut)

Die Dämmung der obersten Geschossdecke bei Erschließung über eigene Treppe

Nicht selten wird die oberste Geschossdecke über eine eigene Treppe erschlossen (Bild 3). Das Wohnungstreppenhaus verfügt dann neben den Eingängen für die Wohnungen über einen separaten Eingang zur Treppe, die zur OGD führt. Um diesen Durchgang für die Dämmung der obersten Geschossdecke energetisch zu optimieren, bieten sich zwei Varianten an. In der ersten werden die Wände an der Treppe sowie die Tür gedämmt. In der zweiten Variante wird aus OSB-Platten ein Deckel konstruiert und dieser an der Dämmhülsenkonstruktion befestigt. In Variante 1 werden ähnlich wie bei einer Außenwanddämmung die Wände mit Plattendämmstoffen versehen. Abschließend wird die Tür mit einer Hochleistungsdämmplatte versehen und mit einer möglichst umlaufenden Dichtung ausgestattet. Diese Variante ist deshalb kritisch zu betrachten, weil sich die thermische Umfassungsfläche vergrößert und damit auch das Verhältnis der Umfassungsflächen zum beheizten Volumen verschlechtert. Außerdem können die Aufgänge, die in der Regel ohnehin schon eng sind, durch die Dämmstoffe noch schmaler werden. Der Einsatz von Hochleistungsdämmstoffen zur Geschossdeckendämmung ist ein nicht zu unterschätzender Kostentreiber, wenn man die Größe der Flächen betrachtet.

Eine Alternative bietet ein OGD-Deckel (Bild 4). Nach Dämmung der obersten Geschossdecke durch ihn behindert er weder den Aufgang, noch vergrößert er die thermische Umfassungsfläche. Der Deckel besteht aus OSB-Platten oder anderen leichteren Holzwerkstoffen und einer innen liegenden Hochleistungsdämmplatte. Befestigt wird der Deckel an der Dämmhülsenkonstruktion mit Scharnieren. Diese Variante verringert die thermische Umfassungsfläche, und der gewohnte Komfort beim Aufstieg bleibt erhalten. Um den Aufstieg auf die OGD zu erleichtern, kann eine Stufe vorgesehen werden, in die der Deckel hineinsinken kann (Bild 4). An ihren Rändern lassen sich außerdem relativ leicht umlaufende Dichtungen anbringen. Sie verringern Wärmeverluste und vermindern Schallemissionen, die durch das Zuklappen verursacht werden können. Aber auch diese Deckel-Konstruktion ist nicht unproblematisch. Denn ein Deckel wie in Bild 4 kann leicht 30 Kilogramm wiegen. Gerade ältere und körperlich eingeschränkte Menschen werden erhebliche Schwierigkeiten haben, diese Masse zu bewegen. Es ist daher erforderlich, einen möglichst leichten Deckel zu konstruieren, der dennoch so stabil ist, dass er sich nicht durchbiegt oder auf und ab bewegt, wenn Wind durch das Treppenhaus zieht.

Bild 3: Hier wird die oberste Geschossdecke über eine eigene Treppe erschlossen. Die Tür befindet sich am Fußpunkt der Treppe. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 3: Hier wird die oberste Geschossdecke über eine eigene Treppe erschlossen. Die Tür befindet sich am Fußpunkt der Treppe. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 4: Statt in diesem Fall die Umfassungsflächen der Treppe zu dämmen, kann auch an der Dämmhülsen-Konstruktion ein gedämmter und angedichteter Deckel angebracht werden. (Bild: IpeG-Institut)

Bild 4: Statt in diesem Fall die Umfassungsflächen der Treppe zu dämmen, kann auch an der Dämmhülsen-Konstruktion ein gedämmter und angedichteter Deckel angebracht werden. (Bild: IpeG-Institut)

Was ist eine Dämmhülsenkonstruktion?

Die Dämmhülsen-Konstruktion eignet sich sowohl zum Dämmen von Holzbalken- als auch von Stahlbetondecken. Dabei werden mit Dämmstoff gefüllte Hülsen auf der obersten Geschossdecke aufgestellt und darauf sukzessive Holzwerkstoffplatten verlegt. Der entstehende Hohlraum wird mit Einblasdämmstoffen gefüllt. Im Unterschied zu Holzbalkendecken muss bei einer Stahlbetondecke zuvor keine Dampfbremse auf dem Boden ausgelegt werden, um die oberste Geschossdecke dämmen zu können.

Autoren:

Arnold Drewer, Raphael Schupp

Institut für preisoptimierte energetische Gebäudemodernisierung GmbH

(IpeG-Institut); Paderborn

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