Für die ganz dicken Platten

Für die ganz dicken Platten

Das Dämmen mit Holzfaserdämmstoffen ist nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll, sondern bietet einen sehr guten Schall- und sommerlichen Hitzeschutz. Aus der Ökonische ist das Dämmen mit Holzfasern spätestens seit der Entwicklung von Holzfaser- Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) herausgetreten. Immer mehr Gebäude werden in Holzbauweise errichtet, und auch bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden, die nicht in Holzbauweise gebaut wurden, wird der natürliche Dämmstoff immer häufiger verwendet. Neben Platten mit einer hohen Rohdichte werden zunehmend niederdichte Platten verarbeitet, die den Vorteil eines gleichwertigen Wärmeschutzes bei geringerer Plattendicke haben. Doch wie sind die Platten zulassungskonform zu befestigen? Neben den bekannten Spezialschrauben und Tellerbefestigern sind vor allem Breitrückenklammern eine zeitsparende und wirtschaftliche Alternative – auch und gerade bei niederdichten Holzfaserdämmstoffplatten. Zum Beispiel bietet die Joh. Friedrich Behrens AG eine Europäische Technische Bewertung für die Breitrückenklammern für die Befestigung von Holzfaserdämmstoffplatten ab einer Rohdichte von 110 kg/m³.

  • Holzfaserdämmung Bild 1

    (Abb.: Behrens Group)

Zulassung und Kennzeichnung

In den Systemzulassungen des WDVS-Herstellers sind die zulässigen Verbindungsmittel dargestellt. Dabei gilt es zu beachten, dass nur die Verbindungsmittel eingesetzt werden dürfen, die in der Zulassung auch beschrieben werden. Grundsätzlich stehen je nach Untergrund und Dämmstoffdicke drei Befestigungsmittel zur Auswahl: Breitrückenklammern, Tellerbefestiger oder Spezialschrauben. In den Systemzulassungen wird eine Klammer mit den Spezifikationen nach DIN EN 14592 gefordert. Darüber hinaus findet der Anwender Angaben zur Stahlgüte, zur Mindestrückenbreite von 27 mm, zur Eindringtiefe von mindestens 30 mm und zu den einzuhaltenden Abständen. Mit dem Hinweis auf die Spezifikationen nach DIN EN 14592 wird die Konformität nachgewiesen und mit dem CE-Symbol gekennzeichnet. Klammern für Anwendungen, die nicht in einer Norm zu fassen sind, benötigen eine Sonderzulassung, um CE-konform zu sein. Dies gilt beispielsweise bei der Befestigung niederdichter Holzfaserdämmstoffplatten. Die Europäische Technische Bewertung (ETA) hat die nationalen Zulassungen und deren Kennzeichnungen abgelöst.

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    Für die industrielle Vorfertigung bieten Hersteller wie BeA Autotec passgenaue Lösungen, die in Wechselbrücken integriert werden können. (Bild: Behrens Group)

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    Mit Klammern wie der BeA Type 346 können Dämmstoffplatten bis zu einer Stärke von 160 mm befestigt werden. (Bild: Behrens Group)

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    Breitrückenklammern sind mindestens 30 mm tief in die Holzkonstruktion einzubringen. (Bild: Behrens Goup)

Befestigungsdicken

Dämmung bis 160 mm möglich
Im Holzbau werden Holzfaser-WDVS direkt auf die Holzkonstruktion aufgebracht. Aus Zeit- und Kostengründen kommen Breitrückenklammern wie beispielsweise die Klammern BeA Typen 246 und 346 oder KMR BS aus nicht rostendem Stahl zum Einsatz. BeA und KMR bieten Längen von 75 bis 200 mm, die entweder mit pneumatischen oder mit gasbetriebenen Klammernaglern eingebracht werden.

Für die industrielle Vorfertigung bieten Hersteller wie BeA Autotec passgenaue Lösungen, die in Wechselbrücken integriert werden können. Eine Kooperation zwischen BeA und einem großen Fertighaushersteller war auch ausschlaggebend für die Entwicklung der Klammer Type 346 mit einer Länge von 200 mm. Diese beeindruckende Dimension ermöglicht die Befestigung von Dämmstoffdicken bis zu 160 mm.

Befestigung auf hölzernen Untergründen

Die geometrische Anordnung sowie Angaben zur Mindestzahl der Befestigungselemente pro Quadratmeter werden anhand der Gebäudehöhe, der Windlast, der Druckfestigkeit der Dämmstoffplatte sowie der Platzierung definiert. Als Faustformel gilt: Randabstand in Holzunterkonstruktion: 5 × Durchmesser des Klammerdrahts, Abstand zum Plattenrand: 7 × Durchmesser des Klammerdrahts.

Bei einer BeA Klammer Type 246 oder KMR Klammer BS sind das 10 mm Randabstand in der Holzunterkonstruktion und 14 mm Abstand zum Plattenrand. Im Holzrahmenbau ist auf eine ausreichende Ständerbreite zu achten, damit die Randabstände auch eingehalten werden können. Nut- und -Feder-Platten werden endlos mit schwebenden Stößen verarbeitet, sodass eine Stielbreite von 45 mm ausreichend ist. Anders sieht es bei Platten mit nicht profilierten Plattenrändern aus, die jeweils auf einem Holzständer gestoßen werden. Um dabei die Randabstände nicht zu unterschreiten, werden je nach Zulassung Stielbreiten von 50 bis 60 mm vorgegeben. Eine einzelne Platte ist immer auf mindestens zwei Holzständern zu befestigen. Die Klammern können beidseitig des Stoßes senkrecht angeordnet werden. Bei der Bemessung der Holzquerschnitte ist allerdings darauf zu achten, dass die innenseitige und gegebenenfalls aussteifende Beplankung höhere Randabstände und somit größere Holzquerschnitte erfordern kann.

Befestigung auf mineralischen Untergründen mit Holzunterkonstruktion

Die Befestigung von Holzfaserdämmstoffplatten auf hölzernen Untergründen mit Breitrückenklammern ist immer erste Wahl. Auf mineralischen Untergründen wie Mauerwerk oder Beton werden die Platten in aller Regel mit Mörtel und Dübeln befestigt. Es gibt jedoch eine Variante, die der Befestigung von Holzfaserdämmstoffplatten auf hölzernen Untergründen gleicht. Dabei werden zunächst vertikale Hölzer aufgedübelt und die Zwischenräume mit Dämmstoffplatten oder nach Anbringung der Dämmstoffplatten im Einblasverfahren gedämmt. Die Holzfaserdämmstoffplatten werden wiederum mit Breitrückenklammern befestigt. Die Vorteile dieser Variante liegen auf der Hand.

Durch das zeit- und kosteneffiziente Aufdoppeln einer zusätzlichen Unterkonstruktion kann der Bauherr eine sehr hohe zusätzliche Wärmedämmung erzielen. Diese Methode eignet sich auch sehr gut, um bestimmte Gebäudeteile, wie beispielsweise die Wetterseite eines Wohnhauses, nachträglich zu ertüchtigen.

Befestigung von niederdichten Holzfaserdämmstoffplatten ab 110 kg/m³

Die Vorteile einer höheren Rohdichte sind angesichts der Robustheit gegenüber mechanischen Einflüssen und eines exzellenten Schall- und sommerlichen Hitzeschutzes unbestritten. Eine höhere Rohdichte hat jedoch auch eine höhere Wärmeleitfähigkeit zur Folge, die wiederum hinsichtlich des Wärmeschutzes nicht gewünscht ist.

Es kommen daher immer mehr niederdichte Holzfaserdämmstoffplatten auf den Markt, die den Vorteil eines gleichwertigen Wärmeschutzes bei geringerer Plattendicke haben. Das entspricht den Bemühungen, Bauteile in ihrer Gesamtdicke nicht weiter anwachsen zu lassen und trotzdem den stetig steigenden Anforderungen an den Wärmeschutz gerecht zu werden. Die Herausforderung war bislang allerdings, Platten mit einer Rohdichte ab 110 kg/m³ bis etwa 200 kg/m³ mit Breitrückenklammern zulassungskonform zu befestigen. Mit der ETA-15/0860 bieten BeA und KMR nun Breitrückenklammern der Typen 246 und BS an, die zur Befestigung von Holzfaserdämmstoffplatten ab einer Rohdichte von 110 kg/m³ zugelassen sind. Sowohl in der Vorfertigung als auch auf der Baustelle liefern KMR und BeA Systemlösungen aus zugelassenen Klammern und geeigneten Eintreibegeräten für niederdichte Plattenprodukte.

Holzfaser-WDVS

Ein Plus an Ökologie
Holzfaser-WDVS bestehen aus einer oder mehreren Holzfaserdämmstoffplatten, einem Befestigungssystem, dem Putzsystem, dem Anstrich und aus erforderlichen Zubehörteilen. WDVS haben einen dauerhaft wirksamen Wetterschutz des Tragwerks zu gewährleisten.

Die eingesetzten Komponenten sind Bauteile mit Sicherheitsanforderungen und werden baurechtlich auf nationaler Ebene über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik, ab 2019 ausschließlich auf europäischer Ebene mit einer Europäischen Technischen Bewertung (ETA) geregelt.

Die Platten basieren auf einem aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten und ökologisch unbedenklichen Dämmstoff. Holzfaser-WDVS vereinen eine Vielzahl positiver Eigenschaften und grenzen sich damit von konventionellen Polystyrol-Systemen ab. Sie erlauben diffusionsoffene Konstruktionen und sind aufgrund ihrer höheren Festigkeiten deutlich robuster gegenüber mechanischen Einflüssen. Wandaufbauten bieten einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz, punkten auch beim Schallschutz gegenüber konventionellen WDVS und erreichen dennoch Feuerwiderstandsklassen bis F90.

Neben dem Einsatz im Holzrahmen- oder Massivholzbau können Holzfaser-WDVS auch zur Dämmung von Wandflächen mit mineralischen Untergründen eingesetzt werden. Sowohl im Neubau als auch bei der Renovierung oder Ertüchtigung von Bestandsgebäuden werden Holzfaser-WDVS erfolgreich eingesetzt.

Autor:

Jörg Ahrens
Anwendungsberater bei der Behrens Gruppe

Keyvisual und Teaserbild: Behrens Group

26. März 2021

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