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Von Grund auf richtig

Aufgrund ihrer sehr rationellen Verarbeitung haben sich die gebrauchsfertigen Dispersions-Spachtelmassen, die mit mineralischen Füllstoffen angereichert sind, für den Innenbereich etabliert. Der größte Vorteil ist, neben der Zeitersparnis für das fehlende Anrühren, die stets gleichmäßige und verarbeitungsfreundliche Konsistenz. Unterschieden werden die Dispersionsspachtelmassen in die zwei Produktgruppen Schwer- und die Leichtspachtelmassen. Beiden gemein sind die Füllstoffe auf Basis von Silikaten oder Karbonaten. Bei den Leichtspachtelmassen kommen zusätzlich entweder Mikrohohlglaskugeln oder expandiertes Perlit dazu. Letzteres ist allerdings grobkörnig und beeinflusst  die Viskosität der Spachtelmasse während der Lagerzeit zum Schlechten, was vor allem die Verarbeitung durch die Airless-Geräte stört. Die erreichbare Oberflächenfestigkeit ist etwas geringer als bei den Gipsspachtelmassen.  Auf der Habenseite stehen die damit möglichen höheren Schichtdicken und die leichtere Schleifbarkeit. 
Dispersionsspachtelmassen haften über eine Verklebung des Bindemittels am Untergrund. Deshalb ist eine Untergrundvorbehandlung ähnlich wie bei den Dispersionsfarben wichtig. Zwar müssen die gefasten und geschnittenen Kanten der GK-Platten immer mit einem Tiefengrund vorbehandelt werden, auf den Flächen ist das bei Einsatz einer Dispersionsspachtelmasse nicht zwingend nötig. Allerdings raten alle Hersteller dazu, es trotzdem zu tun, um eine einwandfreie Haftung der Masse auch unter ungünstigen Bedingungen zu gewährleisten.  
Bei der Verarbeitung ist  zu  beachten,  dass die Spachtelmassen auf Dispersionsbasis durch Verdunstung des Wassers trocknen und deshalb leicht an Volumen verlieren.  Die beim Spachteln obligatorisch entstehenden  Spachtelgrate können mit einer feuchten Schwammscheibe abgescheibt werden. Das ist vor allem bei privaten Kunden von großem Vorteil, da praktisch kein Schleifstaub entsteht. Anstatt mit Wasser kann auch mit einer wasserverdünnbaren, transparenten Grundierung abgescheibt werden. Durch das intensive Einarbeiten der Grundierung wird eine verfestigende Wirkung auf die  Spachtelmasse erzielt. Das sollte auch bei Leichtspachtelmassen vor nachfolgenden  Anstrichen  erfolgen. Dispersionsspachtelmassen  ohne  Leichtfüllstoffe  benötigen bei nachfolgenden Beschichtungen mit Farben  keine  zusätzliche  Grundierung. 

Das können die kunststoffmodifizierten Gipsspachtelmassen

Die pulverförmigen Gipsspachtelmassen mit Kunststoffmodifizierung haben sich gegenüber den reinen Gipsspachtelmassen am Markt mittlerweile durchgesetzt. Die Gründe liegen darin, dass sie auch ohne Fugendeckstreifen leichte Bewegungen der Konstruktion rissfrei mitmachen und dass sie auch ohne eine Grundierung beste Haftergebnisse auf GK-Platten zeigen. Auch hier sei der Hinweis gestattet, dass trotz der guten Haftung eine Grundierung mit einem hochwertigen Markenprodukt nie ein Fehler ist, wenn der Verarbeiter allen Eventualitäten trotzen will.
Kunststoffmodifizierte Gipsspachtelmassen werden in der Regel manuell verarbeitet. Sie trocknen schnell und sind von ihrer Konsistenz her durchaus auch als Dünnputz einzusetzen. Wie bei selbst angemischten Spachtelmassen nicht anders zu erwarten, ist die offene Zeit im Gegensatz zu den Dispersionsvarianten begrenzt, Markenprodukte erreichen hier eine Stunde und mehr. Der Trocknungsschwund ist wesentlich geringer als bei den Dispersionen.

Auch die gebrauchsfertigen Dispersionsspachtelmassen sollten Sie einmal kräftig durchrühren, um eine gleichmäßige Konsistenz zu erhalten. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Auch die gebrauchsfertigen Dispersionsspachtelmassen sollten Sie einmal kräftig durchrühren, um eine gleichmäßige Konsistenz zu erhalten. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Die Dispersionsspachtelmassen haften durch Verklebung auf der Gipsplattenoberfläche. Die Härte ist nicht ganz so hoch. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Die Dispersionsspachtelmassen haften durch Verklebung auf der Gipsplattenoberfläche. Die Härte ist nicht ganz so hoch. (Bild: Saint Gobain Rigips)

Das Anmischen der Gipsspachtelmassen kostet viel Zeit, zumal die offene Zeit für die Verarbeitung begrenzt ist. (Bild: Fermacell)

Das Anmischen der Gipsspachtelmassen kostet viel Zeit, zumal die offene Zeit für die Verarbeitung begrenzt ist. (Bild: Fermacell)


Diese Verarbeitungsbedingungen müssen stimmen

Egal, welche Spachtelmasse eingesetzt wird, die Verarbeitungsbedingungen sind für beide klar definiert. So müssen der Untergrund, die umgebende  Luft und das Material eine Temperatur von mindestens +10 °C aufweisen. Da alle Materialien mit abnehmender Temperatur zähflüssiger werden, sollte gerade bei der Spritzverarbeitung auf die Mindesttemperatur des Materials  geachtet  werden.  Diese  lässt sich im Winter durch die richtige Zwischenlagerung gewährleisten: Gebinde, die auf kaltem Betonboden gelagert wurden, sind häufig kälter. Bis das Material dann die richtige Verarbeitungstemperatur erreicht hat, sind mehrere Stunden erforderlich. Besser ist es, die Gebinde auf einer Palette oder auf Styroporplatten zu lagern. Schnelles, schockartiges Aufheizen der Räume ist zu vermeiden, da sonst infolge der Längenänderungen und Aufschlüsselungen Spannungsrisse entstehen können, dies gilt insbesondere beim Winterbau. Ein direktes Anblasen der Gipsplatten und Gipsfaserplatten mit Heiß- oder Warmluft ist zu vermeiden. Das Gleiche gilt für das extrem schnelle Heruntertrocknen bei Inbetriebnahme von Lüftungs- und Klimaanlagen ohne Befeuchter oder bei Einsatz von Bautrocknern. Vor Ausführung der Spachtelarbeiten sollten alle Estrich- und Verputzarbeiten abgeschlossen sein und ausreichend Trocknungszeit erhalten. Ansonsten kann der durch diese Gewerke ansteigende Feuchtegehalt der Raumluft zu Formveränderungen in den Platten und letztlich zu Rissen im Spachtelmaterial führen. Ideal ist es, wenn die Lichtverhältnisse während der Spachtelarbeiten der späteren Nutzung entsprechen.

Ein Kohäsionsbruch im Spachtel bedeutet, dass diese Stellen zunächst entfernt und dann ausgebessert werden müssen. (Bild: Caparol)

Ein Kohäsionsbruch im Spachtel bedeutet, dass diese Stellen zunächst entfernt und dann ausgebessert werden müssen. (Bild: Caparol)

Entstehen unter leichtem Druck keine Brüche in der Oberfläche, hat der Spachtel ein ausreichend festes Gefüge. (Bild: Caparol)

Entstehen unter leichtem Druck keine Brüche in der Oberfläche, hat der Spachtel ein ausreichend festes Gefüge. (Bild: Caparol)

Lässt sich die Gipsschicht mit Wasser leicht anlösen, muss vor dem Grundieren nochmal geschliffen werden. (Bild: Caparol)

Lässt sich die Gipsschicht mit Wasser leicht anlösen, muss vor dem Grundieren nochmal geschliffen werden. (Bild: Caparol)

Die Farbbeschichtung

Vor der Beschichtung der gespachtelten Fläche mit einer Innenfarbe ist der Gipsspachtel auf seine Festigkeit und Haftung zwischen Wandbauplatte und Spachtelung zu prüfen (siehe Tabelle). Je nach Ergebnis der Untergrundprüfung kann dann die entsprechende Grundierung ausgewählt werden. Dabei gilt, dass der Untergrund durch die Grundierung nicht vollständig abgesperrt werden darf, sondern eine Restsaugfähigkeit erhalten bleibt. Transparente Grundierungen dürfen keinen glänzenden Film bilden, ihnen dürfen aber zur besseren Erkennbarkeit der Streichspur bis zu 5% Dispersionsfarbe zugesetzt werden. Wichtig ist auch, dass Grundierungen vor der nachfolgenden Beschichtung vollständig ausgetrocknet sein müssen. Was die genauen Trocknungszeiten angeht, so sind die Herstellerangaben zwingend einzuhalten. Überhaupt Hersteller: Am sichersten fahren die Verarbeiter immer, wenn Sie vor der Grundierung Kontakt zum Farbenhersteller aufnehmen und dabei sowohl die Notwendigkeit und auch die Auswahl der richtigen Grundierung erörtern.
 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Saint-Gobain Rigips
 

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