Stauf Gefahr Silikose Keyvisual

Gute Arbeit staubt nicht

Wie sehen Handwerker und Handwerkerinnen aus? Sie sind kräftig gebaut und nach der Arbeit immer dreckig. Während bei dem ersten Klischee, nämlich dass Handwerker und Handwerkerinnen immer sichtbar stark sind, die meisten wissen, dass es nicht stimmt, ist das zweite Klischee weit verbreitet: Menschen, die am Bau „schaffen“, sind immer staubig.
 
Aber Baustaub in den Haaren ist kein Zeichen dafür, dass besonders viel geschafft wurde! Handwerker, die viel Staub aufwirbeln, machen höchstens viel dreckig und gefährden ihre Gesundheit: In vielen Fällen wird auf Baustellen zum Beispiel Quarzstaub in großen Mengen freigesetzt. Er setzt sich in der Lunge fest und führt zur tödlichen Silikose – früher auch als Staublunge bekannt.

Insbesondere sehr feine Stäube können tief in die Lunge gelangen und dort im schlimmsten Fall Krebs auslösen. (Abb.: BG BAU)

Insbesondere sehr feine Stäube können tief in die Lunge gelangen und dort im schlimmsten Fall Krebs auslösen. (Abb.: BG BAU)


Besen sind in Werkstätten und auf Baustellen tabu! Sie wirbeln auch feine Stäube auf, die sich somit noch weiter verteilen und leichter eingeatmet werden können. (Abb.: BG BAU)

Besen sind in Werkstätten und auf Baustellen tabu! Sie wirbeln auch feine Stäube auf, die sich somit noch weiter verteilen und leichter eingeatmet werden können. (Abb.: BG BAU)

Dabei sind es gerade die feinen Stäube, die richtig lange in der Luft verweilen (roter Punkt). So werden auch andere gefährdet, die sich nicht direkt auf der Baustelle aufhalten, zum Beispiel Bewohner. (Abb.: BG BAU)

Dabei sind es gerade die feinen Stäube, die richtig lange in der Luft verweilen (roter Punkt). So werden auch andere gefährdet, die sich nicht direkt auf der Baustelle aufhalten, zum Beispiel Bewohner. (Abb.: BG BAU)

Feiner Staub, große Wirkung

Dabei sind nicht generell alle Stäube gefährlich, auch wenn sie, einmal aufgewirbelt, die Atmung beeinträchtigen und sich in Kleidung, Haaren und der Nase festsetzen. So einiges, was wir täglich einatmen, wird einfach wieder ausgehustet.
 
Gefährlich wird es zum einen dann, wenn sich Schadstoffe in Stäuben befinden, die der Körper nicht einfach wieder abtransportieren kann. Auf der Baustelle können das Inhaltsstoffe von ansonsten ungefährlichen Bauprodukten sein, oder Schadstoffe, die sich noch in alten Bauteilen befinden.
 
Eine große Gefahr geht vor allem von Stäuben aus, die Alveolengängig sind (A-Stäube). Das bedeutet, dass diese Stäube in die Lunge gelangen und dort in die Lungenbläschen (Alveolen) eindringen. Einmal eingeatmet (siehe Grafik) setzen sie sich dort fest und können im schlimmsten Fall mittel- oder langfristig Krebs auslösen. Zu nennen sind vor allem Quarzstäube, die bei vielen Bautätigkeiten freigesetzt werden und natürlich Asbest. Jüngeren Erkenntnissen zufolge befindet sich Asbest nicht nur in den bekannten Asbestprodukten, sondern wurde aufgrund seiner Eigenschaften früher flächendeckend Putzen, Spachtelmassen, Klebern und auch Wandfarben zugesetzt. Der in der Sanierung tätige Handwerker von heute setzt sich also, das gilt als gesichert, häufig Asbeststäuben aus!

Was tun gegen Staub auf der Baustelle?

  • Immer mehr Hersteller entwickeln Produkte, die verhindern, dass Staub überhaupt entsteht, weiterverbreitet wird (auch Bewohner sollten geschützt werden), oder dass er in die Lunge gelangen kann. Intelligente Produkte, die gegen Staub helfen, finden sich hier. 
  • Saugen, saugen, saugen und die Luft sauber halten: Auf Baustellen sollten immer Staubsauger zum Einsatz kommen. Dabei gilt es, den Staub mit Geräteabsaugungen möglichst schon bei der Entstehung abzufangen. Staub, der dennoch auf die Baustelle gerät, sollte mit einem Sauger mindestens der Staubklasse M entfernt werden.
  • Gefahren, die von asbesthaltigen Produkten ausgehen, müssen ernst genommen werden! Dabei ist das enthaltene Asbest leider unsichtbar. Hier finden Sie Hinweise zum Umgang mit einem Asbestverdacht und zu potenziell gefährlichen alten Baustoffen.
  • Mitgliedsbetriebe der BG BAU bekommen Informationen und finanzielle Hilfen zur Staubvermeidung von der Berufsgenossenschaft. Nicht in der BG BAU? Die Genossenschaft bemüht sich nach eigener Aussage auch Nicht-Mitglieder zu unterstützen. Im Zweifelsfall raten wir: Versuchen Sie es einfach!

Drohen bei zu viel Staub auf der Baustelle rechtliche Konsequenzen?

Staub ist die Ursache vieler Berufskrankheiten, meist mit Todesfolge. Deshalb wurden die rechtlichen Konsequenzen für Betriebe, die Staubgrenzwerte nicht einhalten, deutlich verschärft und es finden flächendeckendere Kontrollen statt!
 
Die Grenzwerte für Staub an Arbeitsplätzen sind deutlich gesunken: Für A-Stäube gilt seit 2014 ein Grenzwert von 1,25 mg/m3. Zum Vergleich: Ein Zuckerwürfel wiegt in Deutschland circa 3 Gramm. Für Quarzstaub liegt der Grenzwert seit 2015 bei nur noch 0,05 mg/m3!
 
Wer die Grenzwerte überschreitet, dem wird nach der Kontrolle jegliche weitere Tätigkeit auf der betreffenden Baustelle untersagt. Bevor es weitergehen kann, muss nachgewiesen werden, dass entsprechende Schutzmaßnahmen und Absaugeinrichtungen angeschafft wurden und zum Einsatz kommen. Bis diese angeschafft sind, wird jeder Bauherr die Nerven verloren haben, der Betrieb ist den Job los und wird bei Forderungen des Bauherrn auch vor Gericht den Kürzeren ziehen!
 
Fazit: Es ist einfacher, gesünder und kostengünstiger vor einer Baumaßnahme  die notwendigen Schutzeinrichtungen anzuschaffen oder zu leihen.

Besonders hohe Staubbelastungen entstehen zum Beispiel bei:

  • Stemm-, Schleif-, und Fräsarbeiten,
  • Putzarbeiten,
  • Abschlagen von alten Putzen,
  • Anrühren von Trockenmörteln,
  • Stahlarbeiten,
  • Allgemein bei Umbauarbeiten.
Das Thema Staub und Schadstoffe auf der Baustelle wird  in B+B BAUEN IM BESTAND und auf der zugehörigen Internetseite regelmäßig behandelt.

Autorin:

Pauline John
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: iStock
 

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