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Revisionsklappen: Mark hat einen schlechten Tag

Moderne Bäder kommen heute vielfach ohne Revisionsklappen aus. Oft fehlt der Platz sowieso, wenn zum Beispiel bodengleiche Duschen eingebaut werden. Aber auch Badewannen werden heute seltener mit einer Öffnung ausgestattet, die zum Beispiel SHK-Installateuren ermöglicht, im Falle eines Schadens am Abfluss Reparaturen durchzuführen. In einem modernen Bad finden viele Kunden die Revisionsöffnung einfach unschön, oder die Möglichkeit eine Öffnung einzubauen besteht kaum, wenn großformatige Fliesen eingebaut werden. Die folgende, von der Redaktion konstruierte Geschichte zeigt verschiedene Perspektiven auf die Frage: Revisionsklappe, oder nicht?

Moderner Badausbau kommt häufig ohne den Einbau einer Revisionsöffnung aus. Gerade bei großformatigen Fliesen ist der Einbau einer solchen Öffnung nicht ganz einfach und würde den optischen Eindruck stören. (Bild: wedi)

Moderner Badausbau kommt häufig ohne den Einbau einer Revisionsöffnung aus. Gerade bei großformatigen Fliesen ist der Einbau einer solchen Öffnung nicht ganz einfach und würde den optischen Eindruck stören. (Bild: wedi)

Revisionsklappen ermöglichen es SHK-Installateuren, im Schadensfall die Installationen unter der Wanne zu prüfen und ggf. zu reparieren, ohne vorhandene Fliesen zu zerstören. (Bild: Marley)

Revisionsklappen ermöglichen es SHK-Installateuren, im Schadensfall die Installationen unter der Wanne zu prüfen und ggf. zu reparieren, ohne vorhandene Fliesen zu zerstören. (Bild: Marley)

Revisionsklappe oder nicht: Aus der Sicht des Fliesenlegers

Mark ist Fliesenleger. Der Betrieb, in dem er arbeitet, bietet seit Jahren hochwertigen Badausbau. Die meisten Kunden möchten ein Badezimmer mit extragroßen, gerne ausgefallenen Fliesen. Weil die Bäder, die der Betrieb ausbaut, so schön sind, wird er häufig weiterempfohlen. Mark hat immer viel zu tun.
 
An einem Montagmorgen wird Mark alleine zu einem Kunden geschickt. Herr Barfuß hat sich vor drei Jahren sein Bad von Marks Betrieb ausbauen lassen – große Fliesen, mattschwarz, Natursteinoptik. Und Herr Barfuß ist verärgert: Am Wochenende hat er einen Notdienst bestellt, weil es in der Wohnung unter ihm von der Decke tropfte. Schnell waren die SHK-Installateure Helmut und Hannah vor Ort, um das Desaster auch am Sonntag zu beseitigen. Mit einem großen Hammer zertrümmerten sie als erstes eine der großen schwarzen Fliesen der Badewanne. Vorher gaben sie Herrn Barfuß kurz Bescheid, dass sie das in so einem Fall tun müssen. Der wiederum schluckte knapp aber vernehmbar und der Hammer sauste nieder...
 
Für Mark fängt die Woche ziemlich schlecht an. Denn dem Kunden gefällt sein Bad mit dem großen Loch in der Badewanne auf einmal gar nicht mehr so gut und er möchte, dass Mark den Schaden repariert. Es soll aussehen, als wäre nie etwas gewesen ­– edel, mattschwarz, Natursteinoptik.
 
Mark ruft seinen Chef an. Der hat keine Zeit und ist der Meinung, dass der Kunde dafür erst mal einen Kostenvoranschlag bekommen soll. Außerdem soll Mark gucken, ob es überhaupt noch eine der eingebauten Fliesen gibt – sie waren eigens für den Ausbau von drei Kundenbädern aus Italien geliefert worden.
 
Herr Barfuß schnappt hörbar nach Luft, beschuldigt Mark, ihn damals nicht darüber aufgeklärt zu haben, dass „gleich alles kaputt ist“, wenn unter der Wanne mal etwas nicht stimmt. Bezahlen möchte er auf keinen Fall.

Revisionsklappe oder nicht: Aus der Sicht der SHK-Installateure

Helmut und Hannah sind SHK-Installateure. An diesem Wochenende hatten beide Dienst. Am Sonntag erreichte Sie der Anruf eines gewissen Herrn Barfuß ...
 
Am Dienstagmorgen informiert ihr Chef die beiden nachdrücklich darüber, dass es mal wieder Streit gibt. Herr Barfuß hat sich gemeldet: Der Fliesenleger übernimmt die Kosten für die Reparatur seiner Fliese nicht. Ob noch eine der ursprünglich eingebauten Fliesen vorhanden ist, ist unklar. Der Kunde möchte, dass der SHK-Betrieb die Kosten übernimmt.
 
Hannah und Helmut hätten den Kunden vorher informieren müssen, dass er die Kosten selber trägt. Haben sie, allerdings nur schnell, weil ein Einsatz am Sonntag nicht ganz billig ist und ihr Betrieb Pauschalpreise anbietet. Der Chef ist sauer, denn er hat keine Zeit für so was, sagt er.

Revisionsöffnung oder nicht: Aus Sicht des Kunden

Herr Barfuß hat eine Eigentumswohnung gekauft. Für die Großstadt war das Angebot günstig, dafür ist in der Wohnung noch einiges zu machen, was er in Kauf nimmt, denn die Wohnung wird er seiner Tochter vererben. Unter anderem muss das Bad komplett erneuert werden. Schon immer mochte Herr Barfuß Naturstein, mattschwarz, großzügig. Er beschließt sich das Bad zu gönnen, findet einen verlässlichen Betrieb, der alles zu seiner Zufriedenheit fertigstellt – es sieht aus wie aus einem Guss!
 
Drei Jahre später hat Herr Barfuß einen Wasserrohrbruch. Eine Installateurin zertrümmert seine Badewanneneinmauerung und niemand, nicht der Fliesenleger-, nicht der Installateursbetrieb möchte den Schaden zahlen!

Fazit: Alle hatten mindestens einen schlechten Tag

Der Fall zeigt, dass das Thema „Revisionsklappe oder nicht“ durchaus emotional sein kann. Alle Beteiligten handeln aus nachvollziehbaren Interessen.  Der Fliesenleger möchte zufriedene Kunden, die Installateure haben mit Fliesen eigentlich gar nichts zu tun und der Kunde möchte ein schönes Bad – am liebsten aus einem Guss und ohne Klappe irgendwo. Dass solche Streitigkeiten schnell mal vor Gericht landen, ergibt sich leider von selbst.

Revisionsöffnung? Und wenn ja, wie?

Deshalb gibt es Fliesenleger, die eine Revisionsklappe, insofern sie mit dem Kunden nichts anderes vertraglich vereinbaren, immer einbauen – damit aber in manchen Fällen optische Abstriche machen müssen. Das entspricht auch dem, was Auszubildende im Fliesenlegerhandwerk lernen.
 
Die Realität sieht aber heute anders aus: Großformat, Naturstein, mattschwarz. Da sind Revisionsöffnungen in der Regel nicht mit vorgefertigten Lösungen möglich. Außerdem werden für den Bau von Badewannen oft durchgehende Zementplatten verwendet, in die man eine solche Öffnung nur schwerlich einbauen kann. Seit Jahren werden also Bäder ausgebaut, in der man eine Revisionsklappe vergeblich sucht, und das auch meist erfolgreich und ohne anschließenden Ärger – schließlich sind Installationen und die zugehörigen Abdichtungslösungen heute auch nicht mehr von gestern.
 
Ob es „Stand der Technik“ ist, eine Revisionsklappe einzubauen, ob es rechtlich gesehen nötig ist, zum Beispiel auch, um im Streitfall einen Prozess zu gewinnen, und wie Unternehmer die Frage mit den Kunden korrekt abklären können, darüber streiten sich Fliesenleger, Sachverständige und SHK-Installateure seit geraumer Zeit. Im Zweifelsfall kann es sicherlich nie schaden, den Kunden vorab über beide Möglichkeiten aufzuklären und das auch vertraglich festzuhalten, um späteren Ärger zu vermeiden!
 
Im Frühjahr 2018 möchte der Fachverband Fliesen und Naturstein zusammen mit dem Zentralverband SHK ein Merkblatt herausbringen, das genau solche Schnittstellen behandelt: In der „Schnittstelle Nassraum“ wird es auch um das Thema „Revisionsöffnung – ja oder nein“ gehen.
 
Weitere Informationen zu Revisionsöffnungen und zu allen weiteren Fliesen- und Badthemen bietet www.fliesenundplatten.de.

Autorin:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Markus Kohl
 

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