Innendämmsysteme Bild 4 Sto, Keyvisual

Innendämmsysteme: Sei offen – oder mach‘ dicht!

Fehlertolerant, kondensattolerant, tolerant gegenüber Leckagen. Tolerant klingt immer gut. Deswegen kommen diffusionsoffene Innendämmungen gegenüber ihren weniger toleranten Kollegen wohl am häufigsten zum Einsatz. Aber auch diffusionshemmende und diffusionsdichte Innedämmsysteme haben Vorteile, wenn sie sinn- und planvoll eingesetzt werden.

Die drei Innendämmsysteme im Vergleich

Diffusionsdichte Innendämmungen: Bei Feuchte besser als ihr Ruf

Eigenschaften
Diffusionsdichte Innendämmsysteme sind dampfdicht. Das bedeutet, dass keine Feuchte aus dem Innenraum in die Konstruktion gelangen kann – vorausgesetzt, die Innendämmung wurde wirklich dicht ausgeführt und nicht nachträglich beschädigt. Die Sperrwirkung wird bei diesen Produkten entweder durch den Dämmstoff selbst oder eine zur Raumseite hin aufgebrachte Dampfbremse erzeugt.

Anwendungsbereiche
Klassischerweise kommen diffusionsdichte Innendämmungen in Feuchträumen wie Schwimmbädern zum Einsatz. Insbesondere wenn Fliesen als Beschichtung aufgebracht werden, ist die Konstruktion raumseitig gut gegen Beschädigungen geschützt. Diffusionsdichte Dämmungen eignen sich somit auch für häusliche Bäder und Küchen. Diffusionsoffene Systeme dagegen stoßen hier schnell an ihre Grenzen.

Hinweise zur Ausführung
Bei diffusionsdichten Innendämmungen muss sichergestellt sein, dass keine Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringt, denn sie kann zur Raumseite hin nicht wieder abtrocknen. Berücksichtigen Sie auch die an der Außenwand liegende Fläche. Gelangt Feuchtigkeit von außen hinter die Konstruktion, verbleibt die Feuchte hinter dem ansonsten dichten Aufbau – es kann sich schnell Schimmel bilden. Prüfen Sie bei Außenwänden also vorher, ob sie ausreichend gegen Schlagregen geschützt sind, bevor sie ein diffusionsdichtes Innendämmsystem anbringen.

Anschlüsse müssen auch bei diffusionsoffenen Innendämmsystemen luftdicht ausgeführt werden. (Bild: Knauf)

Anschlüsse müssen auch bei diffusionsoffenen Innendämmsystemen luftdicht ausgeführt werden. (Bild: Knauf)




Die „Rigitherm 032“-Innendämmung besteht aus einer EPS-Verbundplatte, die beidseitig mit Gewebe und Zement kaschiert ist. Sie zählt zu den diffusionshemmenden Innendämmsystemen. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Die „Rigitherm 032“-Innendämmung besteht aus einer EPS-Verbundplatte, die beidseitig mit Gewebe und Zement kaschiert ist. Sie zählt zu den diffusionshemmenden Innendämmsystemen. (Bild: Saint-Gobain Rigips)

Diffusionsoffene Innendämmsysteme wie „Stotherm“ können ohne Dampfbremse installiert werden. (Bild: Sto)

Diffusionsoffene Innendämmsysteme wie „Stotherm“ können ohne Dampfbremse installiert werden. (Bild: Sto)



Innendämmsysteme mit Vakuumisolationspaneelen wie die des Herstellers Isover sind dampfdiffusionsdicht und damit für Feuchträume geeignet. (Bild: Saint-Gobain Isover G+H AG)

Innendämmsysteme mit Vakuumisolationspaneelen wie die des Herstellers Isover sind dampfdiffusionsdicht und damit für Feuchträume geeignet. (Bild: Saint-Gobain Isover G+H AG)


Diffusionshemmende Innendämmsysteme: Guter Mittelweg mit Hürden

Eigenschaften
Was die Aufnahme von Feuchtigkeit angeht, bewegen sich diffusionshemmende Innendämmungen zwischen ihren dichten und offenen Kollegen. Sie verfügen also über einiges an Widerstand gegenüber eindringender Feuchte, können sie aber nur in begrenztem Umfang aufnehmen und später wieder an die Raumluft abgeben. Einige Hersteller geben an, dass ihre Systeme im Winter mehr Feuchte aufnehmen können, als sie dann im Sommer wieder abgeben. Dabei ist es je nach System sehr unterschiedlich, wie „dicht“ die Konstruktion ist!

Anwendungsbereiche
Weil diese Systeme eine begrenzte Menge an Luftfeuchte aufnehmen können, helfen sie ein feuchtes Raumklima zu vermeiden. Daher eignen sie sich für Räume, in denen es zeitweise zu höheren Feuchtelasten kommt.

Hinweise zur Ausführung
Wenn Sie diffusionshemmende Systeme einsetzen, sollten Sie genau klären, dass der Schlagregenschutz der Fassade sichergestellt ist und wie die Feuchteverhältnisse im Innenraum über das Jahr hinweg verteilt sind. Auch hier gilt: Die Innendämmung muss luftdicht ausgeführt werden! Außerdem müssen sie genau prüfen, ob die Dichtigkeit beziehungsweise das Feuchteaufnahmevermögen des gewählten Innendämmsystems zu den klimatischen Bedingungen des Raumes passt, in dem sie es anbringen möchten.

Diffusionsoffene Innendämmungen: Fehlertolerant mit Grenzen

Eigenschaften
Eine diffusionsoffene Innendämmung ist kapillaraktiv. Das bedeutet, sie leitet Feuchte ins Innere, gibt sie aber (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) an die Innenraumluft wieder ab. Damit kann sie für ein trockeneres Raumklima sorgen. Sie ist etwas fehlertoleranter in der Ausführung als ihre dichteren Kollegen.

Anwendungsbereiche
Innenräume, in denen es nicht dauerhaft zu hohen Luftfeuchten kommt.

Hinweise zur Ausführung
Bevor Sie eine diffusionsoffene Innendämmung ausführen, sollten Sie sicherstellen, dass die Feuchte, die das System zum Beispiel durch ausreichendes Lüften aufnimmt, wieder abtrocknen kann. Bei dieser Variante müssen die Anschlüsse ebenfalls luftdicht ausgeführt werden – auch wenn sie zumindest geringfügig fehlertolerant ist, weil das System Feuchte nach innen wieder abgeben können. Zum Innenraum hin dürfen auf eine diffusionsoffene Innendämmung keine dampfdichten Beschichtungen (Tapeten, Putze oder Farben) aufgebracht werden. Darüber sollten Sie auch Ihren Auftraggeber informieren!

Buchtipp:

Klaus Arbeiter
Innendämmung
Auswahl, Konstruktion, Ausführung
 
Innendämmung“ ist das Handbuch für den Baupraktiker zur fachgerechten Auswahl, Konstruktion und Ausführung für die jeweils individuelle bauliche Situation. Die verschiedenen Innendämmsysteme mit ihren Vor- und Nachteilen werden verständlich dargestellt, die wichtigsten Kriterien erläutert und die Verantwortlichkeiten der Beteiligten klar abgegrenzt.

Autorin:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Sto
 

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