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Schadstoffsteckbrief PCB/Polychlorierte Biphenyle

PCB/Polychlorierte Biphenyle sind künstlich hergestellte Verbindungen, die früher vor allem als Weichmacher und Zusatz in Flammschutzmitteln verwendet wurden. Deshalb finden sich PCB/Polychlorierte Biphenyle in fast allen Gebäuden, die vor Ende der Achtzigerjahre errichtet wurden.

Hier verstecken sich PCB

Polychlorierte Biphenyle stecken in vielen Dichtmassen, Farben und Klebstoffen sowie Brandschutzbeschichtungen, die vor dem Verbot 1989 hergestellt wurden. Es ist leider kaum möglich, Baustoffe, die PCB/Polychlorierte Biphenyle enthalten, anhand ihres Aussehens oder Geruchs zu identifizieren. Allein das (meist mutmaßliche) Datum der Herstellung kann erste Hinweise auf eine mögliche PCB-Belastung geben. Hinweis: Beachten Sie, dass die genannten Produkte auch Asbest enthalten können, das bei ihrer Bearbeitung freigesetzt wird.

So gefährlich sind PCB/Polychlorierte Biphenyle

PCB sind Gift und reichern sich im Fettgewebe an. Auf Dauer können Vertreter dieser Stoffgruppe zu Krebs führen. Sie sind verantwortlich für Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern, können aufgrund ihrer Giftigkeit das Nerven- und Immunsystem schädigen. Außerdem stehen sie im Verdacht, Unfruchtbarkeit auszulösen. Dabei sind die Nutzer von mit PCB belasteten Bauwerken besonders gefährdet. Weil sich PCB, die an die Luft abgegeben werden, in anderen Materialien anreichern können, kommt es in solchen Gebäuden zu einer Sekundärkontamination. Die Stoffe werden nunmehr aus weiteren Bauteilen in die Atemluft abgegeben. PCB/Polychlorierte Biphenyle befinden auch in tierischen Nahrungsmitteln, weil an die Luft abgegebene PCB von Nutztieren mit der Nahrung aufgenommen werden. Über den Boden nehmen zunächst Pflanzen die Stoffe auf. Im Fettgewebe der Tiere lagern sich dann die Gefahrstoffe in größeren Mengen ab.

PCB/Polychlorierte Biphenyle: Diese Schutzmaßnahmen sollten Sie beachten

PCB/Polychlorierende Biphenyle dürfen in Deutschland nicht mehr hergestellt oder verwendet werden, um eine weitere PCB-Belastung in Gebäuden zu verhindern. Für Arbeiten in kontaminierten Gebäuden gilt die Einstufung als „besonders gefährliche Arbeiten“ laut § 2 Abs. 3 der Baustellenverordnung.

PCB-Grenzwerte für die Belastung am Arbeitsplatz sind zum Beispiel in der PCB-Richtlinie der ARGEBAU festgelegt. ((http://www.bgbau-medien.de/html/bau/pcb_rl.pdf)) Dass bei Überschreiten der Grenzwerte arbeitsschutztechnische Maßnahmen eingesetzt werden, setzt natürlich voraus, zuvor die Raumluft hinsichtlich einer PCB-Belastung zu messen. Bei normalen Innenausbautätigkeiten wird das, ähnlich wie die Untersuchung auf andere Schadstoffe wie etwa Asbest, wohl kaum der Fall sein.

In erwiesenermaßen mit PCB-Schadstoffen kontaminierten Bereichen, in denen die Grenzwerte überschritten werden, muss mit Arbeitsschutzmaßnahmen nach Gefahrstoffverordnung (GeffStoffV) gearbeitet werden. Außerdem müssen die kontaminierten Bauteile dann im Rahmen einer PCB-Sanierung entfernt werden, um die Konzentration in der Atemluft zu senken.

Autorin

Pauline John
Redaktion Ausbaupraxis

Schadstoffe im Baubestand Die Informationen in diesem Beitrag basieren teilweise auf einer ausführlichen Übersicht über die häufigsten Gebäudeschadstoffe aus „Schadstoffe im Baubestand“ von Hans-Dieter Bossemeyer, Stephan Dolata, Uwe Schubert und Dr. Gerd Zwiener.

Keyvisual und Teaserbild im Beitrag: Matthias Pätzold  / pixelio.de