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Ortung muss sein: Ortungsgeräte

Das Ortungsgerät hat viele Namen: Es wird auch als Wall- oder Wandscanner, Kabelortungsgerät, Leitungsortungsgerät sowie Metall- oder Multidetektor verkauft. Versprochen wird, dass diese Geräte dem Anwender zuverlässig Auskunft darüber geben, ob und wo genau in Wänden Elektroleitungen und Wasserrohre, aber auch Kunststoff- und Holzelemente verlaufen. Ob die Gräte das tatsächlich leisten und in welcher Zuverlässigkeit, ist allerdings vom Preis abhängig. Die Anschaffung eines hochwertigen Ortungsgeräts rechnet sich aber spätestens nach dem ersten Schadensfall durch Anbohren. Wird dabei eine Wasser- oder Gasleitung getroffen, sind die Folgeschäden immens. Der Versicherungsschutz geht dann verloren, wenn Sie das vorherige gewissenhafte Absuchen der Wand nicht belegen können. Für Trockenbauer interessant ist aber auch der Umkehrschluss: Mit einem Metalldetektor lassen sich in einer Trockenbauwand sehr schnell die metallenen Ständerprofile lokalisieren, an denen dann auch nachträglich noch höhere Lasten verschraubt werden können.

So funktioniert ein Ortungsgerät

Das Ortungsverfahren hängt davon ab, welches Material aufgespürt werden soll. Metalle lassen sich ganz einfach mit einem elektromagnetischen Feld finden, das vom Ortungsgerät über Induktion aufgebaut wird. Sobald das Gerät über das Ständerprofil hinter der Beplankung geführt wird, verändert sich dieses Feld, was das Ortungsgerät erkennt und anzeigt. Die Erfassungstiefen für Metall liegen bei diesen Geräten bei bis zu 150 mm.

Bei Ortungsgeräten, die zusätzlich Stromleitungen, Holz und Kunststoff detektieren, kommt das sogenannte kapazitive Verfahren zum Einsatz. Über einen Kondensator wird ein hochfrequentes elektrisches Feld aufgebaut, das auf die unterschiedlichen Materialien durch eine mehr oder weniger starke Veränderung reagiert. Daraus errechnet das Gerät, an welcher Stelle der Materialübergang stattfindet. Bei vielen dieser kapazitiv arbeitenden Ortungsgeräte kommen noch weitere Sensoren hinzu, beispielsweise eine Radar-Sensorik. Dadurch wird die Ortungsgenauigkeit erhöht. Das Material, in dem gesucht wird, ist übrigens bei beiden Verfahren nebensächlich. Alle bauüblichen Werk- und Baustoffe können untersucht werden, auch Beton und jede Art von Mauerwerk.

Mit leistungsfähigen Ortungsgeräten lassen sich die Heizschleifen aus Kunststoff so genau lokalisieren, dass Bohrungen schadensfrei gesetzt werden können. (Bild: Bosch)

Mit leistungsfähigen Ortungsgeräten lassen sich die Heizschleifen aus Kunststoff so genau lokalisieren, dass Bohrungen schadensfrei gesetzt werden können. (Bild: Bosch)

Das Display zeigt sowohl die Kanten als auch die Mitte des gefundenen Objekts an. (Bild: Black & Decker)

Das Display zeigt sowohl die Kanten als auch die Mitte des gefundenen Objekts an. (Bild: Black & Decker)


Geräte mit kleinen Rädchen am Gehäuse lassen sich besonders leicht und mit gleichmäßigem Druck über die Fläche fahren. (Bild: Hilti)

Geräte mit kleinen Rädchen am Gehäuse lassen sich besonders leicht und mit gleichmäßigem Druck über die Fläche fahren. (Bild: Hilti)

Geräte mit kleinen Rädchen am Gehäuse lassen sich besonders leicht und mit gleichmäßigem Druck über die Fläche fahren. (Bild: Hilti)

Geräte mit kleinen Rädchen am Gehäuse lassen sich besonders leicht und mit gleichmäßigem Druck über die Fläche fahren. (Bild: Hilti)

Wie arbeite ich mit einem Ortungsgerät?

Bei der Anwendung eines Ortungsgeräts kommt es auf diese Dinge an:

  • Die Kalibrierung: Nach dem Einschalten müssen sich die meisten Geräte zunächst kalibrieren. Vor der ersten Ortung müssen Sie also wenige Minuten warten.
  • Untergrund wählen: Im sogenannten Scan-Modus ist es bei vielen Geräten möglich, das zu untersuchende Material voreinzustellen.
  • Die richtige Führung: Ortungsgeräte sollten langsam, mit ständigem Kontakt und rechtwinklig zur Geräte-Längsachse über den Untergrund geführt werden.
  • In beide Richtungen denken: Führen Sie das Gerät immer in zwei um 90 Grad versetzte Richtungen über den Ortungsbereich. Die Ortungsgenauigkeit ist am höchsten, wenn das Gerät quer zu den zu suchenden Objekten geführt wird.
  • Aufladung verhindern: Einige Geräte laden sich beim Hin- und Herfahren an der Wand statisch auf. Um das zu verhindern, legen Sie beim Messen die andere Hand auf die Wand, um einen Potenzialausgleich zu schaffen.
  • Vorsicht vor weiteren Feldern: Auch andere Geräte wie WLAN-Router erzeugen magnetische oder elektromagnetische Felder, die die Ortung erschweren. Diese Geräte sollten bei einer Messung entweder ausgeschaltet oder aus dem Raum gebracht werden.

Je nach Gerät werden bei der Ortung verschiedene Parameter angezeigt. Das können neben der Objektkante respektive Objektmitte auch das Material und sogar die zulässige Bohrtiefe sein. Durch ein Loch im Gehäuse lassen sich während der Ortung entsprechende Markierungen an der Wand vornehmen.

Woran erkenne ich ein gutes Ortungsgerät?

Der Preis ist ein wichtiger Qualitätshinweis. Grob kann man den Markt für Ortungsgeräte in drei Preissegmente einteilen. Von Detektoren in der Kategorie bis 50 Euro sollten Sie die Finger lassen. Brauchbare Geräte um die 100 Euro sind als durchaus geeignet zu bezeichnen, wenn die Einsätze eher sporadisch sind. Die richtig guten und zuverlässigen Detektoren kosten mehrere hundert Euro. Aber Achtung: Sie sind zwar präzise und verlässlich, aber nicht unfehlbar. Das liegt aber nicht am Gerät selbst, sondern an den Unwägbarkeiten einer Baustelle wie etwa mehrschichtige Wandaufbauten, leere Kunststoffrohre, feuchte Stellen, Hohlräume oder als Putzträger verlegte Streckmetalle.

Weitere Qualitätsmerkmale eines Ortungsgeräts sind:

  • Anzahl und Art der eingebauten Sensoren (induktiv, kapazitiv, Radar)
  • Art der detektierbaren Objekte (Wasser- und Stromleitungen, Holz, Kunststoff, Bewehrungen)
  • Erfassungstiefe (hängt vom Ortungsverfahren und Material ab)
  • Abmessungen/Gewicht/Handling
  • Art der Signalgebung (optisch und akustisch)
  • Baustellentauglichkeit (gummiertes Gehäuse und Schutzklasse IP 54)
  • Stromversorgung (Batterien, besser Lithium-Ionen-Akku)

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion Ausbaupraxis