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Das können Kalkdekorputz, Lehmdekorputz und Co

Seit der Mensch wohnt, verputzt er auch. Ein Kalkdekorputz zum Beispiel macht aus einem unansehnlichen, mit Fugen und Ritzen übersäten und deshalb selten dichten Mauerwerk überhaupt erst eine Wand. Putze sind Grundlage für alle sogenannten „Wandbekleidungen“ wie Tapeten, Paneele oder auch eine profane Wandfarbe. Kurz: Ohne Putz geht an der Wand gar nichts.
Während Sie die Grundputze eher in Neubauten verarbeiten, sind Feinputze wie der Kalkdekorputz oder der Lehmdekorputz klassisches Sanierungshandwerk. Zwar bieten sie erheblich mehr Do-it-yourself-Potenzial als die Grundputze, weil sie mit nur 0,5 bis 5 mm Schichtstärke völlig ohne Putzschienen und Richtlatte an die Wand zu bringen sind. Allerdings ist gerade die Herstellung einer feinporigen und ebenen Lehmoberfläche eine Herausforderung, bei der Sie mit Ihrer Profi-Erfahrung punkten können – und das auch so kommunizieren müssen.
Vielen Endverbrauchern ist nicht klar, dass die Feinputze wie der Kalkdekorputz in einer so dünnen Auftragsstärke überhaupt eine Wirkung auf das Raumklima entfalten können. Gerade diese wenigen Millimeter sind es aber tatsächlich, die über die sogenannte „Diffusionsoffenheit“ und „Atmungsaktivität“ einer Wand entscheiden – hier entscheidet nämlich nicht die Dicke, sondern die verputzte Fläche über die wohngesundheitliche Wirkung eines Feinputzes. Die Wände selber atmen nämlich nicht, die Diffusion durch Wände hindurch ist verschwindend gering.
Wir stellen Ihnen Feinputze auf verschiedener Bindemittelbasis vor, die alle ihre Besonderheiten aufweisen. Was allen gleich ist: Jeder Feinputz braucht absolut zwingend die Grundierung, den Putzgrund.
 
Von Grund auf gut: So grundieren Sie richtig

Lehmdekorputz

Lehm ist uralter Baustoff, der in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Grund: Er gilt als überaus atmungsaktiv und filtert sogar Gerüche und Schadstoffe aus der Luft.
Mittlerweile gibt es kaum ein Bauteil, das findige Hersteller nicht aus Lehm fertigen können. Das reicht von Mauersteinen über Grundputze bis zu Lehmbauplatten mit integrierten Heizschleifen. Ein großes Problem des reinen Lehms ist seine Rissbildung, die bei der Trocknung auftritt. Er muss deshalb mit allerlei Fasern vermischt werden, die die Zugspannungen aufnehmen, etwa Zellulose- oder Pflanzenfasern. Bei den Dekor- oder Feinputzen mit ihren wenigen Millimetern Schichtdicke ist diese Rissbildung ein nicht so starkes Problem.

Was ist Lehm?

Lehm ist ein Gemisch aus Ton, Sand und Feinsand, dem sogenannten Schluff. Lehmbaustoffe trocknen rein physikalisch, also durch Verdunsten des enthaltenen Wassers. Der Ton sorgt für den Zusammenhalt, die Bestandteile verkrallen sich im Untergrund. Lehm bleibt auch als getrockneter Putz jederzeit wasserlöslich, weshalb er im direkten Spritzwasserbereich nicht eingesetzt werden darf.

Lehm wird immer als trockenes Pulver geliefert. (Bild: Lesando)

Lehm wird immer als trockenes Pulver geliefert. (Bild: Lesando)

Sie können ihn entweder selbst einfärben oder nach Farbkarte beim Fachhändler bestellen. (Bild: Lesando)

Sie können ihn entweder selbst einfärben oder nach Farbkarte beim Fachhändler bestellen. (Bild: Lesando)

Für besondere Effekte wird der Lehm auch zweifarbig verarbeitet. (Bild: Lesando)

Für besondere Effekte wird der Lehm auch zweifarbig verarbeitet. (Bild: Lesando)

Gipsdekorputz

Putze auf Gipsbasis sind in Innenräumen am meisten verbreitet.
In allen Räumen ist er zu Hause, außer im Bad. In Wohnräumen spielt neben seiner sehr guten Verarbeitbarkeit auch die Tatsache eine Rolle, dass er ungemein viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Allerdings kann Lehmputz etwa neunmal mehr davon speichern. Wirklich reine Dekorputze auf Gipsbasis bekommen Sie nicht, den gipsbasierten Mineralputzen sind große Mengen Marmormehl, Quarzsand, Methylzellulose und Kalkhydrat beigemischt.

Was ist Gips?

Gips oder chemisch „Calciumsulfat“ ist ein meist farbloses oder weißes Mineralgestein. Gewonnen wird es unter Tage, viel häufiger wird es aber als sogenannter REA-Gips in industriellen Anlagen hergestellt. REA steht für Rauchgas-Entschwefelungs-Anlage: Hier wird dem im Abgas enthaltenen Schwefel Kalk zugeführt. Bei der darauffolgenden chemischen Reaktion entsteht ein Gips von hoher Reinheit. Gips in seiner Ursprungsform ist ein kristallines Gestein, das auf der ganzen Welt vorkommt. Abgebauter Gips ist selten rein, er enthält oft Beimischungen (Sand, Bitumen).
 
 
 Der Weg des Kalks vom Gestein bis zum Löschkalk (Bild: Auro)

Autor

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Auro

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