Schlagregenschutz - Keyvisual

Schlagregenschutz und Innendämmung: Außen dicht – innen warm

Was ist das Problem?

Schlagregenschutz und Innendämmung stehen in einer engen Beziehung zueinander: Jede Fassade nimmt eine bestimmte Menge Regenwasser auf, die durch Sonneneinstrahlung oder trockene Umgebungsluft auch schnell wieder ausdiffundiert. Einen gewissen Anteil an der Trocknung hat auch die Wärme, die von der Innenseite nach außen strömt, was vor allem natürlich bei schlecht gedämmten Außenwänden ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Nach der Montage einer Innendämmung geht dieser Beitrag zur schnellen Trocknung der Fassade natürlich verloren, die fortan nur von außen trocknen kann. Ob und wieweit das gelingt, ist entscheidend von der absoluten Feuchtemenge abhängig, die in die Fassade eindringen kann. Die wiederum kann je nach geographischer Ausrichtung des Gebäudes höchst unterschiedlich sein: Während die Nord- und Ostseite eher wenig beregnet wird, wird es auf der Westseite schnell kritisch. Hier genügen schon relativ geringe Dämmdicken, um den Wassergehalt in der Fassade nach oben schnellen zu lassen.

Schlagregenschutz und Innendämmung – Was sagt die Norm?

Die DIN 4108-3 unterscheidet drei Klassen von Schlagregenschutz. Maßgebliche Größe ist der Wasseraufnahmekoeffizient w in der Einheit kg/(m2√h). Dieser Wert beschreibt die Menge Wasser in Kilogramm, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einen Quadratmeter Außenschicht eindringen kann.
Als wasseraufnehmend gelten Schichten mit w = 2,0 kg/(m2√h), wasserhemmend sind Schichten mit w ≤ 2 kg/(m2√h), kleiner als w = 0,5 kg/(m2√h) spricht man von wasserabweisenden Schichten.
Der Wasseraufnahmekoeffizient ist aber nicht der einzige Faktor, daneben spielt auch der sd-Wert eine Rolle, der die „wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke“ beschreibt. Hier gilt für die wasserabweisenden Schichten ein Maximalwert von 2,0 m, allerdings darf das Produkt aus w und sd-Wert ebenfalls maximal 2,0 betragen. Für wasseraufnehmende bzw. wasserhemmende Schichten spielt der sd-Wert keine Rolle.
 
Viele Hersteller von Außenputzen geben statt des w-Wertes die kapillare Wasseraufnahme C an. Der berechnet sich nach der gleichen Formel, allerdings bezieht sich die Wasseraufnahme auf den Zeitfaktor Minute statt wie beim w-Wert auf Stunde. Der gleiche Zahlenwert ist bei der kapillaren Wasseraufnahme daher um den Faktor 7,75 schlechter als der des w-Wertes. Falls Sie den Schlagregenschutz nach DIN 4108-3 mit dem w-Wert führen müssen, aber nur den C-Wert des Herstellers kennen, wird’s schwierig. Eine Lösung für diese Diskrepanz gibt es auch in Bezug auf die Schlagregenschutz und Innendämmung bislang noch nicht.
 
Die Einteilung in die Schlagregenbeanspruchungsgruppe (siehe Infokasten) erfolgt nicht nur nach Putz-, sondern auch nach Wandbauart. Als wasserabweisend gelten demnach auch folgende Konstruktionen:
- zweischaliges Mauerwerk mit Dämm- und Luftschicht oder Kerndämmung
- verflieste Außenwände
- Außenwände mit gefügedichter Betonaußenschicht
- hinterlüftete Außenwandbekleidungen
- Außenwände mit WDVS.
 

Schlagregenbeanspruchungsgruppen:

SRB-Gruppe I:   Jahresniederschlagsmenge unter 600 mm; überwiegend östliche Bundesländer

Anforderung: keine
 
SRB-Gruppe II: Jahresniederschlagsmenge von 600-800 mm; westliche Bundesländer in niedrigen Lagen
Anforderung: wasserhemmender Außenputz
 
SRB-Gruppe II: Jahresniederschlagsmenge von über 800 mm; westliche Bundesländer in höheren Lagen, Küstenregionen
Anforderung: wasserabweisender Außenputz

Schlagregenschutz und Innendämmung: Wie können Sie den Schlagregenschutz prüfen?

Einen ersten Eindruck erhalten Sie durch den Augenschein:
- ist die Außenwand grundsätzlich intakt?
- gibt es Ausblühungen aufgrund von Feuchtewanderung?
- gibt es einen Witterungsschutz?
- wie sieht das Fugenbild bei verfliesten Wänden oder zweischaligem Mauerwerk aus?
- sind Risse vorhanden, falls ja, wo und in welcher Breite?
 
Daneben brauchen Sie folgende Informationen:
- welche Putzart ist auf der Fassade?
- ist der w-Wert zweifelsfrei (Putz und oder Fassadenfarbe) bestimmbar?

Was tun, wenn Zweifel an der Schlagregendichtheit bestehen?

Sind Zweifel vorhanden, sollten Sie auf keinen Fall mit den Arbeiten an der Innendämmung beginnen, sondern zunächst die Mängel beheben oder beheben lassen, denn: Schlagregenschutz bei Innendämmung ist unabdingbar – sonst funktioniert die Dämmung nicht. Zur Not können Ihnen andere Fachleute zur Seite springen, im Bereich der Fassade sind es vor allem Stuckateure und Maler, die Ihnen bei der Beurteilung helfen können. Können Sie die Qualität des Putzes nicht bestimmen, lassen sich Probestücke auch an Prüflabore schicken. Risse im Putz (keine Setzrisse!) und schadhafte Farbbeschichtungen können Sie nach den Regeln der Technik ausbessern respektive erneuern.
 
Buchtipp:
 

Cover Innendämmung, Arbeiter"Innendämmung" ist das Handbuch für den Baupraktiker zur fachgerechten Auswahl, Konstruktion und Ausführung für die jeweils individuelle bauliche Situation.

 

 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
aus „Innendämmung – Auswahl, Konstruktion, Ausführung“ von Klaus Arbeiter

 

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