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Bad und Abdichtung – Grundwissen

Kaum ein Wohnraum ist so regelmäßig Feuchtigkeit und Wasser ausgesetzt wie das Bad. Für Bäder und andere Feuchträume gelten daher gesonderte Vorschriften und Regeln, die es bereits bei Bauplanung bzw. Planung der Bausanierung zu beachten gilt.
 
Räume, in denen häufig eine erhöhte Luftfeuchtigkeit herrscht, werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Feuchträume bezeichnet. Der Begriff Feuchtraum ist in den geltenden Normen und Regelwerken jedoch weder definiert noch erfasst und daher schwer von sogenannten Nassräumen abzugrenzen. Wenn von Feuchträumen die Rede ist, wird vermeintlich meist von Wohnräumen wie etwa Bädern, Gästetoiletten oder Küchen gesprochen. In den einschlägigen Regelwerken gelten diese Wohnbereiche jedoch nicht als Feuchträume, sondern vielmehr als trockene Räume, gegebenenfalls mit durch Feuchtigkeit beanspruchten Bereichen. Grund dafür sind etwaige Lüftungs- oder Heizmöglichkeiten, die die zeitweise auftretende Feuchtigkeit in Bädern oder Küchen relativ schnell entweichen lassen.
 
Feuchträume können als Räume mit ständig hoher Luftfeuchte definiert werden und umfassen daher u.a. öffentliche Bäder, Schwimmhallen, (Gemeinschafts-) Duschen und Saunen.
 
Im Gegensatz zum Feuchtraum ist der Nassraum normativ erfasst und definiert. Er kennzeichnet einen Innenraum, in dem Wasser in Form von Dampf als auch in flüssiger Konsistenz in solchen Mengen anfällt, dass ein Wasserablauf für dessen Ableitung erforderlich ist. Als Beispiel ist hier die Duschzelle zu nennen. Ebenso gelten Räume als Nassräume, wenn diese oder Teilbereiche (wie etwa Boden oder Wände) aus bestimmten Gründen regelmäßig abgespritzt werden.
Bäder und andere Feuchträume sind hinsichtlich der Bauweise dennoch deutlich von anderen Wohnräumen zu differenzieren. Die Anforderungen an Abdichtungen, Elektrik oder anderen Baumaterialien sind vergleichsweise höher und so auszuführen, dass durch Wasser oder Feuchtigkeit keine Schäden an der Bausubstanz entstehen.

Abdichtung bei Bad und Nassräumen

Bäder und andere Feuchträume sind regelmäßig Feuchtigkeit und Wasser ausgesetzt. Besonders in Bereichen rund um Badewanne, Dusche und Waschbecken kann neben Spritzwasser auch Wasserdampf entstehen, der sich regelrecht an Wänden niederschlägt und bei Dichtungsmängeln in die Bausubstanz eindringt. Daher sind fehlerfreie Abdichtungen Grundvoraussetzung für sichere und mängelfreie Bäder und Feuchträume.

Fugen sind grundsätzlich als wasserdurchlässig einzustufen: Abdichtungsmaßnahmen sind daher unumgänglich! (Bild: AUSBAUPRAXIS/P. John)

Fugen sind grundsätzlich als wasserdurchlässig einzustufen: Abdichtungsmaßnahmen sind daher unumgänglich! (Bild: AUSBAUPRAXIS/P. John)

Schimmel im Silikon (und in Fliesenfugen) ist nicht selten, besonders dann nicht, wenn das Bad nur spärlich gelüftet wird. Abdichtungsmaßnahmen sind daher regelmäßig zu überprüfen und gegeben falls zu erneuern. (Bild: AUSBAUPRAXIS/M.Hientz)

Schimmel im Silikon (und in Fliesenfugen) ist nicht selten, besonders dann nicht, wenn das Bad nur spärlich gelüftet wird. Abdichtungsmaßnahmen sind daher regelmäßig zu überprüfen und gegeben falls zu erneuern. (Bild: AUSBAUPRAXIS/M.Hientz)

Keramische Fliesen und Platten sind nach wie vor die erste Wahl bei der Oberflächengestaltung von Bädern und Feuchträumen. Nicht ohne Grund: der keramische Baustoff ist extrem widerstandsfähig und weist Wasser von Natur aus ab. Verfugungen sind hingegen als wasserdurchlässig einzustufen, Fliesenbeläge allein können daher ein kompaktes Abdichtungssystem nicht ersetzen.

Abdichtungs-Systeme: Wasserundurchlässige 
Abdichtungsbahnen schützen vor Durchfeuchtung 
und ermöglichen die direkte Verlegung der 
keramischen Fliesen und Platten. (Bild: Blanke GmbH & Co. KG)

Abdichtungs-Systeme: Wasserundurchlässige
Abdichtungsbahnen schützen vor Durchfeuchtung
und ermöglichen die direkte Verlegung der
keramischen Fliesen und Platten. (Bild: Blanke GmbH & Co. KG)

Leitungsdurchführungen (z.B. Wasseranschlüsse)  sind speziell  mit Dichtmasse und Dichtmanschetten abzudichten. (Bild: Knauf Gips KG)

Leitungsdurchführungen (z.B. Wasseranschlüsse) sind speziell mit Dichtmasse und Dichtmanschetten abzudichten. (Bild: Knauf Gips KG)



In der Praxis haben sich sogenannte Verbundabdichtungen bewährt. Verbundabdichtungen bestehen entweder aus einer Streich- bzw. Spachtelabdichtung (= flüssige Dichtstoffe, die auf Dispersionen-, Zement- oder Kunstharzbasis hergestellt werden) oder aus wasserundurchlässigen Abdichtungsbahnen, auf die keramische Fliesen und Platten direkt verlegt werden. Als Unterboden funktionieren mineralische Untergründe wie Beton, Mauerwerk, Gipsplatten, alte Fliesenbelegen oder zementgebundene Trockenbauplatten. Kritische Bereiche, wie der Übergang zwischen Wand und Boden, werden speziell abgedichtet. Zum Einsatz kommen sogenannte Dichtbänder, Dichtecken oder Dichtmanschetten. Besonders die Bereiche Dusche und Badewanne sind fast täglich einer hohen Wassereinwirkung ausgesetzt und benötigen daher zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen. Die Einbauten werden sowohl unterhalb mit einer Verbundabdichtung als auch zur Wand hin, meist mit einer Silikonabdichtung abgedichtet, eine dauerhafte Alternative zum Silikon bieten Fugenprofile.

Kritische Bereiche, wie der Übergang zwischen Wand und Boden, sind mittels Dichtmasse und Dichtecken speziell abzudichten. (Bild: Knauf Gips KG)

Kritische Bereiche, wie der Übergang zwischen Wand und Boden, sind mittels Dichtmasse und Dichtecken speziell abzudichten. (Bild: Knauf Gips KG)

Der Übergang von Wand zu Boden ist mittels Dichtmasse und Abdichtungsbändern so abzudichten, dass eine Durchfeuchtung der Wände ausgeschlossen ist.  (Bild: Knauf Gips KG)

Der Übergang von Wand zu Boden ist mittels Dichtmasse und Abdichtungsbändern so abzudichten, dass eine Durchfeuchtung der Wände ausgeschlossen ist. (Bild: Knauf Gips KG)

DIN 18534 – Abdichtung von Innenräumen

Seit Juli 2017 gelten neue Vorgaben und Regelungen für Abdichtungen in Innenräumen. Zu finden sind diese, aktualisiert und überarbeitet, in der neuen Abdichtungsnorm DIN 18534.
 
Die DIN 18534 findet bei der Planung von Boden- und Wandflächen, in denen die maximale Anstauhöhe von Wasser 10 Zentimetern beträgt, Anwendung. Betroffen sind davon durch Brauch- und Reinigungswasser beanspruchte Bereiche wie Bäder, Duschanlagen, Küchen, Schwimmbeckenumgänge, Produktions- und Gewerbeflächen und Bodenflächen mit Ablauf. 

Was ist neu?

In der neuen Norm wird u.a. die Intensität der Wassereinwirkung neu geregelt. Statt wie in der alten Norm die Einwirkung in zwei Klassen (mäßig und hoch) zu gliedern, klassifiziert sie sich jetzt in vier Bereiche:
 
  • W0-I - gering
  • W1-I - mäßig
  • W2-I - hoch
  • W3-I – sehr hoch

Grundwissen Bad Abdichtungen Tabelle

Abdichtungsuntergründe müssen bestimmte Oberflächencharakteristika aufweisen und sind daher je nach Wassereinwirkung zu wählen: Feuchteempfindliche Untergründe (wie etwa Gips- und Gipskalkputze, Gipsplatten, Gipsfaserplatten) sind für den Bereich W0-I und W1–I zugelassen. Für die Wassereinwirkungsklassen W2-I und W3-I sind hingegen nur feuchteunempfindliche Untergründe (wie etwa Beton, Zementgebundene mineralische Bauplatten, Zementestrich) erlaubt.

Weiterhin sind bei Abdichtungsmaßnahmen auch mechanische Veränderungen durch Rissbildungen und Fugenbewegungen mit einzubeziehen. Diese sind nicht zu verhindern und neben den Wassereinwirkungsklassen und der Untergrundbeschaffenheit bei der Planung mit zu berücksichtigen. So müssen Abdichtungsschichten über Fugen künftige Bewegungen schadenfrei verarbeiten können und rissüberbrückende Fähigkeiten aufweisen.  Die Norm definiert dazu drei Rissklassen (R1-I bis R3-I) und drei Fugentypen (F1-I bis F3-I), aus denen sich jeweils Anforderungen an die Abdichtungsbauart ergeben.

Zur Vermeidung von Schäden durch stehendes Wasser, empfiehlt die Norm den Einbau eines Gefälles, ausgenommen sind Gefälle, die für den Nutzer eine Gefahr (wie etwa Rutschgefahr) darstellen wie u.a. in Küchen.

Desweiterem definiert die neue DIN 18534 Detail- und Ausführungsregelungen zur Anwendung flüssiger und bahnenförmiger Abdichtungsstoffe, die bis dahin hauptsächlich in ergänzenden Merkblättern erfasst waren.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zur DIN 18534.

Trockenbauverfahren: Vorwand-Vorrichtung im Bad (Bild: DIPL.-ING. Monika Winggen Architektin AKNW – BDB)

Trockenbauverfahren: Vorwand-Vorrichtung im Bad (Bild: DIPL.-ING. Monika Winggen Architektin AKNW – BDB)

Trockenbauverfahren: Vorwand-Vorrichtung im Bad (Bild: DIPL.-ING. Monika Winggen Architektin AKNW – BDB)

Trockenbauverfahren: Vorwand-Vorrichtung im Bad (Bild: DIPL.-ING. Monika Winggen Architektin AKNW – BDB)

Der Ausbau von Feuchträumen erfolgt heutzutage häufig im Trockenbau. Besonders im Bad sind Vorwandinstallationen oder Duschabtrennungen per Trockenbauverfahren keine Seltenheit mehr. Die Beplankung erfolgt nicht wie üblich mit normalen Gipskartonplatten (da sie bei starker Feuchtebelastung aufquellen), sondern mit sogenannten „grünen Systemen“.  Diese Platten sind dank spezieller Imprägnierung besonders feuchtigkeitsresistent und können daher bedenkenlos in Räumen mit geringer bis mäßiger Feuchtigkeitsbeanspruchung (Bad, Küche, etc.) zum Einsatz kommen. Im Handel sind sie an der grünen Farbe (daher grüne Systeme) zu erkennen und mit der Bezeichnung GKBI erhältlich.  

Eine doppelte Beplankung der Trockenbauprofile sorgt für mehr Stabilität.  Besonders dann, wenn im Anschluss Fliesen verlegt werden, ist die Beplankung in zweifacher Ausführung erforderlich. Die GKBI werden dabei versetzt zueinander montiert, damit sich keine durchgehenden Fugen bilden. Anschließend lassen sich die Fugen zwischen den Platten mit entsprechender Spachtelmasse versiegeln. Rund um Dusche oder Badewanne reicht die Spachteltechnik nicht aus, vielmehr ist eine vollflächige Abdichtung mittels Dichtbändern und Flüssigdichtfolie nötig. Bei Rohrdurchführungen erfolgt eine zusätzliche Abdichtung mittels speziellen Manschetten oder Dichtstreifen. Dichtbänder werden ebenso im Übergang von Wand zu Boden und in allen Ecken eingesetzt. (s. Abdichtung bei Bad und Nassräumen)

Für Räume mit sehr starker Wassereinwirkung (wie etwa in Schwimmbädern) sind imprägnierte Gipskartonplatten nicht vorgesehen. Für solche Anwendungen sind auf dem Markt andere Plattenprodukte wie etwa zementgebundene Bauplatten erhältlich.

Solange Bäder im häuslichen Bereich ausreichend gelüftet werden können, sind grundsätzlich auch Standardgipskartonplatten für die Beplankung geeignet. Beispielsweise unterliegen Wände ohne Wassereinwirkung kaum Feuchtigkeitsbelastungen. Hingegen ist der Einsatz von GKBI bei Decken durchweg empfehlenswert, da sich dort in der Regel Wasserdampf anstaut und niederschlägt.

Gestaltung von Bädern

Kaum ein Raum hat in den letzten Jahren einen solchen Imagewandel durchgemacht wie das häusliche Bad. Bäder werden zunehmend zu Wohnräumen. Die Badgestaltung wird vielen Auftraggebern immer wichtiger. Dabei kommen zum Beispiel ausgefallene Fliesen, etwa in besonderen Formaten zum Einsatz, Barrierefreie Umbauten werden häufig aus rein ästhetischen Gründen beauftragt – eine Bodengleiche Dusche macht einfach mehr her als eine traditionelle Duschtasse. Damit eröffnet sich für Ausbau- und Fliesenbetriebe gerade mit dem Badausbau ein weites Betätigungsfeld, in dem durchaus die Möglichkeit besteht, sich mit besonderen gestalterischen Leistungen von der Masse abzuheben.

Autoren:

Pauline John/Miriam Hientz
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: iStock
 

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