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Keller ausbauen und professionell gegen Feuchte sichern

Mit Feuchtigkeit im Keller ist nicht zu spaßen, ruft sie doch in Kombination mit bestimmten Temperaturen Schimmelpilze auf den Plan und schränkt die Nutzung der Räume erheblich ein. Im Bestand ist die aufwendige und komplizierte Sanierung von außen gewöhnlich das Mittel der Wahl, um Feuchtigkeit nicht nur langfristig aus den Räumen, sondern auch aus den Mauern zu halten. Die können bei schweren Schäden nämlich sogar ihre Tragfähigkeit einbüßen. Gerade dann, wenn ein Keller zu Wohnraum ausgebaut werden soll, ist eine professionelle Abdichtung sehr wichtig. Bei leichteren Schadensbildern gibt es aber auch etliche Maßnahmen, vor allem zur Innen-Abdichtung, die man beim Kellerausbau durchführen kann, ohne Experte zu sein.
 
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Den Keller ausbauen: Wo steht eigentlich, wie es geht?

Vorneweg direkt ein paar Worte zum Thema Regelwerke. Die Norm DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ gilt bei Streitfällen und Gutachten als Basis, bezieht sich jedoch auf Neubauten. Beim Ausbauen eines Kellerraums im Bestand funktioniert nicht immer alles wie beim Neubau, weshalb die Merkblätter der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) in diesem Fall als praxistauglicher gelten. Besonders Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Die Normenreihe DIN 18195 befindet sich zurzeit in der Neufassung ‒ im Zuge der Neuauflage Anfang 2017 könnten sich also auch Änderungen in den WTA-Merkblättern ergeben.

Eine nachträgliche Horizontalsperre, etwa über einen Blecheinschlag, ist etwas für Spezialisten, vertikales Abdichten von innen dagegen meist kein Problem. (Bild: Getifix)

Eine nachträgliche Horizontalsperre, etwa über einen Blecheinschlag, ist etwas für Spezialisten, vertikales Abdichten von innen dagegen meist kein Problem. (Bild: Getifix)

Für eine professionelle Innenabdichtung der Kellerwand mit Sperrputzen sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. (Bild: Epasit)

Für eine professionelle Innenabdichtung der Kellerwand mit Sperrputzen sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. (Bild: Epasit)

Man unterscheidet zwei Grundtypen der Abdichtung, die jedoch nicht bei jedem Gebäude (ausreichend) vorhanden und intakt sind.
 
  • Die vertikale Abdichtung schützt die Wand nach außen gegen seitlich eindringendes Wasser aus dem Erdreich. Sie besteht bei jüngeren Gebäuden manchmal nur aus einem Putz und einem Schwarzanstrich, bei Gebäuden von vor 100 Jahren fehlt sie oft ganz. Heute halten gewöhnlich pastöse Abdichtungen, etwa flexible Dichtungsschlämmen, oder Bahnen, etwa aus Bitumen, Feuchtigkeit von der Außenwand fern.
  • Die horizontale Abdichtung verhindert, dass Wasser von unten senkrecht in der Mauer (kapillar) aufsteigt. Bei älteren Kellern ist sie meist in der zweiten oder dritten Steinschicht am Boden erkennbar sowie zwischen den letzten Steinreihen vor der Decke.
Zusammen mit der Sohle ergänzen vertikale und horizontale Abdichtung sich zu einer geschlossenen Wanne, indem sie miteinander verbunden sind oder sich überlappen. Gerade für einen Keller ist dieser Feuchtigkeitsschutz durch die Wannenbildung sehr wichtig – das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man einen Keller ausbauen will.

Vertikale Abdichtung von innen

Auf lange Sicht ist bei stärkerer Feuchtebelastung immer eine nachträgliche Abdichtung von außen vorzuziehen. Sonst schreitet die Belastung des Mauerwerks, auch durch Frost und Salze, weiter fort. Auch die Wärmedämmung ist aufgrund der höheren Leitfähigkeit des nassen Mauerwerks schlechter als bei trockenen Mauern. Aber aus wirtschaftlichen oder baulichen Gründen sowie bei leichten Schäden kann eine Innenabdichtung beim Ausbauen des Kellers eine gute Idee sein, da hier das Erdreich nicht aufgegraben werden muss. Fehlende Horizontalsperren können in einem geringeren Umfang durch Injektionsverfahren ersetzt werden. Dieses Einbringen einer chemischen Schutzschicht erfordert allerdings Spezialwissen. Einfacher sind vertikale Abdichtungen anzubringen.

Bei aufsteigendem Wasser können Spezialfirmen zum Beispiel druckwasserdichte Injektionen mit Acrylat-Gel einbringen. (Bild: Getifix)

Bei aufsteigendem Wasser können Spezialfirmen zum Beispiel druckwasserdichte Injektionen mit Acrylat-Gel einbringen. (Bild: Getifix)

Mineralische Dichtungsschlämmen dienen als Sperrputze, um Wände von innen gegen seitlich eindringende Feuchtigkeit zu sichern. (Bild: Saint-Gobain Weber GmbH)

Mineralische Dichtungsschlämmen dienen als Sperrputze, um Wände von innen gegen seitlich eindringende Feuchtigkeit zu sichern. (Bild: Saint-Gobain Weber GmbH)

Sperrputze zur Abdichtung

Als Sperrputz verwendet man mineralische Dichtungsschlämmen, und zwar im Schlämm-, Spritz- oder Spachtelverfahren. Die Schichtdicken und Arbeitsgänge sind vor dem Kellerausbau auszuführen und im WTA-Merkblatt 4-6 geregelt. Sie entsprechen denen für die Abdichtung von außen. Bei Wänden und Böden im Innenbereich ist aber zu bedenken, dass das Material einer rückseitigen Wasserbelastung von 1 Bar widerstehen muss. Also auf die Herstellerangaben bezüglich einer Zulassung für drückendes Wasser sowie die WTA-Zertifizierung achten.

Vorbereitung

  • Vor dem Ausbauen des Kellers die Horizontalsperren prüfen und eventuell von Spezialisten nachträglich erstellen lassen, etwa per Blecheinschlag oder chemisch über Injektionen. Firmen findet man hier:
  • Fläche für die Abdichtung festlegen: Bis mindestens 80 Zentimeter über den Feuchtigkeitsschaden und 30 Zentimeter über die obere Horizontalsperre abdichten. Außenecken werden gebrochen, Innenecken mit einer Hohlkehle versehen.
  • Salzbelastungen beachten, um geeignetes Material auszuwählen
  • Farbschichten und alte Putze entfernen
  • Maroden Fugenmörtel zwei bis drei Zentimeter weit herausnehmen
  • Wegen der Gewährleistung ausschließlich aufeinander abgestimmte Produkte desselben Herstellers einsetzen

Beim Ausbauen des Kellers den Sperrputz schrittweise anbringen

  1. Grundierung zur Staubbindung, meist auf Kieselsäurebasis
  2. Spritzbewurf für bessere Haftung
  3. Egalisierung von Ausbrüchen und Ähnlichem durch wasserabweisenden Dichtputz
  4. Dichtungsschlämme: zwei bis drei Durchgänge, eventuell mit Zwischenverkieselungen
  5. Netzförmiger Spritzbewurf für den Oberputz
  6. Oberputz: zum Beispiel Klimaputz oder Sanierputz, in zwei Zentimetern Schichtdicke mit Nut zum Boden
  7. Feinputze und diffusionsoffene Anstriche als Abschluss möglich

Salzarm ist besser für ein gesundes Raumklima ‒ Sanierputze

Sanierputze absorbieren Salze aus der Wandoberfläche und verhindern so, dass diese an der Innenseite der Wand Luftfeuchtigkeit aufnehmen, also hygroskopisch wirken. Dafür müssen die Putze eine Schichtdicke von mindestens zwei Zentimetern haben. Sie wirken allerdings nicht unbegrenzt und müssen teilweise nach einigen Jahren erneuert werden. Gewöhnlich bestehen die Putze aus verschiedenen Komponenten, deren Verarbeitung im zugehörigen Merkblatt erklärt ist. WTA-Sanierputze gelten mittlerweile als Standard – auch beim Kellerausbau.

Bei der Abdichtung gilt: Bahnen sind schneller

Die Abdichtung über Sperrputze erfordert viele Arbeitsschritte. Leichter lässt sich mit Bahnen oder Platten abdichten, die preislich bei knapp zehn Euro pro Quadratmeter inklusive Befestigung liegen. Der Trick dabei sind genoppte Bahnen, die mit den Noppen zur Wand hin angedübelt werden und als Putzträger eine gewebekaschierte Rückseite haben. So entfällt der Spritzbewurf. Zusammen mit einem Bodenprofil belüften die Bahnen und Platten die Wand. Vorsicht jedoch bei versalzten Wänden: Die können über die Hinterlüftung weiter Luftfeuchtigkeit anziehen.
Wer sich weiterqualifizieren möchte, um auch Außenabdichtungen anbieten zu können, bekommt bei dem mehrtägigen Lehrgang „Herstellen von Abdichtungen aus kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen“ des ZDB-Ausbildungsbeirats Theorie- und Praxiskenntnisse sowie den „KMB-Schein“. Auf www.kmb-ausbildung.de stehen auch Betriebe mit Schein.

Autorin:

Dagny Moormann
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Teaserbild und Keyvisual: Isotec
 

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