Risse im Putz Keyvisual

Risse sanieren: Heute geschlossen

Risse im Putz sind nicht nur ein ärgerliches optisches Problem. Je nachdem, was die genaue Ursache ist und in welcher Ebene sie verlaufen, gefährden sie die Gebrauchstauglichkeit und dauerhafte Standfestigkeit. Im schlimmsten Fall kündigen Risse ein Bauteilversagen an, was die gesamte Standsicherheit gefährden kann. Deshalb ist es bei Auftreten von Rissen unbedingt anzuraten, sofort zu handeln (wenn man die Ursachen selbst ermitteln kann) oder einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen.
Die erste Amtshandlung vor jeder Sanierung ist es, die  Risse genau zu untersuchen und zu charakterisieren. Dabei ist insbesondere zu klären, welche Schadensmechanismen für die Rissbildung ursächlich sind (siehe Kasten). Ist lediglich die Putzschicht, nicht jedoch das darunterliegende Mauerwerk betroffen, können Sie direkt zur Sanierung übergehen, die weiter unten beschrieben ist.

Risse im Mauerwerk beurteilen

Für die Beurteilung und Sanierung eines Risses sollten folgende Fragen vorab geklärt werden:
 
  • ­Standort und Bauart des Gebäudes: Gibt es ehemaligen Bergbau, eine Hanglage oder eine Absenkung des Grundwasserspiegels? Liegt ein Denkmalschutz vor?
  • Einzelfall oder typisch: Gibt es ähnliche Schadensbilder in benachbarten Gebäuden?
  • Rissweiten und Risslängen: Handelt es sich um konstruktive, dynamische oder statische Risse?
  • Beschichtungen: Welche Art liegt vor, wie alt sind sie, wie sind sie beschaffen?

Die wichtigste Frage ist: Ruhend oder dynamisch?

Risse im Mauerwerk entstehen, wenn die Spannungen im Bauteil so groß werden, dass sie von der Konstruktion nicht mehr aufgenommen werden können. Die Spannungen können von außen auf das Mauerwerk wirken (Erddruck, Setzungen, Erschütterungen) oder aus der Konstruktion selbst entstehen (Eigenspannungen). Das ist dann der Fall, wenn das Bauteil sich nicht spannungsfrei aufgrund von Temperatur- oder Feuchtewechsel verformen kann. Zu unterscheiden ist hauptsächlich zwischen ruhenden und dynamischen Rissen. Ob ein Riss in der Wand noch „aktiv“ oder schon zur Ruhe gekommen ist, lässt sich entweder mit einem induktiven Wegaufnehmer (Langzeitmessung) oder auch mithilfe von Gipsmarken feststellen. Dabei wird ein etwa 10 cm breiter und maximal 5 mm dicker Gipsstreifen sorgfältig über den Riss geklebt. Reißt dieser Streifen innerhalb eines zu definierenden Zeitraums (das kann einige Monate in Anspruch nehmen), ist zumindest noch Bewegung in der Bude. Innerhalb des Überwachungszeitraums lassen sich auch andere relevante Daten wie Innen- und Außentemperaturen oder wechselnde Ausgleichsfeuchten der Bauteile sammeln.

Risse in Wandbildern haben unterschiedliche Ursachen. Dieser durchgehende Mauerwerksriss trat nach Straßenbauarbeiten auf. (Bild: B+B)

Risse in Wandbildern haben unterschiedliche Ursachen. Dieser durchgehende Mauerwerksriss trat nach Straßenbauarbeiten auf. (Bild: B+B)

Dieser Riss ist auf eine teilweise statische Überlastung zurück zu führen. (Bild: B+B)

Dieser Riss ist auf eine teilweise statische Überlastung zurück zu führen. (Bild: B+B)


Dieser Horizontalriss neben der Fensteröffnung entstand durch eine Verformung des Mauerwerks. (Bild: B+B)

Dieser Horizontalriss neben der Fensteröffnung entstand durch eine Verformung des Mauerwerks. (Bild: B+B)

Eine Gipsmarke gibt Auskunft, ob man es mit einem ruhenden oder dynamischen Riss zu tun hat. (Bild: B+B)

Eine Gipsmarke gibt Auskunft, ob man es mit einem ruhenden oder dynamischen Riss zu tun hat. (Bild: B+B)

So setzen Sie Risse dauerhaft instand

Bei der Sanierung von ruhenden Rissen spielen neben den technischen auch die optischen Belange eine Rolle. Müssen Sie auf einer Wand nur wenige oberflächliche Risse sanieren, lässt sich das kaum ohne sichtbare Spuren bewerkstelligen. Darauf sollten Sie den Auftraggeber hinweisen und sein Einverständnis schriftlich einholen. Ist die leichte optische Beeinträchtigung unerwünscht oder handelt es sich um viele Putzrisse auf einer zusammenhängenden Fläche, kommen ganzflächige Gewbespachtelungen in Betracht, die in einer Schichtdicke von 5 mm aufgetragen werden. Diese Methode bewirkt, dass die auftretenden Spannung sich nicht in einigen großen, sondern vielen kleinen Mikrorissen niederschlagen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind und bauphysikalisch unbedenklich sind. Durch Vlieseinlagen lässt sich die Wirksamkeit dieser Methode noch verbessern. Die Einlagen verhindern ähnlich einer Entkopplungsmatte am Boden einen starren Verbund zwischen dem Untergrund und dem Putz, die im Mauerwerk wirkenden Kräfte werden im Vlies selbst abgebaut.

Bei den dynamischen Rissen ist der Sanierungsaufwand naturgemäß größer. Dynamisch heißt, dass es an diesen Stellen durch die unterbrochene kraftschlüssige Verbindung zu ständigen Bewegungen kommt. Ziel einer Sanierung ist es also, den Verbund wiederherzustellen. Soll der Bestand weitgehend erhalten bleiben, können sogenannte Spiralankersysteme einen elastischen Verbund zwischen getrennten Mauerwerksteilen wieder herstellen und einer erneuten Rissbildung aufgrund von thermischen Längenveränderungen des Mauerwerks  verhindern. Zum Einsatz kommen allerdings nur Spiralanker nach EN 845-1:2003 + A1:2008. Die Systeme bestehen einerseits aus den Spiralankern selbst und einem speziellen Ankermörtel. Die Anker werden vorzugsweise in die Lagerfugen des Mauerwerks eingesetzt, wobei ein Statiker zuvor die Lage sowie die Schlitzlänge und –tiefe festlegt. Ab 30 mm Schlitztiefe muss er zusätzlich auch einen Standsicherheitsnachweis führen. Ist der Einsatz von Spiralankern nicht ohne weiteres möglich (etwa im Denkmalschutz), bieten sich ein Injektionsverfahren an. Dabei wird über Injektionslöcher an den Rissflanken Injektionsleim in den Riss gepresst, der ausgehärtet ebenfalls wieder einen belastbaren Verbund herstellt.

Die Setzfuge wird mit einer Stein- und Fugensäge ausgesägt. (Bild: Desoi GmbH)

Die Setzfuge wird mit einer Stein- und Fugensäge ausgesägt. (Bild: Desoi GmbH)


Wichtig: Ein Verbund ist nur in einer penibel gereinigten Fuge möglich. Anschließend vornässen. (Bild: Desoi GmbH)

Wichtig: Ein Verbund ist nur in einer penibel gereinigten Fuge möglich. Anschließend vornässen. (Bild: Desoi GmbH)

Den Spiralanker in den vorher eingefüllten Mörtel eindrücken. (Bild: Desoi GmbH)

Den Spiralanker in den vorher eingefüllten Mörtel eindrücken. (Bild: Desoi GmbH)


Der Anker selbst ist aus korrosionsgeschütztem Stahl. Zu jedem Anker gehört ein spezieller Mörtel vom gleichen Hersteller. (Bild: Remmers)

Der Anker selbst ist aus korrosionsgeschütztem Stahl. Zu jedem Anker gehört ein spezieller Mörtel vom gleichen Hersteller. (Bild: Remmers)

Risse auf intaktem Putz? Vielleicht reicht ein Farbanstrich

Sind der Altputz intakt und die Risse nicht zu breit, kann unter Umständen auf eine vollflächige Überarbeitung der Putzoberfläche verzichtet werden. Dann reicht ein Anstrich mit einer füllenden oder rissüberbrückenden Farbe. Als füllend gelten rein mineralische Anstriche, sie können aber durch Zugabe organischer Bindemittle auch elastisch eingestellt werden. Spezielle organische Anstriche besitzen eine hohe rissüberbrückende Eigenschaft. Wichtig ist allerdings, dass der Anstrich trotz seiner hohen Elastizität Feuchtigkeit aus dem Untergrund entweichen lassen kann, wie etwa Anstriche auf Silikonharzbasis. Vor der Auswahl solcher Beschichtungen  ist es ratsam, mit deren Hersteller Rücksprache zu halten und die Eignung für den jeweiligen Sanierungsfall abzuklären.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Baumit
 

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