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Kleb- und Dichtstoffe: So passen sie perfekt

Die Vielfalt der am Markt erhältlichen Kleb- und Dichtstoffe setzt einiges an Sachkenntnis und Erfahrung bei der Auswahl des geeigneten Produkts voraus. Die unterschiedlichen Eigenschaften der 4 gängigen Klebstoffgruppen Silikone, Hybride, Acrylate und Polyurethane (PU) erläutern wir in diesem Artikel.

Hochleistungsfähige Klebstoffe ersetzen zunehmend mechanische Verbindungstechniken. Diese Klebstoffe müssen ein auf die jeweilige Montageaufgabe abgestimmtes Leistungsprofil aufweisen. Wenn Sie aus den angebotenen Produkten den für seine spezielle Anwendung perfekten Klebstoff herausfiltern wollen, müssen Sie nicht nur die unterschiedlichen Leistungsprofile kennen, sondern auch berücksichtigen, wie sich der jeweilige Klebstoff unter Praxisbedingungen verhält.

Silikonklebstoffe: Flexibel und belastbar

Silikonklebstoffe zeichnen sich einerseits durch ihre hohe Elastizität aus, andererseits durch ihre Unempfindlichkeit gegenüber Wasser und Feuchtigkeit, UV-Strahlung, Temperaturschwankungen, chemischen Einflüssen und Alterung.

Damit eignen sie sich ideal für Anwendungen, an denen andere Klebstoffe scheitern: an Glasfassaden im Freien, in Sanitärbereichen und sogar unter Wasser oder bei extrem hoher Temperaturbelastung, wie im Backofenbereich. Ihr hohes Rückstellvermögen macht sie zusätzlich zum Klebstoff der Wahl, wo Bewegungen auf die Klebestellen einwirken können. Dort haben sie ausgleichende Eigenschaften, was dazu führt, dass die Klebestelle auch bei Schub-, Scher- und Druckkräften nicht beschädigt wird und nach der Belastung wieder in die Ausgangslage zurückkehrt. Das ist ideal z. B. für die Klebung im Glas- und Fensterbau, wo die Klebepartner sich aufgrund von Temperaturschwankungen unterschiedlich stark ausdehnen.

Hybridklebstoffe: Zwischen zwei Welten

In Bereichen, in denen Silikon nicht zur Anwendung kommen soll, gelten Hybridklebstoffe als elastische Alternative mit ähnlichen spannungsausgleichenden Eigenschaften – auch, wenn sie hohen Temperaturen nicht so gut standhalten, wie Silikon. Hybridklebstoffe sind ebenfalls sehr kerb fest und weisen eine hohe Weiterreißfestigkeit auf. Durch ihr gutes Haftungsspektrum selbst bei Wasserbelastung und die gute UV- und Witterungsbeständigkeit eignen sie sich für Klebungen im Innen- wie im Außenbereich und sind gut anstrichverträglich.

Hybridklebstoffe haben sich in der Zwischenzeit in vielen Anwendungen etabliert. Die genaue Bezeichnung der Polymerbasis ist „Silanterminiertes Polymer“ oder kurz STP. Wie bei den Polyurethanklebstoffen erfolgt die Aushärtung der Hybridprodukte durch die Reaktion mit Feuchtigkeit. Hybride sind frei von Isocyanaten und zeichnen sich durch hohe Festigkeit in Kombination mit hoher Elastizität aus.

Hybriddicht- und klebstoffe haften ohne Grundierung auf vielen Untergründen.

Acrylatklebstoffe: Die günstige Alternative

Acrylatklebstoffe auf Dispersionsbasis sind überstreichbar und zeichnen sich darüber hinaus durch eine gute Klebfestigkeit aus. Aber schon ihre UV-Beständigkeit ist verhältnismäßig gering und noch viel geringer sind ihre Temperatur- und Witterungsbeständigkeit, ebenso wie ihre spannungsausgleichenden Eigenschaften. Da Acrylatklebstoffe auf Wasser basieren, sind sie im nicht ausgehärteten Zustand frostempfindlich. Schließlich schränkt auch die Tatsache, dass sie stets einen saugfähigen Klebepartner benötigen, ihr Einsatzspektrum ein. Vorzugsweise in Innenräumen ist die Gruppe der Acrylat-Klebstoffe jedoch eine kostengünstige Alternative zu den übrigen Klebstoffen.

PU-Klebstoffe: Unschlagbar in punkto Haftkraft

Strukturelle PU-Klebstoffe sind für Profis die Klebstoffgruppe der Wahl, wenn eine kraftschlüssige Klebung mit höchster Klebfestigkeit gefragt ist. 1K-PU-Klebstoffe schäumen bei der Anwendung leicht auf, füllen damit kleine Hohlräume unebener oder rauer Oberflächen und bieten damit optimale Haftungsvoraussetzungen.

Nach der Aushärtung können sie problemlos geschliffen und überstrichen werden. Wegen ihrer geringen UV- und Temperaturbeständigkeit und der eingeschränkten Witterungsbeständigkeit sollten sie nur für Innen- und vor Wasser geschützten Außenanwendungen genutzt werden.

Am Markt gibt es eine Fülle von unterschiedlichen Dicht- & Klebstoffen, die jeweils spezifische Eigenschaften besitzen. Bild: Otto-Chemie

Am Markt gibt es eine Fülle von unterschiedlichen Dicht- & Klebstoffen, die jeweils spezifische Eigenschaften besitzen. Bild: Otto-Chemie

Produkte und ihre Merkmale.
Bild: Otto-Chemie

Produkte und ihre Merkmale.
Bild: Otto-Chemie

Eigenschaften der jeweiligen Klebstoffgruppen. 
Bild: Otto-Chemie

Eigenschaften der jeweiligen Klebstoffgruppen.
Bild: Otto-Chemie

Spiegelklebung

Spiegel bestehen üblicherweise aus Flachglas, das rückseitig mit Metall bedampft ist. Der Spiegel-Effekt hängt von den Eigenschaften des reflektierenden Metalls ab. Jedes Metall hat ein individuelles Reflexionsvermögen, das bei unterschiedlichen Wellenlängen variiert. Bei der Fertigung wird das Glas beispielsweise mit Gold, Silber oder Aluminium bedampft. Sollen Spiegel durch Kleben montiert werden, darf der verwendete Klebstoff diese hauchdünne Metallschicht nicht angreifen. Mit „Ottocoll S 16“ stellt Otto-Chemie beispielsweise einen Silikonklebstoff zur Verfügung, der garantiert nicht korrosiv wirkt und mit dem der Spiegel sicher auf den meist vorzufindenden Untergründen – Beton, Putz, Mauerwerk, Gipskarton, Porenbeton oder unbehandelte Holzwerkstoffe – befestigt werden kann.

Allerdings müssen mineralische Untergründe ausnahmslos vorbehandelt werden: Grund hierfür ist nicht nur die Haftverbesserung, sondern auch die unbedingt notwendige Absperrung der Alkalität. Nicht abgesperrte Alkalität kann in Verbindung mit Feuchtigkeit unter Umständen zur Beschädigung der Spiegelrückseite führen. Die vorherige Fixierung mit einem Fixierband erleichtert die Montage und sorgt für einen definierten Zwischenraum und damit für die erforderliche Schichtstärke der Kleberaupen.

5 Kollegen zum Kleben

Für Profi-Verarbeiter am Bau bietet Otto mit den „5 Kollegen zum Kleben“ für verschiedene Anwendungen den passenden Klebstoff an. Ihre spezifische Stärke erkennt man am Namen: „KraftMax“ sorgt für hochfeste Klebeverbindungen, „FixFritz“ für schnelle Fixierungen, „AllBert“ ist der Universalklebstoff für Hoch-leistungsklebungen und „RakelRalf“ ideal für flächige Klebungen. Mit „KlarKarl“ lassen sich glasklare Klebungen vieler saugender und nichtsaugender Materialien wie Glas, Fliesen, Naturstein, Putz, Beton, Ziegel, Kork oder Holz ausführen. Eine neue Rezeptur erweitert das Anwendungsspektrum des kristallklaren Hybrid-polymerklebstoffs: Neben vielen Metallen können nun auch weitere Kunststoffe wie PVC hart, Acrylglas und GFK mit „KlarKarl“ geklebt werden. War der transparente Klebstoff bisher nur für Innenräume geeignet, so kann er jetzt auch im Außenbereich verwendet werden. Optimiert wurden zudem die Verarbeitungseigenschaften: Der Klebstoff zeichnet sich durch einen deutlich kürzeren Fadenzug, einen festeren Body sowie eine verkürzte Durchhärtungszeit aus.

Autoren:

Harald Krewinkel, Ingenieur für Architektur und Bauingenieurwesen, Produktmanager für Marktsegment Glas/Fenster/Fassade/ Türen/Tore und konstruktiven Glasbau bei Otto-Chemie.

Andreas Murt, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH), Produktmanager für den Bereich Fliese Naturstein sowie Innenausbau bei Otto-Chemie.

 

Keyvisual und Teaserbild: Otto-Chemie

 

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