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Laser-Entfernungsmesser: Messen auf den Punkt genau

Das Angebot an Laser-Entfernungsmessern ist mittlerweile unüberschaubar groß – und die Preisspanne weitreichend. Preistreiber ist aber nicht etwa die Genauigkeit, denn die ist bei allen Geräten gut. Es sind vor allem die nützlichen Extras wie Neigungssensor, verschiedene Messarten oder eine digitale Kamera, die ein 400-Euro-Gerät von einer 90-Euro-Variante unterscheidet. Auch die Konnektivität mit Smartphone oder Rechner spielt zunehmend eine Rolle.

Was muss ein guter Laser-Entfernungsmesser können?

Für den Praktiker ist die Messgenauigkeit natürlich das A und O. Bei einem Laser-Entfernungsmesser nimmt die Genauigkeit nicht proportional zur Messdistanz zu, wie man vermuten könnte. Die genauesten Geräte haben auf 10 Meter (m) maximal einen Millimeter (mm) Abweichung, bei größeren Distanzen nimmt diese Abweichung bis etwa 0,025 mm pro Meter zu, ab 30 m Messdistanz dann um 0,1 mm pro Meter. Wichtig: Diese „typische“ Messgenauigkeit beruht auf durchschnittlichen Messbedingungen. Starke Sonneneinstrahlung im Messbereich oder schlecht reflektierende Messpunkte können die Genauigkeit erheblich verschlechtern. Die meisten Hersteller haben für solche Fälle Hilfsmittel wie eine Zieltafel oder spezielle Brillen zum Erkennen des Laserpunkts im Angebot.

Bei den Messdistanzen reicht die Spanne von 20 m bis zu 200 m, wobei letztere eher in der Geodäsie vonnöten ist. Aber Achtung: Eine Reichweite von 20 m, wie sie die günstigen Geräte aufweisen, ist im Innenbereich schnell zu wenig, mit mindestens 50 m ist man auf der sicheren Seite. Weil Entfernungsmesser mit Laser die großen Distanzen lieben, fangen die meisten Geräte erst bei 5 cm an, überhaupt ihren Dienst aufzunehmen – darunter muss immer noch der gute alte Zollstock ran.

Für den Profi zwingend anzuraten ist die Möglichkeit, mit dem Laser-Entfernungsmesser mindestens die Parameter Länge, Fläche und Volumen nicht nur messen und errechnen, sondern auch speichern zu können (20 Messungen und mehr). Gute Lasermesser bieten zudem die Möglichkeit, die Daten über Bluetooth auf einen Rechner zu übertragen und dort mit den gängigen Programmen wie Word, Excel oder AutoCAD weiter zu verarbeiten.

Für Innenausbauer relevant sind weiterhin Funktionen wie eine automatische Flächenberechnung von polygonen Räumen oder die Kontrolle eines rechten Winkels.

Ein integrierter Neigungsmesser ist ebenfalls von großem Nutzen, etwa im Dachausbau. Die Laser-Entfernungsmesser der Mittelklasse können das im Bereich +/– 45°, High-End-Geräte besitzen einen 360°-Neigungssensor. Übrigens bietet der Neigungssensor die Möglichkeit, über die trigonometrischen Rechenarten auch indirekte Messungen und solche über unverrückbare Hindernisse hinweg vorzunehmen.

Über die Winkelmessfunktion und den Satz des Pythagoras lässt sich jede Strecke berechnen, auch wenn der Ausgangsmesspunkt unzugänglich ist. (Bild: Bosch)

Über die Winkelmessfunktion und den Satz des Pythagoras lässt sich jede Strecke berechnen, auch wenn der Ausgangsmesspunkt unzugänglich ist. (Bild: Bosch)


Via Bluetooth-Technologie sind Messdaten bei Entfernungsmessern mit Laser übertragbar, hier auf einem Smartphone. (Bild: Leica)

Via Bluetooth-Technologie sind Messdaten bei Entfernungsmessern mit Laser übertragbar, hier auf einem Smartphone. (Bild: Leica)


Laser-Distanzmesser können mit entsprechendem Zubehör auch für kompliziertere Aufmaßarbeiten genutzt werden. (Bild: Leica)

Laser-Distanzmesser können mit entsprechendem Zubehör auch für kompliziertere Aufmaßarbeiten genutzt werden. (Bild: Leica)



Mit einer zusätzlichen Messschiene lässt sich aus dem Bosch GLM 80 eine digitale Wasserwaage machen. Die Schiene hat jeweils eine zusätzliche horizontale und vertikale Libelle. (Bild: Bosch)

Mit einer zusätzlichen Messschiene lässt sich aus dem Bosch GLM 80 eine digitale Wasserwaage machen. Die Schiene hat jeweils eine zusätzliche horizontale und vertikale Libelle. (Bild: Bosch)

Was ist bei Laser-Entfernungsmessern weiterhin wichtig?

Neben der technischen Ausstattung des Laser-Entfernungsmessers ist vor allem auch sein Handling im Bau-Alltag von entscheidender Bedeutung. Das fängt an bei der Größe, und hier kann man fast einen Trend erkennen: Je teurer und ausgereifter ein Gerät ist, desto kleiner und kompakter ist es auch. Allerdings hat die Kompaktheit ihre Grenzen, schließlich muss ein gut ablesbares Display auf dem Gerät Platz finden. Das ist bei guten Modellen natürlich beleuchtet, bei richtig guten ist es sogar hochauflösend und in Farbe – für den digitalen Zielsucher, der per Kamera herangezoomt werden kann.

Ansonsten sind es eher die kleinen, aber feinen Qualitätsmerkmale, die jeder gute Laser-Entfernungsmesser aufweisen sollte: Etwa ein akustisches Signal, wenn die Messtaste betätigt wird sowie eines, wenn die Messung abgeschlossen ist. Oder dass der Laserstrahl nicht sofort nach dem Einschalten da ist, sondern erst, wenn man wirklich misst. Oder dass für jede der wichtigen Messfunktionen eine eigene Taste zur Verfügung steht. Und schließlich und endlich, dass ein Entfernungsmesser mit Laser-Funktion dem Baustellenalltag nicht völlig ungeschützt ausgesetzt ist – sprich, er muss gegen Staub und Spritzwasser geschützt sein und darf kleinere Abstürze nicht übelnehmen.

Was ist ein Laser?

Laser ist eine Abkürzung (Akronym) für die englische Beschreibung „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation”, was mit „Lichtverstärkung durch stimulierte Strahlungsemission“ übersetzt werden kann. Ein vom Laser erzeugter Lichtstrahl unterscheidet sich vom herkömmlichen Licht vor allem durch seine Intensität und dadurch, dass er nur ein sehr eingeschränktes Frequenzspektrum, also nur eine Farbe aufweist. Laserstrahlen verlaufen außerdem weitestgehend parallel zueinander, es findet keine Streuung statt. Diese punktgenaue Ausrichtung eines Laserstrahls ermöglicht auch die Entfernungsmessung mit einem Laser-Entfernungsmesser.

Die aufgeführten Kriterien für den Kauf des richtigen Distanzmessers zeigen bei aller Technikbegeisterung aber auch eines: Man muss sich mit seinem Laser-Distanzmesser auseinandersetzen. Im Grunde handelt es sich um ein Hochleistungsrechner, der erst dann sein ganzes Können ausspielt, wenn der Besitzer bereit ist, sich in die Möglichkeiten und die Bedienung einzuarbeiten. Dann werden die kompakten Laser-Abstandsmesser zu einem echten Partner am Bau.

Wie funktioniert ein Laser-Entfernungsmesser?

Grundsätzlich können die digitalen Messgeräte im Bauwesen auf zwei Arten zum Ergebnis kommen. Bei der sogenannten Triangulation wird von zwei Standpunkten aus der Zielpunkt anvisiert und mit zwei Winkelmessungen eindeutig definiert. Mit dieser Methode können vor allem unzugängliche Flächen (etwa Fenster im ersten Stock) exakt vermessen werden.

Ein Distanzmessgerät, wie es im Innenausbau zum Einsatz kommt, funktioniert nach dem „Lidar“-Prinzip („Light detection and ranging“) im Grunde wie ein Radar: Ein ausgesendeter Lichtpuls wird von der Fläche des Messpunktes reflektiert und gelangt zum integrierten Lichtsensor des Messgerätes. Eine hochgenaue Uhr misst die für diesen Vorgang benötigte Zeit, das Gerät errechnet aus der Zeit und der Lichtgeschwindigkeit die zurückgelegte Strecke des Lichts.

Autor

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS

Teserbild und Keyvisual: Bosch