Die Perfektion aus der Maschine

Die Perfektion aus der Maschine

So schnell der Trockenbau mit Gipsbauplatten auch von der Hand geht, so langwierig ist das anschließende Verspachteln der Fugen – gerade wenn mindestens die Qualitätsstufe Q2 verlangt ist. Maschinelles Spachteln ist eine gute Möglichkeit, die Effizienz und den Arbeitseinsatz erheblich zu optimieren, allerdings sind nicht alle Spachtelmassen maschinengängig. Wir erklären, worauf es ankommt.

Wenn es um eine Top-Qualität beim Verspachteln von Trockenbauwänden geht, trennt sich bei den ausführenden Unternehmen schnell die Spreu vom Weizen. Gerade bei den Qualitätsstufen Q3 und Q4 sind handwerkliches Können und Penibilität gefragt, entsprechend zeitaufwendig ist die Ausführung. Grundsätzlich gilt: Je unstrukturierter die nachfolgende Wandbeschichtung ist (wie etwa Wandfarbe), desto feiner muss das Finish sein.

  • Maschinelles Spachteln

    Räume mit bis zu drei Metern Deckenhöhe können mit Mischpumpen verspachtelt werden. Für Q4 ist eine vollflächige Spachtelung in 0,5 bis 3 mm Schichtdicke erforderlich. Wirtschaftlich geht das nur über Maschinentechnik. Quelle: Knauf

Oberflächen: Die Qualitätsanforderungen

Bei der Vereinbarung der zu erreichenden Oberflächengüte ist es für den Auftragnehmer wichtig, auf gleichbleibende Lichtverhältnisse bei den Arbeiten und der Abnahme hinzuweisen – dafür ist nämlich der Auftraggeber zuständig. Grundsätzlich ist Streiflicht immer ein Problem, selbst bei Q4 sind hier minimale Spuren nicht automatisch ein Mangel.
Die Anforderungen sind wie folgt definiert:

Q1: Bei Q1 sind keine optischen Anforderungen zu erfüllen. Es reicht ein Füllen der Plattenfugen und ein Überziehen der Schraublöcher mit der Spachtelmasse, wobei werkzeugbedingte Riefen, Grate und Spuren zulässig sind. Bewehrungsstreifen sind einzulegen, sofern das konstruktiv erforderlich ist. Q1 kommt auf Trockenbauflächen unter Fliesenbelägen sowie Dekorputzen und Bekleidungen zum Tragen.
Q2: Die Anforderungen an die Q2-Oberflächegüte beinhalten ein Vorspachteln und das Nachspachteln der Fugen bis zum stufenlosen Übergang zu den Plattenflächen. Die Ausführung der Oberfläche muss bei Q2 den Anforderungen der DIN 18202 „Toleranzen im Hochbau“ genügen.
Q3: Zusätzlich zu den Anforderungen von Q2 ist es bei der Güte Q3 erforderlich, die Fugen breit auszuspachteln und die Plattenoberfläche scharf abzuziehen. Während Q2 der Standard bei der Plattenverfugung ist, muss Q3 zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer gesondert vertraglich vereinbart werden.
Q4: Ausgehend von der Standardverspachtelung Q2 muss bei der Spitzenoberflächengüte Q4 die gesamte Fläche mit einer geeigneten Spachtelmasse in einer Stärke zwischen 0,5 und 3 mm überzogen und geglättet werden. Ein Nachschleifen der gespachtelten Fläche ist in der Praxis unumgänglich.

Die Oberflächengüten Q3 und Q4 sind wirtschaftlich mittlerweile nur noch durch den Einsatz von Spachtelgeräten und -maschinen zu erreichen. Das liegt natürlich an ihrer höheren Beschichtungsleistung, aber auch daran, dass mit den meisten Geräten und Maschinen Wände und Decken bis zu drei Metern Höhe ohne Gerüst zu bearbeiten sind, ein wichtiger Kosten- und Zeitfaktor also komplett wegfällt. Die Amortisationszeit solcher Hilfsmittel, die je nach Ausstattung immerhin zwischen 2.500 und 10.000 Euro kosten können, hängt natürlich von der Objektgröße ab. Nach Herstellerangaben und Erfahrungsberichten von Handwerkern liegt die Zeitersparnis bei der maschinell unterstützten Arbeit gegenüber der manuellen Spachtelung bei satten 50-60 %. Und das trotz des hinterher in der Regel höheren Reinigungsaufwands der Geräte.

Spachtelgeräte funktionieren nur als System

Nur wenige Hersteller bewegen sich auf dem Markt für Spachtelgeräte, einer davon ist das amerikanische Unternehmen TapeTech (und Lizenznehmer Knauf PFT). In einem Arbeitsgang werden mit ihnen die Plattenfugen an Wand und Decke vorgespachtelt und gleich noch der Papierbewehrungsstreifen eingelegt. Zum Gesamtsortiment gehören neben dem eigentlichen Spachtelgerät („Bazooka“) für die Fugen auch allerhand Zusatzgeräte, etwa für das Finish (auch an den Innen- und Außenecken) oder ein Füllaufsatz für die Schraubenköpfe. Ein mit etwa 75 m Bewehrungsstreifen und vollem Spachtelmassentank ausgerüstetes Gerät wiegt knapp acht Kilogramm, ein durchaus handhabbares Gewicht.

Maschinelles Spachteln Bild 1
Bild links: Mit einem Spachtelgerät wird die eingebrachte Menge an Spachtelmasse exakt dosiert und gleichzeitig ein Papierbewehrungsstreifen in die Fuge eingelegt.
Bild Mitte: Mit einer Füllpumpe wird das Spachtelgerät nachgeladen. Knapp 5 kg Spachtelmasse passen hinein.
Bild rechts: Eventuelle Überstände müssen nach der Trocknung nach wie vor von Hand sauber abgestoßen werden. Das gilt für alle Qualitätsstufen. Quelle: Knauf

Bei den Spachtelgeräten sorgt eine Füllpumpe für das Nachladen des Tanks, hier kommen deswegen nur gebrauchsfertige Spachtelmassen aus dem Eimer für das Gerätespachteln infrage. Auch beim maschinellen Spachteln sind die Vorschriften des jeweiligen Plattenherstellers zu beachten, so müssen beispielsweise die Schnittkanten an Gipskartonplatten vor dem Verfüllen grundsätzlich grundiert werden.

Mischpumpen bieten eine gleichbleibende Massenqualität

Während für die vorgenannten Spachtelgeräte immer eine gebrauchsfertige Spachtelmasse vonnöten ist, können mit den Mischpumpen zusätzlich auch pulverförmige Produkte eingesetzt werden. Moderne Maschinen sind mittlerweile in der Lage, die Konsistenz der selbst gemischten Spachtelmasse permanent zu prüfen und eventuell vorhandene Knötchen und Klumpen selbsttätig aufzulösen. Die mögliche Beschichtungsleistung reicht von 0,5 bis 2,0 m2 pro Minute, wobei bei den guten Maschinen das Ganze stufenlos einstellbar ist. Mischpumpen lohnen sich für den Trockenbauer auch insofern, als mit ihnen nicht nur die Spachtelmassen, sondern auch dünnschichtige Putze verarbeitet werden können, das Anwendungsspektrum insgesamt also größer ist. Wer beim Wort „Mischpumpe“ nun ein „Ungetüm“ erwartet, liegt falsch: Viele Modelle kann man werkzeuglos auseinandernehmen und im Kombi verstauen. Auf der Baustelle selbst ist für den Betrieb nur ein 230-V-Wechselstrom- und ein Wasseranschluss nötig.
Mischpumpen sind bei der Verspachtelung von Gipsplattenflächen in Q4-Qualität ein Muss, weil sie in puncto Leistung und gleichbleibende Spachtelmassen-qualität der manuellen Arbeit weit voraus sind.

Quelle:

Knauf

Keyvisual und Teaserbild: Knauf

22. Juni 2021

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