Eine lichtdurchflutete Wohnung mit Holzdielen.
Für den lichtdurchfluteten Loftcharakter der 40 bis 180 m² großen Wohnungen tragen hohe Decken, bodentiefe Fenster und private Lichthöfe Sorge. Bild: Knauf/Sigi Lustenberger. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

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14. June 2022 | Teilen auf:

Leichtes Bauen für urbane Räume

Noch bis 1967 wurden in der Frankfurter Alexanderstraße 63-65 Schreibmaschinen, Fahr- und Motorräder produziert. Heute charakterisieren 88 loftartige Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten das umgenutzte Areal. Beim Innenausbau der Gebäude wurde die sichere und zugleich geschmackvolle Verbindung von Industriearchitektur und moderner Gebäudetechnologie mittels Trockenbau verwirklicht.

Wohnen in Deutschland ist seit Jahren ein kontroverses Thema. Vor allem in den Ballungszentren führen massiv gestiegene Immobilienpreise, der Mangel an Wohnraum und dessen Bezahlbarkeit, aber auch Mietpreisbremsen immer wieder zu hitzigen Diskussionen. Schließlich ist das Mieten insbesondere in den Städten und Stadtstaaten verbreitet. Die Gesamtzahl der Wohnungen, die für die Wohnsituation von Haushalten entscheidend ist, lag Ende 2020 laut Statistischem Bundesamt bei 42,8 Millionen. Gut die Hälfte davon befand sich in Gebäuden mit drei und mehr Wohnungen. Dabei betrug die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland rund 92 m², aufgeteilt auf 4,4 Wohnräume. Trotz einer schwierigen Gemengelage sind auch in Großstädten wie Frankfurt hin und wieder Stecknadeln zu finden, die – ein schlüssiges Finanzierungs- und Nutzungskonzept vorausgesetzt – ungewöhnliche Wohnkonzepte ermöglichen.

Zu 88 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten wurden die Torpedo-Werke in Frankfurt-Rödelheim umgebaut, wobei der Trockenbau eine zentrale Rolle spielte. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

Individuelles Wohnen in der Stadt ist möglich

Dass es heute in der Alexanderstraße, wo Peter Weil & Co. noch bis in die 1960er Jahre hinein produzierte, Wohnungen mit ein bis sechs Zimmern und einer Größe von circa 40 bis 180 m² gibt, verdankt sich auch einem pfiffigen Crowdfunding, das die Finanzierung zum Gutteil absicherte. Bereits in den 1990er Jahren waren in der ehemaligen Fabrik neue Büroeinheiten entstanden. Die Deutsche Bank Bauspar zog ein, auch die Werbeagentur Leo Burnett, die bis 2011 blieb. Es folgten Leerstand und etliche Besitzerwechsel. Nun, eine Grundsanierung plus Umbau später, hat das rund 10.000 m² große Areal erneut eine Wandlung erfahren. Mit Wohnungen, für deren lichtdurchfluteten Loftcharakter hohe Decken, bodentiefe Fenster und private Lichthöfe sorgen. Mit einem Atrium, das mit begrüntem Innenhof, zwei Gewerbeeinheiten und mietbaren Räumlichkeiten als zentraler Treff- und Anlaufpunkt fungiert. Oder einem im Atrium vorgehängten Laubengang sowie zwei Mittelfluren, die die Wohnungen im Bestand und die Penthouseeinheiten auf dem Dach erschließen, welche durch Aufstockung um ein Geschoss hinzukamen.

Anlaufpunkt in „Alex 65“ ist das Atrium, von dem aus ein Großteil der Wohnungen erreicht wird. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

Trockenes Bauen ist leichtes Bauen

Für angenehmes und zugleich sicheres Wohnen sorgt heute in Alex 65 auch ein Brand- und Schallschutzkonzept, das mit Knauf-Systemen vollständig in Trockenbauweise umgesetzt wurde. Ursache war, dass beim Innenausbau der Wohnungen gewichtsoptimiert gearbeitet werden musste. Das zusätzliche Geschoss gab dies vor. Von den Wohnungstrennwänden über schalltechnisch notwendige Vorsatzschalen bis hin zu Brandwänden und feuerbeständigen Ummantelungen von Medienleitungen, Stahlträgern und Schächten besteht daher alles aus Gipsplatten.

Ein doppeltes Ständerwerk, das beidseitig mit je zwei Lagen 12,5-mm-GFK-Platten beplankt wurde, ist die Basis aller Wohnungstrennwände. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

Ein Beispiel: Nach der weitgehenden Entkernung des Gebäudes war das Dach über der dritten Etage abgenommen und durch eine Holz-Stahl-Decke ersetzt worden, um darauf die in Holzrahmenbauweise mit Vorsatzschalen aus Gipsplatten errichtete Penthouseebene stellen zu können. Damit die neue Decke im Brandfall nicht versagt, zogen die Trockenbauer darunter eine F90-Brandschutzdecke ein, die zudem den gewünschten Schall- und Wärmeschutz erfüllt. Sie basiert auf einer Holzbalkendecke mit 120 mm dicker mineralischer Sparrenzwischendämmung und einer unterseitigen Dampfsperre. Darunter wurde mit Direkthängern ein flächenbündiger Metallschienenrost aus CD-Profilen befestigt und zweilagig mit 20-mm-Massivbauplatten beplankt. Oberhalb der Holzbalkendecke wurde noch eine Dachabdichtung mit hochwertiger Gefälledämmung verlegt.

Die Stahlträger wurden mit 20 beziehungsweise 25 mm starken Fireboard-Platten verkoffert. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

Ein weiteres Beispiel: Auch die 150 mm starken Wände zum Atrium errichteten die Trockenbauer als feuerbeständige F90-A-Konstruktionen mit Gipsplatten. Für den oberen Abschluss der F90-Atriumwände an die Metallkonstruktion des Glasdachs wurden Stahlwinkel in Sonderform angefertigt, daran befestigt und mit 25-mm-Brandschutzplatten ummantelt. Sämtliche Wohnungstrennwände basieren auf doppeltem Ständerwerk, das beidseitig mit je zwei Lagen 12,5-mm-GFK-Platten beplankt wurde. So entstand eine Konstruktion, die sowohl feuerbeständig als auch schalltechnisch entkoppelt ist.

Auch die Stützen wurden mit Fireboard-Platten ummantelt; in dem Fall in einer Stärke von 25 mm. (Quelle: Knauf/Sigi Lustenberger)

Zeitgemäße Klimatisierung realisiert

Betrieben wird „Alex 65“ über ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kupplung, sodass die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 100 eingehalten werden. Alle Wohnungen verfügen über eine separate Lüftungsanlage sowie über Fußbodenheizung, die auch zum Kühlen der Räume genutzt werden kann. Nur weitere Belege dafür, dass industrieller Chic mit moderner Gebäudetechnologie harmonieren können. Und, dass die Nadel dieses Mal gefunden wurde.

Quelle
Knauf Gips KG

zuletzt editiert am 14.06.2022