Balkone ohne Wärmebrücke

Balkone ohne Wärmebrücke

Die hygroskopische Eigenschaft von Holz erfordert eine statisch sichere Lösung beim Anschluss des Balkons an eine Stahlbetondecke oder an eine Betonwand. Eingebettete oder durchlaufende Holzbalken führen aufgrund der hygroskopischen Eigenschaft von Holz meist zu frühzeitigen Sanierungen. Bei Neubauten gilt daher das Einbinden der Trägerkonstruktion in den Auflagerbereich

längst nicht mehr als zeitgemäß. Die Konstruktion erfolgt beim heutigen Hausbau meist als frei auskragende beziehungsweise unterstützte Konstruktion. Gerade in dicht bebauten Gegenden sind Überbauungen oft nicht komplett vorgeständert realisierbar. Dann muss der Balkon, das Vordach oder der Laubengang für den Lastabtrag an das Gebäude angeschlossen werden. Neben statischen Überlegungen müssen auch bauphysikalische Lösungen gefunden werden, um Wärmebrücken zu verhindern.

Lösungen für den Wärmeschutz

Verschiedene Hersteller haben Lösungen entwickelt, um angeschlossene Holzbauteile thermisch zu entkoppeln. Damit können die Anforderungen der DIN 4108 entweder mit einem rechnerischem Nachweis oder mit einem Wärmebrückenzuschlag als thermisch getrennte Konstruktion erfüllt werden. So bietet zum Beispiel die Schöck Bauteile GmbH mit dem Isokorb Typ KSH einen konstruktiven Anschluss, der die statische Sicherheit und zugleich die thermische Trennung gewährleisten soll. Das Element besteht aus einem Bewehrungskorb aus Edelstahl, mit integrierter 80 mm dicker Dämmschicht aus EPS, zum Einbau in den Deckenrand und einem feuerverzinkten Schwert zur Befestigung der Holzkonstruktion. Die Verarbeitung kann gleichzeitig beim Rohbauer und beim Zimmerer erfolgen. Der Betonbauer baut das Modul – ohne das Schwert – bei der Betondeckenerstellung ein. Der Zimmerer setzt das Schwert während der Vorfertigung in den Holzbalken ein. Bei der anschließenden Montage auf der Baustelle wird der gesamte Trägerbalken über die Gewindebolzen an das Grundmodul verschraubt. Höhenunterschiede können mit Distanzplättchen ausgeglichen werden. Wird der Isokorb als reiner Querkraftanschluss ausgeführt, bietet Schöck mit dem Isokorb Typ QSH einen wärmegedämmten Anschluss für unterstützte Holzkonstruktionen. Für beide Ausführungen gilt die bauaufsichtliche Zulassung Z-15.7-292, gültig bis 31.August 2020. Der zulassungspflichtige Teil ist der Isokorb, das Stahlschwert benötigt keine Zulassung. Die Firma H-Bau Technik GmbH möchte mit dem Anschluss Isopro ebenfalls eine Lösung bieten, die in der Version Isopro HBM für frei auskragende und als Isopro HBQ für unterstützte Holzkonstruktionen einsetzbar ist. Der Isopro HBM kann Biegemomente und Quer- und Horizontalkräfte, der HBQ positive Querkräfte und Horizontalkräfte übertragen. Das wärmegedämmte Verbindungselement ist über die bauaufsichtliche Zulassung Z-15.7-313, gültig bis 21. Mai 2019, geregelt. Es besteht aus einem 80 mm dicken EPS-Dämmkörper und einem statisch wirksamen Stabwerk aus Edelstahl. Die Elemente werden im Zuge der Bewehrungs- und Betonierarbeiten im Rohbau installiert. Im Normalfall werden sie in die Stahlbetondecke eingebaut, als Sonderausführung ist auch ein Einbau in einer Betonwand möglich. Die Montage der Holzkonstruktion erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt durch einen Zimmereibetrieb. Dank einer Justierplatte lassensich in vertikale Richtung Toleranzen von ± 12 mm aufnehmen. Beide Hersteller bieten Lösungen für verschiedene Wandaufbauten aus Mauerwerk, wie einschaliges oder zweischaliges Mauerwerk, an. Ebenfalls lassen sich beide Systeme mit Wärmedämmverbundsystemen kombinieren. Für Sonderlösungen, wie ein Anschluss bei Gebäuden im Bestand, sollte vorab mit der jeweiligen Anwendungstechnik Kontakt aufgenommen werden. Beide Systeme erfordern je angeschlossener Holzkonstruktion mindestens zwei Elemente. Denn da sie keine Torsion übernehmen können, müssen sie gegen Verdrehen in der Lage gesichert sein.

  • Die Schöck Bauteile GmbH bietet mit dem Isokorb Typ KSH einen konstruktiven Anschluss. Das Element besteht aus einem Bewehrungskorb aus Edelstahl mit integrierter 80 mm dicker Dämmschicht aus EPS zum Einbau in den Deckenrand und einem feuerverzinktem Schwert zur Befestigung der Holzkonstruktion. (Bild: Schöck Bauteile GmbH)

  • Die Firma H-Bau Technik GmbH hat mit dem Anschluss Isopro eine Lösung entwickelt, die in der Version Isopro HBM (im Bild) für frei auskragende und als Isopro HBQ für unterstützte Holzkonstruktionen einsetzbar ist. (Bild: H-Bau Technik GmbH)

Worauf der Zimmerer achten sollte

Der Holzbauer sollte sich vorab die Einbauanleitung und die Angaben des Tragwerksplaners ausführlich durchlesen. Die anzuschließenden Holzbalken werden eingeschlitzt, um das Stahlschwert einzusetzen und mit Stabdübeln zu befestigen. Die Hersteller geben die Mindestabmessungen des Holzbalkens, die Einschlitztiefe und Anzahl und Dimension der Stabdübel vor, damit eine Tragfähigkeit gewährleistet ist. Wenn der Zimmerer die Holzbalken des Balkons an das tragende wärmegedämmte Verbindungselement anschließt, sollte er vorab prüfen, ob die in der Zulassung geregelten Mindestrandabstände für das Stahlbetonbauteil, die Achsabstände zwischen den eingebauten Elementen und die zulässigen Dehnfugenabstände eingehalten sind. Ist dies nicht der Fall, sollte er Bedenken anmelden. Bei der Montage der Trägerbalken werden die Stahlschwerter über Gewindebolzen an Verbindungselemente angeschlossen. Das erforderliche Anzugmoment muss beachtet werden. Gegebenenfalls muss eine Überhöhung berücksichtigt werden. Sind sämtliche Holzbalken sicher angeschlossen, kann der weitere Aufbau des Balkons, Vordachs oder des Laubenganges erfolgen.

Autorin:

Angela Trinkert

Keyvisual und Teaserbild: Schöck Bauteile GmbH

10. September 2020

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:

 

Baulicher Holzschutz zwingend erforderlich

Alle im ersten Teil des Beitrags („Der Weg des Wassers“) diskutierten Probleme sind mit einem Wetterschutz der....mehr

 

Was ist die richtige Holzqualität?

Ein Blick auf die letzten Angebote oder Lieferscheine Ihres Holzlieferanten gibt einen ersten Hinweis, welcher Sortierung....mehr

 

Holzterrassen: Verlegen im Handumdrehen

Eine Holzterrasse zu bauen, ist auch für erfahrene Innenausbauer kein großes Problem. Grund dafür ist die Tatsache, dass....mehr

Nach oben