Moderne Büros und ihre Akustik

Moderne Büros und ihre Akustik

Büroarbeit verändert sich: Weg vom Einzelbüro hin zu großen, offenen Strukturen, die Austausch und Kommunikation ermöglichen sollen. Damit das funktioniert, ist eine angemessene Raumakustik von entscheidender Bedeutung. Baulich lässt sich dies unter anderem mit Schallabsorbern, Deckensegeln und ähnlichem realisieren.

Während die Teamarbeit immer wichtiger wird und das agile Arbeiten an Bedeutung gewinnt, geht das klassische Einzelbüro mehr und mehr zurück. Für die sich wandelnden Arbeitskulturen sind Lösungen zu finden, mit denen der herkömmliche Büroarbeitsplatz zum Ort der Kollaboration, Kommunikation und sozialen Bindung wird. Ganzheitliche, flexible Konzepte sollen unterschiedliche Arbeitsweisen unterstützen und eine kreative Atmosphäre schaffen. Zugleich werden Raum-in-Raum-Systeme immer wichtiger – mobile Einheiten, die sich in große Räume integrieren lassen –, wie auch Softseating-Bereiche, die variabel genutzt werden können: kleine Räume also, in denen Gespräche ungestört stattfinden können, sowie Sitzmöglichkeiten, die ein schnelles Eintreten und wieder Hinausgehen gestatten.

Auf kommende Arbeitswelten zuschneiden

Parallel zu diesen grundsätzlichen Entwicklungen stieg seit Beginn der Corona-Pandemie die Zahl derjenigen, die im Homeoffice arbeiten, um das Zweieinhalbfache an. Dass dies keine vorübergehende Entwicklung ist, prognostiziert nicht allein der Digitalverband der Informations- und Telekommunikationsbranche, der annimmt, dass auch nach der Pandemie jeder dritte deutsche Berufstätige seinen Arbeitsort flexibel wählen können wird. Trotz des Zuwachses von Homeoffice-Lösungen wird das Büro nach Meinung vieler Experten nicht unwichtiger, es gewinnt vielmehr neue Bedeutung: als Ort von Austausch, Kreativität und Unternehmenskultur. Voraussetzung dafür ist freilich, dass das Büro auf die moderne Arbeitswelt zugeschnitten ist. Dabei rücken statt kleiner Büros zunehmend großflächige, offene Strukturen mit multifunktionalen Raumangeboten in den Vordergrund.

Akustik als Treiber für das moderne Büro

Begleitet werden diese Entwicklungen von gezielten Ausbaumaßnahmen, die den Austausch und die Kreativität unterstützen sollen. Dazu gehören akustische Maßnahmen, mit denen Bürolärm möglichst vermieden sowie für Privatsphäre und Sprachverständlichkeit gesorgt werden soll. Schallabsorber zum Beispiel können an mindestens einer von zwei gegenüberliegenden Wänden den Schallpegel deutlich reduzieren – in Besprechungsräumen und offenen Bereichen. Eingesetzt werden sollten Produkte mit einem Absorptionsgrad von αw = 0,9 oder höher, was der Absorptionsklasse A entspricht. Einsatz können zudem akustisch wirksame Holzwerkstoffe finden; darüber hinaus lassen sich gelochte Akustikdecken in Arbeits- und Besprechungszonen einziehen. Ein wirksames Mittel, Teamprozesse und wechselnde Projektgruppen zu unterstützen, können nicht zuletzt im Raum verbaute Akustikelemente sein, die zugleich als Sichtschutz dienen. Absorberwände, die in sehr unterschiedlichen Formen und Größen verfügbar sind, können noch weitere Funktionen übernehmen – als Whiteboard etwa oder Gestaltungselement.

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    Moderne Büros sind durch neue Strukturen und eine Verschiebung des Aufgabenspektrums charakterisiert. Mit akustischen Maßnahmen ist sicherzustellen, dass hierbei eine intensive Arbeitsatmosphäre möglich wird. (Quelle: Ecophon/Christian de Bruijne)

Beispiele und deren Umsetzung

So vielgestaltig die Möglichkeiten zur Verbesserung der Akustik, so unterschiedlich sind die Arten der Montage. Die Akustikpaneele style SP 800 beispielsweise, die aus einer Decklage aus Filz, einer MDF-Mittellage sowie einem Gegenzug aufgebaut sind, werden als Nut-Nut-Paneele mit Befestigungsklammer montiert. Bei der Verlegung der Wand- und Deckenpaneele müssen die allgemeinen Voraussetzungen für den Einbau von Holzwerkstoffen in Innenräumen gegeben sein: Die Wände und Decken dürfen nur eine Restfeuchte von maximal 5 % aufweisen; auch sollte ein Raumklima von circa 20 °C Temperatur (mindestens 15 °C) und circa 30 bis 65 % relative Luftfeuchtigkeit vorherrschen. Zugleich muss per Unterkonstruktion eine Luftzirkulation hinter den Paneelen gegeben sein, sodass Luftstau vermieden wird.

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    Eine Verbesserung der Akustik lässt sich zum Beispiel mit den Akustikpaneelen style SP 800 erreichen. (Quelle: Meisterwerke)

Schallabsorber-Trennwände wie die drehbare Rotary Wall werden zwischen Boden und Decke verspannt, wobei eine Verstellbarkeit in 45°-Schritten erreicht wird. Ohne Schrauben montierbar, lassen sich die Paneele über die gesamte Rohrlänge höhenverstellen. Dabei wird erst das Rohr eingeführt, mit Klemmringen die Höhe eingestellt und fixiert, dann der Standfuß und Deckenhalter eingedreht, die Wand mit Wasserwaage nivelliert und schließlich die Füße gespannt. Einsetzbar sind die Paneele auch bei OWA-Decken, wobei die Verspannung auf der Rohdecke erfolgt.

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    Schallabsorber wie die Rotary Wall können nicht nur für einer verbesserte Akustik sorgen, sondern auch zusätzliche Aufgabe wie die eines Whiteboards übernehmen. (Quelle: B11)

Ein drittes Beispiel zur Umsetzung akustischer Verbesserungen sind Deckensegel, die sich unter anderem für große Raumhöhen oder lokale Kommunikationsbereiche anbieten. In verschiedenen Formen verfügbar und zum Beispiel aus Melaminharz, bestehend, sind die Segel je nach Dicke in die Schallabsorptionsklassen D bis A einzustufen. Die Schaumstoffplatten sind in der Regel sehr leicht und lassen sich einfach per Cuttermesser zuschneiden. Zugleich zeichnen sie sich durch hohe Formstabilität und Festigkeit aus. Durch im 45°-Winkel abgeschliffene Kanten können die Platten bei einer Stoß-an-Stoß-Anordnung auch Fugen bilden, wodurch die typische Rasterdeckenoptik entsteht. Deckensegel sind oft mit Aluminiumrahmen ausgeführt, aufgrund ihrer Formstabilität können die Platten häufig auch ohne Rahmen an die Decke gebracht werden, was ebenso für Körperabsorber gilt. Sind solche Maßnahmen optimal ausgeführt, kann das Großraumbüro durchaus mit den akustischen Eigenschaften eines herkömmlichen Büros mithalten.

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    Deckensegel lassen sich sehr gut auch als Elemente einsetzen, die optische Effekte transportieren. (Quelle: B11)

Autor:

Michael Hobohm; unter Verwendung von Material von Ecophon und feco

Keyvisual und Teaserbild: Ecophon/Christian de Bruijne

23. November 2021

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