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Neulich im Plattenladen: Holzplatten schneiden

Eines ist allen Holzwerkstoffplatten, die im Innenausbau zum Einsatz kommen, gemein: Sie werden alle aus Restholz hergestellt und tragen so zu einer erheblichen besseren Ausnutzung des Werkstoffs Holz bei. Welche Eigenschaften die unterschiedlichen Plattentypen aufweisen, hängt im Wesentlichen vom Zerspanungsgrad des Holzes ab. So sorgt eine starke Zerspanung bis hin zur Zerfaserung nach dem Holzplattenschneiden einerseits für gute Dämmeigenschaften und eine sehr feinporige Oberflächenstruktur (MDF/HDF), andererseits aber auch für einen relativ hohen Kleberanteil. Für statisch hochbelastbare Platten sind hingegen möglichst grobe Späne hilfreich. Bei den Grobspan-(OSB-)Platten sind die Späne bis zu 160 mm lang und 35 mm breit, sie sorgen durch ihre spezielle Ausrichtung in der Plattenebene für eine ausgezeichnete Biegesteifigkeit. An die Werte hinsichtlich Festigkeit und E-Modul von Massivholz reichen die Holzwerkstoffplatten zwar nicht heran, dafür sind sie in ihren Eigenschaften wesentlich homogener, weniger anfällig für Schwinden und Quellen sowie deutlich preisgünstiger.

HDF-/MDF-Platten bearbeiten: Allgemeines

Mitteldichte und hochdichte Faserplatten werden aus feinst zerfasertem und rindenfreiem Nadelholz hergestellt. Je nach Rohdichte erfolgt die Einteilung HDF (ab 800 kg/m3), MDF (650-800 kg/ m3), Leicht-MDF (550-650 kg/m3) und Ultraleicht-MDF (kleiner 550 kg/ m3). Kennzeichen der Platten sind ein homogener Aufbau, profilier-, schraub- und lackierbare Kanten sowie eine sehr feinporige Oberfläche. Die Plattendicken reichen von 2 bis 60 mm. Faserplatten haben einen hohen Kleberanteil, meist werden Harnstoffharze eingesetzt. Deren Formaldehydanteil wurde in den letzten Jahren immer weiter reduziert, sodass zumindest alle deutschen Hersteller die E1-Klassifizierung locker erreichen. MDF-Platten werden überwiegend im Möbelbau eingesetzt, als Wand und Dachtafeln dürfen sie eingesetzt, statisch aber nur zur Knick- oder Kippaussteifung in Rechnung gestellt werden.

HDF-Platten bekommen Sie roh oder bereits mit einer weißen Grundfolie kaschiert.
Bild: Pfleiderer

HDF-Platten bekommen Sie roh oder bereits mit einer weißen Grundfolie kaschiert.
Bild: Pfleiderer

MDF-Kanten sind im Gegensatz zu Spanplattenkanten gut schraubbar.
Bild: Pfleiderer

MDF-Kanten sind im Gegensatz zu Spanplattenkanten gut schraubbar.
Bild: Pfleiderer

Durchgefärbte MDF-Platten werden im Möbel- und Ladenbau eingesetzt.
Bild: Pfleiderer

Durchgefärbte MDF-Platten werden im Möbel- und Ladenbau eingesetzt.
Bild: Pfleiderer

Bearbeitung: Holzplatten (MDF) schneiden

Ganz allgemein sollten Sie zum Holzplattenschneiden mehrzahnige Sägeblätter verwenden, die Hartmetall-, Diamant- oder Widia-bestückt sind. Die Schnittgeschwindigkeit sollte beim MDF-Plattenschneiden auf den Plattentyp abgestimmt sein, sie liegt zwischen 40 und 80 m/min.

Schrauben

Alle Schrauben sollten Sie vorbohren, der Bohrdurchmesser entspricht dabei dem Kerndurchmesser der Schraube, die Bohrlochtiefe ist 1 mm länger als die Schraube. Auf der Fläche sollte der Abstand zur Kante mindestens 12 mm, zur Ecke mindestens 25 mm betragen. Beim Schrauben in die Plattenkante halten Sie einen Randabstand von mindestens 70 mm.

MDF-Platten kleben/leimen

MDF-Platten bearbeiten: Als feinporiger Holzwerkstoff sind MDF-/HDF-Platten mit allen herkömmlichen Holzleimen gut zu verleimen. Sollen die Holzplatten nach dem Schneiden mit anderen Werkstoffen verklebt werden, so ist der Kleber auf diese Werkstoffe abzustimmen. MDF-/HDF-Oberflächen sind gut tapezierbar und lassen sich mit Folie bekleben.

OSB-Platten: Allgemeines

OSB steht für „Oriented Strand Boards“, also etwa „Platten mit ausgerichteten Spänen“. Die Platten bestehen aus drei kreuzweise verleimten Schichten, wobei die obere und untere Schicht parallel zur Längsrichtung der Platte verlaufen. Die Oberfläche kann geschliffen und ungeschliffen sein, in jedem Falle ist sie eher grobporig. Nach dem Holzplattenschneiden werden OSB hauptsächlich für mittragende und aussteifende Wand-, Decken- und Dachbeplankungen eingesetzt, da sie aufgrund ihres Aufbaus über eine hervorragende Biegesteifigkeit in Längsrichtung verfügen. Im Dachausbau gelten OSB-Platten als ausreichende Dampfbremse, lediglich die Fugen müssen luftdicht abgeklebt werden. Vier OSB-Plattentypen gibt es, aber nur drei spielen im Bauwesen eine Rolle.

OSB-Platten für verschiedene Anwendungen

OSB/2: Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Trockenbereich.
OSB/3: Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich.
OSB/4: Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich.

Die OSB-Plattenkanten sind sehr grobporig, daher weder schraub- noch lackierbar.
Bild: Pfleiderer

Die OSB-Plattenkanten sind sehr grobporig, daher weder schraub- noch lackierbar.
Bild: Pfleiderer

Dank ihrer guten statischen Belastbarkeit finden OSB-Platten im Holzbau breite Anwendung.
Bild: Kronoply

Dank ihrer guten statischen Belastbarkeit finden OSB-Platten im Holzbau breite Anwendung.
Bild: Kronoply

Die Nut-und-Feder-Ausführung sorgt für einen guten Plattenverbund.
Bild: Kronoply

Die Nut-und-Feder-Ausführung sorgt für einen guten Plattenverbund.
Bild: Kronoply

Spanplatten: Allgemeines

Gegenüber den OSB-Platten sind bei den herkömmlichen Spanplatten die Späne erheblich kleiner. Bei den Flachpressplatten werden sie überwiegend in Plattenlängsrichtung ausgerichtet, bei den Strangpressplatten hingegen senkrecht zur Plattenebene. Auch Flachpressplatten sind mehrschichtig, die recht grobe Mittelschicht wird von zwei feinporigen Deckschichten eingefasst. Den Spänen sind je nach Plattentyp verschiedene Harze als Kleber beigemischt, die Formaldehyd-Emissionen liegen allesamt satt unter der E1-Grenze. Ihren Einsatz finden die zwischen 2,8 und 38 mm starken Platten als mittragende und aussteifende Beplankung von Wänden und Decken, auch als Trockenestrich findet man noch Verlegeplatten mit Nut und Feder. Die möglichen Einsatzgebiete werden über die Plattentypen definiert.

Spanplatten für verschiedene Anwendungen

P1: leichte Verkleidungen im Trockenbereich (nichttragend)
P2: Möbel- und Innenausbau im Trockenbereich (nichttragend)
P3: Einsatz im Feuchtbereich (nichttragend)
P4: Einsatz im Trockenbereich (tragend)
P5: Einsatz im Feuchtbereich (tragend)
P6: Einsatz im Trockenbereich (hochbelastbar)
P7: Einsatz im Feuchtbereich (hochbelastbar)

Die Spanplattenoberflächen sind schraub- und lackierbar, die Kanten nicht.
Bild: Pfleiderer

Die Spanplattenoberflächen sind schraub- und lackierbar, die Kanten nicht.
Bild: Pfleiderer

Die Plattenflächen können mit sämtlichen Dekorfolien, Laminaten oder Furnieren direkt beschichtet werden.
Bild: Pfleiderer

Die Plattenflächen können mit sämtlichen Dekorfolien, Laminaten oder Furnieren direkt beschichtet werden.
Bild: Pfleiderer

Die Dickentoleranz bei Spanplatten liegt bei +/- 0,3 mm.
Bild: Pfleiderer

Die Dickentoleranz bei Spanplatten liegt bei +/- 0,3 mm.
Bild: Pfleiderer

Bearbeitung: Span-Holzplatten schneiden

Wie bei den MDF-/HDF-Platten sind zum Span-Holzplattenschneiden nur hartmetallbestückte Werkzeuge angesagt. Die Klebeharze in den Platten lassen Billigsägeblätter schnell stumpf werden.

Schrauben

Spanplattenschrauben sind genau auf die Verwendung in Spanplatten zugeschnitten. Das Verhältnis von Gewinde- zu Kerndurchmesser ist kleiner als bei herkömmlichen Holzschrauben, die Gewindegänge sind scharfkantiger. Zudem ist bei Markenschrauben die Gewindespitze zylindrisch geformt. Damit ist ein Vorbohren unnötig und die Platten spleißen nicht auf. Trotzdem sollten Sie die Randabstände wie bei den MDF-/HDF-Platten einhalten. Spanplattenkanten sind grundsätzlich nicht schraubfest.

Spanplatten kleben/leimen

Da die Oberflächen der Spanplatte sehr glatt sind, lässt sich mit entsprechender Vorbehandlung nahezu jeder Kleber darauf einsetzen. Das gilt auch für Tapetenkleister, Klebefolien und natürlich Holzleim jeder Art. Die Verklebungen von Kante auf Fläche sind bei Spanplatten nicht belastbar, hier muss die Verbindung mit zusätzlichen Schrauben oder speziellen Möbelbaubeschlägen verstärkt werden. Bei den Nut- und Federverbindungen der Spanverlegeplatten kommen PU-Leime zum Einsatz, da sie fugenfüllend sind.

Sperrholzplatten: Allgemeines

Unter dem Oberbegriff Sperrholz sind eine ganze Reihe von verschiedenen Plattenarten zusammengefasst: Die Stabsperrholzplatten (auch Tischlerplatten) bestehen aus beidseitig furnierten Vollholzstäben oder -stäbchen. Bei den Furniersperrholzplatten ist eine ungerade Anzahl von 0,8 bis 3 mm dicken Furnieren kreuzweise aufeinander verleimt, bei den Furnierschichtholzplatten liegen diese Furniere mit ihrer Maserung grundsätzlich alle parallel zur Plattenlängskante. Sinn des mehrschichtigen und kreuzweisen Verleimens der Furniere/Mittellagen ist die dadurch entstehende absperrende Wirkung.

Dadurch sind alle diese Platten sehr maßhaltig und formstabil. Bei den Tischlerplatten kommt hinzu, dass sie durch die Vollholzmittellage sehr leicht bei hoher Festigkeit und Biegesteifheit sind. Alle Sperrholzplatten dürfen als mittragende und aussteifende Beplankungen eingesetzt werden.

Bearbeitung: Sperrholzplatten schneiden

Hartmetallbestückte Sägeblätter sollten es beim Zuschnitt sein, da auch Sperrholzplatten einen erheblichen Kleberanteil haben und dieser die Sägeblätter beim Sperrholzplattenschneiden abstumpft. Für saubere Schnitte quer zur obersten (untersten) Furnierlage ein mehrzahniges Sägeblatt verwenden. Beim Einsatz von Stichsägen wird’s sauberer, wenn Sie von der Unterseite der Platte sägen oder, falls Sie nur auf der Sichtseite sägen können, ein Sägeblatt mit umgekehrter Zahnung verwenden.

Schrauben

Durch die äußerst dichte Struktur der Platten ist das Schrauben in der Fläche und in den Kanten problemlos, es werden sehr hohe Auszugswerte erreicht. Mit Vorbohren (80 % des Gewindedurchmessers) können die Randabstände kleiner als bei MDF-/HDF- und Spanplatten gewählt werden. Für oberflächenbündiges Schrauben müssen Sie das Bohrloch ansenken.

Kleben/Leimen

Das Kleben und Leimen von Sperrholzplatten ist mit nahezu allen Klebern möglich, eine passende Grundierung vorausgesetzt. Selbst das stumpfe Verleimen von Kante auf Fläche ergibt erstaunlich haltbare Verbindungen, das funktioniert allerdings erst ab einer gewissen Plattenstärke. Bei beschichteten Platten (Siebdruckplatten, Laminate) funktionieren die meisten Kleber nicht mehr.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion Ausbaupraxis

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