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Spachtel und Co: Richtig mischen

Das richtige Mischen wird meist unterschätzt, dabei ist es entscheidend für ein reklamationsfreies Arbeitsergebnis. Besonders beim Mischen und Rühren moderner Grundierungen, Spachtelmassen und Fliesenkleber spielt die Kombination aus Rührwerk und Rührstab eine wichtige Rolle. Denn diese ausgetüftelten Materialien halten nur dann das, was sie versprechen, wenn man sie so mischt, wie es der Hersteller vorgesehen hat.

Im Berufsalltag treffen Sie als Handwerker auf eine Vielzahl unterschiedlicher pulverförmiger Materialien, die erst angemischt werden müssen, bevor sie verwendet werden können: bei der Untergrundvorbereitung auf zweikomponentige Epoxidharzgrundierungen und selbstverlaufende Spachtelmassen, darüber hinaus auf Fliesenkleber sowie standfesten Spachtelmassen für die Wand bis hin zu Putz. Diese Stoffe erfordern in der Regel eine unterschiedliche Auswahl an Rührstäben.

Im Arbeitsalltag verwenden viele Handwerker jedoch einen Rührstab für alle Materialien. Die Folge: Die Massen werden häufig fehlerhaft vermischt. Daraus können Schäden am fertig verarbeiteten Material entstehen. Dies ist besonders risikoreich, dass die Gewährleistung des Materialherstellers durch diese fehlerhafte Anwendung ebenfalls entfallen kann. Dies endet meist mit erheblichen Folgekosten durch Nacharbeit und manchmal auch mit Schadensersatzforderungen durch den Endkunden. Dieses Risiko lässt sich ganz einfach durch die richtige Auswahl des passenden Mischsystems minimieren.

So wird’s gut – welches Rührgerät für welche Materialkonsistenz geeignet ist

Zähes kompaktes Material – Rührstab „HS2“ oder „HS3 R“ (Bild: Festool)

Zähes kompaktes Material – Rührstab „HS2“ oder „HS3 R“ (Bild: Festool)

Zähflüssig fließendes Material – Rührbesen „CS“ oder Rührstab „HS2“ (Bild: Festool)

Zähflüssig fließendes Material – Rührbesen „CS“ oder Rührstab „HS2“ (Bild: Festool)

Flüssiges Material – Scheibenrührer „WS“ oder Rührbesen „CS“ (Bild: Festool)

Flüssiges Material – Scheibenrührer „WS“ oder Rührbesen „CS“ (Bild: Festool)

Untergrundvorbereitung ist entscheidend

Und das ist nicht die einzige Fehlerquelle: Bei anspruchsvollen Arbeitsvorgängen – beispielsweise beim Verlegen von großformatigen Fliesen in Bädern – ist häufig eine Epoxidharzgrundierung notwendig. Sie besteht aus zwei Komponenten. Beim Mischen muss besonders darauf geachtet werden, dass die Mengenanteile der Komponenten A und B eingehalten werden und beide richtig vermischt werden. Ist dies nicht der Fall, bilden sich auf dem grundierten Boden fehlerhafte Stellen, die die Haftung der Fliesen später beeinträchtigen können. Beim Vermischen ist es ratsam, die Angaben des Herstellers über die ausgewiesenen Datenblätter abzufragen und die Mengenverhältnisse sowie die angegebene Drehzahl beim Mischen genau einzuhalten. Werden die Komponenten mit zu hoher Drehzahl gemischt, erwärmt sich die Masse schneller, wodurch das Material zu schnell aushärtet und sich die Haftung zum Untergrund verschlechtert.

Tipp: Für flüssige Harze ist ein sogenannter Scheibenrührer besonders geeignet. Er sorgt dafür, dass sich beide Komponenten ideal miteinander vermischen.

Ist die Einbauhöhe für einen konventionellen Estrich zu gering, wird häufig ein Epoxidharzestrich verlegt. Dafür muss Quarzsand dem Harz hinzugemischt werden. Für diesen Vorgang empfiehlt sich ein doppelspindeliges Rührwerk, denn nur so kann sich das flüssige Harz ideal mit dem Quarzsand verbinden.

Selbstverlaufende Spachtelmassen

Bei der weiteren Bearbeitung des Untergrunds können durch fehlerhaftes Mischen von selbstverlaufenden Spachtelmassen Klumpen entstehen – dabei handelt es sich um Rückstände trockenen Materials, häufig am Boden des Eimers. Zudem kann bei der Verwendung eines klassischen, rechts gewendelten Rührstabs ein zu hoher Lufteintrag im Material entstehen. Die Folge: Die Spachtelmasse vermischt sich auch bei längerem Rühren nicht homogen. Dies führt zu Fehlstellen mit noch pulverförmigem Material oder Luftblasen an der Oberfläche, hervorgerufen durch den übermäßigen Lufteintrag. Aus diesem Grund ist es ratsam, einen Rührbesen zu verwenden, da er durch seine spezielle Bauform nahezu keinen Lufteintrag ins Mischgut zulässt und eine homogene Masse bildet.

Die Rührgeräte

Scheibenrührer (Bild: Festool)

Scheibenrührer (Bild: Festool)

Rührbesen (Bild: Festool)

Rührbesen (Bild: Festool)

Wendelrührer (Bild: Festool)

Wendelrührer (Bild: Festool)

Wendelrührer(Bild: Festool)

Wendelrührer(Bild: Festool)

Standfeste Spachtelmassen und Wandputze

Für das Mischen von zähflüssigen Spachtelmassen und Putzen ist der Einsatz eines rechts gewendelten Rührstabs ratsam, mit dem das Material von unten nach oben durchgemischt wird. Damit wird sichergestellt, dass sich die gesamte Masse bis zum Boden gleichmäßig vermischt. Beim Mischen eines Luftporenputzes ist es empfehlenswert, die Drehzahlen auf die Herstellerangaben anzupassen, damit die notwendigen Lufteinschlüsse nicht zerschlagen werden.

Mischen des Fliesenklebers

Möchte man auf einem vorbereiteten Untergrund Fliesen ab zwei Zentimeter verlegen, geht es an das Mischen des Fliesenklebers beziehungsweise -mörtels. Der Trend geht bei Fliesenklebern zu Produkten, die hoch kunststoffvergütet und flexibel sind. Das bedeutet, diese Kleber müssen mit einer höheren Drehzahl gemischt werden, damit die Zuschlagstoffe optimal aufgeschossen werden. Um dies auch bei größeren Mischmengen zu gewährleisten, ist ein Rührwerk mit passender Leistung: 1200 oder 1600 Watt erforderlich. Hier empfiehlt sich ein klassischer, zweifach rechts gewendelter Rührstab. Im Arbeitsalltag kommt es immer wieder vor, dass aufgrund von Unwissenheit über die Mischdauer zu kurz gemischt wird. Darunter leiden die hochvergüteten Materialien und in der Folge kommt es immer wieder zu Materialschäden.

Top-Tipps

  • Vor der Anschaffung eines professionellen Mischsystems genau überlegen, welche Anforderungen im Betrieb anfallen und welche Materialien gemischt werden
  • Den passenden Rührstab auf die jeweilige Anwendung/Material abstimmen, auf Herstellerangaben achten
  • Drehzahlen entsprechend den Herstellerangaben anpassen und Mischzeiten einhalten

Auf das Rührwerk kommt es an

Mit einer Höheneinstellung kann das Rührwerk optimal an die Körpergröße angepasst werden. (Bild: Festool)Bei der Vielzahl der zu mischenden Materialen – sowohl in flüssiger als auch in kompakter, zäher Form ist es ratsam zu einem Rührwerk mit mindestens 1.200 Watt Leistung und Zweiganggetriebe sowie variabler Drehzahleinstellung zu greifen. Außerdem empfehlenswert sind für eine aufrechte, kräfteschonende Arbeitsposition Rührwerke, die sich an die jeweilige Körpergröße des Bedieners anpassen lassen, das ist beispielsweise mit der patentierten „ErgoFix“-Höhenverstellung von Festool möglich.

Schwere, kompakte Materialien sollten im ersten Gang gerührt werden, weil dabei aufgrund des hohen Drehmoments die höchste Kraft zum Rühren bereitsteht. Flüssige Materialien sollten indes im zweiten Gang mit angepasster Drehzahl (siehe  Herstellerangaben) gemischt werden. Steht ein Rührwerk mit zu geringer Wattzahl zur Verfügung, wird es sehr mühsam, das Material optimal durchzumischen, da die fehlende Leistung meist durch körperlichen Einsatz ausgeglichen werden muss.

Autor:

Tim Göttler ist Fliesenlegermeister und Schulungsreferent bei Festool in Wendlingen.
 
Keyvisual und Teaserbild: Festool
 
 
 

 

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