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Natursteinplatten verlegen: Tipps und Tricks

Naturstein liegt voll im Trend und ist seit Jahrtausenden ein beliebtes Baumaterial. Die Zahl der verschiedenen Natursteine hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – ebenso wie die Zahl derer, die Natursteinplatten verlegen. Dies verlangt vom Verarbeiter und Planer ein immer größeres Fachwissen. Denn die Einschätzung beziehungsweise die genaue Zusammensetzung des zu verlegenden Gesteins ist für das spätere Erscheinungsbild immens wichtig. Bei unbekannten, exklusiven Natursteinen ist die Auswahl des Mörtels besonders sorgfältig zu treffen, damit keine unerwünschten Verfärbungen auftreten. Oft sind solche Verfärbungen irreversibel und machen einen kompletten Rückbau erforderlich.

Prüfungspflicht des Handwerkers beim Natursteinplatten verlegen

Für eine schadenfreie Ausführung von Natursteinarbeiten mit Dünn-, Mittel- und Dickbettmörtel ist die einwandfreie Beschaffenheit des Untergrunds Voraussetzung. Der Handwerker muss nach der DIN 18332, Absatz 3.1.1, vor dem Natursteinplatten verlegen den Untergrund daraufhin prüfen, ob er für die Durchführung seiner Leistung geeignet ist. Bedenken sind dem Auftraggeber unverzüglich schriftlich mitzuteilen. Bedenken sind insbesondere geltend zu machen bei falscher Güte der gelieferten Stoffe oder fehlenden Angaben zur petrologischen und geografischen Herkunft. Nach VOB/B Abs. 3 haben Sie als Auftragnehmer auch Bedenken gegen die Güte der vom Auftraggeber gelieferten Stoffe anzumelden. Dies können bei Natursteinen beispielsweise bereits im Anlieferungszustand erkennbare Verfärbungen sein, die sich bei einer Verlegung intensivieren können.

Was ist eigentlich Naturstein?

Natursteine werden aus vielen verschiedenen Gesteinen gewonnen, bevor man sie als Natursteinplatten verlegen kann. Es gibt sie daher in zahlreichen Ausprägungen, die sich in der Farbe, der Oberflächenbeschaffenheit und auch in technischen Eigenschaften unterscheiden. Als Natursteine werden natürliche Mineralaggregate bezeichnet, die nach der Gewinnung physikalisch – das heißt durch Sägen, Polieren etc. – bearbeitet werden, damit man sie als Natursteinpflaster verlegen kann.
Nach ihrer Entstehungsart lassen sich Natursteine in drei Hauptgruppen einteilen:
 
- Magmagesteine: Gesteine, die aus der Verfestigung einer Gesteinsschmelze entstanden sind. Typische Magmatite sind beispielsweise Granit, Syenit, Gabbro, Diorit, Trachyt.
 
- Sedimentgesteine: Gesteine, die sich nach Verwitterung oder chemischer Zersetzung abgelagert haben und durch Druck wieder verfestigt worden sind. Typische Sedimentite: Kalkstein, Travertin, Sandstein, Brekzien, Konglomerat.
 
- Metamorphe Gesteine: Gesteine, die durch Umwandlung von Magmatiten oder Sedimentiten entstanden sind, zum Beispiel Carrara Marmor, Gneis oder Serpentinite.

Anwendungsspezifische Probleme einiger Natursteine

Granit Verfärbungen durch zersetzenden Glimmer möglich. Graue Granite können gelb werden.
Pegmatit Große Glimmereinlagerungen zersetzen sich schnell zu Eisenhydroxid
Syenit Bei der Verlegung von Blue Pearl sind die Platten um 90 Grad zu drehen, um ein gleichmäßiges Erscheinungsbild zu erzielen.
Gabbro Nero Impala kann bei normaler Frequentierung nach kurzer Zeit matt werden.
Foyait Azul Bahia kann bei unsachgemäßer Reinigung seine kräftige blaue Farbe verlieren.
Vulkanit Kann bei bestimmten Arten (Pyroklastit) zu Verschüsselungen führen.
Kalkstein Einlagerungen von Eisen oder Mangan können sich unter dem Einfluss von Feuchtigkeit verfärben – Politur ist im Außenbereich unbeständig.
Tonschiefer Bituminöse Bestandteile sind extrem haftungsfeindlich, Einsatz auf Fußbodenheizung eingeschränkt. Wird bei UV-Belastung grau.
Tonstein (Schiefer) Bei Verwendung von Mörteln ohne vollständige kristalline Wasserbindung sind Verformungen nicht auszuschließen.
Brekzie Für Fußbodenheizung nicht geeignet. Rückseitig resinierte Platten sind unproblematisch.
Marmor Einlagerungen von Pyrit oder Hämatit können zu Verfärbungen führen.
Gneis Oxidation von Glimmer kann zum Ausrosten führen. Bei dünnen, langen Formaten besteht die Gefahr von Verschüsselungen.
Serpentinit Bei der Verlegung mit CEMI-Systemen kann es zu irreversiblen Schüsselungen kommen. Im Außenbereich wird Serpentinit grau.
Granulit Verfärbungsgefahr durch Ausrosten der Granate, außerdem Verschüsselungen bei dünnen Platten.

Natursteinplatten verlegen: Welche Verlegemethode wofür?

Neben der mechanischen Verankerung werden Natursteine im Dünn-, Mittel- oder Dickbett verlegt. Die Methode beim Natursteine verlegen wird dabei hauptsächlich durch das Format der Steine bestimmt. Kalibrierte Natursteine – also ausgemessene und auf Maß geschnittene oder geschliffene Platten von exakt gleichem Format – können im Dünnbettverfahren angesetzt und verlegt werden. Dabei handelt es sich meist um Platten von 10 bis 15 Millimetern Dicke. Es ist sinnvoll, dass der Naturstein rückseitig mit einer dünnen Kleberschicht abgezogen wird. Dadurch werden lose Bestandteile und Trennmittel wie Staub mit in das Kleberbett eingebunden und eine sichere Verlegung ist garantiert. Bei sogenannten Überlängen, die meist unkalibriert angeliefert werden, wird in der Dickbettmethode verlegt. Dabei wird der Naturstein ebenfalls rückseitig mit einer Haftschlämme beziehungsweise mit Natursteinkleber versehen und frisch in frisch in den Dickbettverlegemörtel eingeklopft. Unregelmäßigkeiten des Untergrunds werden bei diesem Verfahren direkt ausgeglichen. Die Mittelbettverlegung vereint die Vorteile der Dünn- und Dickbettverlegung. So ist eine hohe Flächenleistung beim Natursteinplatten verlegen realisierbar, und gleichzeitig können Unebenheiten des Untergrunds ausgeglichen werden.

Kalibrierte Natursteinfliesen können auch im Dünnbettverfahren verlegt werden. (Bild: Ardex)

Kalibrierte Natursteinfliesen können auch im Dünnbettverfahren verlegt werden. (Bild: Ardex)

Auch beim Naturstein verlegen sollte auf eine möglichst vollflächige Benetzung der Fliese geachtet werden. (Bild: Ardex)

Auch beim Naturstein verlegen sollte auf eine möglichst vollflächige Benetzung der Fliese geachtet werden. (Bild: Ardex)

Wodurch entstehen Verfärbungen?

Von Verfärbungen spricht man, wenn der verlegte Naturstein hinsichtlich seiner optischen Erscheinung nicht mehr dem Anlieferungszustand entspricht. Verfärbungen von oben, sei es durch Unachtsamkeit nachfolgender Gewerke oder Schmutzeintrag, lassen sich leicht feststellen. Aber auch Verschmutzungen aus dem Mörtelbett können Auslöser sein. Es ist daher sorgfältig darauf zu achten, dass keine rostenden Gegenstände wie etwa Nägel oder Kronkorken „eingearbeitet“ werden. Diese können zu rosten beginnen und sich hinterher als braune Flecken auf dem Stein abzeichnen. Verfärbungen entstehen weiter aus dem Zusammenspiel von Feuchtigkeit aus dem Mörtelbett und gesteinseigenen Mineralen. In einigen Fällen kann es auch zu Farbintensivierungen kommen. Dann erscheint das verlegte Material dunkler als der ursprüngliche Farbton. Dieser unerwünschte Effekt entsteht häufig bei stark saugfähigen Gesteinen. In der Regel verschwinden diese Feuchtigkeitsflecken nach einiger Zeit wieder. Verfärbungen können auf verschiedene Arten verhindert werden. Völlig wasserfreie Systeme wie Epoxidharz oder Polyurethan sind jedoch teuer und häufig umständlich zu verarbeiten. Zudem können auch Harze aus dem Epoxidharz bei einigen Sorten fettähnliche Flecken hinterlassen. Um Verfärbungen sicher zu verhindern, sollten Produkte eingesetzt werden, die über eine hohe kristalline Wasserbindung verfügen. Bei diesen Produkten wird das Anmachwasser des Mörtelbetts nahezu vollständig chemisch gebunden.

Wie kommt es zu Ausblühungen?

Im Gegensatz zu Verfärbungen entstehen Ausblühungen aus dem freien Calciumhydroxid des Mörtelbetts. Überschüssiger Kalk aus dem Zement wird mit der Feuchtigkeit aus dem Mörtelbett durch den Stein hindurch an die Oberfläche transportiert. Durch die chemische Reaktion mit Kohlendioxid entsteht Calciumcarbonat.
Der sogenannte Kalk lässt sich nur mit Säuren entfernen. Dabei ist Vorsicht geboten, wenn säureempfindliche Natursteine, etwa Marmor, Kalkstein und so weiter, abgesäuert werden.

Worauf sind Verschüsselungen zurückzuführen?

Nicht immer ist es möglich, das Verhalten eines Minerals zu erkennen, wenn dieses beispielsweise durch aus dem Mörtel aufsteigende Feuchtigkeit belastet wird. So kann es neben Verfärbungen auch zu unerwünschten und irreparablen Verschüsselungen kommen. Diese entstehen, wenn Minerale Mörtelwasser aufnehmen und sich dann stärker ausdehnen als die Oberseite der Platten. Für das Verschüsselungsrisiko lässt sich folgende Regel aufstellen: Je rechteckiger und dünner der Naturstein ist, umso größer ist das Risiko. Da sich nicht alle Gesteine verschüsseln, kann untenstehende Tabelle als Hilfe dienen.
Bei 30 x 30 Zentimeter großen Platten sollte die Dicke nicht unter zehn, bei 30 x 60 cm nicht unter 12 mm liegen. Bei den in der Tabelle genannten Gesteinen sollten in keinem Fall rechteckige Platten, die dünner als zehn Millimeter sind, mit herkömmlichem Dünnbettmörtel verlegt werden. Bei der Verlegung von Naturwerkstein im Außenbereich spielt die Verfärbung eine untergeordnete Rolle, da die verwendeten Verlegematerialien grundsätzlich für diesen Anwendungsbereich geeignet sein müssen. Schäden durch die Einwanderung von Feuchtigkeit mit anschließender Verfärbung dürften hier nicht auftreten. Dabei kann unter Umständen eine Verlegung auf geeigneten Drainagematten und -systemen helfen.

Schüsselungsrisiko einzelner Gesteine

Klasse 1 2 3
  Gneis Vulkanite Serpentinite
  Marmor Bitumenkalksteine Glimmermarmor
  Metamorphe Schiefer Grünschiefer Tonschiefer
  Quarzit Ganggesteine Fasergranit
  Sandstein Granulit Grauwacke
Schüsselungsrisiko Gering Mittel Hoch

Autor:

Sven Brändlein ist Leiter Anwendungstechnik Fliese/Bau
bei Ardex.

 

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